Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-04-29 · Heft 17 (29.4.1910) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 17 (29.4.1910)
Date
1910-04-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228925--66456-3278593
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

^--^"^MU^WWNWKWVM^WWDWK^DW88VKWMWFWNWkMM8MM?WUN^W^M?^MMW>^ , - 2 -— Frauen zur Bekämpfung des Mädchenhandels, Itün^.-' -FrLülM Werner gab einen Bericht, was der I. F. B. bisher zum Schutze von jüdischen Frauen und Mädchen getan hat. Anträge des Bundes für die Konferenz in London waren: 1.. Abfassung und Herstellung eines internationalen Flugblattes, um Männer und Frauen zur 'Mitarbeit heranzuziehen. 2. Die Konsulate aufzufordern, die Kosten für Depeschen usw. im Interesse ihrer Untertanen tragen zu wollen: 3. Die Anstellung eines bezahlten Agenten in Galizien, in Rumänien, in allen gefährdeten Ländern, zu veranlassen. Für die im Mai in Madrid stattfindende Tagung des National-Komitees zur 1 Bekämpfung des Mädchenhandels ist Fräulein Pappenheim delegiert. Die Delegiertenversammlung des Jüdischen Frauenbundes -wurde für München in den Weihnachtsferien festgesetzt. An Stelle, der verstorbenen Frau Blumberg. Dessau, wurde Frau Jusiizrat Paula Ollendorff, Breslau, vom Vorstand kooptiert; die Bestätigung bleibt der Delegiertenversammlung Vorbehalten. Es folgte alsdann die Besprechung der Anträge für die Telegiertenversammlung in München. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde beschlossen, der Anfrage Nürnberg nachzukommen und zum Zwecke des - Schutzes an den Bahnhöfen ein sichtbares Erkennungszeichen für die Vertrauens- Person^ zu'schaffen, und zwar ein Schild mit einem Magen David, in dem in deutlicher Schrift' „Jüdischer Frauenbund" zu lesen ist. Ebenso wurde eine Statutendurchsicht und die Eintragung des Bundes als juristische Person beschlossen. - Der Bericht schließt mit den Worten: Es regt sich an allen Enden, die jüdischen Frauen begreifen, daß sie ein wertvoller Einschlag in der jüdischen Kulturentwicklung bedeuten, und daß der jüdische Frauenbund eine Notwendigkeit ist. IV. Posen, 22. April. Die Repräsentantenversammlung beriet am 17. April den Gemeindehaushalt für 1910/11. Der Vorstand hattet für das lausende Jahr die Erhebung eines Steuersatzes von 55 Prozent der Staatseinkommensteuer vorgeschlagen. Die Nepräsentantenversammlung nahm an dem Haushalt verschiedene Aenderungen und Streichungen vor und setzte den pro 1910/11 zu erhebenden' Steuersatz auf 48 Prozent fest. Die Erhöhung des Steuersatzes istdadurch bedingt, daß indem Haushalt die erste Rückzahlungsrate der für den Tempelbau' der Neuen Synagoge ausgenommenen Anleihe nnt 7 700 Mark, die Deckung eines Defizits aus dem Vorjahre mit 5000 Mark und Mehraufwendungen für das jüdische Krankenhaus mit 3060 Mark-einzusetzen waren. — Breslau, 19.-April. Die Religions-Unterrichtsanstalt der Synagogengemeinde versendet den 60. Jahresbericht über das^ Schuljahr 1909/1910, erstattet von dem Dirigenten der Anstalt Dr. Rosenthal: Die Organisation unserer Unterrichtsanstalt hat gegen das Vorjahr lediglich eine Veränderung erfahren, daß vom 1. Juni ab die Stundenzahl der Selekta und des Fortbildungskursus der Knaben um eine vermehrt wurde. Es stellte sich nämlich die Notwendigkeit heraus, den Geschichtsunterricht, der bisher in der 0 I endigte, auch in diesen Klassen fortzuführen. So erhalten denn Selekta und Fortbildungskursus eine Stunde Geschichtsunterricht in Kombination. Mit Schluß des vorigen Schuljahres schied Herr Paul Weißmann aus dem Lehrerkollegium, dem er als Hilfslehrer seit Ostern 1904 angehört hatte. Seine Stunden wurden von dem Kollegium übernommen. Zu Beginn des Wintersemesters trat Herr cand. phil. Reinhold Lewin als Hilfslehrer in das Lehrerkollegium ein. Am 1. Januar verließ uns Herr Dr. Kahlberg infolge seiner Berufung nach Halle als Rabbiner der dortigen Synagogengemeinde. Vom 1. Februar 1906 bis Ostern 1906 hatte er vertretungsweise die Stunden des Herrn Dr. Kober übernommen, um sodann als Hilfslehrer von Ostern 1906 bis Januar 1910 unserer Anstalt seine Kräfte zu widmen. Er hat durch pädagogisches Geschick und liebevolle Hingebung an seinen Beruf gute Erfolge erzielt und durch sein ernstes und liebenswürdiges Wesen sich die Liebe, Achtung und Wertschätzung wie seiner Schüler so auch seiner Kollegen erworben. Seine Stunden wurden von Herrn Lew in und von den neu ins Kolligium eintretenden Hilfslehrern Herren Dr. de Haas und Dr. Gelles übernommen. Unser Kollegium hat auch den Tod eines ehemaligen Mitgliedes zu beklagen. Am 18. Januar