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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-04 · Heft 9 (4.3.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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üblichen System. In diesem Institut, bas gegenwärtig bereits 25 Schülerinnen" zählt, wird neben der Ausbildung der manuellenl Geschicklichkeit auch auf die moralische - und geistige Förderung d>epj Mädchen in verständnisvoller Weise hingewirkt: als einheitliche Sprache bürgerte sich merkwürdig schnell das Hebräische ein.' Die Handarbeiten, die. den feinsten arabischen Spitzen an. Schönheit nicht.. nach stehen, werden bereits in großen Quantitäten abgesetzt, und' die Spitzenindustrie dürfte, auch zürn Teil infolge der leichten Transportmöglichkeit, ein ständiger Erwerb der palästinensischen Frauen bleiben. Gegenwärtig sind wir dabei, eine Krankenkasse für die Mädchen einzürichten. Ein weiterer "Punkt unseres Programms ist die Bekämpfung des Mädchenhandels im Verein mit anderen Organisationen. Wir haben noch zahlreiche neue Aufgaben und Verbesserungen der bisher geschaffenen Einrichtungen vor uns, an die wir aber erst Herangehen können, wenn sich ein noch weit größerer Kreis von Frauen uns angeschlossen hat, um däs begonnene Kulturwerk gemeinsam mit uns fortzusetzen. Gefällige Nachrichten erbeten: Aus Deutschland an Frau Betty Leszynsky, Berlin W., Bayreuther Straße 36; aus dem Ausland an Fräulein 8tuä. msä. Resa Hirsch, Berlin N.W., Flensburger Straße 12. ' Berlin, 27. Februar. Der Januarbericht des Vereins für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B. (Monbijouplatz 10) beleuchtet in Kürze die allgemeine Läge des Arbeitsmarktes unter Berücksichtigung der in Frage kommenden Branchen. In bezug auf die Zahl ddr Stellungsuchenden und der verschiedenartigsten Berufe bietet d^r Monat dasselbe Bild, wie der korrespondierende der Vorjahre. Die Nachfrage nach Kräften in der Textilbranche hielt sich in gemessenen Grenzen im Gegensatz zu den vieleu anderen Industriezweigen, welche an Personalengageinents in größerem Maße beteiligt wären. Es wurden im Januar kostenlos 193* feste Stellungen und 84 Aushilfsstellungen vermittelt. Die Inkasso abteilung eröffnete ihr Arbeitsjahr mit einer umfassenden Neuorganisation des Betriebes; sie ist durch umfangreiche Aufträge stärk beschäftigt, und bietet hierdurch älteren Kaufleuten und solchen, die zu einer festen Stellung nicht gelängen können, einen fortlaufenden Verdienst, den Leistungen entsprechend. — Berlin, 28. Februar. Auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee wurde gestern ein Diebstahl entdeckt. In der? Nacht zum Sonntag hatten Diebe von dem Erbbegräbnis Martin Joseph aus der Tiergartenstraße 10 die beiden Türflügel aus Bronze herausgehoben und mitgenommen. Die Türflügel wiegen zusammen drei Zentner, sind 53 Zentimeter breit und 60 Zentimeter hoch und haben einen Wert von mehr als 1000 Mark. Die Türen sind kunstvoll gearbeitet und aus der Innenseite mit einem Riegel versehen, der von den Besuchern zurückgeschoben wurde. So haben auch die Einbrecher Zutritt gesunden und sind mit ihrer Beute, wie die Spuren zeigen, an der Friedhofsmauer entlang gegangen. Zum Fortschaffen der schweren Last haben sie wahrscheinlich einen Wägen benutzt. e. Berlin, 25. Februar. Der hiesige „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" hielt am 21. Februar seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, die außerordentlich stark besucht war. Der Vorsitzende Malermeister Lövenstein gab dem Bericht über das abgelaufene, vierzehnte Vereinsjahr. Die Mitgliederzahl stieg auf 229. Der Gesundheitszustand der Mitglieder war nicht sehr günstig; der Vereinsarzt Dr. John Hirsch wurde sehr in Anspruch genommen, und die Kasse mußte für Medizin, die den Mitgliedern gratis gewahrt wird, beinahe 500 Mark aufwenden. Unter der allgemein schlechten'Geschäftslage hatte auch der Verein zu leiden. Die Einnahmen mit 4200 Mark blieben um 300 Mark hinter denen im Vorjahre zurück. -Die Spar- und Darlehnskasse, deren Vermögensbestand gegen 40005 Marktbeträgt, gewährte 1500 Mark Darlehne, Eine größere Debatte schloß sich an die Frage, ob das Vereinsorgan, der monatlich' erscheinende „Jüdische Handwerker", zu deren Unterhaltung der Verein 1200 Mark zusteuern mußte, auch den Kosten entsprechenden Erfolg aufzuweisen habe. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß eine Zeitung eine zwingende Notwendigkeit für einen solchen Verein sei. Ueberdies würde sie in wenigen Jahren einen Gewinn sogar bringen, da das Blatt Organ des im Dezember vorigen Jahres zu Hamburg gegründeten „Bundes der jüdischen Handwerkervereine Deutschlands" werden soll. Ferner wurde berichtet, - baß die Vorarbeiten zur Gründung einer Sterbekasse begonnen haben. Aür die'-kommenden Repräsentantenwahlen der jüdischen Gemeinde wurde die Ausstellung eines eigenen Kandidaten empfohlen, der die . JntereWr des' Kdischen Handwerkers-energisch vertreten soll. (Be- ^.karzMich^. ist^W, ^der lMen'LLahl in Hamburg ein jüdischer Handwerker durchgekommen.). Die aus dem Vorstand turnusmäßig aus scheidenden Mitglieder wurden perä-Akklamatibn < wiedergewählt. > . er. Königsberg i. P^., 25. Februar. Am 14. d. M. hielt der hiesige Verein für jüdische-Geschichte und Literatur die statutenmäßige Hauptversammlung ab, der ein Vortrag von Herrn M. Kowner über Perez Smolenski-voranging. Zu-Beginn der Versammlung sprach der stellvertretende Vorsitzende, Rabbiner T)r. Vog el stein; dem bisherigen Vorsitzenden Professor Dr. Saal» schütz, der 15 Jahre an der Spitze des Vereins gestanden und vor kurzem aus Gesundheitsrücksichten^ sein'- Amt niedergelegt hatte; den Dank'des Vereins aus-ünd'Mte zugleich mMdaß-ihn der Vorstand 'zum' ^EHreÜv'orsitzKben'^Änännt habe. Sodanngedachte er des während -des Berichtsjahres heimgegängenen Verbandsvorsitzenden Dr. G u stä vKä rpeles Und erteilte sodann dem Schriftführer, Rabbiner Dr. Perl es, das Wort zum Jahresbericht. Im abgelausenen Jahre 'peranstältete der Verein acht Vorträge, darunter fünf von auswärtigen Rednern. Das Lesezimmer, in dem 23 deutsche, hebräische, jüdisch-deutsche und russische Zeitungen und Zeitschriften ausliegen, war im Berichtsjahre von 8366 Lesern besucht, die Bibliothek wurde durch' zahlreiche Neuanschaffungen bereichert. Darauj folgte der -Kassenbericht des Schatzmeisters Herrn Max' Arendt, wonach der Etat Mit 1367 Mark balancierte. Bei den nunmehr vorgenommenen 'Neuwahlen wurden die turnusmäßig äusscheidenden Herren Rabbiner Dr. Vogel stein und Dr. Perles wieder- und anstelle des Herrn Professor Dr Saalschutz Herr Bibliothekar Dr. Ettling er 'neugewählt. 8t. Osterode (Ostpr.), 27. Februar. Nach 40jähriger Tätigkeit -in unserer Provinz, zuletzt in Mohrungel,; tritt der Lehrer-und Kantor Moses Katz am 1. April d. I. in den. wohlverdienten Ruhestand. Seit der Begründung des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens - ist' derselbe ein treues Mitglied und ein lieber, bescheidener Kollege uns gewesen. -Möge ihm ein gesünder, froher Lebensabend beschieden sein. — Fräulein Anna Karo,'Tochter des Kantors Karo in Allenstein, welche seit dem I. April v. I. als Hilsslehrerin an der höheren Mädchenschule (Simultänschule) angestellt war, wird vom 1. April..d. I. abals ordentliche Lehrerin an derselben Anstalt ihrer Vaterstadt-definitiv angestellt und ist vom Provinzial-Schulkollegium bereits bestätigt worden. W; Posen, 21 Februar. Der Leiter der hiesigen Agentur von Wolffs Telegraphenbureau, Herr Benno Heimann, ist am 14. d. M. nach kurzer Krankheit gestorben. Herr Heimann, der am 1. Oktober vergangenen Jahres bereits sein. 75-Lebensjahr vollendet hatte, war seit über 40 Jahren Vertreter der Kontinental-Telegraphen-Kompagnie am hiesigen" Platze. Er hat stets die hohen Anforderungen des modernen Nachrichtendienstes in jeder Weise erfüllt. Auch als Kaufmann erfreute er sich allgemeinen Ansehens. Die Trauerrede - hielt Herr Rabbiner Dr. Bloch, wobei er den Verstorbenen als edlen Menschen feierte, der allezeit bereit gewesen sei, denen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, die sich an ihn wandten. Außer den nächsten Verwandten wären auch zahlreiche Bekannte -und die Vertreter der drei hiesigen deutschen Zeitungen sowie ein Direktionsmitglied des Wolffschen Telegraphenbureaus aus Berlin zu der Trauerfeier erschienen, an die sich die Beisetzung schloß.—Mit voller Befriedigung kann der Verein „Anschei Ehessed" auf das abgelaufene'Jahr zurückblicken. Auch im letzten Jahre hatte er in seinen Tendenzen wirkliche Fortschritte zu verzeichnen. Das jetzt neu renovierte Betlokal hat allen Besuchern große Freude bereitet. Da die Frequenz bei den ständigen Andachten eine sehr gute ist, sind die vom Verein abzuhaltenden Andachten viel erhebender geworden. Die im Berichtsjahre abgehaltenen Vorträge waren gut besucht, so daß man daraus schließen kann, daß der Verein immer das Richtige getroffen hat. Wo nur immer Bedürftigkeit zur Kenntnis kam, wurde tatkräftig eingegriffen. Es ist daher wohl begreiflich, wenn bei solchen Tendenzen und - bei dem Bestreben des Vorstandes, sie in jeder

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