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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-04 · Heft 9 (4.3.1910) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Der Hunger, die Sehnsucht, die Angst unwiederbringlicher Versäumnis wuchsen in ihr zu riesenhaften Dimensionen. Aber sie wußte: vor allen Dingen mußte sie sich zur Ruhe, zur Klarheit, zu unerschütterlichem Wollen durchringen. Sie mußte ganz sie. selbst sein, sich ganz und .gar . in der Hand haben, ehe sie die Macht der Liebe und der Wohltat ausüben konnte. '; In tiefer innerer Hilflosigkeit rang,, sie in der Einsamkeit ihres, schönen stiften Zimmers in heißem Mehen zu Gott um das Herz des sterbenden Gatten, um das Herz, das ihr nie gehört, und dessen sie kaum jemals begehrt hatte. : ’ (Schluß folgt.) - -; . . Mchrrrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten: Zurücksendung der Bücher findet in > keinem Falle statt. .. Rudolf'und Camilla. Roman von Auguste Hauschner. Egon Fleischel «d Co., Berlin. Predigten und Schrifterklärungen von Professor Dr. S. Maybaum. 6. Teil. Festpredigten. Berlin 1910. Kommissionsverlag von M. Poppelauer. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 19!0. 13. Band. Verlag von M. Poppelauer. Mitteilungen der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums Nr: 46 und 47. 1910. Judas Engel. Märchen spiel in zwei Aufzügen für Kinderaufführuugen bei jüdischen Festlichkeiten von Dr. Mannheimer. Mühl- Hausen i. Thür. Verlag von G. Danner. The Jewish Historial Society of England. An advance fascicule ol Transactions. Vol. VII. Edinbourgh 1909. Printed by Ballantyne, Hanson and Co. . Menschlichkeit sei unser Ziel! Von August Seiner. Verlag der Ulmer Zeitung A.-G. Die deutsche Literatur und die Juden. Von Ludwig Geiger- Berlin 1910. Verlag von Georg Reimer. Broschiert 6 Mark, gebunden 7 Mark. Jüdische Kindertaufen. Vortrag von Gustav Levinstein, gehalten am 9. Februar 1910, Berlin W. SpreHsM. it erhalten folgende Zuschrift: Ein Zeitbedürfnis. Soeben sendet mir ein Anverwandter des Herrn Generaldirektor Ballin die -zweite Beilage des „Hannoverschen Tageblattes" vom 9. Februar zu, in dervon einer Versammlung des Lutherischen Vereins behufs Stellungnahme zu der Frage: „Hat Jesus ja gelebt?" berichtet wird. . In seinem Begleitbriefe, wünscht Herr Ballin die Herausgabe einer apologetischen Schrift zur Bekämpfung der These, die Herr Pastor Sptenger und Superintendent Rothert gegen Drews und Tschirn aufstellten, wonach die christliche Lehre dem Geiste der jüdischen Welt totalwidersprechende, ganz neue soziale und sittliche.Forderungen stellt. — In meiner Antwort hob ich hervor, daß sein Wunsch hundertfältig erfüllt sei, daß fast: alle Rabbiner und Lehrer des Judentums in Wort und Schrift diese These widerlegt, daß. diejüdischen Organe fast allwöchentlich Artikel hierüber schreiben, daß Professor Lazarus und Professor Cohen, Dr. Güdemann, Dr. Perles. Dr. Eschelbacher, Dr. Bäck u, a. sich in wissenschaftlichen Werken ausführlich, die Abwehr- und Literaturvereine und der Deutsch-Jsraelitische Gemeindebund in Flugschriften mit Parallelen und Gegenüberstellungen. von jüdischer und christlicher Moral verbreitet haben. Allein die Apologetik — so behauptete ich — scheitere an zwei Dingen: 1. daran, daß weder die positiv-christiche noch die liberal historisch-kritische Schule außerhalb des Judentums von den hundertfachen Widerlegungen Notiz nimmt- und 4J. daß die Juden in ihrer Majorität nur von den in vielen Tagesblättern abgedruckten Angriffen aus Juden und Judentum Kenntnis nehmen, nicht aber von den Widerlegungen; die Wissenschaft über das Judentum in unseren Kreisen liegt arg darnieder, der Religionsunterricht ist nicht obligatorisch. Predigten und Vorträge werden meist-nicht