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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-06 · Heft 18 (6.5.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 6. Mai 1910 u.^.km» Oemeindeüote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". KorrrlpanÄrnHM und Kschrichten. - Deutschland. *** Berlin, 3. Mai. Die Nummer II der Wochenschrift „Die christliche Welt" enthält einen ausführlichen Bericht über eine Mrssionsversammlung, -die vom 11. bis zum Io. Oktober b; I. in Herrenhut getagt hat.. Dieselbe vereinigte über 250 Vertreter der 22 Missionskonserenzen und vieler evangelischer Missionskreise aus allen Teilen Deutschlands. Wie aus dem Bericht, dessen Einzelheiten uns weniger interessieren, ersichtlich ist, „seufzen die Missionsgesellschaften bei einer Jahreseinnahme von acht bis neun Millionen unter der Last von über einer Million Defizit". Daß von dieser kolossalen Jahreseinnahme große Summen zum Zwecke der Judenbekehrüng verwendet werden, ist bekannt. Weniger bekannt aber ist es, daß man in christlichen Kreisen gegen die leichte Art der Judentaufen zu eifern beginnt. Wenigstens geht dies aus einem Passus des Berichtes hervor, den wir hier wörtlich folgen lassen: „Ein anderes für alle Missionsarbeit sehr bedeutsames Problem berührte Professor Heman (Bafel) in seinem gedankenreichen Vortrag über „Der Christen Missionsarbeit für die religiöse Wiedergeburt des jüdischen Volkes." Obwohl er die konfessionellen Sonderungen innerhalb der Christen, heit als vollkommen berechtigt, ja notwendig hinstellte und sich selbst durchaus zur konfessionellen Richtung seiner reformierten Kirche bekannte, lehnte er doch mit großer Entschiedenheit die vielfach geübte Praxis als verkehrt ab, den Juden das Evangelium in den durch bestimmte philosophische Systeme normierten dogmatischen Lehrsätzen der christlichen Konfessionen darzubieten. Dieser zunächst mit Beziehung aus die Judenmission überzeugend ausgeführte Grundgedanke verdient ebenso auch für die Praxis der Evangeliumsverkündigung in der Heidenmission volle Beachtung, wie auch von einigen der anwesenden Missionare auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen und Be. obachtungen bestätigt wurde." Die Erfahrungen mit den jüdischen Täuflingen scheinen also nicht die allerbesten zu sein. Nun, wir gönnen den Proselytenmachern die Früchte ihrer Bekehrungstätigkeit. *** Berlin, 2. Mai. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhielt aus Kiew ein Telegramm vom 29. April nachmittags 2 Uhr, in dem mitgeteilt wird, daß die für den 28. April festgesetzten Ausweisungen von 1200 jüdischen Familien aus Kiew am 28. April nicht stattgefunden haben. Die Ausweisungen sind vorläufig auf. geschoben worden und zu geringem Teile ausgehoben. Nichtsdestoweniger ist die Panik unter den betroffenen Juden in Kiew, da ihr Schicksal nach wie vor ungewiß bleibt, sehr groß. J. Berlin, 2. Mai. Der bekannte Verein „Esra — zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien", der Anfang des vorigen Jahres das Jubiläum seines 25 jährigen Bestehens in aller Stille begangen hat. versendet soeben eine Festschrift, die ein interessantes Bild seiner Wirksamkeit, seines Werdens, Wachsens und Fortschreitens bietet. Der Verein ist am 26. Januar 1884 zu dem ausgesprochenen Zwecke, den armen be. drängten Kolonisten Palästinas Hilfe zu bringen und Mittel zu beschaffen, die eine gedeihliche Fortentwicklung ihrsr Kolonien herbeiführen sollen, gegründet worden. Diesem Programm ist der „Esra" in den 26 Jahren seines Bestehens treu geblieben. Er ist einer der ältesten Vereine, der die praktische Gegenwartsarbeit in Palästina auf seine Fahne geschrieben hat, schon zu einer Zeit, als Vereinigungen gleicher Art noch nicht vorhanden waren. Allerdings hat sich seine Tätigkeit als Kolonisationsverein gegenüber den großen Ausgaben, die ein solcher gerade in Palästina vorfindet, in verhältnismäßig engeren Grenzen halten müssen. Aber dennoch hat die feste Treue seiner Mitglieder, deren Anzahl vor dem Beginn von Bewegungen zu gleichem Ziele bereits auf 5000 gestiegen war und auch jetzt noch 4000 beträgt, es dem Vereine ermöglicht, sehr Anerkennenswertes durch direktes Eingreifen zu leisten. Es sind