Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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die Gemeinderäte Dr. Mittler und Dr. Hein, der erste- Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Landesschulrats Dr. Gustav Kohn mit den Mitgliedern, des Kultusvorstandes, die überlebenden Gründer des Vereins Dr. Bloch und Dr. Pins, sowie zahlreiche Delegierte von Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche u. a. eingesunden- Präsident Sigmund Mayer begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten und führte aus, daß die „Union" eigentlich keine Ursache habe zu jubilieren, denn der Bestand eines solchen Vereines, welcher für eine. bestimmte Klasse -von Staatsbürgern Rechtsschutz üben müsse, sei eine Schande für das Land, in dem ein solcher Verein notwendig geworden ist. Hierauf hielt Universitäts- Professor Dr. S. Ehrm ann die Festrede. Er schilderte, wie im Sturme des Jahres 1848 auch hervorragende österreichische Inden an dem Kampfe um die moderne Staatsverfassung teilnahmen. Dem kurzen Traume, von Gleichberechtigung und.Freiheit folgte dann ein schmerzliches Erwachen. Wieder sind die Juden fast von allen öffentlichen Rechten ausgeschlossen, aber ein wichtiges Recht, das der Freizügigkeit. ist ihnen geblieben. Die Situation ändert sich in dieser Beziehung auch dann noch nicht, als durch den Gnadenakt des Monarchen dem Volke eine Verfassung gegeben wird, bis endlich auch die letzte Spur der gesetzlichen Unfreiheit fällt und die Staatsgrundgesetze erfließen. Nun erst streckt sich den Juden die Hand der übrigen Staatsgenossen entgegen, denn die Prinzipien, auf Grund derer der Kampf um die Freiheit geführt wurde, hatten eine einigende Kraft. Das Bürgertum hätte seinen eigenen Boden unterwühlt, wenn es nicht die Gleichheit aller Bürger ohne Unterschied seiner Abstammung und seines Bekenntnisses zur Richtschnur seiüer Handlungen hätte nehmen wollen. Eine Aenderung in der liberalen Anschauung wird jedoch von außen suggeriert. Das gewaltige Ringen zwischen Deutschland und Frankreich wird .zu einem Rassenkriege gestempelt, und der Erfolg des Krieges festigt im Deutschen Reiche die Vorstellung von dem außerordentlichen Werte und der Bedeutung der sieghaften Rasse. Bismarck benutzte den latenten Antisemitismus der großen Massen für seine politischen Ziele, und mit Windeseile verbreitet sich die neue Lehre durch das Deutsche Verloren ist die Gesundheit leichter als wiedergewonnen. Wer gesund werden und bleiben will, der muß vor allem seine Lebensweise ^danach einrichten. — Durchaus unschädlich, dabei wohlschmeckend und außerordentlich billig ist der seit 20 Jahren bewährte Kathreiners Malzkaffes. Vorsicht vor Nachahmungen! Kathreiners Malzkaffes ist -nur echt in geschloffenen Paketen mit Bild des Pfarrers Kneipx. K&lser^ Kindermehl 4%, 9ibt rv£ verdaut unlöslicheKoMenhydrate! sterilisiertes Kindermehl ist das löslichste und somit das Zuträglichste für gesunde und lranke Säuglinge. 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Die „Union" mußte die Verfechtung der politischen und staatsbürgerlichen Rechte der Juden ganz in eigens Regie übernehmen. Zum erstenmal trat der Jude politisch organisiert feinem Gegner, nicht gedeckt durch den breiten Rücken einer mächtigen Persönlichkeit, sondern von Angesicht zu Angesicht gegenüber, fest und ruhig, nicht flehend, sondern auf fein Recht pochend. Den selbstbewußten, aufrechten Männern, die in diesen 25 Jahren an der Spitze der „Union" gestanden, gebührt der Dank der österreichischen Juden. Sie haben die Zugehörigkeit zur Kulturgemeinschast jener Völker, ipiter denen wir leben, betont, und diese Gemeinschaft legt wie die Staatsbürgerschaft und die Zugehörigkeit zu einer Nation Pflichten und Rechte auf; Pflichten, den Besitz an Kulturgütern zu heben und zu bewahren und weiter auszubilden. Dieser Pflicht sind die österreichischen Inden im Westen nndOsten, im deutschen, slavischen und romanischen Knlturgebiete reichlich nachgekommen. Sie können und müssen aber auch verlangen, daß ihnen die hieraus fließenden Rechte, .die geschriebenen und ungeschriebenen, zuteil werden. Diesem Grundsätze entsprechend, hat die „Union" gewirkt und geschaffen. Aber es harren ihrer auch in Zukunft große Aufgaben. Es wird auch unserem vielgeprüften Vaterlande endlich der große Friedensstifter entstehen, und daß in diesem großen Friedensschlüsse die Rechte und legitimen Interessen der Staatsbürger jüdischen Glaubens in allen Sprach- und Wirtschaftsgebieten gewahrt werden, ist eine der wichtigsten Aufgaben, welche auch der „Union" zusallen werden. Sie wird damit nicht nur zur Erhaltung des wirtschaftlichen Friedens beitragen, sondern das wohlverstandene Interesse des Staates und der Völker, dem die Juden als treue Speiminum- V ■ poeia l bewirkt physiologische Oxydation der im Körper angesammelten Ermüdungs» _ _ toxine, regt die Gewebsatmung an, daher die von ersten Klinikern erzielten Erfolge bei Stoffwechselkrankheiten, Nervenu. 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