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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-04-08 · Heft 14 (8.4.1910) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 14 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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168 Dr. Masirewitsch: Aber ich kenne die Helenen im allgemeinen, und von einem gewissen Gesichtspunkte sind alle Helenen einander gleich. Frau Dörmann: Mit Ausnahme Helenens. Dr. Masirewitsch (drückt die auf dem Schreibtisch befindliche Klingel. Aljoschka, in Vedienten-Livree, tritt zur Türe links ein.) Zweiter Auftritt. Die Vorigen, Aljoschka. Dr. Masirewitsch (seht sich an den Schreibtisch, nimmt Papier und Schreibzeug und schreibt, während des Schreibens zu Aljoschka): Befördern Sie diesen Brief an seine Adresse! Aljoschka: Zu Befehl, Herr Doktor! tAb mit dem Brief.) Frau Dörmann (ihm nach): Einen Augenblick. Wenn dieser Herr erscheint, an den der Brief lautet, melden Sie mir ihn erst, bevor Sie ihn hereinlassen. Aljoschka: Sehr wohl, meine Gnädige. (Zur linken Türe ab.) Dritter Auftritt. Vorige ohne Aljoschka. Frau Dörmann: Es ist wirklich ein Wagnis, das Sie da begonnen haben. Dr. Masirewitsch: Seien Sie nur ruhig, es wird niemand daran sterbell. Frau Dörmann: Aber Helene — — Dr. Masirewitsch: Sie am allerwenigsten. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — Jossele von Albert Katz. Aus dem polnisch-jüdischen Jargon nach einer Erzählung von Jakob Tienensohn. Frei bearbeitet. Leipzig, Gustav Engel 1910. Es ist das Martyrium eines Kindes, eines Knaben, der in den ärmlichsten Verhältnissen lebt und sich dadurch, das; er seinem Lehrereinmal eine ganz geringfügige Summe wegninnnt, oder eigentlich diese in seinen Schoß gefallene nicht zurückerstattet, die Bezeichnung als Dieb verschafft, unter der er und die Seinen furchtbar leiden. Wie dieses arine Kind von seinem jähzornigen Vater, von seinem gegen den Schüler grausamen Lehrer, von seinen: Lehrherrn geprügelt, wie er von allen gehänselt, schuldlos verdächtigt wird, uns er hungert und friert, bei allen Qualen seinen Lerneifer nicht zügelt und schließlich schmählich zugrunde geht, ist höchst anschaulich geschildert. Ganz.ausgezeichnet wird seine Mutter Debora charakterisiert, die Tochter eines hervorragenden Gelehrten, die infolge der Krankheit und Stellungslosigkeit ihres Mannes die niedrigsten Geschäfte heldenmütig besorgt, das Vertrauen zu ihrem Kinde nicht verliert, seine Verteidigung überall unternimmt, aber den Oualcn und Mißhandlungen, deren unschuldiges Opfer sie ist, frühzeitig erliegt. Die Darstellung der jüdi'chen Verhältnisse einer russischen Stadt, in der neben sehr vielen Schatten wenig Licht herrscht, ist ungemein lehrreich. Die deutsche Uebertragung, in der absichtlich eine große Reihe jüdisch-deutscher Ausdrücke beibehalten worden ist, liest sich sehr gut. Ludwig Geiger. * — Jahrbuch des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Verlag von M. Poppelauer. Das soeben zur Ausgabe gelangte Jahrbuch für 1910 reiht sich seinen Vorgängern in jeder Beziehung würdig an. Wir geben daher im nachfolgenden nur das Inhaltsverzeichnis wieder, das uns einer eingehenden Kritik überhebt. Es enthält folgende Aufsätze: 1. Gustav Karpeles s. A. Gedenkrede, gehalten bei der Gedächtnisfeier am 31. Oktober 1909, von Tr. M. Levin. H. Rückblick auf das Jahr 1909. Von Pros. Dr. Martin Philippson III. Literarische Jahresrevue. Von A. He braus. IV. Esra. Von Albert Katz. V. Zur ältesten Geschichte des Christentums. Von Dr. S. Bernfeld. VI. Moritz Veit als Vorkämpfer für