Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- Seite 140 (sequence 8)
- Language
- German
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mm . 140 iSi so geruheten Se. Majestät huldreichst. Sich zu her besagten Charakter-Ertheilung an den Chef des Rothschildschen Banquier- Hauses M. A. v. Rothschild, bereit zu erklären, verlangten jedoch zugleich, daß Letzterer um diese Gnaden-Bezeugung in einer eigenen Vorstellung einkommen möge. Gleich nach meiner Rückkehr in Frankfurt habe ich nun nicht unterlaßen den Herrn M A. v. Rothschild von dieser allerhöchsten Entschließung in Kenntniß zu setzen und ihn aufzufordern, mir das desfallsige Gesuch zukommen zu lassen, um es an seine allerhöchste Bestimmung weiter befördern zu können. Der Herr M. A. v. Rothschild hat hierauf geglaubt, mit seinen übrigen associirten Brüdern von Allem deshalb Rücksprache nehmen zu sollen, indem dergleichen Angelegenheiten, wie'er versichert, von sämmtlichen die Firma des Hauses Rothschild bildenden Brüdern nicht einseitig, sondern im gemeinschaftlichen Einverständniß eingeleitet zu werden pflegten. Dieß ist daher der Grund gewesen, warum der hiesige Banquier M. A. v. Rothschild als Chef des Hauses das fragliche Gesuch mir nicht eher als gestern überreicht hat. Indem ich nun Ew. Excell. dasselbe zugleich mit dem an mich gerichteten Begleitungsschreiben übersende und bitte, das Erstere zu den Händen Unsers allergnädigsten Königs gelangen laßen zu wollen, glaube ich jedoch nicht unbemerkt laßen zu dürfen, daß nunmehr das in demselben gestellte Petitum allerdings weiter geht, als worauf die anfängliche Bitte des M. A. v. Rothschild gerichtet war. Auch habe ich mich für verpflichtet gehalten, den Bittsteller hierauf aufmerksam zu machen, worauf er jedoch nicht ohne Grund erwiderte: daß ihn ja unser allergnädigster König für einen titelsüchtigen Thoren halten müße, wenn er nicht zugleich mit der Bitte um die Verleihung des. Characters eines Hos-Banquiers auch das Gesuch um Verleihung von Geschäften verbände. Wäre es mir daher verstecktet, deshalb meine desfallsige gutachtliche Ansicht hinzufügen zu dürfen, so würde ich beantragen, daß Seine Majestät geruheten, dem M. A. v. Rothschild auf sein ehrerbietiges Gesuch den Titel eines Hof-Banquiers huldreichst zu verleihen, ihm aber dabeh zugleich zu erkennen gäben, wie Allerhöchstdieselben Sich Vorbehalten müßten die Uebertragung von Geschäften an das v. Rothschildsche Banquier- Haus künftighin jedesmal von der Annehmbarkeit der Bedingungen abhängig zu machen, die solches einzugehen sich bereit erklären sollte und wie Allerhöchstdieselben hierunter Sich völlig freie Hand Vorbehalten müßten, nach Umständen zu handeln. Daß übrigens der Baron M. A. v. R. auch nichts weiter erwartet, dürfte aus dem an mich gerichteten Begleitungsschreiben zureichend erhellen. Eine Concurrenz in Geldgeschäften bleibt jedoch jedenfalls sehr vorteilhaft, um beh Finanz-Operationen, zu denen man die Beihülfe von Banquier- Häusern bedarf, die möglichst billigen Bedingungen zu erlangen. Je größer der Kreis dieser Concurrenz gezogen werden kann, zumal wenn dabeh Firmen, wie das Rothschildsche Banquier- Haus, mit einem so wohlbegründeten Credit und so bedeutenden Geld-Mitteln in Betracht kommen, je beßer und vorteilhafter scheint solches zu sein. In tiefster ..... Stralenheim." Am 26. Dezember 1839 überreichte das Ministerium vorerwähntes Schreiben dem Königlichen Kabinett zur Vorlage an den König. Hierauf erfolgte von. dem Staatsminister v. Schele folgendes Schreiben: An das Königl. Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. -Das geehrte Schreiben Ew. Excell. vom 2b. Dez. v.I. das Gesuch des Banquiers M. A. Baron v. Rothschild zu Frankfurt a. M. an. d>es Königs . Majestät, nur ^Verleihung des- Charakters eines Königl. Hannoverschen Hof-Banquiers betr. hat mich veranlaßt mit dem Herrn Staats- und Finanz- Minister in Communication zu treten. Derselbe sprach sich unter dem 25. Jan. d. I. besonders auch in Berücksichtigung der Einwirkung, welche die fragliche Titelverleihung auf die damals bevorstehende Verhandlung mit den Ständen überdas Finanzwesen hätte erzeugen können, gegen das Gesuch/ aus, worauf beschlössen wurde, dasselbe einstweilen unberücksichtigt zu lassen. Inzwischen hat der Bittsteller das Gesuch, und zwar lediglich um/Charakterisirung erneuert. , Von des Königs Majestät ist dem Gesuche gewillfahrt worden und beehre ich mich Ew. Excellenz das desfalls ausgefertigte Patent zu weiterer hochgefälliger Veranlassung ergebenst zu übersenden. Dabei stelle ich Ew. Excell. erg. anheim, dem gedachten Hofbanquier geneigtest eröffnen zu lassen, „daß die etwaige Uebertragung von Geschäften an das v. Rothschildsche Banquierhaüs von Seiten Seiner Königl. Majestät oder der hiesigen Regierung künftig — wie sich ohnehin von selbst versteht — lediglich von den Umständen abhangen werde." Hannover 31. Dezember 1840. Am 28. Dezember 1840 wurde von Ernst August das Patent für den Hofbanquier M. A. v. Rothschild unterzeichnet und am 11. Januar 1841 in den amtlichen Nachrichten der Hannoverschen Zeitung bekanntgegeben. Thekla o. Lumpert und die Juden. Von Regina Reißer. ei meinen Studien zu einer Lebensskizze der verdienstvollen Jugendschriftstellerin anläßlich der hundertsten Wiederkehr ihres Geburtstages, den 28. Juni 1910 begegnet mir in dem ausgezeichneten Buche, das Thekla v. Gumpert am Abende ihres Lebens 1890 veröffentlichte „Unter fünf Königen und drei Kaisern" eine kleine Episode aus ihrer Jugend, die für weitere Kreise Jntereffe haben dürfte. „Um die Zeit, da ich Kind war, herrschte in Posen die Sitte, daß Juden, namentlich alte Jüdinnen, mit einem Pack Schnittwaren, hausieren gingen. Zu meiner Mutter kam jede Woche eine sehr alte, kleine Frau, die Mauscheln, die sehr gern gesehen wurde. Auf der Mutter Nähtisch, am Fenster, breitete die Mauscheln ihre Schätze aus; einfache Kleiderstoffe, Schürzen, baumwollene bunte Tücher und dergleichen Sachen mehr. Dabei entwickelte sie eine merkwürdige Rednergabe, jedoch nicht, um ihre Ware anzupreisen; sie wußte, meine Mutter kaufte von ihr, was sie von ihren Sachen gerade brauchen konnte, also war eine Empfehlung derselben überflüssig. Die Mauscheln redete von anderen Dingen, sie fand immer Gelegenheit, fromme Gedanken auszusprechen, sie predigte wie ein Rabbiner. Aber die Mauscheln war klug, sie war fern davon, das Christentum anzugreisen; in einem christlichen Hause hätte sie sich damit nur selbst geschadet; sie war strenggläubig, offenbarte aber ihre Ansichten nur mit Hinweis auf die zehn Gebote, auf Moses überhaupt, auf den Gehorsam Abrahams, auf die Psalmen und die Sprüche der Weisheit Salomonis usw. Wenn die Mauscheln kam, stellte ich mich an der Mutter Nähtisch und hörte andächtig die belehrenden Predigten mit an." II