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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-31 · Heft 13 (31.3.1910) · p. Seite 150

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 13 (31.3.1910)
Date
1910-03-31
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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Hang gefallen- und als dieser fielwendete sich Sonnenthal sofort an seinen furiosen''Nachbar. „Mein Herr-" erklärte er ihm/ ,-ich bin kein Claqueur, für-den-Sie mich gehalten,- ich - bin-: ein Fremder, - dev von Ihren Künstlern ' einfach begeistert -ist,- und ich wundere mich nur,- daß-Sie als Franzose Ihren Künstlern nicht auch den Beifall zollen, den -sie - in so -hohem - Grade verdienen-" - Nebst den Moliereschen Stücken - sah - Sonnenthal noch -eine Anzahl Moderner Lust-'und Schauspiele, und sein Eindruck war ein -geteilter. Die Darstellung des -Lustspiels fandseinenrückhaltlosen Beifall, und er mußte nach" dieser Richtung den Franzosen -die Palme -reichen; doch sah er sich bemüßigtim Schauspiel und zumal in der Tragödie - den Wienern - den Preis zuzuerkennen. - - - Der Uebergang .des - Meisters ins ältere Eharakterfach - vollzog sich unter Dingelstedts Direktion und zwar bei Gelegenheit-der ersten Aufführung.von „Jromont - . - ' L Risler". Dingelstedt schickte ihm das Buch mit dem Bemerken, daß er das -Stück nur - dann geben werde, wenn der Künstler sich für die Rolle des älteren Risler interessieren könnte, lieber Nacht sollte er sich entscheiden. Am anderen Morgen sandte er ihm das; Stück zurück und schrieb nur die zwei Worte - darunter: Mit Wollust! Er gingauch sofort an das Studium der Rolle, aber je näher der Tag der Aufführung heranrückte, um so kleinmütiger. wurde er, denn seine besten Freunde wollten nicht daran glauben, alle Welt zuckte die Achseln, nur seine Freundin Wolter, seine , erste Sidonie, sprach ihm während der Proben - fortwährend Mut zu, und das dankte er ihr zeitlebens, denn er brauchte Aufmunterung wie das tägliche Brot. Das bedächtige Naserümpfen ' .eines Kulissenschiebers konnte ihn entmutigen. Dann ging es an die größeren tragischen Ausgaben: Faust,- Antonius, Othello, Tell, Wallenstein- - Lear, Macbeth, Meister von Palmyra, Nathan usw. Er -arbeitete rastlos - - und unentwegt an der Darstellung und Aus- . gestaltung dieser Rollen, denn er war sein Leb- A-olf v. tag immer sein strengster Kritiker gewesen. als Nathan Leider mißgönnte der Allbezwinger Tod dem Publikum den Genuß, den Altmeister als Shylock zu bewundern. - Sonnenthal war aber nicht nur ein unvergleichlicher, überwältigender Künstler, sondern es. wohnte in ihm auch eine Künstlerseele.. Sein Leben war fortlaufend der Ausdruck eines wahren und intimen Lebens in der Kunst, die er sich, zur strengen und ausschließlichen Aufgabe gemacht hat. - , ■ ' Beruh. Münz. . Idolk Lonnknthal als Grdenner. Mit einem ungedruckten Briefe Sonnenthals. ' einen 'bisher <u n g e d ru ckt en, h ochinteressänten' Brief 'des -berühmten' Meisters zum erstenmal veröffentlichen'ZU können, -der ' um so beachtenswerter erscheint,- weil Sonnenthal sich-darin als-- Bekenner >in religiöser Beziehung - und --mamentlich ---als schneidiger Gegner des Antisemitismus -offenbart: Der an' den -Genannten gerichtete Briefs hat sollenden Wortlaut: - - ' - " - „Euer-Hochwürden! >r\:' - i;; haben mir durch Übersendung Ihrer--höchst geist- und-inhättreichen Predigt - eine anregende, ja andachtsvolle Stünde bereitet.