Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 15 (15.4.1910)
- Date
- 1910-04-15
- Page
- Seite 178 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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aber dieses nicht das letzte Autodafö. Vor und während eines ffölchen bemächtigte sich die Inquisition der ganzen Polizeigewalt in der- Stadt,' wo es' vor sich ging, okkupierte alle auf den Schauplatz Aussicht bietenden Fenster, die sie für den Tag vermieteteoder Begünstigten überließ. - . Es kam auch vor, daß die Filialen ihr Einkommen vor der Zentrale zu verheimlichen suchtenwie überhaupt Mißbräuche und Unterschleife ihrer , höheren und niederen Beamten nicht selten waren. Die Beamten der Inquisition waren gut gestellt und bezogen allerlei Sporteln und Taxen, z. B. 20 Realen für die Erlaubnis, ein verbotenes Buch zu lesen, 100 Realen, für Ausstellung eines Ernennungsdekrets usw. Sie begnügten sich aber nicht mit den ihnen gewissermaßen gesetzlich eingeräumten Vorteilen und Vorrechten, sondern suchten per fas et nefas ihre privilegierte Stellung auszunützen. Wenn ein Familiär (Vertrauter und freiwilliger Helfer der Inquisition) Bankerott machte, erhielten die Gläubiger nichts, war ein solcher aber Gläubiger eines Falliten, so wurden für ihn alle Aktiva bis zur Deckung seiner Forderung behalten, und die anderen erhielten nur das, was etwa übrig blieb. Diese Leute importierten verbotene Waren, hinterzogen den Zoll für erlaubte, und kein königlicher Beamter wagte es' gegen sie einzuschreiten, denn er mußte befürchten exkommuniziert zu werden. An manchen Orten bildeten sie beinahe eine Art von Kämorra. .Als Beispiel, wie weit der Respekt vor den Alguazils (Gerichtsdienern) der Inquisition ging, mag ein von Lea mitgeteiltes Geschichtchen dienen, das an das Abenteuer des bekannten „Hauptmann von Köpenick" erinnert. Pa erschien eines Tages im Jahre 1579 in Almagros ein gewisser Francisco de la Bastida mit dem Amtsstab eines Alguazil und forderte zwei dortige Familiäres der Inquisition auf, ihm bei einer Arretierung Assistenz zu leisten. Als diese das Abzeichen des heiligen Gerichts erblickten, wagten sie keine Widerrede und folgten ihm in das Haus, des Agenten der Fugger, namens Johann Chelder (?). Bastida rechnete wohl darauf, bei dem Vertreter der reichen Augsburger Handels- Herren viel bares Geld zu finden, und darin täuschte er sich nicht. Der Agent war ein frommer und nt, der Stadt sehr angesehener Mann, aber als der falsche Alguazil im Hause erschien und ihn für verhaftet erklärte, fügte er sich ohne 'Widerspruch und ließ sich in einem Zimmer seines Hauses einsperren. Bastida tröstete die erschrockene Familie mit dem Hinweis auf die bekannte Milde des Jnquisitionsgerichts, lieh dann einen Notar kommen, eine Vermögensinventur aufnehmen, und alles im Namen der Inquisition sür sequestriert erklären. Nur 2000 Dukaten nahm er an sich, wie er sagte,, um die Kosten des Prozesses zu decken. Tie ganze Stadt geriet in Aufregung und Bestürzung, aber niemand wagte es, den Betrüger nach'einer Legitimation oder einem schriftlichen Verhaftbesehl zu fragen. . Chelder wurde von Bastida und den zwei Familiären, die von ihm strengen Befehl erhielten, den Verhafteten mit niemanden reden zu lassen, in einem Wagen weggesührt. Im nächsten Orte wurden die zwei Familiären entlassen und Chelder von Bastida einem dortigen Familiär übergeben mit dem Befehl, ihn sorgfältig zu bewachen, mit niemandem verkehren zu lassen, bis er von Toledo, wohin Bastida sich angeblich begab, weitere'Ordre-erhalten haben werde. Aber es verstrichen zehn Tage, es kam kein Befehl von Toledo, und der falsche Alguazil ließ nichts von sich hören. Nun begann der Familiär unruhig zu werden, wußte nicht, Was er mit seinem Gefangenen, den er noch verköstigen mußte, machen sollte.''Auf'seine Anfragen in Toledo erfuhr er endlich den wahren Sachverhalt/und r^ieß den armen Chelder frei. Inzwischen hatte. Bastida, man weiß nicht recht warum, für die 2000 Dukaten einen Wechsel auf Saragossa gekauft, und als er dahin kam, um ihn einzukassieren, wurde er angehalten und dem wirklichen Jnquisitionsgericht übergeben. Er -machte ein volles-Geständnis und wurde zu 600 Peitschenhieben, in drei Städten zu 200, und lebenslänglicher Galeerenstrafe verurteilt.- Was mit den 2000 Dukaten geschehen ist, wird nicht berichtet, aber wir können sicher sein, daß der Agent der Fugger sie nicht zurückerhielt. - Die großen Vorteile, die eine Anstellung bei der Inquisition mit sich brachte, veranlaßte vielesich um solche zu bewerben. Und die Inquisitoren, stets auf pekuniären Nutzen bedacht, begannen am Ende des 16. Jahrhunderts ihre Aemter zu verkaufen. Dabei wurde auf die Befähigung des Bewerbers nicht gesehen, er konnte sogar das Amt, wenn er zu-jung war, durch einen Stellvertreter versehen lassen. Ostentativ wurde von ihm freilich rein christliche Abstammung, Alter von 25 Jahren, eheliche Geburt und sittliche Lebensführung verlangt. Aber von manchen dieser Erfordernisse, selbst von der Sittlichkeit, konnte man gegen Bezahlung dispensiert werden. Und wie konnten die Regeln überhaupt beobachtet werden, wenn das Amt manchmal aus drei Generationen/ also mitunter einem noch ungeborenen Enkel verliehen wurde? Man konnte auf das Amt auch zugunsten eines Verwandten verzichten. Witwen wurde das Amt des verstorbenen Mannes für den etwaigen zweiten Mann reserviert, unverheirateten Töchtern zur Mitgift bestimmt. Um diesen Mißbräuchen einigermaßen zu steuern, wurde von der Regierung das Recht Alguazilstellen zu verkaufen, 1630 auf ein Sechstel der shstemisierten Stellen beschränkt, aber ein Jahr später die Beschränkung wieder aufgehoben. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war Spanien schon vollständig von Ketzern und Juden rein, und die Inquisition hatte sehr wenig zu tun. Trotzdem bezahlte sie noch jährlich 64000 Dukaten an 40 Beamte. Wieviel ihr dagegen der Aemterverkauf einbrachte, wissen wir nicht, obwohl Lea die Preise mancher derselben angibt. Ungern nehme ich von dem inhaltreichen, gründlichen Werke Leas Abschied, das auch für die Kenntnis des spanischen Volkes, seines Charakters und seiner Sitten von großem Wert ist. Aber ich mußte mich auf die ökonomische, wenig gekannte und doch so schädliche Seite der Tätigkeit der Inquisition beschränken, um hier nicht zu viel Raum in Anspruch zu nehmen. R5SÜ® LrälltigAmsbrieke oon Lerthold Uuerbsch. Mitgeteilt von Anton Bettelheim. V. Breslau, den 24. April 49. Dienstag früh. eine Nina! .. .Ich ging dann zu Geigers, dort ward mir's wohl. Diese vortrefflichen Menschen empfingen mich mit der wahren ernsten Freude, die mein neues Leben in Dir erheischt. Nach dem Nachtessen sprach ich noch lange-allein mit meinem Schwiegervater. Er ist und bleibt der stets gleiche erhabene Mensch: „Ich frage nie, was denken andere über