d. I. starb in Budapest Herr Simon Gradenwi.tz im Alter von 83 Jahren. Vom Beginn des Jahres 1869 bis zum J. Juli 1897 gehörte er unserer Unterrichtsanstalt an. Als Siebzigjähriger Mat evf inden .wohlverdienten Ruhestand'. Seine weiteren Lebensjahre verbrachte er in Budapest. Dem trefflichen und liebenswürdigen ManNo und -Lehrer wird: vgn seinen zahlreichen Schülern wie von Freunden und Kollegen ein gesegnetes Andenken bewahrt bleiben. Die "'GesamtMN'''^"TWler''ünV Schülerinnen, die im Laufe des Berichtsjahres äydem ^Unterricht teilgenvmmen haben, beträgt' 561: '. . : 1 0. W. Landsberg a. W., 19.: April. Ein Bericht über eine hierorts seltene und eigenartige Feier, welche am 10. d. M. ans einem Gutshose in der Nähe unserer Stadt veranstaltet wurde, wird für die Leser Ihrer werten Zeitung von Interesse sein-. Ein jüdischer Offizier in preußischen Landen,schönmn sich eine ausfallende Ers Meinung, in der schmucken .Uniform seines Regiments und den Erinnerungsmedaillen an der Brust, steht.mit der Erwählten, der anmutigen Tochter eines angesehenen.Gutsbesitzers unter der Chuppa. Die Eltern der Braut sind Protestanten, welche eingewilligt hatten, daß ihre Tochter Jüdin werde, damit sie den Bund fürs Leben mit dem kaiserlich-königlichen Rechnnngsoffizial.Herrn Adolf Neichenb.erg aus Lemberg schließen könne. —. Das. junge Paar hatte sich in Karlsbad kennen und lieben gelernt und hatte in treuer Ausdauer alle Schwierigkeiten überwunden, die sich seiner Vereinigung in den Weg gestellt. Die Braut hatte in Berlin die . Aufnahme, in die jüdische Glaubensgemeinschaft erwirkt, damit, die Ehe nach jüdischem Ritual vollzogen werde und die religiöse, Weihe.erlange. .Der feierliche, religiöse Trauakt fand am 10. . April d. I. in. Wozhollander im Hause der Bräuteltern, nach vorangegangener, standesamtlicher Trauung — streng nach dem jüdischen Ritual — statt. Die Trauungszeremonie wurde vom hiesigen Rabbiner Dr...Elsaß vollzogen, der in seiner ergreifenden Ansprache das Paar an seine Pflicht mahnte, und die Braut als „Schwester" willkommen hieß, welche besonders dazu berufen sei, kraft,'ihrer Erziehung und ihrer gewonnenen Erkenntnis die Verkennung und die Vorurteile zu beseitigen, welche die Angehörigen der verschiedenen Konfessionen trennen und scheiden. Die Trauungsfeier.' hatte nicht nur die.Beteiligten tief ergriffen, sondern auf alle Anwesende einen.erhebenden Eindruck gemacht. Für den Fernstehenden war es ein wahrhafter Kiddusch Haschern, den dieser Akt und die Art der Feier auf dem Gutshofe eines preußischen Gutsbesitzers hervorgerufen. : s . : . — Stuttgart, 21. April. Den Räbbinat.en Württembergs brachte dieser Tage eine Zuschrift der „Freien Vereinigung für.die Interessen des orthodoxen Judentums" eine eigentümliche „Ueberraschung". Die Vereinigung teilt da nämlich mit, daß sie beim preußischen Kriegsministerium Urlaub: für die israelitischen Soldaten über die Passahtage erwirkt-habe und hiervon . auch .den Kr.iegsministerien von Bayern, Sachsen. und : Württemberg Mitteilung gemacht worden sei. Für Württemberg war dergleichen nun allerdings nicht notwendig, da das Stuttgarter Stadtrabbinat, eben der von der orthodoxen Vereinigung in neuerer Zeit ob seiner gewissenhaften Rechtlichkeit auch der Stuttgarter. Orthodoxie gegenüber arg angefeindete Kirchenrat Dr. Kroner, schon seit vielen Jahren alle mögliche religiöse Berücksichtigung der israelitischen Mannschaft mit Erfolg erwirkt. Der Erlaß des preußischen Kriegsministeriums ist vom 15. April datiert und bereits am 10. April, verfügte das Generalkommando des Württembergischen Armeekorps, daß aus Ansuchen des Stuttgarter Stadtrabbinates, die Beurlaubung über die Paffahtage bewilligt sei und schon am 11., wurden alle Rabbinate des. Landes hiervon verständigt. Jahr um Jahr bei allen Festtagen hat das Stadtrabbinat von Stuttgart solche Berücksichtigung erwirkt, die sich sogar auf die Aufschiebung der.: Einberufung der. Reservisten und-Landwehrleute wegen der Festtage erstreckte. Freilich, wir hierzulande hängen unser Wirken im Dienste des Judentums nicht an die große Glocke, dafür liebt uns auch der „Israelit" nicht. Nun, manche Anfeindung involviert eine hohe Auszeichnung. Gesterretch-Nn§srn. — Wien, 19. April. Im .Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines fand Sonntag Vormittag die Festversämmlung zur Feier des 25jährigen Bestandes der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt. Zw derselben chatten sich die Reichsratsäbgeordneten Dr. Ofner, Hofrat Kuranda, Dr. Mahler und Dr. Straucher,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.