Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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7. , dxx (SkWindeÜote. .***+•*** Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. lkorrelpondrn?m und Mschrichtm. Weutschlsnd. '- Berlin- 1. März. Das offizielle Organ der Deutschen Konferenj-Gemeinschast der ülliance Ira61ite Universelle „Oft und Aeft" bringt in der Märznummer folgende Bekanntmachung: Wir Haben den deutschen Mitgliedern der Alliance die erfreuliche Mitteilung zu wachen, daß es dem seitherigen Präsidenten Herrn Eeheimrat Goldberger gelungen ist, die Neukonstitüierung des Vorstands 8er Deutschen Konferenz-Gemeinschaft vorzubereiten. Nach seinem Vorschlag wurde bereits, wie aus dem Bericht über die siebente Tagung vom 8. Februar ersichtlich, Herr Justizrat Max Fuckß-Berlin einmütig zum Mitglied des Präsidiums gewählt. Jetzt ist es Herrn Goldbergers herzlichem Bemühen geglückt, in Herrn Justizrat V erth old Timmendorfer-Berlin einen hervorragenden Kandidaten für die Präsidentschaft der „D. C. G." zu gewinnen. Von den zwanzig stimmberechtigten Mitgliedern der „D. C. E." haben achtzehn sofort telegraphisch freudig zngestimmt. Der Kooptierungsvorschlag in das Zentral-Komitee ist zur Beschlußfassung für die nächste Sitzung nach Paris geleitet worden. — Herr Timendorfer, ist Mitglied des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Berlin, Großpräsident der „U. O. B. B.-Logen", einer der stell, vertretenden Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden und war schon immer ein Mitglied und treuer Freund der Alliance. Sein ausgezeichneter Charakter, seine volle Sachkenntnis, seine große Klugheit und Arbeitskraft haben ihm allseitige Anerkennung und Liebe gebracht. In der neuen Stellung, die das öffentliche Vertrauen der Glaubensgenossen ihm zuweist, wird er. wie in den anderen von ihm verwalteten Äemtern, im Verein mil Herrn Justizrat Max Fuchs, den Geist der Brüderlichkeit bewähren, zum Segen für die Alliance Israelite Universelle und für ganz Israel. V Berlin. 28. Februar Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 24. d. M. Rabbiner Dr. Bergmann, einen. Vortrag über das Thema: Das Judentum, eine psychologische Studie. Der Vortragende bemerkt einleitend, daß es an einer psychologischen Schilderung des jüdischen Stammes fehle. Die jüdische Religion, Ethik, Philosophie und Literatur sind Schöpfungen der jüdische» Volksseele. Einige Charaktersiige dieser jüdischen Volksseele wolle er schildern. Israel ist im Anfang ein Hirtenstamm, in dem der Stammes- und Familiensinn 'lärker ausgeprägt sind als der politische Sinn. Wie Palästina ein offenes und doch wieder abgeschlossenes Land ist, so ist Israel exklusiv doch auch ganz und gar menfchheitsumfassend. Griechenland ist Wiegenland der Kunst und der Heiterkeit. Die Wüste erweckt in der -- der israelitischen Hirten die Religion und den sittlichen Ernst. ' - sich im heiligen Lande mit herzerfreuender Schönheit und Fruchtbarkeit herber und strenger Ernst paart, so ist in Israels Seele mit Lebensfreude sittlicher Ernst vereint: das Leben ist den Menschen zur Freude gegeben, aber auch aufgegeben, daß sie Gott dienen. Die Älulhitze der Wüste im Süden weckt in den Menschen Leidenschaften; der von den Schneefeldern des Nordens herabwehende Wind macht He kühl und besonnen. Mit einem kühlen Verstände eint sich in dem >rrakter des jüdischen Stammes ein enthusiastisches Herz. . Bei den . . lechen ist der ideale Mensch der abgeklärte. Philosoph, in Israel l er begeisterte Prophet. Der Enthusiasmus weckt in den Israeliten b;e Fähigkeit zum Martyrium und die große sittliche Forderung, bas Licht der Völker zu werden. Der jüdische Stamm nimmt in sich slivas von der unbeugsamen Lebensenergie der uralten Zedern des Libanon auf, die allen Stürmen trotzen. Mit dem Willen zum Beharren ist in seiner Seele der Wille zu fortwährender Entwicklung '-"d Anpassung vereint. In seiner Seele lebt ein inniger Familiensinn, i-n unversiegbarer Optimismus, ein starkes soziales Mitleid. In der Natur muß das Schwächere dem Stärkeren