verhältnismäßig hohe Summen, die er dem palästinensischen Kolonisationswerk zugewendet hat. Die Einnahmen beliefen sich in den ersten 25 Jahren seines Bestehens auf gegen 230 000 Mark, von denen die jüdischen Kolonien Esra, Machnajim, Kastinje, B'ne Jehuda, Mischmar-Haj arden Jessud-Hamaloh und Pethach-Tikwa.h Unterstüstungen im Laufe der Jahre erhielten. Bedeutungsvoller noch als diese finanziellen Leistungen war dasjenige, was der „Esra" indirekt durch seinen Einfluß bei den großen Kolonisationsgesellschaften, insbesondere bei der Israelitischen Kolonisations-Assoziation, für die Kolonisationsarbeit in Palästina erwirkt hat. Auch verdient es ferner hervorgehoben zu werden, daß er sehr wesentlich dazu beigetrageu hat, den palästinensischen Produkten den deutschen Markt zu erobern. Diesem Zwecke dienten die vom Verein Esra veranstalteten Ausstellungen palästinensischer Produkte in Berlin, Breslau. Hamburg. Köln und Frankfurt a. M. Ein bedeutsames Werk wurde'bekanntlich gleichfalls auf Initiative und Betreiben des „Esra" vollbracht: die Begründung des Pariser „Comite Central der Hobabe-Sion", dem sich außer dem Verein Esra noch das Odessaer Komitee, die Vereinigten Chowewe-Zion in England, später noch der Verein „Ahawath Zion" in Tarnow und die auf Betreibung des Pariser Komitees begründeten Kolonisationsvereine in Paris, Kopenhagen und Zürich angeschlossen haben. Ziel und Zweck des Zentralkomitees, an dessen Spitze neben dem verewigten Grand Rabbin Zadoc Kahn s. A. die Herren Narziß Leven, der Präsident der Alliance und der Jka, sowie Emil Meyerson, Direktor der Jka für Rußland und Palästina standen, war, sämtliche bestehende und von ihm (dem Koinitee) noch weiter zu begründende Kolonisations- Vereine zum gemeinsamen Handeln in Palästina zu vereinen. Die erste Tat dieses Komitees war die Begründung der Kolonie Kastinje, die als jüdische Musterkolonie gedacht wurde, auch die Begründung einer galizischen Kolonie in Machnajim wollte man in Aussicht nehmen, und schließlich sollte auch die Kolonie B'ne Jehuda saniert werden. Der „Esra" hat sich bei all diesen Unternehmungen des Pariser Zentralkomitees als die treibende Kraft bewährt. Eine eingehendere Darlegung der umfassenden Wirksamkeit des „Esra" für alle jenen, jetzt blühenden landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina wie die Entwickelungsgeschichte derselben, besonders auch der Kolonien Rischow Lezion, Pethach - Tikwah sowie der jüdischen Kolonien im Kreise Liberias usw. finden wir in der mit schönen Illustrationen reich ausgestatteten und eine Fülle von Material enthaltenden Festschrift. Ein besonderes Kapitel ist auch der jüdischen Arbeiterfrage in Palästina gewidmet, aus dem zu ersehen ist, an welchen Umständen es lag, daß eine gedeihliche Entwickelung der Arbeiterfrage in Palästina lange Zeit gehemmt wurde.-Schließlich bietet auch das der Festschrift beigegebene Mitgliederverzeichnis einen interessanten Einblick, wie weit verbreitet in allen Gauen unseres Vaterlandes der Gedanke des Esra ist. Seiner Tradition getreu hat der „Esra" allezeit auf dem Boden praktischer Gegenwartsarbeit gestanden und seine segensreiche Tätigkeit, ohne viel Aufhebens in der großen Oeffentlichkeit zu machen, eutsaltet. Nicht in großem breiten Nahmen, aber in zielbewußter erfolgreicher Arbeit. Die Männer, die zurzeit im Zentralkomitee des Esra sitzen und zum Teil lange Jahre in ihm und für ihn gewirkt haben, bieten die Gewähr, daß die Arbeit.des Vereins auch in Zukunft eine von gleicher Zielbewußtheit und segensreichem Erfolg begleitet sein wird. Die Leitung des „Esra" liegt in diesem Jubiläumsjahr in den Händen der Herren Rittergutsbesitzer Moritz Dorn, Konsul a. D. Julius Friedemann-, Dr. Moritz S ober« heim, Dr. David Caspari, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Isidor Ginsberg, Dr. Hirsch Hildesheimer, Berthold Israel, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. L. Landau, Professor Dr. Eugen Mittwoch, Willibald Löwenthal. Dr. Paul Nathan, Dr. Paul Schottländer>Breslau und Professor Dr. O. Marburg. 8. Berlin, 29. April. Die Religionsschule der hiesigen Israelitischen Synagogengemeinde (Adass Jisroel) hat soeben

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