Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ä?;';;;:-KB#:r-;Ä";>::-yf'::Ä^ öotv Häufiger geschah es, daß.:die Beamten -Geschenke, mitunter mehrere tausend Kronen Betragend, aM dein'konfiszierten Vermögen erhielten. Dagegen verloren alle auswärtigen Gläubiger des Angeklagten jeden Anspruch auf dessen Vermögen; was dem Handel sehr schadete. Es hätte ja sem .können, daß die Aktiva nicht mehr betrugen als die Passiva, und da wäre die Inquisition leer ausgegangen. Das durfte nicht sein-da ließ man lieber den Verkehr mit dem. Auslande ruinieren. Gewöhnlich trieb die Inquisition alle Forderungen der Angeklagten für sich ein.- Als sich aber einmal die Einwohner vow.Teruel der Einführung des.Glaubensgerichts widersetzten und das „heilige Amt" sah, daß damit Gewalt nichts auszurichten war, schloß es mit den Bürgern der später durch Hartzenbuschs Komödie l.08 amantes de Teruel berühmt gewordenen; Stadt einen Vergleich: Es wurden ihnen gegen einen kleinen Anteil an der Beute für die Inquisition alle Schulden an die Ketzer erlassen-, und diese konnten nun ohne Schwierigkeit eingekerkert und verurteilt-werden. So haben die Teruelesen ihre Toleranz verkauft. Eordova scheint-sich der Einführung der Inquisition nicht widersetzt, zu haben, hatte aber darum von ihr nicht weniger zü leiden ' Aus einer von der Stadt an die Königin Johanna von Castilien gerichteten Beschwerdeschrift erfahren wir, wie von der Inquisition und' ihren Helfern ein Komplott (1505) geschmiedet wurde, das den Ruin einer ganzen Familie zur Folgehatte: Der erst 17 Jahrealte Archidiakonus von Castro Jüan Munoz. Sohn einer Christin und eines Convertitett> wurde nebst seinen Eltern vor das Religionsgericht gezogen. Welcher Sünde oder Ketzerei man ihn beschuldigte, wissen wir nicht, aber es scheint nichts Schweres gewesen zu sein, dettn die' Familie wurde nur mit dem Verlust des Vermögens' und er mit der Ausschließung von allen Aemtern bestraft. ^Wahrscheinlich erklärte man ihn für' strafbar; weil er, obwohl'-nicht von rein christlichem Blut, sich ein Kirchenamt verschafft chatte. Die'wahre Ursache der Verfolgung war wohl hauptsächlich sein sich auf 300 000 Maravedis belaufendes jährliches Einkommen. Dies wurde denn auch von der Gesellschaft „redlich" geteilt: Der Königliche Schatzmeister Moralos bekam das erledigte Archidiakonat, Calcena, König Ferdinands' Sekretär für. Religionsangelegenheiten, Grundbesitz im Werte von über' einer Million, der Inquisitor Diego Rodriguez Lucero verschiedene einträgliche Kirchenämter. Auch Kardinal Carvajeh der-mitgeholfen hatte, erhielt seinen Anteil. Noch schlimmer, als Lucero, trieb es' sein Vorgänger, Dr. Guiral, bis 1499 Inquisitor in Cordova. Er „verdiente" 15OOOO Maravedis x) (jährlich?) durch den Verkauf von Dispensen vom Tragen des Sanbenito — des Bußkleides, das manche für geringe Vergehen zu tragen verurteilt wurden. Mit dem Einnehmer der konfiszierten Vermögen im Einverständnis bemächtigte er sich eines großen Teils derselben. Die den Büßenden auferlegten Geldstrafen steckte er in seine Lasche. Den Konvertiten in Cordova erließ er-' die Konfiskation gegen Bezahlung' von zwei Millionen Maravedis und erhielt dafür eine Provision von 200 000 Maravedis, sowie außerdem 50 OOO von einem Zahlungspflichtigendem er' dazu verhalf, sich in' listiger Weise der Leistung seiner schuldigen Quote zu entziehen. - - Nach Avila versetzt, fuhr er-mit seinen Praktiken fort und verschmähte sogarnicht, einen Bestechungsbetrag von zehn Dukaten und einem Esel anzunehmen. . - 1) Ein Goldmarav.edl; ist ungefähr so viel als ein Dukaten, ein silberner'- natürlichviel weniger. Lea ist in Angabe der--Geldsarten-, etwas unklar. Mit diesen .Erpressungen und Unterschleifenschädigte er den königlichen Fiskus und wurde daher verhaftet und in Untersuchung gezogen. Das Resultat derselben ist aber nicht zu eruiren gewesen. Man kann jedoch annehmen, daß er nicht so hart gestraft, wurde, wie irgendein getaufter Jude, der kein Schweinefleisch essen wollte. Die Behauptung,; daß; sein Magen es nicht vertrage,, wollte das „heilige Amt" nicht gelten lassen. Da er kein gebratenes Schwein essen wollte, wurde er selbst gebraten. Große Unterschleife kamen auch bei der gewaltsamen Taufe der in Spanien gebliebenen Mauren vor. Es wurden; gegen 250 Moscheen in Kirchen umgewandelt, deren Vermögen und Einkünfte in; den Taschen des Adels und der Prälaten verschwanden. Für Besoldung von Pfarrern, für Schulen zum Unterricht der Bekehrten in ihrer neuen Religion blieb kein Geld. Im Jahre 1561 erklärte selbst eine königliche Untersuchungskommission:. „Die Mauren werden gezwungen, wie Christen zu leben und wie Ungläubige Steuer zu zahlen." . Ein Schauspiel aus. dem modernen Rußland, in drei Aufzügen. Bon Emanuel Kali sch. : '■ \;-'' . i. ' ' Personen: Helene. - -Frau Dörmann, ihre Tante. -Dr. Masirewitsch, ihr Vormund.; Helbing, Maler. .. Gustav-. Journalist. - . . Nathan Silberstein, Juwelier. . Sarah, seine Frau. Rosa, seine Tochter. . Moritz, sein Sohn.? Aljoschka, Diener bei. Helene. . .. Wassilij, Diener bei Helbing. Schauplatz der Handlung: Moskau. Zeit: Die Gegenwart. Rechts und links vom Zuschauer. Letter flukzug. Salon bei Helene. Einrichtung reich und geschmackvoll. In der Mitte der Rückwand ein Kamin; rechts und links je eine Türe. Vor dem Kamin ein Damenschreibtisch; in der Mitte des Zimmers ein runder Tisch. An der rechten Wand eine zweiflügelige Türe,, daneben ^echts und links Gemälde (Porträts). An der linken Wand zwei große Fenster, welche den Ausblick auf die Stadt Moskau gewähren. Zu Beginn der Szene herrscht Spät-Nächmittags-Stimülüng, welche alsbald in Dämmerung, Halbdunkel und Finsternis übergeht. Das Zimmer wird durch Gas- und elektrische Lustres glänzend erleuchtet. Erster Auftritt. Frau Dörmann, Dr. Masirewitsch. Frau Dörmann: Wo nur Helene so lange bleiben mag. Es macht mich in der Tat schon besorgt. Dr. Masirewitsch: Sie wird ihren gewöhnlichen Ausflug ein wenig verlängert haben. Frau Dörmann: Ach ja, mein Gott! Sie ist einfach unberechenbar. Man kann bei ihr nie wissen, woran man ist. Ich selbst bin ja doch auch nur eine Frau, und von Wankelmut nicht frei. Mein Mann — Gort Hab' ihn selig — hatte nur allzuoft. Gelegenheit, über meine Launen den Kopf zu schütteln. Doch kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten,