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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-31 · Heft 13 (31.3.1910) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 13 (31.3.1910)
Date
1910-03-31
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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derer, die uns bevorstehen. Warum traurig sein? Wir sind; ja so glücklich, so felsenfest, so unerschöpflich ewig, und wie ich still vor mich hingespröchen, als ich so einsam da draußen umherging: ich war schon so namenlos. unglücklich aus dieser Erde, es muß, es müß mir noch gut gehenich will ja gewiß.. nie ablassen, mich den Edelsten zuzuwenden, und meine/Nina hält mich fest, nicht umsonst mußte dieses duftige Dasein so unbewußt harrend hingestellt werden, bis es in mich ausging- O du liebe gute Nina, wie Hab ich Dich so ganz in:mir.' Weine nicht, meine liebe Nina, ach Du weißt es ja, wie glücklich ich bin durch Dich. Es ist jetzt kaum eine Stunde vorbei, seit Du von mir fort bist, äußerlich, ich kann mir's noch nicht recht denken, daß es so ist, ich sehe oft um mich, ob ich Dich nicht erschauen und in die Arme schließen kann, meine liebe Nina ich habe Dich doch stets bei mir, ich möchte auf das ganze Papier weiter nichts schreiben.als immerfort: meine liebe Nina, meine liebe Nina. Ich werde jetzt auch so gestört, daß ich sonst zu keinem Ausdruck kommen kann, da spielt jetzt eine Bänkelsängerfamilie' servile österr. Lieder zur Harfe, an einem anderen Tische lärmt eine Zechgesellschaft und nicht weit von mir wird kroatisch gesprochen und das Wort: meine liebe Nina! ruht in mir wie ein Kristalltropfen mitten in einem umtosten Felsen eingeschlossen. Da sitze ich hier in einem Orte, dessen Name nicht für Mich da war, er bildet jetzt einen Markstein in meinem Leben- Ach wie lieb wars von Dir meine liebe Nina, daß Dein letztes Abschiedswort war: küsse mir Deinen August. Ja, bald ist^s -unser August, Und ich sehe jetzt im Geiste hinaus auf ein Grab, darin Deine verklärte Schwester ruht und sie segnet Dich und mich. O wie ist^s so heilig, daß wir so andächtig von meiner Auguste reden können und ihrer' gedenken als eines Geistes, der uns hineinhebt in die göttliche Reinheit'der Ewigkeit. Ich muß abbrechen, denn es wird auch Nacht und ich kann nicht mehr, schreiben. Nach einer langen Pause: ' , Der Kellner kam an meinen Tisch, brachte mir Licht und. sagte dabei: guten Abend! Das tat mir besonders wohl. Wir haben uns schon bei Tag gesehen und jetzt begrüßt er die „Nachtschönheit" aufs neue: Solch ein Gruß aus fremdem Menschenmunde ist besser als das Einläuten des Abends vom Kirchturme herab. Wenn die Menschen nur immer bedächtenwie sie durch ein Wort einen Sonnenblick in ein Herz schicken können, sie würden nicht so starr und kalt aneinander vorbeifausen; aber die Engherzigen weisen so oft die dargebotene Geisteshand durch ein Wort zurück und es hat ein jeder so viel mit sich zu tun. Ich selber bin jetzt schon wieder ein ganz anderer als der das Blatt hier neben geschrieben, d. h. derselbe. Du weißt es ja, nur sind die geistigen Prozesse in mir so rasch, daß man mich ganz kennen muß, um mich zu verstehen, und Du kennst und liebst mich. Ich möchte jetzt einen naturgeweihten Menschen haben, dem ich das sagen könnte. O meine liebe, gute, liebe Nina, ich weiß nicht, daß ich hier bin in einem fremden Orte, ich bin wie losgelöst aus dem Einzeldasein und eins mit Dir fliege ich hoch hinan. Ich komme mir jetzt so' seltsam vor, Da ich wieder in die Welt trete mit all ihrem Wirrwarr, mir ists wie Moses, der der Sage nach auf Sinai der Gottheit ins Antlitz geschaut und sein Angesicht strahlte. Ich habe mit Dir, meine Nina, der Ewigkeit ins Sonnenauge geschaut, ich komme mir mit Dir schon wie ewig vor. und ich halte in ^Dir mein schönes Diesseits und Jenseits. : \ , Ich. weiß kaum, was.ich hier schreibe, aber ich rede.und tr.