Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Silb erstein: Ja, also, dann wollen wir gehen. Aber ich bitte Sie, lieber Herr Künstler, bemühen Sie sich ein wenig, beeilen Sie sich, das Bild recht schnell fertigzustellen. Ich würde es gern bis zu meinem Geburtstag haben. Ich wollte mich damit—überraschen. Holding: Auch'ich! " Gustav: Heraus damit! Helbing: Laß hören! Gustav: Nach Dir! Helbing: Ich war — bei ihr. Sie haben mich rufen Achter Auftritt. Die Vorigen. Wassilij, Wassilij: Der Freund des gnädigen Herrn ist hier. H elbing: Ja, was bedeutet denn das? Er pflegte sich doch sonst nicht anzumelden. Wassilij: Er selbst hat es verlangt, daß ich ihn anmelde. . Helbing (kopfschüttelnd): Ja, was kann denn dem Jungen passiert sein? (Er geht heraus.) Silberstein: Also Kinder — jetzt gehen wir! Herr Helbing empfängt einen seiner Freunde. Moritz: Gustav ist's, sein Freund. Silberstein: So der? dann gehen wir nicht, dann rennen wir! Frau Silberstein: Im Vorzimmer werden wir ihm ja ohnehin begegnen. Silberstein: Dort dürfen wir ihn schon treffen. Ros a: Vielleicht fürchtest Du Dich vor ihm? S i l b e r st e i n: Es wird gut sein, wenn Du schweigst — verstehst Du? Neunter Auftritt. Die Vorigen. Helbing, Gustav. Gustav: Guten Tag, Herr Silberstein! KM die Hand, gnädige Frau! Guten Tag. Fräulein, guten Tag, Herr Moritz! Silberstein (sehr kalt und vornehm tuend): Ihr Diener, Herr Redakteur! Wie befinden wir uns? Gustav (gibt ihm den Ton zurück): Man lebt — ich danke! Und Sie, mein lieber Herr Silberslein? Rosa: Herr Gustav! Warum lassen Sie den Papa nicht in Ruhe? Gustav: Wir lieben einander so. Silberstein: Na, hören Sie, was das anbelangt — ich liebe Sie nicht! Wenn Sie es aber gerade wollen, so können Sie — mich gern haben. Gustav (lacht): Ha ha ha, das ist köstlich! Dieser Witz! Diese Pointe! Und dennoch: was immer Sie auch sagen mögen: Ihr Schwiegersohn werde ich trotzdem, lieber Papa. Silber stein: Das werde ich nicht erleben. Gustav: Das werden Sie sehr bald erleben. Und alle meine Kinder, Ihre Enkel, die sollen Sie auf Ihren Knien schaukeln. Silberstein: Nun, jetzt aber Hab' ich genug! Rosa: Gott mit Ihnen, Gustav, guten Tag, Herr Helbing! Gustav, machen Sie unS beide nicht unglücklich, und sprechen Sie anders mit Papa! Gustav: Sehr gerüe — sobald er auch selbst erlernt .haben wird, auf andere Art zu verkehren. (Die Silbersteins ab, zuletzt Rosa, die noch einen verliebten Blick auf Gustav wirft.) Zehnter Auftritt. Helbing Gustav. Helbing: Hör mal — Du bist ein sonderbarer Freier. Gustav: Nicht die Art macht es, nur das Resultat. In der Hinsicht kannst Du ruhig sein. Indessen höre: ich Hab' eine Neuigkeit. lassen -- Gustav: Wer? Sie — Helene? Helbing: Nein, Frau Dörmann. Aber auch mit ihr habe ich gesprochen. Sie hat von meinem Bilde gehört, deffen Gegenstand ihr sehr wohl gefällt. Natürlich — die „Plünderer". Wenn mich nicht alles trügt, so bist Du die Quelle und der Ursprung dieser Nachricht . . . wie? Gustav: Ich habe es Frau Dörmann erzählt. Es ist ja kein Geheimnis. Helbing: Gut also. Sie ließ mich kommen und holte mich aus — über die Komposition, Auffassung und Farbenharmonie bis ins kleinste Detail. Und wie sie von allem unterrichtet war, da sagte sie: Wenn Sie es erlauben, so werde ich mit meiner Tante kommen, und es besichtigen. Bloß des Gegenstandes halber! Um gar nichts anderes! Bloß um den Gegenstand! Gustav (lächelnd): Um den .Gegenstand! Ja, Du beneidenswerter Glückspilz, Du! Deine Sachen scheinen somit ins rechte Geleise gekommen zu sein. Helbing: Das wäre denn doch"eine zu gewagte Konklusion. Jedenfalls bin ich stolz darauf und fühle mich glücklich. daß ich sie bei mir sehen werde. Gustav: Wann kommt sie? Helbing: Noch heute. Vielleicht sogleich. Gustav: Wenn es so ist, mein Sohn, so will ich Dir bloß kurz meine Neuigkeit mitteilen und mich dann entfernen. Eben chatte ich im Palais des Gouverneurs zu tun; dort hörte ich, daß der Gouverneur als Mitglied, will sagen, als Präsident der Jury fungieren wird — — Helbing: Ah, das freut mich, daS ist gute Zeitung — die dank' ich Dir! Gustav: Auch Böses Hab' ich zu berichten — vom Polizeibureau. Dort Hab' ich so mit halbem Ohr von einem Anschlag gehört — wie wenn sich etwas vorbereiten würde. Dem Polizeichef wage ich es nicht zu sagen, denn, wie Du weißt, der Alte ist bei aller Ehrlichkeit so furchtsam, besonders da, wo es sich um eine Anzeige gegen seine Untergebenen handelt . . . es ist nicht zum Sagen, wie schrecklich sie ihn terrorisieren! Aber ich glaube . . . ich glaube, wir können für morgen so eine Art kleinen, ganz niedlichen Pogrom erwarten. Mich juckts in den Füßen, Freund, das bedeutet etwas. Helbing: Lirum, larum, so lange Du es nur ahnst, ist's noch kein Unglück. Uebrigens haben wir ja niemand, für den wir zu fürchten hätten; höchstens Du — für die Silbersteins! Gustav: Und so sprichst Du, der Maler der „Plünderer"? Eh, Helbing, wir sind eine entartete Rasse, ein verworfenes Volk — gestehen wir's nur offen! Helbing: Ruhig, Alter. Leichtfertiges Geschwätz war alles. Du weißt es ja. am besten, daß ich anders fühle und anders denke. Ich habe eben Grund genug , dazu. Gustav: Gott's Segen über Dich! Na also: ich gratuliere Dir zu dem seltenen Glück des zu erwartenden glänzenden Besuchs! Meinen Handkuß den Damen! (Händereichen, ab.) (Fortsetzung folgt.)