Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228907-3228919--66333-3278464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fügung. stehen, die von andern entweder gar nicht oder nur indirekt benutzt werden können. Eben hierfür ist Kleins Untersuchung ein treffendes. Beispiel. Sie rekonstruiert zunächst mit großem Scharfsinn eine alte hebräische. Quelle, die sich nur noch in teilweise schwer erkennbaren Bruchstücken erhalten hat und macht sie durch die genaue Bestimmung ihres Alters für die geschichtliche Forschung verwendbar. Es ergibt sich danach, daß die in Jerusalem zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels ansässigen Priester nach dem Falles Jerusalems sich nicht in alle Winde zerstreuten, sondern sich in Galiläa, d. h. in ziemlicher Nähe Jerusalems an siedelten, um bei dem erwarteten Wiederaufbau des Tempels zurstelle zu sein und den Tempeldienst wieder ausnehmen zu können. Deshalb finden sich in Galiläa bis gegen Ende, des zweiten Jahrhunderts ganze Ortschaften, die durchweg von Priestern bewohnt sind. Der Verfasser bringt hierfür oft .ganz überraschende Beweise, aus bekannten Stellen, an denen man aber bislang gedankenlos vorübergegangen ist. Diese galiläischen , Priestergemeinden lösten sich erst auf, als zu Anfang des dritten Jahrhunderts jede Hoffnung auf den Wiederaufbau des Tempels schwand und auch der zunehmende Niedergang des palästinischen Judentums zur Auswanderung aus Palästina zwang. Der Geschichte und Identifizierung der Priesterortschaften, oder wenigstens der Bestimmung ihrer Lage ist sodann der größere Teil der Studie gewidmet. — Die drei Beilagen enthalten eine kritische Edition der beiden Kalirschen Lieder bezw. des Kommentars zu einem derselben, mittels derer der Verfasser die alte, verlorengegangene Quelle, aus der die Lieder und der Kommentar ihrerseits geschöpft haben, rekonstruierte. Das Büchlein ist vorzüglich ausgestattet und wird einen rühmlichen Platz in der modernen Palästinaliteratur einnehmen. Dr. N. M. Nathan-Berlin. Hofjuden in Kurhessen, von L. Horwitz, Lehrer in Kassel (Sonderabdruck aus „Hessenland"), Kassel 1909 im Selbstverlag des Verfassers. Handelt von Benedikt und Simon Goldschmidt, Abraham David, Moses und Sußmann Abraham, Baruch Holländer u. a. Der berühmteste ist Wolf Breidenbach, dem man die Abschaffung des Leibzolls verdankt. Die Mitteilungen sind aus den Akten entnommen, besonders interessante Aktenstücke werden wörtlich mitgeteilt. £ Festpredigten. Gehalten im Jahre 1907 (5667) von Dr. Lieber-Dobschütz, weiland Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde zu Skotschau. Aus dem Nachlaß veröffentlicht von seiner Witwe. Im Selbstverlag der Herausgeberin, Skotschau, Oesterreich. Schlesien. Eine pietätvolle Arbeit, die man freundlich begrüßen wird. Die Predigten an Neujahr, Versöhnungstag, Hüttenfest und Schlußsest gehalten, sind sehr kurz, aber sie enthalten ernste Gedanken in würdigem Ausdruck. L. G. Lüchkremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Israelitischer Holz-Verein Und Verein zur Ausstattung israelitischer Mädchen zu Homburg v. d. Höhe. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1909. Gedichte eines Lebendig-Begrabenen. Gesamt-Ausgabe 1. Teil. Ariana, Traum der Luft und Hebräische Lieder von Adolf Schasheitlin. S. Rosenbaum Verlag, Berlin 1910. Die alttestamentliche Wissenschaft. Von D. Rudolf Kittel, Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 1910. Preis geheftet 3 Mark, gebunden 3.50 Mark. 10. Bericht für die Jahre 1908 und 1909 des Vereins Moritz und Johanna Oppenheimerscher Kindergarten für Israeliten. Frankfurt a. M. Buchdruckerei von M. Globotzkh 1910. Literatur in Deutschland. Studien und Eindrücke von Kurt Martens. Egon Fleischel & Co., Berlin. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. März 1910. VI. Jahrgang, Heft Nr. 3. Sprechsaal. Löbliche Redaktion! 5u dem Leitartikel des Herrn Dr. Grzymisch möchte ich folgendes bemerken. Es ist in diesen Blättern niemals bestritten worden, daß das Judentum die best ausgebildete und älteste Seelsorge besitzt, nur ist ein Unterschied, und zwar ein gewaltiger zwischen dem Seelsorger und der Seelsorge. Die Seelsorge ist stets betrieben — aber sie ist^niemals auf einen bestimmten „Seelsorger" übertragen worden. Wenn Herr Dr. Grzymisch nun die Seelsorge von einem Seelsorger gepflegt haben will — habe ich nichts dagegen, man wird in kurzer Zeit zu der alten Einrichtung zurückkehren, die sich nach meinen Erfahrungen großartig bewährt. Seelsorger im christlich-katholischen Sinne haben wir nun einmal nicht, dazu fehlt schon — um nicht viele Beweise zu erbringen — die erste Bedingung — die Beichte! Triest, 5. März 1910. Dr. Brettholz. Uns wird geschrieben: In dem Briefwechsel zwischen Theodor Storm und Gottfried Keller (Herausgegeben von Alb. Köster, zweite Auflage, Berlin 1904) findet sich eine für die Leser dieses Blattes gewiß interessante Stelle. Storm äußert (S. 114) seinen Aerger über Ebers, der (laut Zeitungsbericht) sich über die Novelle als Gattung herabsetzend geäußert haben soll. „Fraglich, ob es richtig ist, selbst ein Wort zur Sache zu sprechen, wenn ein von der Menge und seinen Stammesgenossen, den Juden, auf den Thron Gehobener solche Dinge dem Publikum imprägniert..." Darauf Keller (dem Ebers Aeußerung gleichgültig, S. 119) „... vor einigen Jahren setzte er^ auch den Roman herab . . . Uebrigens hat sein Judentum — was mir unbekannt — nichts mit der Sache zu schaffen. Herr v. Gottschall, ein urgermanischer Christ, hat schon ein Dutzend Mal.. . Aehnliches verkündet. Auch G. Freytag, sonst ein verständiger Mann . . . Man will die eigene augenblickliche Tätigkeit als den wahren Jakob hinstellen. Hierzu braucht es keine Juden, sowie überhaupt meine Erfahrungen und Beobachtungen dahin gehen, daß ich auf jeden vorlauten und schreienden Juden zwei dergleichen Christen, seien es Franzosen oder Deutsche, Schweizer inbegriffen, rechnen kann." Erfrischend! Wenn nur jede Bemerkung wie die Stormsche, die, für das Verfehlen einese inzelnen ohne weiteres Juden und Judentum als Schuldige einsetzen will, solch eine Kellersche Erwiderung fände! Wäre wohl wirksam gegen die zahlreichen Giftpfeilchen, die in der Literatur umherschwirren und, wie Storm in seinem Falle meint, „solche Dinge dem Publikum imprägnieren!" A. G. * Sehr geehrter Herr Redakteur! 3n Ihrer Zeitung bemerkten Sie unlängst mit Recht, daß judenfreundliche Stimmen aus dem Munde der Nichtphilofemiten besonders angenehm klingen. Zu diesen gehören nach meiner Ansicht hauptsächlich folgende: Luther, Eisenmenger, Wagenseil, Ed v. Hartmann. Schopenhauer, Stöcker Lueger, Liebermann v. Sonnenberg, Treitschke, Nietzsche, deLagarde.SchtvartzkoPff, Böckel, Ad. Wagner und Th. Fontane. In Ergänzung des von Ihnen neulich abgedruckten Brieses des letztgenannten Dichters der Mark möchte ich bemerken, daß er in seinem Werke „Der deutsche Krieg von 1866" (Band I, S. 143) erwähnte, „daß sich vielfach die jüdischen Glaubensgenossen während des Feldzuges ausgezeichnet hätten" „Es war, als ob sie sich das Wort gegeben hätten, der alten Vorstellung von ihrer Kriegsunlust und -untüchtigkeit ein Ende zu machen." Hochachtungsvoll Schwetz, den 20. Februar 1910. Dr. Nordheim er.