äume so in Dich hinein und alles, -was, ich jetzt, denke und fühle, ist nur.ein. Nachklang ausder großen getragenen Har- , nmnie, die wir miteinander-durchlebt. Voll Tollheit, und . -in Andacht: - Ich lege mich jetzt.lautlos an:Dein Herz-.und höre•- es pochen/: nicht wahrMu bist selig wie ich? Wenn-ich - was . Trauriges geschrieben,, ich überlese -es nicht .mehr, .soklingt. Dir doch. die. Helle Melodie?fortund fort in der Seele wie mir. i Ich küsse Dich, meine: geliebte, .meine. Nina, ich darf nicht - mehr weiter schreiben, sonst. kommt doch snichts heraus als meine, meine Nina! : . . .? : . . - Dein Berthold. Laß Dir die Geschichte Heinrichs i) nicht HU sehr zu Herzen, gehen und genieße das neue?Leben der Wiedergeborenheit in seiner ganzen Größe mrd Schönheit. : . -v j;! Lundenburg im Stationshause, den 2t. April 1849, .. Abends Schlag 8 Uhr, Drr weißt, ich sehe.gerne. auf' die? Uhr, um so etwas genau zu wissen. - v? : - . . : Von Breslau aus -schreibe ich wieder.- Grüße alle die. Unserigen. ' - - - - ' --- - - ' > : Gegen. 11 Uhr.r -. Ich habe bis jetzt still in mir gesessen und danw geraume Zeit dem Tarockspiel zugesehen. Ich verstehe nicht viel,davon,, aber es zerstreut mich doch, und jetzt will ich. Dir nochmals gute Nacht sagen, meine liebe, liebe Nina! .Sei heiter und. glücklich wie Du mich machst. Leb wohl, - gute, liebe: Nina,, gute Nacht-. - - - -- - . - ' Ärr „verrückte Mkrrd". Eine jüdisch-slowakische Dorfgeschichte von" Anno 1^70, nacherzählt-von Ludmilla Koelle. . - - ' ' ' ' ' ' m. / '?? / ' ^^allo! Hallo! Herr Doktor, wachen Sie aus!" -7- „Wer da?" fragte Doktor Viräg, den. Kopf aus dem Fenster hinaussteckend. — „Ich bin im Namen Seiner Durchlaucht des, Fürsten. Berzinsky hier. . Sie sollen. .sofort mit aufs Schloß, kommen, denn, es ist Gefahr im Verzüge." 7 ., , - , .. - „Im Namen des Fürsten Berzinsky!. .. Juchhe, Frau!" ries Viräg freudig rns Zimmer hinein. „Jetzt habe ich gewonnenes Spiel und trotze den Schikanen aller Stuhlrichter. Der Fürst läßt mich holen; es soll nicht das letztemäl sein . . . In zehn Minuten bin ich unten," wandte er sich-wieder-an den Groom und schloß das Fenster. ' - ' - - ' - Die angegebene 'Frist war noch nicht ganz-verstrichen, als sich das Haustor öffnete und der Doktor, mit - hohen Pelzstiefeln und Pelzmantel bekleidet,; heraustrat: Die Magd 'folgte mit Plaid und Medikamentkasten.;; '; * „Freund Kutscher fahrt vor, ich bin'bereit!" schrie er-in die Nacht hinein/ ' ' r - - Ein lustiges Pserdegeträppel schlug an sein Ohr, über vom Wagengeroll hörte er nichts. Er zündele eine Handlaterne an, die er stets bei sich trug, und sah bei dem Schein derselbe^ ein paar Vollblutpferde aus dem Schäften. der Bäume . treten. Der . Groom grüßte verlegen und bestellte zögernd seine Botschaft. Ein freundliches: Lächeln huschte über die Lippen, des Arztes, ohne-ein Wort zu entgegnen, streifte er Y Ihres Bruders. ..

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