Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1910)
- Date
- 1910-03-31
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nti mich erfolgte; denn als wir am 1. Juni Ausgetretenen kurz darauf am 3. Juli 1867 zur Feier des ersten Jahrestages der Schlacht von Kömggrätz uns auf Einladung des Regiments im damaligen Hofjäger einfanden, und ich mich' Lei meinem Kompagniechef während der Dienstzeit Hauptmann v. Wrochem (10. Kompagnie) meldete, nahm er Veranlassung, sich mit mir über die Erteilung der Qualifikation an Juden uuszufprechen. Ein anderer jüdischer Einjährig-Freiwilliger war während des Examens zurückgetreten. Herr v. W. frug mich nun, ob es wahr wäre, daß er zurückgetreten wäre, weil er geglaubt hätte, als Jude doch nicht die Qualifikation zu erhalten. Ich mußte dies der Wahrheit gemäß bestätigen, worauf er bemerkte, das Offizierkorps hätte nun doch bewiesen. daß es derartige, Vorurteile nicht kenne. Das Schreiben fiel nyr jetzt beim Kramen in alten Papieren wieder in die Hände, und glaubte ich der Redaktion davon Kenntnis geben zu. sollen zur Kennzeichnung der Verhältnisse damals und jetzt. Aus welchem Grunde ich seinerzeit meine Erklärung nicht „hierunter" abgegeben habe (dieses Wort ist auch im Original dazwischen geschrieben), weiß ich nicht mehr. Heute bin ich dem Zufall dankbar, der es als Zeitdokument erhalten hat. Die Anfrage selbst lehnte ich seinerzeit dankend ab, da ich als 22jähriger Handlungsgehilfe ohne Vermögen und ohne hervorragende Stellung natürlich nicht daran denken konnte, Reserveoffizier beim 2. Garderegiment zu Fuß zu sein. Nach der Lektüre dieses Schreibens kann man sich des Glaubens nicht erwehren, daß die alte Zeit doch besser gewesen sei, als die Gegenwart. Der Geschichtskundige indessen wird deswegen die Hoffnung nicht aufgeben, daß wie nach dem Winter der Frühling, auch nach dunklen Epochen sonnige und heitere erscheinen werden. - Folgende Aussehen erregende Mitteilung über die älteste Urkunde über die Sintflut entnehmen wir der „Frankfurter Zeitung": „Prof. Tr. Herm. V. Hilprecht, der bekannte Asshriologe und Semitist der Universität Philadelphia, der eine babylonische Darstellung der Sintflut gefunden hat, macht über die Einzelheiten seines Fundes einige nähere Mitteilungen. In etwa acht Tagen, so berichtet er, wird aus seiner Feder eine (von der Universität von Pennsylvania herausgegebene) Arbeit in englischer Sprache unter dem Titel „Die älteste Urkunde der Sintflutgeschichle und die Tempelbibliothek in Nippur" erscheinen. Er veröffentlicht in diesem Werk ein altbabylönisches Tontafel-Fragment, enthaltend die Sintflutgeschichte, das von ihm im Jahre 1900. in den Ruinen von Ntppur in Zentralbabylonien entdeckt wurde. Die Sintflutgeschichte stammt aus der Zeit um 2100 v. Chr., war also versaßt,, ehe Abraham von einer babylonischen Heimat „Ur aus Chaldäa" (1. Mos. 11,31) auswanderte; sie ist also das älteste Dokument dieser Art, das wir besitzen, und stimmt in allen wesentlichen Einzelheiten mit den biblischen Berichten überein. $ Das soeben zur Ausgabe gelangte, Statistische Jahrbuch für den Preußischen Staat 1909, enthält u. a. eine sehr interessante Statistik der jüdischen Mischehen. Unter den für den ganzen Umfang der preußischen Monarchie festgestellten 380 £94 Mischehen, die bei einer Gesamtbevölkerung von 37 293 324 Seelen zu verzeichnen sind, entfallen auf die 409 501 jüdischen nicht weniger als 5117 Mischehen. Während so der Anteil der Juden an der Gesamtbevötkerung 1,1 Prozent ausmacht, ist der Prozentsatz der jüdischen Mischehen im Verhältnis der Gesamtzahl der Mischehen 1.3 Prozent. Nach den einzelnen Provinzen verteilt,, entfallen auf die Provinz Posen nicht nur absolut, sondern auch relativ die bei weitem wenigsten Mischehen. Bei einer jüdischen Bevölkerung von 30 433 Seelen weist die Provinz Posen nur insgesamt 35 Mischehen auf, während deren Anzahl z. B. in Hannover, wo