- - - ' *; •- : : - -- Ihr -Themader einalleinige Gottesgedanke/ ist es jawas uns zu Juden macht, under allein ist der feste Kitt^nicht/lwie ' Sie ganz zutreffend 'den Dichter ^verbessern, - des „-m-orfcheM, -- sondern des vielmehr unauflöslichen Bundes, -der'uns zusamm'en- . hält, und der uns die Kraft verleiht-'dieser-verpesteten Seuche der sogenannten „neuen Zeit'-, dem Antisemitismus,-die Stirne zü bieten. > - -Ich selbst, wenn auch nach'mnserön heiligen Dogmen nicht religiös, '-'doch, bis - in - die innersten Fasern meines- -Herzens -Jude,- sich begrüße eineffolche erhebende und neübklebende Stimme-Wie die Ihrige jederzeit mit dänkbarem '. Enthusiasmus, und - wo 'ich'-' selbst - - im Stillen /oder auch ganz laut mein Scherslein beitragen V>-,-^'kanntue ich es immer. 'Als ich vor einigen ' Jahren zum erstenmal Lessings Nathan" " V spieltewurde mir vonverschiedenen Seilen •'.V. große Anerkennung zuteil- - und aucheme süvst- " - liche Gönnerin von mir,- ließ mich zusichrufen und' überschüttete' mich-mit Lobeserhebungen.-! „Durchlaucht,". erwiderte ich, „ diesmal -hat ' der Künstler weniger Anteil an dem Erfolge gehabt: als vielmehr der Jude' in mir, der nnch^. für meine Aufgabe begeisterte.- Es war. mir, - geradezu eine Wollust.' einmal /von meiner s; Kanzel herab mein schmerzersülltes Herz^.auszuschüttem" . : ' ' ' - Die Fürstin sah -mich 'eine/Weile überrascht an, dann drückte sie wir stumm- 'die . Hand' es: wyr/die Für-stinPauMe-MetterMch. . Noch ganz besonders Dank muß ich Hvchwürden aber sagen, -daß Sie in i so warmen, schwungvollen Worten unserer unglücklichen Kaiseringedachten, - deren Schicksal wohl zu den entsetzlichsten und: zugleich :erschütterndsten unseres Jahrhunderts gehört.- - '' Z :• •/ .. Nochmals Dank von ganzem Herzen- -und empfangen Sie /zugleich den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtungmit welcher ich verbleibe . . . / - . Ew. Hochwürden ganz.ergebener: . v; Sonnenthal." Wien, 8. November 189§. , .... - onnenthal -er weise. Von Adolph Kohut. -eber Adolf Sonnenthal hat man eine kleine Literatur zusammengeschrieben. Bisher war jeborf) seine Stellung zu religiösen Fragen noch unbekannt, wenn man auch wußte, daß der von ' seinem. Kaiser, Franz.-Jofest I., und -anderen Potentaten mit Titeln und Orden so ausgezeichnete Künstler fest am Glauben seiner Väter hing und dem Judentum treu ergeben war. .Durch, die Freundlichkeit, des. hervorragenden Kanzelredners und namhaften Gelehrtes Predigers Dr. D. Leimdörser in . Hamburg, bin, ich. in die ,LjM, versetzt worden^ hier Die Lage der preuhilchen Rabbiner. . Von Theologus.' \'V / i. , : ‘ or einiger Zeit ist im . Preußischen Abgeordnetenhause ein von freisinniger Seite eingebrachter Antrag .verhandelt worden, der darauf Bezug nahm, daß aus allgemeinen Staatsmittelu für die christlichen Konfessionen ganz - .erhebttche..ÄufwMdungeu.'-gemächt--.wer!den.und.. dieses selbstverständliche Recht auch für. Sie. bisher übe.rgegangenen Judenbeanspruchte. . /Er

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