weichen, in der Geschichte aber können Minderheiten bestehen, wenn sie ihre seelischen Kräfte - pflegen. In der Heldengestalt Hiobs hat Israel sich selbst, dargestellt. Alles wird Hiob vom Satan genommen, nur „seine Seele" bleibt ihm, und damit bleibt ihm die Kraft zur Wiederaufrichtung, zur fortwährenden Erneuerung und Verjüngung^ — Reicher, wohlverdienter Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. — Aus den auswärtigen Literatur vereinen: I» Schwetz sprach Tr. Leopold Hirschberg-Berlin über „Die Bibel in der Musik", Dr. Nordheimer über „Dr. Gustav Karpeles", Dr. Jampel-Karlsruhe über „Israel in Aegypten" nach zeitgenössischen Inschriften dargestellt (mit Lichtbildern); in Lauten bürg Dr. Nordheimer-Schwetz über „Das Kaddischgebet"; in. Graudenz Dr. Gut tm ann-Cnlm über „Ein jüdischer Major in Preußen", Dr. Nordheimer-Schwetz über „Das Kaddischgebet"; in Culm Dr. Weyl-Konitz über „Das Buch Hiob", Kantor Meisel-Danzig über „Synagogenmelodien"; in Elbing Dr. Guttmann-Culm über „Judentum und Toleranz", derselbe in Bromberg über „Witz und Humor in der jüdischen Literatur; in Schwetz Regisseur Fritz Richard-Berlin: Rezitationen; in Grünberg i. Schl. Dr. Hirschberg-Berlin über ^Die Bibel in der Musik (II Teil)"; in Kattowitz Dr. Braunschweiger: Aus den Anfängen der Geschichte der deutsch?» Juden; in Lautenburg i. P. Oberkanior Meisel-Danzig über „Synagogale Melodien"; in Nordhausen Rabbiner Dr. A. Levy 'über „Die Geschischte der jüdischen Reformbewegung"; in Hattingen (Ruhr) Lehrer Ai. Steinhardt-Magdeburg über „Die deutschen Juden im 10. und 11. Jahrhundert; Fritz Richard-Berlin:. Rezitationen; in Göppingen Rabbiner Dr. Tänzer über „Judentum und Kulturentwicklung"; in Wiesbaden Dr. Nathan Birnbaum über „Das Ostjudentum in Amerika"; in Paderborn-Rabbiner Dr. Samuel-Essen über „Shylok im Lichte der modernen Forschung"; in Elberfeld Rektor Plaut-Münster über „Moderne Bildungsromane"; in Mannheim Rabbiner Dr. Emil Cohn-Kiel über „Jüdische Erziehungsprobleme"; in Königsberg i. P. Davis Trietsch-Berlin über „Die Juden im Orient"; Herr M. Kowner über „Perez Smolenski". %* Berlin, 28. Februar. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der im August 1907 gegründet wurde, zählt heute bereits etwa 1000 Mitglieder und ist fast in allen europäischen Staaten sowie in Amerika vertreten. Die Einnahmen des Verbandes im Geschäftsjahr 1. Dezember 1908 bis 30. November 1909 aus Beiträgen und Spenden betrugen 8000 M. Ferner wurde der Verband durch einige/Mitglieder undmehrere deutsche Firmen mit Wäsche für das Jaffaer Krankenhaus in dankenswerter Weise unterstützt. Trotz seines kurzen Bestehens kann der Verein schon auf erfreuliche Erfolge zurückblicken. Eine Unserer Hauptaufgaben ist die Bekämpfung der beiden gefährlichsten Feinde des Landes: Malaria und AugeNkrankheit. Zu diesem Zweck haben wir eine in deutschen und Jerusalemer Hospitälern ausgebildete Krankenschwester; Fräulein Tempelmänn, angestellt, der vor allem die so dringend nötige Pflege von Kranken in deren eigenem Heim und die Sorge für die übrigen Familienmitglieder obliegt. Ferner konnten wir Schwester Tempelmann die Leitung des Jaffaer Krankenhauses Schare Zion, in dem erkrankte jüdische Arbeiter-Pflege finden, das .aber bisher nur ungeschultes Personal beschäftigte, übertragen. Die dort erzielten Resultate sind so befriedigend, daß wir beabsichtige», ein junges Mädchen, welches gleich falls gegenwärtig zur Krankenpflegerin ausgebildet wird, im Frühling zur Fortführung des Werkes nach Jaffa zu schicken. Auch die Errichtung eines Ambulatoriums 'mit zwei behandelnden Aerzten und die Verabreichung von billigen Arzneien und Nahrungsmitteln ist eine von unserem Verein geschaffene Einrichtung. Ferner mußten wir unser Augenmerk darauf richten, den in Palästina lebenden Frauen Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Als Vorbereitung hierzu bewirkten wir die Einführung des Handarbeitsunterrichts in der Jaffaer Mädchenschule und errichteten ferner ein Atelier zur Herstellung von Nadelspitzen nach einem' im Orient