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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-04-08 · Heft 14 (8.4.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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im Krankenhause der Jüdischen Gemeinde Berlin, 8 im Israelitischen Schwesternheim' in München, 3 in Dortmund, je 2 in Mannheim und Danzig, und je eine in Metz, Lehnitz, Freiburg, Görlitz, Leipzig, Stettin und Worms. Auch wurden wieder zwei Schwestern im Sommer nach dem Jüdischen Kurhospital in Kolberg, eine in leitender Stellung in die Israelitische Kinderheilstätte zu Kissingen und zwei Schwestern in das Israelitische Kinderheim zu Bad Sassendorf in Westfalen entsandt. . Privatpflegen (vollbezahlte, ermäßigte und unentgeltliche) wurden iw Berlin 456 in 8020 Tagen, dazu treten 2555 Pflegetage im Krankenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde und 2162 Tage in Kuranstalten. insgesamt also 12 737 Tage. — Dank der unermüdlichen Mitwirkung der Oberin Fräulein Rosa Blau befanden sich auch im vergangenen Jahre Schwestern wie Schülerinnen wohl geborgen und sind vor besonders schweren Krankheiten bewahrt geblieben, r- Der Rechnungsabschluß, der in Einnahmen und Ausgaben mit 78 727.79 Mark abschließt, weist einen nominellen Ae berschuß in Höhe von 8420 Mark auf, die dem Eisernen Fonds zufließen. Vom'kaufmännischen Standpunkt aus aber verwandelt sich, wie. Herr Sachs mit Recht hervorhob. deb Ueberschuß in eine Unterbilanz von. etwa 7000 Mark, da die Zinsen des Eisernen Fonds, die eigentlich diesem verbleiben müßten, unter der Einnahme figurieren. Der eiserne Fonds selbst beläuft sich jetzt aus 295 380 Mark, das Guthaben der Schwestern auf 21277 Mark. Das geringe Anwachsen des Eisernen Fonds, des Schwesterpensionsfonds, , sei keineswegs befriedigend, dazu steigen die lausenden Ausgaben, so daß Freunde und Gönner gebeten werden, den Verein auch ferner/zu unterstützen, damit er seine schöne aber auch schwere und verantwortliche Aufgabe im vollen Maße erfüllen kann. Ter Herr Vorsitzende teilte schließlich noch mit, daß mit dem Bau des Neuen Krankenhauses der jüdischen Gemeinde jetzt im Herbste begonnen wird und sich dadurch die Notwendigkeit ergebe, das alte Heim des Vereins zu verlassen. Die Pläne für das neue Haus des Vereins seien fertiggestellt. Es wird 80 Schwestern und 20 Schülerinnen Aufnahme gewähren können. Nachdem dem Kassierer Decharge erteilt war und die Versammlung dem neuen Etat, der in Einnahmen und Ausgaben mit 76 000 Mark abschließt, ihre Zustimmung erteilt hatte, wurden die Wahlen vorgenommen. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Justizrat Dr. P. Gerson, Rich. Sachs, Prof. Dr.Senator, Frau Dr- Frankl und Frau Rosa Sachs wurden einstimmig wiedergewählt,, ebenso die Herren Mannheimer, Lachmann .und Hey mann zu Revisoren. -Nachdem dann noch Herr Ury dem Vorstand in warmen Worten den Dank für die große Mühewaltung ausgesprochen hatte, wurde die Versammlung geschlossen. — Berlin, 5. April. Der Deutsch-Israelitische Gemeindest und veranstaltet am 3. Mai d. I. bis zum Beginn der großen Ferien in Berlin einen kostenlosen Kantorenkursus. Die Leiter des. selben sind: Königlicher Musikdirektor Hauptkantor A. Fried mann und Professor William Wolf. Meldungen nimmt das Bureau des Deutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes, Steglitzer Straße 85, entgegen. . : Berlin, 5. April. Das „Zweite Waisenhaus der Berliner jüdischen Gemeinde in Pankow" erstattet soeben den Bericht, über das letzte Jahrzehnt seiner so ungemein segensreichen Tätigkeit. Das Waisenhaus, im Jahre 1882 vom verblichenen Justiz- .rat Mato w er als Privatanstalt für eine Anzahl. Kinder russischer Flüchtlinge gestiftet, steht seit 1891 in der Verwaltung der jüdischen -Gemeinde. und ist infolge einer hochherzigen Stiftung der Frau Jenny Born geborene Lachmann im Jahre 1902 in Höhe von 80 000 Mark und einer Spende von 24 000 Mark des verblichenen -Herrn Justizrat Edmund Lachmann in Höhe von 24000 Mark seitdem, erheblich erweitert, worden, so daß es heute 58 Zöglingen Unterkunft gewährt und eine Anstaltsschule mit zwei Klassen in fünf Abteilungen besitzt. Unter den Zuwendungen, die außer den. bereits genannten noch reichlich 100 000 Mark betragen, befindet sich auch eine Schenkung der Kaiserin im Betrage von 3000 Mark aus dem Jahre 1897. Da die dem Waisenhaus anvertrauten Knaben vorzugsweise dem Handwerkerberuse .zugeführt werden sollen, zielten sowohl Erziehung wie auch Unterricht darauf hin, in den