Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1910)
- Date
- 1910-04-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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74. Jahrgang. Nr. 16 Der Oemeindeüote. Vrtlsgr zur „Allgemeinen Leitung de^ IudentumK^. Korrespondenzen und Mschrichten. Deutschland. . 8 Berlin, 17. April. Tie lange Tagesordnung der heutigen Repräsentantenversamm lung setzte sich fast ausschließlich aus Zuwendungen, Subventionen und Ausgabebewilligungen zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Herr Benas Levy der Versammlung Kenntnis von einem Schreiben des Herrn Max Wolf, der nunmehr erklärt, nicht zweiter Vorsitzender des Jüdischen Jugendbundes, sondern nur Beisitzer zu sein. Die Leitung des Jüdischen Jugendbundes hat sich ebenfalls an Herrn Levy gewandt und die Erklärung abgegeben, daß die Briefe des Herrn Wolf, der kein besonderes Amt im Verein bekleide, ohne ihr Wissen an die Repräsentanten gerichtet seien. — An der Spitze der Tagesordnung standen wiederum mehrere Zuwendungen, welche debattelose Annahme erfuhren: die Zuwendung des Forschungsreisenden Hermann Burckhardt im Betrage von 10000 Mark zur Errichtung einer Bettstation in der gynäkologischen Station des neuen jüdischen Krankenhauses, die Zuwendung der Frau Margarete Schwabach geb. Jmberg im Betrage von 2000 Mark zur Vermehrung der bei der Armenkommission bereits bestehenden Alexander Schwabach-Stiftung, deren Name auf Ersuchen des Testamentsvollstreckers nunmehr „Stiftung der Eheleute Schwabach, Alexander und Margarete Schwabach geb. Jmberg" lauten wird, die Zuwendung der Frau Rosa Ehrlich geb. Weigert im Betrage von 1000 Mark zur Grabeserhaltung und schließlich die Zuwendungen der Eheleute Mathilde und Abraham Abramsohn im Betrage von 20000 Mark sür die Altersversorgungsanstalt zur Errichtung einer Zimmerstiftung und im Betrage von 4000 Mark zur Grabeserhaltung. Die Altcrsversorgungsanstalt ist, wie zur Ergänzung des vorigen Repräsentantenberichtes hier zugefügt werden mag, von der am 2. Dezember v. I. verstorbenen Frau Ernestine Pakscher letztwillig zur Uuiversalerbin eingesetzt worden. Die Höhe der Erbschaft steht noch nicht genau fest, doch ist sie auf etwa 600000 Mark zu veranschlagen. Ter „Ernestine Pakscher-Stiftung", die.voiy Herrn Moritz Manheimer im Jahre 1908 am Geburtstage der Erblasserin für die Altersvcrsorgungsanstalterrichtet worden ist, mit der Ziveckbestimmung, daß die Zinsen jährlich am Geburtstage der Erblasserin für die würdigsten Hospitaliten der Anstalt in der Exerzierstraße verwendet werden, ist ein Legat von 5000 Mark überwiesen worden. Zur gärtnerischen Ausschmückung und Unterhaltung des Erbbegräbnisses der Erblasserin, hat die jüdische Gemeinde 12 000 Mark erhalten. Tem jüdischen Krankenhause ist von Herrn Tr. Karl Abel der Betrag von 1000 Mark als Grundstock einer Stiftung zugewendet worden, die auf den Namen des Vaters der Frau Dr. Abel, Herrn Louis Oppenheim, errichtet werden soll. Sobald das Kapital durch Zuschlag 8er Zinsen und durch weitere Erhöhung des Kapitals die Höhe von 10 000 Mark erreicht hat, soll die Stiftung eine Bettstistung werden. Nach Erledigung der Rechnungsabschlüsse für die Gemeindehauptkasse und das Bureau für die Vermietung von Synagogenplätzen-wurden in der vorigen Sitzung auch eine große Reihe von Subventionen bewilligt. Der Religionsverein Westen erhielt eine Subvention von 9700 Mark, der Religionsverein Osten 1500 Mark, der Religionsverein Gesundbrunnen 4000 Mark. Ter Synagogenverein BethZion erhält bis zum nächsten Oktober 1750 Mark, die Höhe des alsdann zu bewilligenden Beitrages soll nach Eingang des neuen Etats des Vereins beraten werden. Für eine Reihe von Vereinen und Anstalten wurden 6650 Mark bewilligt. Darunter befinden sich u. a. der Verein sür Arbeitsnachweis mit 3000 Mark, das israelitische Lehrerinnenheim mit 300 Mark, dasjüdische Kinderheim mit 300 Mark, der Fortbildungsverein Montefevre mit 300 Mark, die Erziehungsanstalt Ahlem mit 800 Mark und verschiedene Kuranstalten in Badeorten. Die Subvention an den Deutsch- Israelitischen Gemeindebund wurde von - 10 500 Mark auf 12 000 Mark