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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-03-04 · Heft 9 (4.3.1910) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 9 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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zu hoch sein.? Ihre Organisation imL einzelnen' - mag sich je' nach chen -örtliches Verhältnissen gestalten,- das - Problem als solches -verdient, daß sich nicht nur' die Ortsgemeinde, sondern auch'der Deutsch-Israelitisch^ Gemeindebund und der Deuts che Rabbinerverband ernsthast' mit ihm' beschäftige, denn in ihm kommt zu schönster-Verwirklichung, was , das Gebet bei der Neumondseinsegnung in die Worte faßt-:- „Otia^erim Lol.jissroÄ, ganz Israel ist ein. Bund von Freunden,-" - , .> - , . ' . . - Sie Woche. > n Berlin,. 1. März. A^ie Debatten im Preuß ischen A b g e o r d nete uh ause, die sich auf Juden bezogen, haben in der deutschen Presse ein lebhaftes Echo gesundem Es ist erfreulich, konstatieren zu'können, daß die führenden Berlmer freisinnigen Zeitungen, das „Berliner Tageblatt" und die „Vossische Zeitung", an leitender Stelle über diese Angelegenheit gesprochen haben. Sie haben den Widerspruch hervorgehoben, der zwischen den bedauerlichen.Erklärungen desjetzigen und denen des früheren Kriegsministers liegt,' und mit Nachdruck auf die Aeußerung des Herrn, v. Einem, hingewiesen„Ich halte es einfach für einen Akt der Gerechtigkeit, - daß man einen jungen Mann, auch wenn, er Jude, ist, wenn er sonst tüchtig ist. und im übrigen geeignet, auch zum Reserveoffizier machen soll." Sie haben mit weiblichem Spott die Redensart des jetzigen Kriegsministers von der „achtunggebietenden Persönlichkeit" zerpflückt und gezeigt, daß derselbe Mann, der als Jude eine' solche Persönlichkeit nicht darftellt, alsbald die Achtung erzwingt, sobald er die Taufe angenommen hat. Gewiß ist einem Vorurteil gegenüber mit Worten allein nicht anzukämpfen, aber es ist doch eine Freude, zu bemerken, daß die liberalen Blätter in diesem Falle einmütig der Sache der Gerechtigkeit dienen. - .../ , ' * . Auch die andere,. in .früheren Uebersichten erwähnte Aeußerung, die im preußischen Abgeordnetenhause bei Gelegenheit' der Posenschen Verhältnisse gebraucht wurde, gab der „Kölnischen Zeitung" Gelegenheit zu folgendem bemerkenswerten Aussatz: „Deutsche Juden in Posen". Eines der bemerkenswertesten Momente aus den Reden, die gestern aus Anlaß der nationalliberalen Interpellation im Abgeordnetenhause gehalten worden sind, ist die scharfe Absage zweier Redner der konservativen-Fraktionen an die antisemitischeBewegung. Wie bekannt, ist das jüdische Element in den Handels« und Gewerbe» kreisen Posens und auch Oberschlefiens sehr stark vertreten, und.es verdient ausdrücklichfestgestellt zu werden, daß die jüdischen Gewerbetreibenden, immer fast ohne Ausnahme auf.seiten her Deutschen gestanden haben, Güte Kenner. der östlichen Verhältnisse haben, stets die Bedeutung, dieses jüdisch-deutschen Elements in jenen durch die polnische Bewegung gefährdeten Gegenden anerkannt Und die Unterstellung, daß die deutschen Juden sich ihrer nationalen Pflichten weniger bewußt wären ‘ als die Deutschen nichtjüdischen Glaubens, aus ihre Erfahrungen gestütztzurückgewiesen. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet bedeutet ein Hinübertragen antisemitischer Wühlereien und Aufhetzereien-in jene Teile der preußischen Monarchie, wo schon an sich ein Zusammenhalten , der Deutschen nur mit großen Schwierigkeiten zu erreichen ist .und durch allerlei Vorurteile gesellschastlicher Art erschwert wird, eine gefährliche Unterbindnng, deutscher Kulturarbeit. Es muß schließlich dazu führen, daß den deutschen Juden in Posen und Oberschlesien ein'Aushalten äuf diesem gewiß nicht angenehmen Posten geradezu unmöglich gemacht wird, wenn sie von deutschen Mitbürgern andauernd angegriffen und