Kindern ■■ Liebe. zu dem Handwerk zu. erwecken. Wie sehr, diese Bestrebungen von schönem- Erfolge gekrönt worden sind, ergibt sich daraus, daß von den 198 Berliner Kindern, die dort erzogen wurden, respektive, zurzeit erzogen werden, nicht weniger als 114 ein Handwerk erlernt haben, 22 von ihnen bereits Meister geworden sind, 15 von ihren Angehörigen, deren Verhältnisse sich gebessert, vor ihrer Entlassung ausder Schule genommen wurden, und nur acht Knaben in ein kaufmännisches Geschäft eingetreten sind. Auch von den 39 russischen Kindern, die dort Aufnahme fanden, sind 38 Hand" werter geworden, die sämtlich nach Amerika auswanderten und sich dort auf Grund der hiev gewonnenen Fertigkeiten eine Existenz zu schaffen in der Lage warem Durch die Umgestaltung des Anstaltsgebäudes, insbesondere durch Einrichtung größerer Ausenthaltsräume für die Schüler und Lehrlinge, durch Schaffung eines weiteren großen Schlafsaales und einer geräumigen Badeeinrichtung wie durch Herstellung eines hübschen Betsaales hat das Leben im Hause eine vorteilhafte Aenderung erfahren. Auch der Bau einer massiven Kegelbahn, deren Kosten in Höhe von 4000 Mark das Ehepaar Max und Tina Mecklenburg geborene Lach mann trugen und einer prächtigen Turnhalle, die. Herr Emil Mosse der Anstalt stiftete und die -einen Kostenaufwand von 17 500 Mark verursachte, hat zur Erziehung der Kinder, zur Stählung und Kräftigung des Körpers und zur Zerstreuung und Ablenkung der älteren Zöglinge von törichtem Vorhaben fördernd gewirkt. Von den 114 Schülern, die ein Handwerk erlernten, haben 31 der Militärpflicht genügt. Die gegenwärtige Frequenz der Anstalt von 58 Zöglingen setzt sich aus 38 Schülern und 20 Handwerkslehrlingen zusammen. Die gesundheitlichen Verhältnisse waren, abgesehen von einer Scharlachepidemie im Jahre 1904. die ein Opfer unter den Zöglingen forderte, im ganzen letzten Jahrzehnt durchaus befriedigende, wie denn die Anstalt überhaupt in den ganzen 27 Jahren ihres Bestandes nur fünf Todesfälle zu beklagen hatte. Einen großen Verlust erlitt die Anstalt 1903 durch den Heimgang der Gattin des Direktors Frau Ranny Grün Wald, die 15 Jahre lang dem Hause eine treue hingebende Mutter war. — Die Segnungen dieses Hauses erstrecken sich nicht nur auf die Zöglinge während der Zeit ihres Aufenthaltes im Hause, sondern auch darüber hinaus. Aus den, allerdings immer noch nicht genügenden Stiftungen, wurden nicht nur Handwerksgesellen während der Zeit unverschuldeter. Not unterstützt, sondern einigen Gesellen wurde auch die Selbständigkeit erleichtert. Ein kräftiger Stamm jüdischer Handwerker ist aus der Anstalt hervorgegangen, der die Dankbarkeit und Anhänglichkeit an ihre Erziehnngsstätte auch bereits durch eine „Direktor Grunwald-Stistung" anläßlich der Vierteljahrhundertfeier der Anstalt bekundet hat. Sv reiht sich dieses Zweite Waisenhaus, dessen Kuratorium zur Zeit die Herren Sanitätsrat Dr. Jul. Stern, Justizrat Breslauer, Emil Mosse, Kommerzienrat Eisner, Max Mecklenburg, Landgerichtsrat Eugen Löwe, Stadtverordneter Witkowski, Benas Levy, Direktor I. Sachs, Oskar Loewenberg und Dr. Max Ginsberg bilden, den besten, segensreich wirkenden Institutionen der jüdischen Wohlfahrtspflege innerhalb der Berliner Gemeinde an. *** Berlin, 29. März, Der geschäftsführende. Ausschuß des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands sendet uns einen Auszug aus dem Protokoll über die dritte Vorstandssitzung des Verbandes, dem wir folgende bemerkenswerte Einzelheiten entnehmen: Ein von der Statutenkommission ausgearbeitetes Normalstatut wurde eingehend durchberaten und angenommen. Dasselbe enthält die Richtlinien, nach denen neu entstehende Vereine ihre Satzungen abfassen, die alten Vereine die ihrigen nach Belieben abändern können. Herr Siegfried Brünn- Berlin hat dem Verband eine Spende von 2000 Mark zur Verfügung gestellt. In der Beratung über die Verwendung des Geldes wurde von vielen Seiten betont, daß die Einnahmequellen sich dem Verbände nur dann reichlich erschließen würden, wenn alle ihm angeschlossenen Vereine das Verbandsstatut strenge inne halten und Bestrebungen irgendeiner politischen und religiösen Richtung vermeiden würden. Herr Brünn gemeinsam mit seinem Freunde Hugo Frank schenkten dem Verband auch 400 Exemplare des Buches „Ewige Weisheit" von Max Weinberg. Ueber die am 26. Dezember v. I. stattgehabte Bezirkstagung in Frankfurt a. M., erstattete Herr Meyer ein ausführliches Referat. Die erste Nummer -7 j i

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