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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-31 · Heft 13 (31.3.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 13 (31.3.1910)
Date
1910-03-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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— Berlin, 29. März. Tas ' Jüdische Mädchenstift- Lothringer Straße 16. eine Anstalt, die unbemittelten jüdischen.Mädchen, vollständig unentgeltlich Unterhalt und häuswirtschastlrche Ausbildung - zur Vorbereitung sür-i-en .Dienstbotenberuf bietet. " hat nach. seinem eben erschienenen.Jahresbericht in. den zwei, Jahrzehnten seines. Bestehenseine recht ersprießliche ,Wirksamkeit entfaltet und auch im Berichtsjahre einen günstigen Fortganggenonimen. .Für. die. Bewährung der Mädchen im Dienst — diesem Beruf. sind im letzten Jahre fünf, insgesamt bisher 109 Zöglinge zugeführt worden. —. spricht die Tatsache, daß die Dienstprämie von 40.Mark für mehrjährige treue Pflichterfüllung bei derselben Herrschaft bereits 20. mal hat verteilt werden können. Soll das Stift über die bisherigen engen Grenzen hinaus wirken und die Zahl der Zöglingsstellen, welche im Höchstfälle bisher 16 betrug, erhöht werden, so bedarf es dazu dringend größerer Mittel, besonders des Beitritts neuer Mitglieder. Vorsitzende sind Professor Dr. Strelitz .und Frau Julie Neu mann. W. Posen, 24. März. Aus der letztaufgenommenen Statistik über die Stiftungen in der hiesigen Stadtkommune geht folgendes hervor: Die Stadt verfügt über 72 Stiftungen, deren Gesamtbetrag sich auf rund 1 900 000 Mark beläuft. Die Stiftungen ergeben, nach der Konfession ihrer Stifter festgestellt, für Bildungszwecke drei von jüdischen Stiftern, Bertheimsche Stipendienstistung 600 Mark, Dr. Warschauerfche Bücherprämien für Realschüler 312.10 Mark, Kronthalsche 21 973 Mark. -Unter den Stiftungen für Armen- und Wohltätigkeitszwecke sind jüdischen Glaubens die Erblasser folgender Stiftungen und Legate: Abraham Packschersches Legat 300 Mark, Kommissionsrat Schie Jaffä 4217.36 Mark, Geheimer Kommerzienrat Bernhard Jaffö 27 967 94 .Mark. Allgemeiner RcttungSsonds: Dr. Lewinskische 35 355.75 Mark, Leopold Goldenringsche 25 000 Mark^ Bersteinsche 15000 Mark, Moritz Milchsche 10000 Mark, Dr. Lündsbergersche 2000 Mark, Goldschmidt und Kuttuersche 1000 Mark, Heimann Marknssche 5 864 39 Mark, Louis Jaffesche Altersversorgung 33 688.8- Mark. Samuel Jaffesche 102 302.33 Mark. Ephraimsche 17 727.34 Mark, Auerbachsche 11 572.73 Mark, Heimann, Jtzig und PhittPPine Remaksche.l 530.45 Mark, Königsbergersche Altersversorgung 15 218'.68 Mark, Eduard Kaatzsche 14 988.68 Mark, David Jaffesche Familien 30 839.56 Mark, Dr. Samterscke 3603.11 Mark. Moralsche 16 681,06 Mark, Witlheimsches Legat 3000 Mark, Dr. Kantorowiczsche Spende 254.71 Mark, Moritz Milchscher Ärbeiteruntcrstühungsfonds 10 000 Mark, Mamrothsche 1546.60 Mark, Joseph Laudsbergersche 2972.28 Mark, Pauline Kronthal 4000 Mark, S. D. Jaffa 30 000 Mark, Moritz Viktor 10000- Mark. Kornicker 10 000 Mark. Max und Rosalinde Kantorowiczsche Stiftung 50 317.64 Mark. Die Summe der Stiftungen jüdischer Erblasser beträgt demnach rund 560 000 Mark. N. Hamburg, 28. März. Die ordentliche Generalversammlung des Israelitischen humanitären Frauenvereins fand im Logenheim, Hartungstraße stätt. Die erste Vorsitzende, Fräulein Sidonie Werner, erstattete den Jahresbericht. Der Same, deN Gustav Tuch legte mit der Schaffung mannigfaltiger jüdisch-sozialer Wohlfahrtswerke, hat auch in dem humanitären Fräuenverein fortgesetzt Früchte gezeitigt. Frauen und Mädchen erwerbstätig zu machen,' gilt als eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins, und der eingerichtete Stellennachweis im Gemeinschaftsheim wird vielfach in Anspruch -genommen. Auf Anregung von Dr. Emdenist sodann eine Säüglingsfürsorgestelle geschaffen worden, und mit dem von ihm gespendeten Kapital werden nährende Frauen entsprechend unterstützt, wenn die Einnahme des Mannes' beu; Wochenlohn von 25 Mark nicht übersteigt. Der Kinderarzt' Dr. Blank hat die Ueberwachung der Säuglinge übernommen. Für erholungsbedürftige Kinder ist in dem Solbade Segeberg eine vierwöchige Kur eingerichtet worden. Im vorigen Sommer ist diese Wohltat 56 schwächlichen Kindern zuteil geworden, und die Mittel hierzu würden aus den Sparbüchsen gewonnen. Tatkräftig wurde die Fortentwicklung gefördert, und das 1909 gegründete Jüdische Müdchenheim, das mit 14 Insassen einsetzte, zählt schon jetzt 23. Dem Gedanken der Zentralisation der Wohltätigkcitsvereine versucht der Frauenverein praktisch näher zu kommen durch ein Zusammengehen in gebotenen Fällen mit der Henry-Jones Loge, dem Unterstützungsverein für Obdachlose und der Armenkommission der jüdischen Gemeinde.