Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-11 · Heft 10 (11.3.1910) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 10 (11.3.1910)
Date
1910-03-11
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228918--66316-3278446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

saddüzäische Urmischna aufführt. Aus dieser geht zur Evidenz hervor, daß ein großer Teil der von den Pharisäern getroffenen Anordnungen gegen die Sadduzäer gerichtet war. Zum interessantesten Teil des immerhin lehrreichen Buches gehört das 8. Kapitel. „Der Mischnazüsammenhäng, aufs Gedächtnis berechnet") das ebenso wie das redliche Bemühen des Verfassers, seiner schwierigen Aufgabe gerecht zu werden, uneingeschränkte Anerkennung verdient. Wir könnten höchstens den Vorwurf der Weitschweifigkeit erheben, „aber' das ist ein Vorwurf," meint der Verfasser, „den man sich gefallen lassen darf." Unter den von ihm angeführten Schriften vermissen wir „vor, Oor wedorscha^v" von I. H. Weiß, „voroth harischonirn" von Halevy und „Toldoth Hamischna“ von Chajim Oppenheim. Insbesondere die zuletzt genannte Schrift enthält so reiches Material zur Entstehungsgeschichte der Mischna, daß wir deren Lektüre dem des Hebräischen kundigen Verfasser aufs dringendste empfehlen. Die Weisheit der heiligen Schrift. Von Dr. S. Grzymisch, Berlin. Im Verlage „Neues Leben" bei Wilhelm Borngräber. Das vorliegende Werk verbreitet sich nicht über die Weisheit der heiligen Schrift. Es ist vielmehr die heilige Schrift selbst, die in ihm zu Worte kommt und uns ihre Weisheit darlegt. Anstatt ihr Erläuterer zu sein, hat der Verfasser mehr als 1500 ihrer Aussprüche zu einem geordneten Gedankensystem aneinandergereiht, und damit darzutun gesucht, daß die Bibel ein treuer Spiegel des seelischen Lebens ist. Diese Darstellungsform ist neu, eigenartig und hat ihre volle Berechtigung. Dies gilt besonders der philologisch-kritischen Behandlung gegenüber, unter der die Bibel als Ganzes durchaus nicht zu ihrem Rechte kommt. Ter schlichte Sinn des Volkes urteilt in dieser Beziehung zutreffender als die kritische Betrachtung der Gelehrten. Ihm ist die Bibel in allen ihren Teilen das heilige Buch, in dem man seine Stimmungen und Empfindungen sich widerspiegeln und verklären lassen soll, bald um an dem unbeugsamen Rechts sinn und der unerschütterlichen Wahrheitsliebe der Propheten sich innerlich u kräftigen, bald um mit dem Psalmdichter zu klagen oder in frohem Dankesbewußtsein zu jubeln, bald um durch die in ihrem ganzen Geschichtsverlauf zutage tretende Gotteswaltung sich in der eigenen Gotteszuversicht zu stärken. — So soll uns denn im vorliegenden Werke durch die Bibel selbst dargetan werden, daß der Gesamtheit der biblischen Bücher eine gemeinsame Gruuderscheinung vom Leben und seiner Gestaltung innewohnt. In der Einleitung spricht sich der Verfasser zunächst über die Bibel im allgemeinen aus, kennzeichnet die Stellung der Parteien zu ihr. verbreitet sich über ihren Ursprung und ihre Wirkung, legt ihren Charakter dar, um schließlich die eigene Tarstellungsweise zu rechtfertigen. Dann spricht die Bibel selbst zu uns. In 22 Kapiteln werden die unter einen Begriff fallenden Ausspräche über die wichtigsten Seiten des geistigen und religiösen Lebens in übersichtlicher und logischer Weise zusammengestellt. Es ist selbstverständlich, daß hiermit der Gedankeninhalt der heiligen Schrift nicht erschöpft wird. Das war auch nicht die Absicht des Verfassers. Aber es wird durch die von ihm zusammengestellten biblischen Aussprüche in überzeugender Weise dargetan, daß. den so verschiedenartigen biblischen Büchern eine bestimmt ausgeprägte Einheitlichkeit eigen ist: Es ist das Streben, durch eine naturgemäße Erziehung und Vervollkommnung den Menschen zur Höhe hinanzuführen und zu veredeln, das in stillem, erhabenem Glanze über allen Aeußerungen des Gottesbuches schwebt. Mit diesem Nachweis hat der Verfasser ein sehr verdienstliches Werk geschaffen, das