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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-04-22 · Heft 16 (22.4.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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bisherigen Mitglieder, die Herren Emil Cohn. Aron Hirsch, Adolf Lewinski und Kommerzienrat Simon wiederum gewählt. Mit der Weitermietung des Saales der Philharmonie und des Beethovensaales auf fünf . Jahre zu .festgottesdienstlichen Zwecken erklärt sich die Versammlung einverstanden. — Der Eisenbahnfiskus braucht einen Streifen des neuen Shnagogengrundstückes in der Fasanensträße in der Größe von etwa 82 Quadratmetern. Der Fiskus hat den Wert dieses Abschnitts auf 6475 Mark taxiert, die Baukommission der jüdischen Gemeinde hat ihn-dagegen auf 13 200 Mark geschätzt. Ein zweites von der Gemeindeverwaltung eingeholtes Gutachten hat den Wert auf IO 570 Mark bemessen. Der Ausschuß hat beschlossen, den letztgenannten Preis zu fordern, die Versammlung beschließt demgemäß. — Die Pflichtstundenzahl der Lehrkräfte der Knaben- und Mädchenschule wurde auf wöchentlich 26 Stunden herabgesetzt, für eine entsprechende Vermehrung der Hilfsstunden,in der Knabenschule um zwei, in der Mädchenschule um vier Stunden wöchentlich wurde ein Betrag von 150 bezw. 300 Mark bewilligt. Die Ausgube-Position „Aerztliche Bibliothek" im Etat des Krankenhauses wurde um 100 Mark auf jährlich 30O Mark erhöht. — Bei zwei dringlichen Vorlagen kam es noch zu einer lebhafteren Debatte.! Es handelt sich um zwei Rixdorfer Religionsvereine, welche beide I um Subventionierung vorstellig geworden sind. Für den älteren Verein, den Brüderverein in Rixdorf, soll das Defizit im Beträge von 650 Mark gedeckt werden; außerdem wurde ihm die bisherige Subvention im Betrage von 4450 Mark jährlich zugesprochen. Der jüngere Verein hat sich nun gleichfalls an den Gemeindevorstand gewandt und um eine Subvention von jährlich 1800 Mark gebeten. Der Gemeindevorstand hat zunächst den Versuch gemacht, die feindlichen Brüder miteinander zu vereinigen. Dieser Versuch ist aber gescheitert. Der Gemeindevorständ hat den Ausweg getroffen, dem jüngeren Verein nur eine Subvention von 10OO Mark zur Veranstaltung eines Festgottesdienstes an den diesjährigen hohen Feiertagen zu gewähren. Zn der Diskussion empfiehlt Herr Lewinski, die Subvention nicht zu bewilligen. Herr Justizrat Lilienthal erklärte, daß der Gemeindevorstaüd sich nicht auf den konservativen Standpunkt stellen dürfe,, von dem aus der Vorredner die Angelegenheit betrachtet habe. Der neue Verein sei als liberaler Verein gegründet worden, und der Gemeindevorstand könne ihm nicht die Existenzberechtigung absprcchen. Die liberalen Vertreter Professor Blaschke und Benas Levy legten dar, daß von einer Konkurrenz zwischen den beiden Vereinen gar nicht die Rede sein könne, da es sich bei diesen Vereinen um zwei getrennte religiöse Richtungen handle. Auch Herr Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn tritt für die Bewilligung der Subvention an den neu gegründeten. Verein ein. Er tadelt indessen mit scharfen Worten die unwürdigen Inserate beider Vereine in den Rixdorfer Tageszeitungen. In der Abstimmung wurden die Anträge des Gemeindevorstandes angenommen. *** Berlin, 19. April. Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde erhalten wir nachstehende Zuschrift: Jüdischen Lehrern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen auf dem Gebiete der Religions-Wissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschten Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die jährlich im März und September stattfindet, erstreckt sich auf folgende Gebiete: Methodik, Biblische Geschichte, Hebräisch, Jüdische Geschichte, Religionslehre, Religionsphitosophie und Einleitungswissenschast. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten: An den Schul- und Talmud-Torah-Vorstand der jüdischen Gemeinde, Berlin N. 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des Prüsungsreglements verabfolgt. */' Berlin, 19. April.' Die „Jüdische Reform-Gemeinde" hat in der Person des Herrn Dr. Joseph Lehmann einen neuen Prediger berufen, der am Sonntag, den 24. d. M lm Gotteshause Johannisstraße 16 seine Antrittspredigt halten wiru. Der Festgotlcsdienst an diesem Tage beginnt um 10 Uhr. - — Berlin, 15. April. Der die Vereine Jüdischer Studenten an Deutschen Hochschulen umfassende Bund Jüdischer Korporationen blickt auf ein erfolgreiches Semester zurück. Zu den neun. Kartell vereinen (zwei Vereiye an der Universität Berlin, je ein Verein ' an den Universitäten München, Breslau. Straßburg, Frei bürg,'Königsberg, Marburg und der Charlottenburger Technischen Hochschule) ist ein zehnter hinzugetreten: der V. I. St. Bonn. Der dortige „Indisch. Wissenschaftliche" Verein wurde nach' Annahme des Namens Verein Jüdischer Studenten bereits in den letzten Tagen des verflossenen Sommer-Semesters provisorisch in deU"B. I. C. ausgenommen; der diesjährige Kartelltag, der im Februar zu.Breslau stattfand, machte die Ausnahme zu einer definitiven. Ihre schnelle und erfreuliche Entwickhmg verspricht der jungen Korporation eine gedeihliche und wirkungsreiche Zukunft. Der Kartelltag war zeitlich verbunden mit dem zehnjährigen Stiftungsfest des V. I. St. Breslau. Der von über 40 Personen besuchte Festkommers nahm einen glänzenden Verlauf; unter den Gästen befanden sich Vertreter aller Breslauer jüdischen Behörden und Organisationen. Eine künstlerisch ausgestattete Fest, schrift, von deren Mitarbeitern Hermann Struck, Julius Cohn, Dr. Emil Cohn hier genannt seien, wurde den Festteilnehmern überreicht. Den Abschluß des Stiftungsfestes bildete ein Ball, der unter großer Beteiligung der Breslauer Bürgerschaft stattfand. Die längeren Vorarbeiten des Präsidiums des B. I. C^ zur Schaffung eines Arbeitsamtes für jüdische Akademiker sind nunmehr im verflossenen Semester zum Abschluß gelangt. Zum Eintritt in den Vorstand des gegründeten Vereins wurden verschiedene jüdische Notabeln gewonnen. Nach außen traten die Berliner Vereine jüdischer Studenten wie alljährlich auf, gelegentlich der Wahlen zum Direktorium der akademischen Lesehalle. Da die antisemitischen Tendenzen der „nationalen Partei" in den letzten Jahren sehr in den Hintergrund traten, wurde auf eine ausgedehnte Agitation verzichtet. Es wurde nur ein Kandidat aufgestellt zur Wahrung der jüdischen Interessen in der Lesehalle. Nach erfolgter Wahl des Kandidaten wurden die Listen geschlossen. Im übrigen lief die Tätigkeit in den einzelnen Korporationen in den gewohnten Bahnen. Der Fuchsenunterricht hatte neben der jüdischen Geschichte (insbesondere der des neunzehnten Jahrhunderts) die großen jüdischen Fragen der Gegenwart zum Gegenstand. Der wissenschaftlichen Ausbildung dienten regelmäßige Kurse, Vortrags- und Diskussionsabende. Gelegenheit zum Gedankenaustausch bot die vom Präsidium herausgegebene interne Monatsschrift „Der Jüdische Student". Auch die körperli che Ausbildung d:r Mitglieder wurde nicht vernachlässigt In allen Vereinen wurde regelmäßig geturnt und gefochten. Die Ruder?, abteilung der Berliner Vereine Jüdischer Studenten hat im verflossenen Winter wöchentliche Trainingsabende veranstaltet, so daß die Ausbildung in diesem Sommer besonders zahlreichen Junioren rasch von statten gehen wird. Zu jeglicher Auskunft über alle den V. I. C. betreffende Angelegenheiten sind bereit die Schriftführer des Präsidiums Dr. Fritz Koref, Charlottenburg. Gutenbergstraße 9. und Dr. Arnold Hildesheimer, Berlin, Friedrich, straße 130. M. Hamburg, 15 April. Herr Aron Ricardo Rocamora. das älteste Mitglied der Gemeinde und einer der ältesten Bürger unserer Vaterstadt, ist im 98. Lebensjahre aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der sich bis vor einigen Jahren einer seltenen körper. lichen Rüstigkeit und geistigen Frische erfreute, genoß in weitesten Kreisen hohe Achtung und Wertschätzung. Der' „alte Rocamora" war eine stadtbekannte Persönlichkeit. Seit 66 Jahren war er als beeideter Beamter und Registrator bei der Portugiesengemeinde angestellt, vor Inkrafttreten der Standesämter war er auch bei der Hamburger Behörde als Beamter beschäftigt, er hätte die Sterberegister, Geburtseintragungen usw. der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde zu führen. In allen seinen Aemtern zeichnete er sich durch seltene Pflichttreue aus. Die Bestattung fand unter großer Beteiligung statt. Außer den zahlreichen Verwandten und Freunden hatten sich die Vorsteher der Portugiesengemeinde, die Herren Jessurun, Cassutto, Luria. Paldo usw. eingesunden, die Mitglieder der Portngiesengemeinde waren fast vollzählig erschienen, um dem Senior der Gemeinde die letzte Ehre zu erweisen. Die Gedenkrede hielt der geistliche Beamte der Portugiesen Herr Chumaceiro. Der imposante Leichenkondukt bewegte sich nach dem Israelitischen Friedhof in Langenfelde, woselbst die Beisetzung nach portugiesischjüdischem Ritus stattfand. Der Verblichene hatte noch ein Erbbegräbnis auf dem Friedhof am Grindel. Dieser Begräbnisplatz ist

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