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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-11 · Heft 10 (11.3.1910) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
Seite 120 (sequence 12)
Language
German
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120 Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! md) einen bedauerlid>en Zufall habe ich verspätet von dem Inhalt der Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Februar d. I. Kenntnis erhalten. Ich bin deshalb erst heute in der Lage, eine Berichtigung zu einer sich mit meiner Person beschäftigenden Notiz zu geben. Es heißt in dieser Notiz, daß ich in einer öffentlichen Versammlung des neuen jüdisdien Gemeindevereins unter Berufung auf eine Mitteilung des Herrn Justizrat Lövinson gesagt haben soll, daß im Falk-Nealghmnasium den jüdisdien Sdiülern gedruckte Zettel an die Eltern mitgegeben werden mit der Anfrage, ob die Eltern wünschen, daß ihr Kind am evangelischen oder jüdisdien Religionsunterridit teilnimmt, und es wird weiter gesagt, daß diesbezügliche Erkundigungen ergeben haben, daß weder diese Gepflogenheit in der genannten Anstalt bestehe, noch, daß Herr Justizrat Lövinson eine derartige Aeußerung getan habe. Ich bedaure lebhaft, daß meine Worte in hödist inkorrekter Form wiedergegeben worden sind. Ich habe weder von „gedruckten Zetteln", noch von einer „Gepflogenheit" gesprochen, sondern ich habe lediglich gesagt, daß mir ein Fall bekannt ist, in dem die Eltern eines kleinen jüdisdien Schülers seitens der Schule in der oben diarakterisierten Weise angefragt worden sind. Diese Tatsache ist mir von der Mutter des betreffenden Schülers in Gegenwart des Herrn Justizrat Lövinson erzählt worden. Ick) habe sie also nid)t weiter gegeben auf Grund einer Mitteilung des Herrn Justizrat Lövinson, sondern unter Berufung auf sein Zeugnis. Er entsinnt sid) allerdings, wie er mir mitteilt, auf den Vorgang nicht mehr, ein Umstand, der bei einen) beschäftigten Anwalt nicht besonders auffällig erscheinen dürfte. Die Bemerkung ist aber auch meinerseits in der in Frage kommenden Versammlung in einem Zusammenhang gefallen, der zu einer Aktion und zu einer Rückfrage im Falk-Nealghmnasium meines Erachtens nicht den geringsten Anhalt bot. Ich sprach davon, daß es nötig ist, jüdisdien Kindern von frühester Jugend auf durch erzieherisdien Einfluß zum Bewußtsein zu bringen, daß sie Juden sind, und kam in diesem Zusammenhang auf den oben erwähnten Fall, in dem offenbar ein kleiner, eben zur Schule gekommener Junge den Lehrer nidjt darüber informieren konnte, ob er Jude oder Christ sei, und so Anlaß zu einer Maßnahme bot, die geeignet ist, Eltern von schwachem Charakter zu veranlassen, ihr Kind in den christlichen Religionsunterridit zu schicken. Id) habe daran anknüpsend gesagt, daß hier meines Erachtens eine dankbare Aufgabe für die jüdische Gemeinde in entsprechender Einwirkung auf die Eltern besteht, habe Elternabende, Gemeindeversammlungen usw., wie sie die christlichen Gemeinden kennen, empfohlen. Ick) kann die Bemerkung nidjt ganz unterdrücken, daß es von der „amtlidien Stelle", von der die Mitteilung in der Nummer vom 18. Februar ausgeht, richtiger gewesen wäre, vor Einleitung einer Aktion und Rückfrage im Falk-Nealghmnasium sid) mit mir in Ver». bindung zu fetzen, um Anthentisckies über meine Aeußerung zu hören, anstatt sick) auf die unzuverlässige aus dem Zusammenhänge gerissene Wiedergabe meiner Worte durch eine dritte, mir selbstverständlich, unbekannte, Persönlichkeit zu verlassen. Tr. Alfred Klee. ^fn der letzten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" wird meinen Anträge, auf Einführung einer geordneten Seelsorge die Ehre eines Leitartikels zuteil. Eine Randbemerkung verweist jedod) auf frühere Artikel der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und nimmt an, daß mein Antrag auf eine Anregung aus diesen Artikeln znrückzusühren ist. Ich erkläre hierdurch, daß jene Artikel mir unbekannt waren, und wenn es eine Binsenwahrheit ist, daß alle Gedanken bereits vorher gedacht waren, so möchte ich konstatieren, daß dieser seit langer Zeit in der Luft liegende, überreichte Antrag, eine geordnete Seelsorge einzuführen, meiner eigenen Initiative entstanden