geeignet ist, zum selbständigen Lesen der heiligen Schrift anzuregen und ihr wieder die Herzen zuzuführen, und das wir deshalb als Hausbuch bestens empfehlen. Thorn. Dr. Rosenberg. «ß» Essay and Speech on Jewisli disabilities by Lord Macaulay. Edited, with an introduction and notes, by Israel Abrahams, M. A. and the Rev. 8. Levy M. A. Print'ed for the Jewish historical Society of England by Ballantine, Hanson & Co., Edinburgh 1909. Der Abdruck geschah zur Erinnerung an den 50. Todestag Macaulays (28. Tezember 1859) und zur Feier des Jubiläums der Zulassung der Juden zum britischen Parlament. Die Rede Macaulays, seine Jungfernrede, wurde am 5. April 1830 gehalten, sein Essay wurde in der „Edinburgh Review" im Jahre 1833 gedruckt. Leider, muß man sagen, sind sie^ heute noch beide nicht veraltet. Die Abhandlung ist noch niemals, die Rede nur einmal, 1880, ins Deutsche übersetzt worden. Die Herausgeber haben durch Einleitung und Anmerkungen gute Beiträge zum Verständnis beider Stücke gegeben. * Friedrich Porges, Licht. Schauspiel in einem Aufzuge' Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Max Hickt, Brünn. Mehr eine Skizze als ein Schauspiel. Zwei Geschäftsfreunde kommen zusammen. Der Sohn des einen, der zum Christentum übergegangen ist, versucht, den Sohn des anderen, der ein talentvoller Schriftsteller ist, gleichfalls zu.diesem Schritte zu überreden, wird aber schnöde abgewiesen und entführt die Schwester seines Freundes, die sich der christlichen Religion entgegensehnt. Das Ganze endet, wie es scheint, mit dem Selbstmord des jungen Juden und mit der resignierten Stimmung des allein zurückbleibenden Vaters. Kraß, mit vielen langen Reden und doch ohne irgend welches dramatisches Leben. * Hans Ostwald, Berlin und die Berlinerinnen. Berlin. Verlag von Hans Bondy. Erste Lieferung.; Dieses entzückende, von einer unvergleichlichen Kunst der Reproduktion Zeugnis ablegende Buch kann ich auch den Lesern unseres Blattes warm empfehlen. Wenn sie vielleicht nicht alle ihre helle Freude an den reizenden Bildern Chodowieckis haben, so werden sie einen wahren Genuß empfinden, wenn sie das große, wunderbar gelungene Bild der Dorothea Theerbusch, der Henriette Herz (nicht Hertz, wie die Unterschrift unter dem Bilde in unserem Buche lautet) als Hebe anschauen. Aus diesem Bilde erkennt man die berückende Schönheit jener Frau aufs beste. Was uns vielleicht noch besonders interessiert, ist der Umstand, daß ihr orientalischer Typus, der in den sonst bekannten Porträts jener merkwürdigen Frau einigermaßen verwischt ist, hier aufs deutlichste hervortritt. ' * Berlin in Geschichte und Gegenwart von Paul Eoldschmidt. Mit vier Uebersichtsplänen. Berlin. Julius Springer 1910. Das Buch darf in diesem Zusammenhang wenigstens genannt werden, weil über Juden im allgemeinen (namentlich in der älteren Zeit: 1510 1570 ff. 1730) manchmal gehandelt, und weil von einzelnen hervorragenden Inden: Moses Mendelssohn, Marcus und Henriette Herz, Rahel Lewin (leider nicht von Zunz, auch von keinem Rabbiner, Bankier oder Industriellen der neueren Zeit) mehrfach gesprochen wird. Ueberall wo dies erfolgt, geschieht es, mit wohltuender Sachlichkeit. L. G. Ltichkreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Lehrbuch der Israelitischen Religion von Dr M. Levin. Berlin, M. Poppelauer 1910. Preis 1 Mark. ' Festrede. Gehalten von Julius Winterberg zur Schlußfeier des Aufnahmezyklus 1910. Budapest, Viola & Geist. Aus meinem Jugendleben. Von Dr D. Leimdörfer. Frankfurt a. M, 19!0. Mein erster Lehrer. Von Dr. D. Leimdörfer. Wien 1909. L. Beck & Sohn. Die Entwicklung des Krankenkassenwesens in der israelitischen Gemeinde zu Offenbch a. M. Von Rechtsanwalt Dr. Guggenheim. Schillers Verleger Michaelis. Von Johann Heinrich Eckardt. (Separatdruck aus „Zeitschrift der Bücherfreunde.) . 'Sammlung Göschen Nr. 479. Die Entstehung des Talmuds. Von Dr. I. Funk, Leipzig 1910.;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.