-'Außer--der Werktätigkeit durch Erteilung von Stipendien. Ausbildung von ^eminaristinnen,^ Kontoristinnen und Gewerbetreibenden hät^der Verein sdine Aufmerksamkeit auch der Frauenfrage und de»r sozialen Bestrebungen7zugewendet7<-Er war bei-der Tagung des Allgemeinen deutschen Frauenvereins vertreten und» in der Großloge zur Bekäntpfüng 'des Mädchenhandels^ ^er 4st ^stimmberechtigt geworden bei dem Verbandstagedeutscher Juden und im Lokalkomitee des Zentralvereins deutscher Staatsbürger.jüdischen Märchens Die Jugendgruppe, die sich. aus ehemaligen Schülerinnen .der israelitischen höheren .Töchterschule gehi.ldet hat, leistes wertvolle soziale Hilfsarbeit hei all den erwähnten Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, der materiellen und. geistigen Not.zu steuern und ideelle Werke zü festigen. Der von Herrn.Paul Lasker erteilte Kassenbericht lautete günstig.. Der' Vorstand wurde durch Akklamation wiedergeipählt. . ' M, Hamburg,, im März.Die Denisch. Israel i 1 i.s-che . Ge° m'ernde . in Hanrburg hat im benachbarten. Altona, im Stadtteil Ottensen, einen Friedhof, der auf ein Alter von min destens 250 Jahren zurückblicken kann.. Der Friedhof ist für allgemeine - Beerdigungen geschlossen, nur wenige Falnilien besitzen dort n och einzelne Grabstellen für Erbbegräbniffei ' Die Gemeinde hatte dort noch zwei freie Grabstellen. wo auf Wunsch ' der verewigte Oderrabbiner M., Hirsch .seligen Angedenkens seine letzteiRuhestätte fand; der zweite Platzbleibt als Erbbegräbnis für die Gattin des Oberrabbiuers reserviert. — Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Friedhof schon im 16. Jahrhundert an gelegt/ Nach einer Urkunde im Hamburger Staatsarchiv kaufte,1582 Arend Jakob v. d. Littau, offenbar selbst wenn nicht in. Hamburg wohnhaft, so doch dort geschäftlich tätig, in Ottensen, welches, damals zum Kirchspiel St.. Pauli gehörte, aber unter der Botmäßigkeit der Schaumburger Grafen stand, für 400 Mark Lübisch von dem Bauern Hein' Kröger ein Haus mit Hof. Dieses Grundstück wurde später (1614) als Friedhof eingerichtet. Ein Jahr später erhielt der Perlenhändler Isaak aus Salzuflen für sich und zwölf Glaubensgenossen die Erlaubnis, sich in Altona und. Ottensen niederzulassen. Sein Gesuch um Aufnahme in Hamburg wurde vom Senat abschlägig beschieden; die hier seit 1583 ansässigen portugiesischen Juden waren Marannen. Zu Michaelis 1584 bestätigte'Graf Adolph v. Schaumburg den beiden Juden Michael und Abraham das Recht, in Ottensen und Altona, zu wohnen uyd mit Hamburg Handel zu treiben. , In der Urkunde heißt es unter anderem: „Sturb aber Jemands der obbemelten Juden oder Ihrer Gesinder. soll ihnen ein orth anwiesen werden, da sie mögen begraben werden." Ob dies derselbe Platz ist, der noch heute als' Friedhof existiert, läßt sich nicht mehr genau feststellen, doch gilt es als ziemlich sicher, da esja nach dem jüdischen Religionsgesetz verboten ist, die Toten zu exhumieren. Die ursprüngliche Größe des heutigen Platzes ist nicht vermeffen und auch aus den vorhaüdcnen Dokumenten nicht zu ersehen^., ^las erste dieser Papiere, datiert Pinneberg, den 15. Juni 1664, verordnet eine Geldbuße wegen zweier' dorthin begrabener Kinder, von solchen Juden, welche nicht im Schutzverbande stehen. Hieraus ergibt sich also, daß der Friedhof schon vor 1664 in Benutzung war. Die Abschrift eines Gesuches um Erlaubnis zur Niederlassung in Ottensen, und Anlegung eines Be» gräbmsplatzes daselbst, gerichtet an den Kanzler des Königs, verfaßt und übergeben durch Jakob Soetmann in Hamburg, gibt keinen Aufschluß über die Sache und ist ohne Datum. .Ebensowenig ist etwas aus einem unter dem 5. Mai 1666 zwischen den Hamburger und Altonaer Juden in betreff dieses Friedhofes geschloffenen Kontrakt' und der dabei befindlichen Spezifikation der' Unkosten des Ankaufs, welche im ganzen 871 Mark Courant betrugen, ersichtlich. Ans allen diesen Papieren geht nur hervor, daß der dänischen Regierung 8 Taler Rekocjnition zu erlegen waren. Am 3. Dezember "1671 erkauften die Gemeinden Hamburg-Altona von Tina Lütgens und Peter Baden in Ottensen einen Strich Landes von sieben Ruten Länge, oben sechs, unten vier Fuß breit, wofür an erstere 14, an letzteren vier Taler bezahlt wurden.' Die Gemeinden übernahmen auch außerdem die Herstellung der durch die im Läger von Hamburg gestandenen königlichen Truppen niedergerissenen undver brannten Planken, sowie die Absonderung des Begräbnisplatzes von den Gehöften der erwähnten Nachbarn. Einen interessanten Rückblick auf die Preise von Grund und Boden im' 17. Jahrhundert gewahrt es auch, wenn wir aus einem im Gemeindearchiv befindlichen Protokoll-

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