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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-25 · Heft 12 (25.3.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 12 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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$ , -- Görtttz, 18. März.. In diesen Tagen waren es 25 Jahre, seitdem Herr Kommerzienrat Emanuel AlexanderKatz immer wieder von neuem gewählt den Vorsitz, im Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde ununterbrochen führt. In Anerkennung der ungemeinen Verdienste, die Herr Katz um die Gemeinde sich erworben, und bei der Achtung und Verehrung, die ihm von jedem einzelnen in der Gemeinde ohne Ausnahme gezollt wird, wollte dieselbe den Tag festlich begehen und ihrem Dank und ihrer Anerkennung Ausdruck geben. Herr Katz aber hat in seiner bekannten Bescheidenheit und. Zurückhaltung jede Feier sich entschieden verbeten, und so blieb nur das einzige übrig, daß beim Gottesdienst am Sonnabend in der Predigt der Bedeutung des Tages für die Gemeinde gedacht und ihr Dank und ihre Segenswünsche ihrem hochverdienten Vorsitzenden ausgesprochen wurden. V Frankfurt a. M., 18. März. Der Verein Moritz und Johanna Oppenheimerscher Kindergarten für Israeliten, gegründet 1890, versendet folgenden Bericht für 1909: Die Zahl unserer Zöglinge ist auf 90 gestiegen, die mittlere Frequenz beträgt täglich 70 bis 76 Kinder. Der Gesundheitszustand der Kinder war durchschnittlich ein guter, so daß unsere Arbeit keine Unterbrechung, außer einigen Tagen durch eine Störung in der Heizung, erfahren mußte. Herr Schulinspeklor F. Herber beehrte uns am 6. Januar mit seinem Besuche und sprach seine Zufriedenheit über Einrichtung und Tätigkeit aus, und diese Zufriedenheit wurde uns auch in einer Zuschrift der Städtischen Schuldeputation vom 3 Februar 1909 bezeugt. Am 22.- Juni besuchte Herr Professor H. Vogt, Vorsitzender „des Kursus für Schwachsinnigen-Wesen" mit zirka 40 Teilnehmern des Kursus unsere Anstalt. Herr Dr. med. L. Mehler übernahm die Führung durch das Haus, und die Besuchenden nahmen Gelegenheit, sich über die'Einrichtungen des Hauses, das gesunde Aussehen der Kinder und .deren Intelligenz sehr lobend zu -äußern. Das Chanuckafest fand am 19. Dezember in unfern Räumen in gewohnter Weise stattzu welchem auch dieses Mal edle Spender uns in den Stand setzten, die Kinder mit Kleidungsstücken und Schuhwerk zu beschenken, wofür wir allen, die zum Llebeswerke beisteuerten, unfern herzlichsten Dank sagen. Wir sprechen auch hier allen denen, die wir im Bericht von 19Ü8 (siehe oben) mit Anerkennung erwähnten, unfern Dank aus. Besondere Anerkennung haben wir noch den Damen*-zu zollen, die hilfsbereit ihre Zeit und Tätigkeit in den Dienst unseres Kindergartens stellen und namentlich auch mittätig sind in der Sorge für die körperliche Pflege der Kinder. Die größere Kinderzahl, die wir, trotzvieler Abweisungen genötigt waren, aufzunehmen, erfordert natürlich eine größere Betriebssumme. Unsere Bitte ergeht deshalb an unsere Glaubensgenossen, die bisher unserm Vereine noch ferngeblieben sind, unser heiliges und menschenfreundliches Werk durch ihre Teilnahme zu unterstützen. Wir müssen zu unserm Bedauern noch-immer viele würdige Petenten zurückweisen; traurig aber wäre es, wenn wir die bisherige Tätigkeit einschränken, müßten: Dahin wird es die stets zu Wohltätigkeitswerken bereite Glaubensgenossenschaft unserer-Stadt gewiß nicht kommen lassen. Mit diesem Vertrauen treten wir in das neue Jahr ein. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Professor Dr. M. Sulzbach, Vorsitzender. Sally Löwenick, stellvertretender Vorsitzender und Oekonom. Leo Holzmann. Kassierer, Dr. med. Heinr. Mayer, Schriftführer. Benny Oppenheimer, Gegenschreiber. Eduard Cohen. Ferdinand Frohmann. Justizrat Dr. Ludwig Hecht. Dr. med. Gustav Levi. Dr. med. Ludwig Mehler. Jacques Schwarzschild. Adolf Stern. y. Stratzburg, 18. März. Elsaß-Lothringen zählt bekanntlich zurzeit 40 Rabbinate, eine Zahl, die allerdings für die etwa 30000 jüdische Seelen, deren es in den Reichslanden gibt, recht hoch ist. Es erscheint erklärlich, daß es unter diesen vielen Rabbinatsbezirken manchen sehr kleinen gibt, und daß daher die Regierung damit umgeht, die Zahl .der Rabbinate um nicht weniger als um zwölf zu reduzieren, sie also auf 28 herabzusetzen. Da aber zurzeit 29 Rabbinate noch voll besetzt sind, so sieht der soeben ausgegebene Landeshaushaltsetat einstweilen noch die Beibehaltung dieser Anzahl (29). Rabbinatsbezirke vor.. Bei einer Erledigung