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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-11 · Heft 10 (11.3.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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74. Jahrgang. Nr. 10 Berlin, 11. März 1910 Der Gemeindebore. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de^ ZudentumK". Lorrrlpondrn?kn und Mgchrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 6. März. Der heutigen gut besuchten Rep rase ntanten-Versammlung lagen zunächst einige geschäftliche Mitteilungen vor. Aus diesen . heben wir ein Schreiben des Jüdischen Jugendbundes vor, der sein Bedauern ausdrückt, daß zwei an den Gemeindevorstand um Subventionierung gerichtete Gesuche ablehnenden Bescheid erfahren hätten. Herr Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn, welcher die glcoße Bedeutung des Jugendbundes für den Bestand des Judentums hervorhob, interpellierte den Gemeindevorstand betreffs der zweimaligen Ablehnung. Der Gemeindevorstand gab durch Herrn Justizrat Lilienthal die Erklärung ab, daß keine prinzipiellen Gründe zur Ablehnung geführt hätten, sondern daß der Vorstand erst die Leistungen des neuen Vereins abwarten zu müssen glaubte. Herr Tr. Ginsberg hält eine Subventionierung des'Vereins wohl der Erwägung für wert. Die Unterstützungen, die der Jugendbund vom Zenlralverein wie von den Logen U. O. B. B. erfahre, gäben doch wohl hinreichende Garantie für das gedeihliche Wirken des Jugendbundes. Herr Geheimrat Geiger kann den Standpunkt des Gemeindevorstandes nicht verstehen, der den jungen Verein gerade in seinen Anfängen fördern sollte, umden Bund überhaupt zur Entwicklung zu bringen und diejenigen Elemente wieder dem Judentums zuzuführen, welche sonst dem Judentums fern oder gar fremd gegenüberstehen. Herr Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn hebt hervor, daß die Initiative zur Gründung des Jugendbundes, von einigen hervorragenden Mitgliedern des Bne Brith-Ordens ansgegangen sei. Auch er ist der Meinung, daß solche Vereine gerade im Werden kräftig unterstützt werden müssen. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung Herr Louis Sachs schließt die Interpellation und schlägt vor, in der Beantwortung des Schreibens dem Jugendbunde zu erkennen zu geben, daß die Repräsentanten den Bestrebungen des Jugendbundes sympathisch gegenüberstehen. — Der Gemeindevorstand ist, ' wie der Vorsitzende ferner mitteilt, dem Beschlüsse der Einsetzung einer gemischten Deputation zur Einführung einer geordneten Gemeindeseelsorge beigetreten, er hat auch den abändernden Vorschlägen des Krankenhausstatuts seine Zustimmung erteilt. — Das vom Aktionskomitee des zionistischen Zentralbureaus überreichte umfangreiche und nach authentischen Quellen bearbeitete Werk „Die Judenpogrome in Rußland" soll, d'a die Repräsentanten keine eigene Bibliothek zur Verfügung haben, dem Zentralbureau der Gemeindeverwaltnng überwiesen worden. Alsdann trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Die Zuwendung der Frau Bertha Fischer im Betrage von 2000 Mark an das zweite Waisenhaus in Pankow wurde debattelos angenommen, ebenso die Zuwendung des Herrn Richard Levi im Betrage von 4790 Mark zE Grabeserhaltungszwecken. Eine längere Debatte zeitigte die Vorlage betreffend Herausgabe eines Gemeindeblattes. Der Referent, Herr Geheimrat Senator, berichtet, daß der vorberatende Ausschuß prinzipiell der Herausgabe eines Gemeindeblattes zugestimmt habe, das die Aufgabe haben solle, nicht nur Mitteilungen über die Gemeinde und ihre Institutionen zu bringen, sondern auch über das Wesen und die Bedeutung der jüdischen Religion durch geeignete Veröffentlichungen in objektiver Weise Belehrung zu verbreiten. Herr Geheimrat Geiger befürchtet in dem Gemeiudeblatt keine Konkurrenz für die jüdischen Blätter, er hält es aber für recht verfehlt, literarische Artikel in einem solchen Blatte zu bringen, das ausschließlich den Charakter eines Gemeindeblattes tragen müsse. Herr Benas Levy ist dagegen der Ansicht, daß das Blatt niemals Interesse erwecken werde, wenn es nur die Nachrichten über die Gemeindeversammlungen und die Tätigkeit der verschiedenen Kommissionen bringen würde. Selbstverständlich dürfe das Blatt keiner Partei dienen, auch