pro 1910/13 erhöht. — Der Saal im Johann Georg- Haus zu Halensee wurde zum Preise von 2 500 Mark zur Veranstaltung von Festgottesdienst auch für das Jahr 1910 gemietet. Ter Fürsorge-Kommission wurde der bereits bewilligte Gemeindezuschuß von 9800 Mark um 3000 Mark erhöht. Die Tätigkeit der Kommission hat namentlich auf dem Gebiete der Jugendfürsorge andauernd an Umfang -zugenommen, da nicht nur auf die Besserung bereits Verwahrloster, sondern auf die Verhütung drohender Verwahrlosung hingewirkt wird. Die Kommission ist auch auf Grund der im allgemeinen auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung gemachten Erfahrung bemüht, Jugendliche, bei denen Fürsorgeerziehung angeordnet ist, nicht in Anstalts-, sondern in Familienpflege zu geben. — In den wissenschaftlichen Beirat der Bibliothek-Kommission wurde anstatt des verstorbenen Herrn Dr. Gustav Karpeles, Herr Dr. Isidor Kaftan gewählt. Zur Anschaffung von 150 Exemplaren der Schriften von Emil Lehmann, welche zu Prämienzwecken dienen sollen, wurden 200 Mark bewilligt. Zur Regelung der Lehrergehälter wurde eine gemischte Kommission eingesetzt, in welche die Herren Professor Blaschke, Dr. Ignatz Cohn, Professor Kalischer und Dr. Minden entsandt wurden. Die Mitglieder des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes sollen mit beratender Stimme zugezogen werden. Zur heutigen Debatte stand ferner ein Schreiben eines Gemeindemitgliedes betreffs derWahlen zurRepräsentanten- Versammlung. Der Petent bemängelt, daß die Nepräsentantenwahlen in der Zeit von 10 bis 4 Uhr stattfinden, und weist darauf hin, daß es den meisten Geschäftsleuten unmöglich sei, sich in dieser Zeit sreizumachen. In dem Schreiben wird ferner auf die Schwierigkeit hingewicscn, in den Geschäftsstunden des Gemeindevorstandes die Wahllisten einzusehen. Im vorberatenden Ausschuß war man betreffs der ersten Frage der Ansicht, daß es wohl der Erwägung wert sei, darüber zu beraten, ob in Rücksicht auf die Geschästsstunden — in sehr vielen Betrieben ist bereits die englische Tischzeit eingeführt — eine Aenderung der Wahlzeit nicht am Platze sei. Da die Frage indessen eine Aenderung des Gemeindestatuts involviert, wurde man sich dahin schlüssig, dem Gemeindevorstand die Einsetzung einer gemischten Deputation vorzuschlagen Auch die zweite Frage soll in die Beratung der gemischten Deputation einbezogen werden, doch ist hier der Ausschuß, wie der Referent, Herr Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn mitteilt, der Ansicht, daß eine Schwierigkeit in der Tat nicht besteht. Das Plenum stimmte debattelos der Einsetzung einer gemischten Kommission zu. — Es wurden alsdann mehrere Subventionen bewilligt: an das Jüdische Kurhospital in Kolberg 800 Mark, an den Deutsch-Israelitischen Kinderhort zu Limburg an der Lahn 300 Mark, an das Kurhospital in Salzbrunn 300 Mark, an das israelitische Badehospital zu Teplitz-Schönau 250 Mark. Dem Israelitischen Volks-Kindergarten und Hort wurde eine Subvention von jährlich 400 Mark geivährt, der Synagogengemeinde Köpenick 2500 Mark zum Ban eines Gotteshauses. Dem Gesamtarchiv der deutschen Juden wurden als jährliche Subvention 4500 Mark bewilligt. Die Subventionskommission hatte in einem Amendement den Wunsch ausgesprochen, dieZahlderBerlinerGemeindemitglieder im Kuratorium, wenn möglich, zu erhöhen. Der Referent Herr Tr. Ginsb er g stellte in seinem Berichte bereits fest, daß die Hälfte des Kuratoriums bereits aus Berliner Gemeindemitgliedern besteht. Während Herr Benas Levy für die Erhöhung der Zahl der Berliner Mitglieder eintritt, bestreiten Prof. Kali sch er und vom Gemeindevorstand Justizrat Lilienthal die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des Zusatzantrages. Herr Justizrat Lilienthal ist der durchaus berechtigten Ansicht, daß es wünschenswert sei, im Kuratorium auch mehrere auswärtige Mitglieder zu haben. Das Amendement wurde darauf mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt. Zur Inangriffnahme der Regulierung des neuen Friedhofsterrains in Weißensee wurden vorläufig 5000 Mark bewilligt. In die Kommission zur Revision der Kassen und des Depositoriums wurden die