verdächtigt werden. Die scharfen Worte/ die besonders Herr Viereck, der Sprecher der Freikonservativew für diese ZersplitterUngsarb'eit der Antisemiten 'in Posen' fand, treffen durchaus 'den Kern der Sache und verdienen um so - mehr gewürdigt zuwerden, als sie von einem Kenner' der dortigen Verhältnisse ausgesprochen' worden sind, der jedenfalls' die''ganze Größe der Gefahr im vollsten Maße zu würdigen ' versteht. Man möchte' wünschen, daß seine Erklärung: „In der Provinz Pösen halten wir alle zusammen, ob'konservativ, ob liberal,- ob christlich öder jüdisch/ wir dürfennicht dulden, daß unsere jüdischem Mitbürger abgestoßen werden," die Richtlinien 'für das Verhalten seiner politischen Freunde bei der deutschen Pionierarbeit im Ostenabgeben wird.' Die übrigen deutschen dort in Frage kommenden' Parteien haben sich über ihre Auffassung des Antisemitismus schon- -oft 'genug geäußert, wogegen manche Konservative und Agrarier auch in Posen antisemitische Politik zu treiben suchten. Um so erfreulicher ist-es, wenn jetzt von konservativer Seite in gegenteiliger Weise Stellung genommen worden ist.; ' ' •* Vor einigen Jahren' fand in Dresden eine Ausstellung statt, bei der in einer besonderen Abteilung SynagogAnbauten und Kunstwerke, die zum jüdischen Kultus dienten, zusammengestellt waren und eine sehr lehrreiche Uebersicht boten. : Im Jahre 1911 soll nun. in Dresden eine neue, und zwar eine Internationale Hygiene-Ausstellung Kattfinden, in deren historischer Abteilung eine Klasse: Hygiene der Juden, eingerichtet werden soll. Ihre Leitung ist: dem Um die jüdische Volkskunde verdienten Herrn Dr. M: Grunwäld in Wien anvertraüt. Es wird von "ihm' bereits iefct^in Programm versendet, dessen Anfangsworte so lautien: „Bei der Ausstellung handelt es sich darum, anschauliches Material über die in folgendem gegebenen, die Hygiene, im'Judentum in den verschiedenen Zeitaltern herrührenden Gesichtspunkte zu bieten. Wir bitten deshalb vor allem um plastische Darstellungenoder Bilder von Einrichtungen und Vorgängen steit den Zeiten der Bibel bis auf unsere Tage), die hygienischen Zwecken entsprachen haben oder noch heute dienen,, dann um Abschriften oder Photographien einschlägiger Stellen aus der Heiligen Schrift oder sonstigen Werken, von rituellen Utensilien und dergleichen, wie die einzelnen Rubriken des Programms sie spezialisieren." Die einzelnen Hauptabteilungen sind die biblische, talmudische, nachtalmudische Zeit^ Für den ersten Abschnitt werden die folgenden 17 Unterabteilungen festgestellt: 1. Ernährung, 2. Kleidung, 3. Körperreinigung. 4. Körperkräftigung, 5. Arbeit, 6. Lust, 7. Licht, 8. Boden und Klima, 9. Wasser, 10. Behausung. 11. Ortschaften und Städte, 12. Verkehr, 13. Gesundheitliche Vorkehrungen für besondere Lebensverhältnisse, 14. Krankheitsbekämpfung' und Verhütung, 15, Mlitärgesundheitspflege> 16. Hygiene. in den Beziehungen .zwischen Mensch und Tier,. 17. Gesundheitliche Sitten, Gebräuche und Gesetze. ... > In dem letzten Teile der Ausstellung soll das Heilwesen der neueren - Zeit berücksichtigt werden) wobei ünterschieden werden: Aerzte, Krankenanstalten, Medizinalstatistik und hervorragende hygienische Leistungen einzelner Juden. Man muß diesem. hochintexMnten Unternehmen. auch von unserer Seite besten Erfolg wünschen. , >• Von den Vorgängen der Eten Woche verdient nach-dem leider üblichen Hinweis. .auf einige beschränkende Paßregeln in Rußland, z. B. die Äusschließung der jüdi scheu Advockaten- .gehi.l-f.en von-).her^.Aätrg-k.e4t---am. ..Gerichte,'- der Ausweisung der in.Smolensk wohnenden jüdischen Zahnärzte, die . sich nicht ausschließlich in ihrem Fache beschäftigen, folgende Nachricht aus der /N.-J. K." eine Hervorhebung: - „Die vor kurzem hier - stattgehabte- Jahresvei^ämnlluNg^ der „Jewish Immigrant Society “ n a hm ein eü m meh tfücher Hin sicht inter-

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