die Emanzipation der Juden. Vortrags gehalten am 7. Dezember 1908, von Geheimem Negierungsrat Prof. Tr. Ludwig Geiger. VII. Der Talmud als Bildungsmittel. Von Rabbiner Or. jur. M. Eschelbach er. VIII. Arier und Semiten in ihren ethischen, sprachliel en und kulturhistorischen Beziehungen. Von Tr. Sigmund Feist. IX. Die jüdische Speisetafel. Von Prof. Dr. A. Berliner. X. Der Amhoorez. Von Isidor Borchardt. XI. Mitteilungen ans dem Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. Wie aus diesen ersichtlich, beträgt die Zahl der Literaturvereine 224. A—Iz. Der israelitische Friedh of in He gen he im. in geschichtlicher Darstellung von Di-, med. Achilles Nordmann, Arzt in Basel. Mit sechs 'Tafeln in Lichtdruck. Basel, Wackernagelscke Verlagsanstalt 1910. Preis 5 Frcs. Eine vornehm ausgestattete, mit manchen. Bildern geziert«-, inhaltreiche und bedeutsame Schrift. Der Verfasser hat sie dem Andenken seines Vaters gewidmet. Er gibt in dem Buche eine Art Familiengeschichte, da seine Vorfahren 300 Jahre in demselben Orte lebten. Denn das Buch ist weit mehr als eine Beschreibung oder Geschichte eines Friedhofs. Der Verfasser, der die Gemeinde- und Familienarchive, aber auch die Archive von Hegenheim, Colmar, Basel. Bern und andere benutzt hat. gibt eine ziemlich ausführliche Geschichte der jüdischen Gemeinden des Sundgaues, dann werden in einzelnen Kapiteln die Gründung des Friedhofs und das Friedhosareal; die beteiligten Genreinden, Friedhofsstatistik und Mitgliedschaft; die Verwaltung des Friedhofs beschrieben; Arrseinandersetzungen über Grabsteine und Gräber und „zur Familiengeschichte" folgen. In 27 Beilagen werden Landkaufbriefe, Schreiben der Gemeinden, Ratsbeschlüsse vom Ende des 17. bis zur Mitte de, 19. Jahrhunderts gegeben; ein ausführliches Register und eine Beschreibung der Tafeln macht den Schluß. Höchst interessant ist das Kapitel über die Grabsteine, wo die einzelnen Inschriften hebräisch und deutsch mitgeteilt werden, eine genaue Beschreibung, selbst der Höhe, Breite und Ticke der Denkmäler gegeben wird. Die Inschriften sind meist Gelehrten, Rabbinern. Kausteuten und ihren Frauen gewidmet. S. 141 findet sich die merkwürdige Notiz „Der Einfriedungsmauer entlang liegen einzelne Gräber von Wöchnerinnen, die aus religiösen Gründen abgesonderte Plätze erhielten". Sehr interessant ist ein Einladungsschreiben zu einer Sitzung der Friedhossverwaltung 1807 in hebräischen Buchstaben, mit halb deutschem, halb hebräischem Text. S. 29 wird Rabbiner Moses Nordmann als einer genannt, der gleichzeitig mit meinem Vater in Heidelberg studierte. Die Schrift ist ein schönes Zeichen der Pietät, ein sehr wertvoller Beitrag zur Lokalgeschichte und verdient auch wegen ihrer höchst würdigen Ausstattung besondere Hervorhebung. 0. Jr Nehemias Jehuda Leib, ein Märtyrer für den Judenleibzoll von Louis Lamm, Berlin, L. Lamm, 75 Pfennig. Ein interessantes Kulturdokument, bei dem mir freilich der Titel nicht behagt, denn der arme Kerl, der das Verbrechen begeht, um Geld für eine entehrende Abgabe zu erlangen, darf doch mit dem Ehrennamen eines Märtyrers kaum bezeichnee werden. Die Schilderung der armseligen Menschen ('.790) in ihrer unbeholfenen Naivetät ist höchst charakteristisch. ll. 6. Lücheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. M. Nuöl Rabbi Lach und seine Geschichten. Hesperus-Verlag G. ui. b. H. Preis 2 Mark. Geschichte der Juden und ihrer Literatur von Dr. M. Braun, Breslau, M. & H. Marcus 1910. Preis 2 Mark._ Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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