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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-31 · Heft 13 (31.3.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 13 (31.3.1910)
Date
1910-03-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Bferlln, 31. Mti 1910 74. Jahrgang. Nr. 13 »er zMithmetttM MtMüß dH IudWtumß^ KükkktpöNdkn-m und Kschrichtkn. Deutschland. *.* Berlin, 29. Marz. „Zum Gedächtnis Abraham Geigers" (1810 bis 1910) lautete das Thema, über das Rabbiner Dr. Warschauer am 22. d. M. im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach. Der Vortragende suchte zunächst an der Hand eines ausführlichen Lebensbildes Geigers eine Üebersicht über das so umfangreiche und vielseitige Schaffen des außerordentlichen ManneS zu geben. Er verweilte besonders bei den Entwicklungsjahren Geigers, zeigte, wie frühe das geistige Werden desselben abgeschlossen war und die Ideen ihm reiften, die bis zuletzt seine wissenschaftliche und praktische Arbeit geleitet haben. Das Bild des Lebens biete zugleich ein solches der Persönlichkeit, das, nach der menschlichen Seite , aus den Briefen Geigers ergänzt, dargestellt wird; hierauf versüchle der Redner eine Würdigung der bleibenden Bedeutung Geigers. Er hielt, trotzdem der Name ein gerade heute wieder heiß umstrittenes Programm bedeute, eine solche, und zwar in objektiver Weise, für durchaus möglich. Zunächst gebühre dem wissenschaftlichen Forscher und Gelehrten nach dem Umfange wie Nach dem Werte seiner Leistungen ein erster Platz unter den Begründern der jüdischen Wissenschaft. Das geschichtliche Verdienst des Reformators bestehe darin, daß er der Reformbewegung eine wissenschaftliche Basis gegeben, die Geschichte des Judentums als den Entwicklungsprozeß einer religiös-sittlichen Idee begriffen und damit eine jüdische Theologie geschaffen habe. Endlich sei Geiger ein mannhafter und selbstbewußter Verteidiger des Judentums gewesen, der in der wissenschaftlichen Apologetik und Polemik gegenüber dem Christentum wie im politischen Kampfe Hervorragendes geleistet habe. Hierin aber müsse er allen, die an den Bestrebungen des Vereins für jüdische Geschichte teilhaben, vorbildlich sein: wie ihn die Erkenntnis der jüdischen Vergangenheit und ihrer Größe zu einem stolzen, aufrechten Juden gemacht habe, so müsse auch uns die Beschäftigung mit unserer Geschichte ein Quell starken jüdischen Selbstbewußtseinswerden.—Reicher, wohlverdienter Beifall lohnte den Redner für seine interessanten und belehrenden Ausführungen. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Herford sprach Rabbiner Dr. L. Rosen - thal-Berlin über: „Kohelet, Hamlet, Faust. Drei Rätselbücher der Menschheit", in Rees Zahnarzt Ehrmann-Düsseldorf über „Jüdische Kultur"; in Köln Direktor Jacob Loewenberg-Hamburg: Eigene Dichtungen; in Mülhausen Divisionspfarrer Dr. Poertner über „Herodes der Große"; in Zweibrücken Bezirksrabdiner Dr. Meyer über „Joseph Süß Oppenheimer (Jud Süß) in Dichtung und Wahrheit"; in Frankfurt a. M. Direktor Loewenber'g-Hamburg: Eigene Dichtungen; in Rakel Rabbiner Tr. Pick-Straßburg über „Nathan der Weise und der Talmud"; in Nogasen Lehrer Brock über „Ludwig August Frankl". In Aachen. Duisburg. M.-Gladbacb, Krefeld, Mülheim (Ruhr), Wesel sprach der Vorsitzende des Verbandes Dozent Dr. E l b o g e n - Berlin über „DieJuden am Niederrhein unternapoleonischer Herrschaft". s. Berlin, 28. März. Am Sonntag fand in dem überfüllten Gotteshaus der Reformgemeinde die Konsirmationsfeier in üblicher Weise statt. Unter den Klängen des Psalms: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn" wurden die Konfirmanden (4 Mädchen und 18 Knaben) in das festlich geschmückte Gotteshaus geleitet. Nach der Liturgie sprach eine der Konfirmandinnen mit innigem Ausdruck das Dankgebet für Gottes Gnade und der Eltern und Lehrer Mühe um die Erziehung. Unter Zugrundelegung des Psalmworts: „Opfere dem Ewigen Dank und entrichte ihm Deine Gelübde" hielt sodann Herr Dr. Klemperer die erhebende Festpredigt. In sinniger und zu Herzen gehender Weise sprach Redner von der Erziehung der Kinder, von den Eindrücken des elterlichen HauseS; was von der Mutter Seele hinüberströme in die Seele deS Kindes sei, wie in einer Legende berichtet wird, ein Gewand