Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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eindt politischen noch religiösen Richtung zu dienen habe, vielmehr rein wohltätige Menschenliebe ihr Panier sei. Jeder sei willkommen, der an diesem Werke Mitarbeiten will. Denselben Standpunkt vertrat Professor,Rosin, der gleichfalls die Notwendigkeit des von der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" geplanten Hilsswerkes wirkungsvoll darlegte. Dr. Hirsch Hildesheimer trat mit größer Wärme für das Werk der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" ein unter Hinweis auf die unhaltbare Lage unserer russischen Glaubensbrüder, denen unbedingt Hilfe gebracht werden müsse. Er verwies auf die bereits erzielten Erfolge des jüdischen Landbaues' in Palästina und schloß unter großem Beifall mit einem Appell an Herz und Hand der Glaubensgenossen. Nachdem Dr. Dzialoszhnski ein anschauliches Bild der Zustände der von hm besuchten jüdischen Kolonien in Palästina gegeben und Dr. Hirsch Hildesheimer zur fleißigen Werbearbeit an gefeuert hatte, schloß der Vorsitzende mit den üblichen Dankesworten die Versammlung. *** Berlin, 22. März. Vom Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes erhalten wir nachstehende Zuschrift: Der in der vorigen Nummer dieses Blattes erwähnte Erlaß des Generaldirektors der Staatsarchive betreffend Ueberlassung von Akten über jüdische Angelegenheiten an das Gesamtarchiv der Deutschen Juden betrifft diejenigen Akten, die den Staatsarchiven durch Ablieferung einer Behörde zugehen oder in Kassationslisten aufgeführt sind, soweit zu einer dauernden Aufbewahrung durch die Staatsarchive eine Veranlassung nicht vorliegt. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß das Gesamtarchiv der Deutschen Juden in dieser Woche die neuen ihm von der jüdischen Gemeinde zu Berlin zur Verfügung gestellten Räume in dem Neubau Oranienburger Straße 2 8 bezieht. < el. Berlin, 22. März. Am 20. d. M: vereinigten sich in der festlich geschmückten Aula der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde die Schülerinnen mit zahlreichen Ehrengästen zur Feier des 75 jährigen Bestehens der Schule. Unter den zahlreichen Gästen bemerkte man neben den Ehrendamen Direktor Dr. Adler, Mitglieder des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes, des Rabbinats und Dirigenten der Religionsschulen der hiesigen Gemeinde. Nachdem der aus den Schülerinnen der oberen Klassen der Schule gebildete Chor unter Leitung des Herrn Falkenberg eine Motette vorgetragen, betrat Rektor Dr. Gutmann das Katheder, um eine kürze Darstellung der Geschichte der Anstalt zu geben, die 1835 als Nähschule für arme jüdische Mädchen gegründet, unter der Leitung des Dirigenten Engel mann aus einer zweistufigen Schule, in der hauptsächlich in technischen Handfertigkeiten und Religion unterrichtet wurde, sich zu einer sechsstufigen Anstalt entwickelte, die die Ziele einer Mittelschule verfolgte. Nach Schilderung der Verdienste Engelmanns und besonders seines Nachfolgers Steinschneider, dessen Wirken der Schule das Gepräge seiner menschenfreundlichen und liebevollen Persönlichkeit gab, erwähnte er die Verdienste des anwesenden, ehemaligen Dirigenten, gegenwärtigen Direktors des Philanthropin in Frankfurt am Main, Dr. Adler, dessen Tätigkeit noch nicht weit genug zurückliege, um der Geschichte anzugehören, und wies zum Schluß auf die Entwicklung der Schule in den letzten zehn Jahren hin, in denen sie, stets unterstützt durch das verständnisvolle Entgegenkommen der Vorgesetzten Behörden, eine wahrhaft moderne Schule geworden sei, die allen Anforderungen der Gegenwart zu entsprechen sich bemühe. Mit dem Dank an die Behörde, die der Schule ihr Wohlwollen stets in hohem Maße bewiesen, verknüpfte er Worte der Anerkennung für die Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt, die mit frischer Kraft und freudigem Sinn sich der Aufgabe widmen, in den Kindern die Liebe zum Deutschtum und zum Judentum zu wecken und zu stärken. Nach dem Vortrag eines Gedichtes gedachte in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes Geheimrat Prof. Dr. Geiger der Verdienste des gegenwärtigen Leiters der Schule und dankte ihm im Namen des Vorstandes für die treue Arbeit, die er der Schule zuwende; er habe das Vertrauen vollauf gerechtfertigt, das die Gemeindebehörden bei seiner Berufung in ihn setzten. Direktor Dr. Holzmann überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Knabenschule und der Lehrerbildungsanstalt, die durch enge Beziehungen mit der Mädchenschule verknüpft seien. Direktor Dr. Adler fand Worte ehrenden Gedenkens für die — für die Schule zu früh — Hingeschiedenen Lehrerinnen und Lehrer der Anstalt, mit denen ihm nach gleichen Zielen zu streben vergönnt gewesen sei: für Fräulein Gl aser, die durch ihr wahrhaft mitfühlendes Herz die Kinder an sich zu fesseln gewußt, für die ehrfurchtgeNetende Gestalt des Dr. Apylant, der vorbildlich^ für die religiöse Unterweisung der Schülerinnen gewesen sei, und für den liederfrohen Gustav Jacobsohn, an dem die Kinder mit hingebender Liebe hingen. Rektor Dr. Gutmann dankte hierauf den Rednern für die ehrenden Worte der Anerkennung und den Gästen für das Interesse, das sie durch ihr Erscheinen bekundeten.. Erhebender Gesang beschloß die stimmungs- und eindrucksvolle Feier. Berlin, 20. März. Am Montag, den 15. und Dienstag, den 16. d. M. fand die staatliche Prüfung von neun Schülerinnen ipl Krankenhause der jüdischen Gemeinde-und im Schwesternheim statt. Acht Schülerinnen bestanden das Examen mit dem Prädikat „sehr gut", während eine Schülerin mit „gut" bestand. Die staatliche Prüfungskommission besteht aus den Herren Geheimer Medizinalrat Dr. Neesemann und den Professoren Dr. Israel und Dr. Hermann Strauß. Der Prüfung wohnten auch die Oberin Fräulein Blau und die ausbildenden Assistenzärzte bei. Herr Geheimer Medizinalrat Dr. Neesemann als Staatskommissar nahm Gelegenheit, über die gediegene Ausbildung der Schwestern, welche dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen als deren Mutterhaus angehören, besonderes Lob zu spenden. Mit dem erfreulichen Wachsen der Schwesternzahl wird der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen immer mehr in die Lage kommen, den an ihn gestellten Ansprüchen zu genügen. Der Verein zählt heute 77 Schwestern. Am 1. April treten wieder vier neue Schülerinnen ein. Meldungen sind an das Schwesteruheim, Auguststraße 17 I, zu Händen der Oberin Fräulein Blau, oder an den Vorstand zu richten. *** Berlin, 20. März. Die „Gesellschaft Magine Reim (Verein zu gegenseitiger Hilfe)" hat im abgelausenen Jahre, dem 105. ihres Bestehens, insgesamt 53984 Mark vereinnahmt, davon die Hauptanstalt 42684, die Waisen-Hilfsanstalt 11264 Mark, und 28355,78 Mark verausgabt. Der Kapitalbestand beider Anstalten hat die Höhe von 639984 Mark erreicht. Die Zahl der Mitglieder ist auf 1611 gestiegen, darunter 64 lebende und 293 verstorbene immerwährende. Den Vorstand bilden die Herren Moritz Manheimer, Vorsitzender, Hermann Landsberger, Stellvertreter, Direktor Dr. Georg Minden, Schriftführer und Archivar, Emil Pincus, Schatzmeister, Siegfried Sachs und Geheimer Kommerzienrat Hermann Frenkel, Pflegevater, Kommerzienrat Hermann Bamberg und Geheimer Sanitätsrat Dr. Julius Blu ment hat, Beisitzer. IV. Posen, 18. März. Auf Veranlassung des Deutsch-Jsraeliti schen Gemeindebundes hatte der Präsident des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen, Bankier Ignatz Goldschmidt, an die Vertreter der Shnagogengemeinden, Armenvereine und Wohltätigkeitsinstitute, sowie an einige einflußreiche Privatpersonen Einladungen zu einer Sitzung behufs Beratung über die Reform des jüdischen Wanderwesens nach Posen ergehen lassen, der etwa 50 Herren, aus allen Teilen des Regierungsbezirks gefolgt waren. Referent über die in Berlin stattgehabte Konferenz war Stadtrat Schleyer-Posen. Er empfiehlt dringend, den Plan einer deutschen Gesamtorganisation für die Provinz Posen zu schaffen und ihr den größten Teil von den Gemeinden, Vereinen und Privaten bisher aufgewendeten Mittel zuzuwenden. Man einigte sich auf eine Resolution, wonach zwar die Gründung einer Provinzialkaffe zur Unterstützung durchreisender Armer für wünschenswert erachtet wird, über den Beitritt, die Höhe der Beitragsleistungen der Gemeinden erst Beschluß gefaßt werden soll, wenn Klarheit über die Geschäftsordnung geschaffen sein wird. — Herr Kaufmann Rudolf Petersdorf, hier, hat dem Magistrat einen Betrag von 6000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, diesen Betrag zu Dekorationszwecken für das neue Stadttheater., und zwar für Dekorationen in klassischen Dramen des Griechischen und Römischen. Altertums, zu verwenden. Von einem anderen Mitglieds unserer Shnagogengemeinde sind zu demselben Zwecke 5000 Mark hergegeben worden.