des überschießenden neuundzwanzjgsten soll indessen dies Rabbinat nicht mehr neu besetzt werden. An Stelle der einzuziehenden zwölf Rabbinatssttze werden aber ebenso viele neue Vorsängerstellen eingerichtet, deren feste Besoldung, je 720 Mark, die Staatskasse übernehmen wird. Saarbrücken, 16. März. „Geht's nicht, mit dem Verbot-, so, geht's vielleicht mit der Gebührenschraube", so dachte, wohl ein von dem Direktor des städtischen Schlachthofes „inspirierter" Stadtvater, Herr Schlosser, der kürzlich in. der Stadtverordnetensitzung den Antrag stellte, für das Schächten eine höhere Schlachthausgebühr zu erheben, weil, wie es in der Begründung des Antrags hieß, beim Schächten das Niederwerfen des Viehs eine — „größere Abnützung der Winden" bedinge. Da unser Glaubens-, genösse Stadtverordneter Israel aber diese Gründe gründlich widerlegte, so zog es Herr Schlosser vor, nicht, erst die Ablehnung seines Antrages abzuwarten, sondern zog ihn schleunigst zurück. *** München, 20. März. In der letzten Sitzung der Handelskammer von Oberbayern hat deren erster Präsident KR. v. Pfister Veranlassung genommen, in herzlichen Worten dem in der gleichen Sitzung zum zweiten Präsidenten gewählten Magistratsrat Lebrecht in München zu seinem 60. Geburtsfest die Glückwünsche der Kammer zu entbieten. Seit zehn Jahren gehört KR.- Lebrecht dem Magistratskollegium an, in dem er wegen seiner Sachkenntnis, seines offenen und geraden Charakters von den Angehörigen aller Parteien hochgeachtet wird. KR. Lebrecht, dessen Vater Rabbiner war, stammt aus Bingen am Rhein; er ist aber seit 1869 mit einer Unterbrechung, während der er in Kempten ein Geschäft führte, in München tätig. Im Jahre 1881 gründete er hier ein Bankgeschäft, das er zu großem Ansehen brachte. Am 1. Oktober vorigen Jahres trat er von seinem Geschäfte zurück, um sich seitdem' ganz den zahlreichen Ehrenstellen zu widmen, auf die ihn das Vertrauen seiner Mitbürger berief. KR. Lebrecht ist erster Vorsitzender, des Münchener Handelsvereins und der Börse, zweiter Präsident der Handelskammer und des Kuratoriums der Handelshochschule, deren Gründung durch seine weitblickende Tätigkeit ganz wesentlich gefördert wurde. Er gehört auch dem Landesausschuß der Freisinnigen Partei in Bayern an, der ihm, dem hochverdienten/ langjährigen Mitglied, seine Glückwünsche ebenfalls ausgesprochen hat. Rußland. L. A. T. Petersburg, 15. März. Unter der Ueberschrift „Beschränkungen der Juden" bringt der „Djetsek“ folgende Mitteilung: In Mohilew a. Dnjepr verlangt die Postverwaltung von den Juden, die Wertsendungen und Geld empfangen, die Vorweisung der Pässe. Im Falle des Unterschiedes im Namen wird ein Zeugnis verlangt, daß die betreffenden jüdischen und russichen Namen identisch sind. — Infolge einer Verordnung, die in allen Dokumenten Namensübereinstimmung der Studenten verlangt,. war die Kanzlei der Kiewer Universität während der letzten Weihnachtsfeiertage von denselben überfüllt. Die Dokumente wurden bei' den nichtigsten Beweggründen zur Verbesserung zurückgegeben, so z. B. wenn in einem Dokumente „Moischa“, in dem anderen „Mowscha“, „Kosma“ uud „Kusma“ zu lesen war, und dergleichen mehr. — Aus Warschau schreibt man: „Vormehreren Monaten beschlossen die dortigen jüdischen Straßenverkäufer der Zeitungen sich zu einem Kartell (Arbeitsgenossenschaft) zu vereinigen, und übergaben dem Oberpolizeimeister eine Bittschrift. Nach Ablans von drei Monaten teilte man denselben mit, daß ihr Kartell nicht bewilligt werde, da solches ausschließlich aus Juden bestehe. Freilich, die Absage war auf keinem Gesetze begründet. Erstens kann man ein solches nicht finden, und zweitens lohnt $3 sich nicht, sich darüber aufzuregen! — In Minsk wurden als Mitglieder in die Petersburger Rabbinerkommission orthodoxe Rabbiner gewählt. Die Mehrheit der Gemeinde ist mit dem Resultate dieser Wahlen unzufrieden und stellt andere Kandidaten auf. — Der Lehrer am Mohilewer (a. Dnjepr) Knaben- Gymnasium, Kozlowsky, zog den Dr. Kahan. vor Gericht für Verleumdung, indem er dem Kurator des Lehrbezirks mitteilte, daß Kahan bei den Juden, die ihre Kinder ins Gymnasium eintreten lassen, Bestechungen nimmt. Dia Einwohner von Mohilew erwarten interessante Enthüllungen.-Infolge einer Verordnung der Kiewer Medizinalverwaltung ist den Feldscheerschulen vorgeschrieben worden, bloß 10 Prozent Juden aufzunehmen. Da, die Zahl der Juden gegenwärtig diese Norm übersteigt, so werden zur Gleichmachung'■ im nächsten Jahre Juden keine Aufnahme mehr finden.

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