des Kindes, das mit den Jahren mitwächst bis zum Ende seiner Tage; einer der wichtigsten Faktoren sei jedoch die religiöse Erziehung, die des' Lebens währe Entfaltung bewirke. Die Reformgemeinde, so betonte Dr. Klemperer, betrachte es als eine hohe Genugtuung, daß ihr Streben bei der Begründung, die Erhaltung des jüdischen Geistes und der jüdischen Weltanschauung, heute immer mehr anerkannt werde, und es erfülle sie mit Stolz, baß Eltern, die auf einem anderen religiösen Standpunkt stehen, ihr dennoch ihre Kinder zum Religions- . und Konfirmandenunterricht zuführen. Das ihnen dort Gelehrte werden sie treu bewahren; denn das Judentum erkennen, heißt, es anerkennen. Nachdem die Konfirmanden die von ihnen gewählten Bibelsprüche aufgesagt, erfolgte die Segenserteilung. Der Psalm „Hallelujah" beendete die eindrucksvolle Feier. e. Berlin, 25. März. Den Schluß in der Reihe der Montagsvorlesungen zum Besten des Stipendiensonds der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" bildete der am 14. d. M. stattgefundene Vortrag des Rabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen über „Die Tiroler Juden und das Jahr 1809". Der Redner legte dar, welch hervorragenden Anteil die Juden am Tiroler Ausstande 1809 genommen, wie sie besonders durch reiche Geldmittel den Freiheitskampf unterstützt haben. Eigentlich hatten die Juden hierzu keinen Grund, da ihnen Napoleon vielerlei Rechte eingeräumt hatte, während ihnen die bayerische Regierung darauf niemals eine Hoffnung gab. Die Juden halfen Tirol eben nur aus Liebe zu ihrem Geburtsland. Auch an dem erneuten Aufschwünge Tirols haben die Juden einen großen Anteil. Sie sind die eigentlichen Schöpfer der dortigen Industrie. Die Geschichte der Tiroler Juden ist aber nur ein Beispiel dafür, daß die Juden mit allen Kräften für das Wohl des Landes einstehen, das sie ausgenommen hat. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. --- Berlin, 25. März. Die Frage der Zentralisation der Wanderarmenfürsorge scheint aus dem besten Wege zu ihrer Lösung zu sein. In allen Teilen des Reiches hat sich ein ganz außerordentliches Interesse für diese Angelegenheit bekundet, und in den meisten Landesteilen hat mau sich bereits für die Begründung von Provinztalkassen mit einer Zentralkasse in Berlin entschieden. In voriger Woche wurde eine solche Provinzialkasse definitiv für Hannover und Braunschweig beschlossen, für welche in geradezu mustergültiger Weise Herr Senator Fischer-Hannover die Vorarbeiten geleistet hatte. In dieser Woche ist zu dem gleichen Zwecke der Begründung einer Provinzialkasse für die Provinz Sachsen, das Herzogtum Anhalt und Thüringen eine Versammlung der beteiligten Gemeinden nach Magdeburgs einberufen, zu der unter anderen auch die Mitglieder der Zentralkommission, die Herren Feilchenfeld-Köln. Generalsekretär Dr. Kahn vom Hilssverein und Herr Dr. Neumann, Generalsekretär des Deutsch-Jsraelitischen Gemeindebundes und andere teilnehmen werden. Auch in Elsaß-Lothringen ist eine Provinzialkasse in der Bildung begriffen. Eine unter der Leitung des Herrn Hagenauer- Straßburg abgehaltene Versammlung von Gemeindevertretern wählte eine sünfzehngliedrige Kommission, die sich mit dem Gegenstände zu befassen hat. Ebenso ist man in Süddeutschland aus dem Wege; Verbände zu schaffen, die sich der Zentralisation anschließen sollen. 6, Berlin, 20. März. Der Israelitische Jünglingsverein „Montefiore" hielt heute seine Generalversammlung in seinem Heime, Gipsstraße 12g, ab. Dem Berichte des Vorsitzenden Herrn Levy entnehmen wir, daß der Verein 163 Mitglieder und 50 Gönner zählt. Außer dem Lernkursus veranstaltete er Vortrags- und Schachabende sowie Ausflüge. Der Kassenbericht ist günstig: 3090 Mark Einnahmen stehen nur 2200 Mark Ausgaben entgegen. Der Bibliothek wurden von verschiedenen Herren, darunter von Professor Berlin er Bücher gespendet. An den Bericht des Vorstandes schloß sich eine lange Debatte» an der sich die meisten anwesenden Herren beteiligten. Die von den Mitgliedern gestellten Anträge wurden dem neuen Vorstande als Material überwiesen. Dieser setzt sich aus den Herren Jakob Levy, Louis Levy, Hirschfeld, Joelsohn, Schmulewicz, Dr. Moses und Kempe zusammen,

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