gehört, jüdische Blätter nicht gelesen, von dem Wirken jüdisch-wissenschaftlicher Vereine und Veranstaltungen der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums weiß das Gros der Judenheit nichts. Die Folge sind Unwissenheit, Gleichgültigkeit und Abfall. Jüngst trug in unserer Gabr. Rießer-Vereinigung der Regisseur des Deutschen Schauspielhauses Herr Montor unter anderem auch aus einer meiner Neujahrspredigten eine die Ethik des Judentums zusammenfassende Seite über: »Was heißt ein Jude sein?" vor. Ein Hörer ließ sich dieselbe abschreiben und wollte sie in 10 000 Exemplaren verbreiten für Juden — wie er sagte — „die nahe der Taufe stehen". Ob's geschah? Ich hörte bis heute nichts davon. / /, Auch der obengenannte Einsender des Hannoverschen Blattes erwähnt in seinem Briefe, daß sich so manche aus Unkenntnis der jüdischen Moralgefctze, die sie um . dieser Unkenntnis * willen für minderwertig im Vergleich mit den christlichen halten, taufen lassen. Angesichts dieser höchst betrübenden Tatsache, dürfte die Anregung am Platze sein, eine Massenauflage der kürzest gefaßten Sittenlehre des Judentums zu veranstalten, sie allen jüdischen Familien, allen Schulentlassenen, allen Konfirmanden, Jugendverbänden sowie den Kreisen zugänglich zu machen, die sich indifferent, fremd und kalt zeigen, wo unsere jüdische Konfession in Rede steht, und wo es gilt für die religiöse. Ethik des Judentums in der Oeffentlichkeit und im Verkehr und Umgang mit Christen, mögen sie welcher Gesinnung immer sein, einzutreten. Bücher für Gelehrte haben wir genug, aber Schriften für Halb-, und Nichtwissende wenige oder keine. Letztere sind aber abzufassen viel schwieriger, als man ahnt, wie es schwieriger ist, kleine Kinder zu unterrichten als große. Hier-gilt es klar, deutlich, einfach, in bündigster Kürze, ohne Weitläufigkeit, ohne gelehrten Apparat, ohne Ueberschwang des Gefühls und ohne Schärfe des Ausdrucks an der lauteren Quelle der jüdischen Gotteslehre den Kelch zu füllen zum Heiltrank für die Wissensdürftigen und für die, die die Unwissenheit seelisch ausgedörrt und verknöchert hat. Die großen Verbände des deutschen Judentums müssen sich hier zusammentun im.Verein mit ihren Rabbinern und Lehrern.um solche populär-wissenschaftlichen, pädagogischen Arbeiten in Angriff zu nehmen und bald diesem dringendsten Zeitbedürfnis zu entsprechen. Hier ist wieder ein Feld, auf dem sich alle Parteien und Richtungen mitzuraten und mitzutun mit gleicher Begeisterung und Energie zusammenfinden dürsten, und der Verein Deutscher Juden, der Deutsch - Israelitische Gemeindebund und der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mögen Hand in Hand mit allen Rabbiner-und Lehrerverbänden Zusammenwirken, um der großen Zeitkrankheit, der Indolenz und Abtrünnigkeit vom Judentum, die die erschreckende Unkenntnis des religiös-ethischen Lehrgehalts vielfach verschuldet, einsichtsvoll und mutig, helfend und heilend zu begegnen und zu steuern. Dr. D. Leimdörfer, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. -H- - ns wird geschrieben: „Zum Artikel „Nietzsche und der Antisemitismus" in Nr. 6 der «Allgemeinen Zeitung des Judentums" erlaube ich mir Ihnen mitzuteilen, daß sich in Nietzsches Werken, und zwar besonders im N achlaß eine große Menge zum Teil viel prägnanterer und ausführlicherer Stellen finden, welche, zum, Teil geradezu enthusiastisch die Grundkräfte des Judentums hervorheben- Andere Stellen geben eine objektive Motivierung der nytwenigen historischen.Entstehung der äußeren jüdischen „Feste". .Den Antisemitismus hat Nietzsche immer bekämpft; er war u. c>. einer der Gründe seiner Abwendung von Wagner, Dr. Paul Cohn- Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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