selbst bei den Repräsentantenwahlen müsse es neutral bleiben. Doch müßte es dem Blatte gestattet werden, zur Zeit der Wahlen die Kandidatenliste der einzelnen Parteien in Form eines Inserates oder eines beigelegten Flugblattes zu bringen. Herr Rechtsanwalt Dr. Cohn bittet, davon Abstand zu nehmen, daß in das Gemeindeblatt irgendwelche Parteisachen hineinkommen. Das Blatt würde jedoch verflachen, wenn es nur Notizen bringe, die sich aufGemeindeangelegenheiten beziehen. HerrE m il Pincus begrüßt das Gemeindeblatt von dem Standpunkte aus, daß endlich ein Blatt geschaffen werde, das unentgeltlich in die Hände aller Gemeindeinitglieder gelange. Es sei unbedingt notwendig, daß bei den Gemeindemitgliedern das Interesse für die von der Verwaltung geschaffenen segensreichen Institutionen geweckt werde. In diesem Blatte sei auch der Platz, die Namen der neu nach Berlin verzogenen Glaubensgenossen zu veröffentlichen, die häufig viele Jahre hindurch ohne jede Kenntnis der großartigen Leistungen der Gemeindeverwaltung bleiben. Herr Lewinski wendet sich ebenfalls dagegen, in diesem Blatte nur amtliche Mitteilungen zur Kenntnis zu bringen. Der Vorsitzende Herr Louis Sachs weist darauf hin, daß eine Redaktionskommission eingesetzt werden solle, in der ja auch die Repräsentantenversammlung mitzureden haben werde. Er warnt jedoch, das Blatt zu irgendwelchen parteipolitischen Zwecken herzugeben, da allzu leicht das Blatt selbst den Grund zu Zersplitterungen in der Gemeinde abgeben könnte. Damit schloß die Debatte, der Antrag des Ausschusses wurde angenommen. — Um die Beratung des Gemeindehaushaltsetats pro 1910/12 nicht zu verzögern und möglichst bis zum 31. März zu beenden, wurde bereits heute der Etatsausschuß eingesetzt, in welchen die Herren Louis Sachs, Geheimrat Blumenthal, Emil Pincus, Lewinski, Emil Cohn, Dr. Ginsberg, Direktor Minden, Willibald Loeweuthal und Professor Blaschke gewählt wurden. — Mit der Mietung des Festsaales des Schillertheater-Restaurants zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst erklärte sich die Versamrulung einverstanden. — An Subventionen wurden bewilligt: 6000 Markfür denVerband der deutschen Juden für die Etatsperiode 1910/13, an den Verband für Statistik der Juden 1000 Mark. Der Ausschuß ist übereingekommen, dem Verbandsbureau nahe zu legen, in den ferneren Arbeiten zunächst die statistischen Verhältnisse Berlins in Angriff zu nehmen. Der Religionsgemeinde Charlottenburg wurde.pro 1910/11 die Subvention in der bisherigen Höhe von 11500 Mark wieder bewilligt. Der Verein hat für die Jahre 1910/13 einen Voranschlag aufgestellt, der einen Fehlbetrag von 18 275 Mark jährlich vorsieht. Die Subventionskommijsion hält den Voranschlag für ganz willkürlich aufgestellt, die Ausgaben für ungewöhnlich hohe. Für die kleine Synagoge sind nicht weniger als 19 Funktionäre inAussicht genommen und Gehälter von 13000 Mark eingestellt. Mit Rücksicht darauf, daß zurzeit nicht abzusehen ist, wie sich die Zukunft des Vereins nach Fertigstellung der Synagoge Fasanenstraße gestalten wird, ist auch die Subvention zunächst nur auf ein Jahr weiterbewilligt worden. — Der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums wurde eine Subvention von jährlich 12 000 Mark bewilligt. Der Etat der Anstalt ist von 29 000 Mark im Jahre 1907 auf 44 911 Mark im Jahre 1909 gestiegen. Infolge des Neubaus ist noch eine Bauschuld von 70 000 Mark verblieben, deren Tilgung erst in Jahren erwartet werden kann, auch die Verwaltung des neuen Hauses erfordert beträchtliche Mehrausgaben, ebenso wie die Erweiterung des Lehrbetriebes und die Notwendigkeit, die Gehälter der Dozenten entsprechend den allgemeinen höheren Bedürfnissen zu erhöhen. Der - Gemeindevorstand ist mit Recht der Ansicht, daß die Gemeinde in hervorragendem Maße zu einer Förderung der Lehranstalt und ihrer Aufgaben berufen ist. Abgesehen von der Stellung, welche die Anstalt innerhalb der Wissenschaft des Judentums einnimmt, und der Bedeutung, die sie als Rabbinerbildungsanstalt für die jüdischen Gemeinden hat, sind die Beziehungen, die die hiesige Gemeinde mit der Anstalt verbinden, so vielfache, daß es als eine Ehrenpflicht unserer Gemeinde angesehen

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