ist. O. Lewinski. ' *. ^rii dankenswerter Weise hat der Berliner Gemeindevorstand vor einiger Zeit die Einsegnungsfeierlickikeit der Larmizwab-Knaben im Gotteshause zu erhöhen gesucht der großen Bedeutung entsprechend, die der Einsegnung im jüdischen Hause beigelegt wird. Ja, der Gemeindevorstand zeigt sogar jetzt seine Teilnahme an der häuslid)en Feier, indem er durch den Rabbiner dem Barmizwah- Knaben eine Bibel oder einen Siddur überreichen läßt. In der besonders feierlich gehaltenen Ansprache weist der Prediger darauf hin, daß nun die Zeit der Vorbereitung vorüber ist, „wo treue Lehrer den Knaben in den Lehren und Satzungen unserer Religion unterwiesen und die Treue gegen unsere Glaubensgemeinsck)aft ihm ans Herz gelegt haben". Nun sollte man meinen, daß' der Vorstand, respektive der Prediger sich) davon vorher überzeugt hätten, daß der einzusegnende Knabe tatsächlich) für die Konfirmation, sei es in der Religionssdiule oder privatim durch einen Religionslehrer vorbereitet worden ist. Das ist aber nicht der Fall. Die Anmeldung geht gewöhnlich) in der Weise vor sid), daß der Vater des zu konfirmierenden Knaben bei dem Kastellan der betreffenden Synagoge neben dem Einsegnungssabbat die Namen seines Sohnes und seine eigenen angibt, und, wenn nid)t schon eine zu große Anzahl Knaben für denselben Sabbat vorgemerkt ist, dann ist die Aufnahme vollzogen. Nun kommt es aber tatsächlich vor, daß eine Anzahl Knaben entweder an dem Barmizwab-Unterricht sich nur ungenügend beteiligt oder aber überhaupt nicht vorbereitet worden ist, sondern sich nur im Hause die Kenntnis der Segenssprüche überdie Thora angeeignet hat. Welchen Eindruck müssen da auf die Angehörigen und auf den Knaben selbst die Worte des Rabbiners machen, der in feierlicher Weise von der Vorbereitungszeit, die nun zu Ende gegangen ist. spricht? -Und verliert die ganze Ansprache dann nicht ihren Wert? Es wäre daher im Interesse der Sache zu wünschen, daß die Knaben bei ihrer Anmeldung eine Bescheinigung ihres ReligionslehrcrI mitbrächten, daß sie an dem Barmizwab-Unterricht ihrer Religionssdiule teilgenommen oder in privater Weise für die Einsegnung genügend vorbereitet worden sind. Von dieser Bescheinigung hätte der Rabbiner vor der Einsegnung Kenntnis zu nehmen. Vielleicht finden diese Zeilen bei den maßgebenden Stellen Beachtung. Sch. * n der vorigen Nummer brack)ten Sie unter Nah und Fern nachstehende Notiz: „Aus Karlsbad berichtet man uns, daß sämtliche Vereine Karlsbads die Juden ausgeschlossen haben und ihnen zu ihren Unterhaltungen keinen Zutritt gewähren. Als vor mehreren Jahren im Egerlande der Antisemitismus auftrat, wollte sich Karlsbads Judenschaft dagegen wehren. Doch übte das liberale Stadtverördnelenkollegium einen Druck auf sie aus, zu schweigen, obwohl sie Gefahr liefen, wirtschaftlich ruiniert zu werden. Die Folge hiervon ist die gesellsd)aftliche Trennung zwischen Juden und Christen." Darf ich Sie ersuchen, obige skandalöse Angelegenheit Karlsbads, jüdisd)e Einwohner betreffend, in dem Spred)saal der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zur Spradie zu bringen? Es dürfte sich wohl empfehlen, für diese Angelegenheit nickst nur die Juden Deutschlands, sondern auck) anderer Staaten zu interessieren, respektive zu einer allgemeinen Agitation aufzufordern. Berlin, den 6. März 1910. Emil Pincus. * ir erhalten aus Bayern folgende Zuschrift: Die vom Landesverein für israelitische Kultusgemeinden in Bayern im Jahre 1908 eingesetzte Kommission zur Vorbereitung der Revision des Judenedikts von 1813 erfuhr, wie wir seinerzeit berichteten, durch den Austritt der ihr angehörigen Rabbiner sowie eines zur konservativen Richtung zählenden Mitgliedes eine Aendernng. Durch Heranziehung der Ersatzmänner (die in erster Linie berufenen rabbiniscken Stellvertreter lehnten den Beitritt ebenfalls ab) hat sie sich jedod) wieder ergänzt und alsdann ihre Beratungen fortgesetzt. In einer in Nürnberg am 2. Februar er. abgehaltenen Sitzung wurde die erste Lesung zu Ende geführt. Die in den Erörterungen festgestellten Grundzüge der Revision sollen nun in Druck gelegt und dem Landesverein unterbreitet werden. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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