hie Zahl der Juden nur etwa die Hälfte, nämlich 15 581 beträgt, die Mischehen das Vierfache wie in Posen, nämlich 138, ausmachen. Die höchste Zahl der Mischehen ergibt sich für Berlin, wo 148 -- sie nicht weniger als 2147 beträgt. Das dürste, ba die jüdische Bevölkerung des Stadtkreises Berlin, für welche, biete. Ziffer Hex Mischehen festgestellt ist, 98893 beträgt, fast Mn Prozent aller jüdischen Ehen überhaupt -Mmachen.. AuchDr', .de«übrigen Teil der Provinz Brandenburg mit ihren 40427 Mischen Bewohnern ergibt sich eine erschreckend hohe Zahl jüdischer Mischehen, nämlich 992^ das ist relativ ungefähr das Zwanzigfache der Zahlen für die Provinz Posen. Wie sich im übrigen die jüdischen Mischehen Liber die einzelnen Provinzen des preußischen Staates verteilen, ergibt sich ans den folgenden Daten. Es betragen' die jüdischen Mischehen in der Provinz Ostpreußen 60, in Westpreußen 50, in Brandenburg (ohne Stadtkreis Berlin) 992. im Stadtkreis Berlin 2147, m Pommern 66, in Posen 35, in Schlesien 358. in der-Provinz Sachsen 156, tu Schleswig-Holstein 122, in Hannover 138, in Westfalen 135, in Hessen-Nassau 350, in der Rheinprovmz 506 und unter den 469 Juden Hohenzollernsche Lande 1. Nur in sechs Provinzen, nämlich inWestprenßen, Posen, Schlesien, Westfalen, Hessen-Nassau und Rheinprovlnz überwiegt die Zahl der Mischehen zwischen jüdischen Frauen und andersgläubigen Männern, in den anderen Provinzen die Zahl der Mischehen, wo der Mann jüdischen -Gluübens ist. Während aber die Differenz im allgemeinen keine allzugroße ist, übersteigt in Berlin wie in der Provinz Brandenburg die Zahl der Mischehen, in denen der Mann Jude ist, ganz erheblich die Anzahl der Mischehen, die > jüdische Frauen eingehen. So beträgt die Zahl der Mischehen jüdischer Männer in Berlin 1314/ diejenige jüdischer Frauen aber nur 833, und in Brandenburg ist bas Verhältnis 655 zu 337. Unter den Regierungsbezirken weisen die höchste Anzahl jüdischer Mischehen außer Berlin und Potsdam die RMchchngSbezirke Breslau (230) und Wiesbaden (300) auf. die niedrigsten Zifferu die Regierungsbezirke Allenstein (3), Stralsund (5) und Osnabrück! (6). Diese Ziffern bieten in der Tat kein sonderlich erfreuliches Bild. Sie zeigen,, daß der Prozentsatz der Mischehe« eine bedenkliche Höhe erreicht hat. Will man annehmen, daß eS, bei der jüdischen Gesamtbevölkerung Preußens von 409 501 Seelen, etwa 100 000 Ehepaare gibt, eine Zahl, die eher zu hoch, als zu niedrig gegriffen ist, so ergibt sich das ernste und bemerkenswerte Bild, daß reichlich fünf Prozent aller Ehen, die von Inden abgeschlossen werden- Mischehen find. - I E Wulf b. Lannenthsl. or einem Jahre ist der ein halbes Jahrhundert großen alten Burgtheaters verkörpernde,, edle Meister mit dem treuen, goldmen Herzen von uns gegangen. Auch er wußte erblassen, wie alles Holde, Herrlichezerstiebt. „Doch einen Balsam muß der Tod uns kaffen: „Daß es ein Nievergessen gibt!" Unvergessen und unersetzt ist Adolf v. Sonnenthäl geblieben. Den ersten Keim der Schauspielkunst haben seine Landsleute,. seine ungarischen Kollegen, in ihn gepflanzt und späterhin durch musterhafte und meisterhafte Darstellungen reiMich genährt. Er hat dem ungarischen Nationaltheater in Budapest auch stets eine dankbare Erinnerung bewahrt und, so oft er nach seiner Vaterstadt kam, nie versäumt, das Theater zu besuchen, worin er Vorstellungen sah, die ihn zur voWm Anerkennung, ja oft zur Bewunderung Hinriffen. Der Eintritt ins Wiener Burgtheaker war für ihn die glücklichste Epo.cher nicht als ob er gleich ein großes,, weites Feld für seinen. Wirkungskreis, gefunden hätte, ach nein, er mußte sich Schritt Wr Schritt, seinen Boden erkämpfen. Aber es war eine gesegnete Zeit,, in der das. Burgtheater vMeicht in seiner höchsten Blüte stand. Die Meister standen alle aus dem Zenit ihrer Kunst: der gewaltig erschütternde Anschuß, Sonnenthals väterlicher Freund Löweder in Wahrheit sein