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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-25 · Heft 8 (25.2.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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74. Jahrgang. Nr. 8 Der Gemeindevote. kerlin, 25. pedruar 1910 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. korrrlponden?kn und Mschrichtm. Deutschland. *** Berlin, 22. Februar. Am 16. d. M. ist der Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin, Herr Dr. F. Feilchenfeld, nach kurzer Krankheit gestorben. Der Entschlafene, der ein Alter von 82 fahren erreicht hat, war durch reiches Wissen und hervorragende Charaktereigenschaften ausgezeichnet. Er zählte zu jenen alten ehrwürdigen Rabbinen, die stets das Wort unserer Weisen vor Augen hatten: Seid ruhig überlegt im Urteilen und stellet viele Schüler aus. Lernen und Lehren bildeten die Richtlinie seines wirkungsreichen Lebens. Vormals Rabbiner in Culm, amtierte er seit 1877 als Landesrabbiner in Schwerin i. M., wo er eine ersprießliche Lehrtätigkeit entfaltete, die ihm zur Freude, dem Judentum zur Ehre, und seinen zahlreichen Schülern zum Segen gereichte. Mit seinen vorzüglichen Lehrbüchern „Anleitung zum jüdischen Religionsunterricht" und „Kurzes Lehrbuch der jüdischen Religion" hat er sich bei Lebzeiten ein unvergängliches Denkmal errichtet. Er war seinen Kindern ein liebevoller Vater, seiner Gemeinde ein aufopfernder Seelsorger und seinen Schülern ein treuer, hingebender Lehrer. Mögen sie alle, insbesondere die tiefgebeugte Gattin, in der Trauer um sein Hinschefden Trost und Beruhigung in dem Bewußtsein finden, daß sein von höherm Idealen getragenes Leben sowohl für sie als auch für die Gesamtheit ein Segen war. Ehre seinem Andenken. 8. Berlin, 20. Februar. Die heutige, nur spärlich besuchte Repräsentanten-Versammlung nahm zunächst die Mitteilung des Gemeindevorstandes über Verände.rungen in der Leitung dreier wichtiger Verwaltungskommissionen entgegen. Der Vorsitz iin Schulnnd Talmud-Thora-Vorstandx ist nunmehr Herrn Kommerzienrat Eisner, der Vorsitz in der Veranlagungskommission Herrn Seligsohn. der Vorsitz in der Baukommission Herrn Geheimrat Professor Dr. Landsberg übertragen worden. Als zweites Mitglied des Gemeindevorstandes ist Herr Selitzsohn in die Baukommission abgeordnet worden. Der Versammlung wurde ferner Mitteilung gemacht von der durch Reichsgericht erfolgten Abweisung in der Markwald'schen Erbschaftssache. Durch letztwillige Bestimmung waren die Stadtgemeinde und die jüdische Gemeinde Berlin mit 30000 Mk. als Erben eingesetzt worden. Die Ehefrau des Verstorbenen widerrief diese Bestimmung, und Stadtgemeinde und jüdische Gemeinde wurden hiergegen klagbar. Die beiden ersten Instanzen entschieden zugunsten der Klägerinnen, während die höchste Instanz verneinte, daß das erste Testament als gemeinschaftliches Testament angesehen werden dürfe. Schließlich lag geschäftlich noch eine Resolution des Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums vor, die in scharfen Worten gegen die Ausführungen im Leitartikel der Nr. 1 dieses Blattes Einspruch erhob. Der Vorsitzende Herr Louis Sachs berief sich auf seine zur gleichen Angelegenheit in der vorigen Sitzung abgegebene Erklärung, betonte nochmals, daß die Repräsentanten-Versammlung mit den in dem genannten Artikel niedergelegten Ansichten nicht übereinstimme, daß aber die Repräsentanz nicht das Forum sei, um Fragen zu entscheiden, die in allgemeinen Versammlungen zur Sprache gebracht worden seien. Dann trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Zunächst konnte Herr Geheimrat Geiger über eine sehr erfreuliche Zuwendung an die jüdische Gemeindebibliothek berichten. Hauptsächlich durch die vom Referenten besonders hervorgehobenen dankenswerten und selbstlosen Bemühungen des Verlagsbuchhändlers Dr. Kaufmann ist es nach mühseligen Verhandlungen gelungen, den gesamten handschriftlichen Nachlaß des Professors Dr. Moritz Steinschneider für die hiesige Gemeindebibliothek zu erhalten. Auch die nach Amerika leihweise gegebenen Handschriften werden später der Sammlung wieder beigefügt werden. Gemeindevorstand und Ausschuß haben selbstverständlich bereitwilligst dem Wunsche der Bibliothekonimission, die Schenkung anzunehmen, entsprochen, und so richtete der Referent die Bitte an die' Repräsentanten, dem Beschlüsse des Gemeindevorstandes unter freudiger Anerkennung' des Geschenkes des Herrn Justizrat Steinschneider, sowie der rühmlichen Tätigkeit des Herrn Dr. Kaufmann beizutreten. Der Antrag wurde debattelos angenommen; ebenso die Zuwendungen der Frau Flora Sachs im Betrage von 12 000 Mark an die Alterversorgungsanstalt zur Errichtung einer Elias Flora Sachs-Stiftung, ferner die Zuwendungen der Frau Fanny Leipziger und des Herrn Naphtali Philippi zu Grabeserhaltungszwecken. Nachden alsdann der Bericht der Bibliothekkommission pro 1908/09, der zahlenmäßig die rege Frequenz der Bibliothek konstatiert und das erfreuliche Resultat der Schenkungen und Erwerbungen verzeichnet, zur Kenntnis genommen war, wandte sich die Versammlung der wichtigsten Borlage der heutigen Tagesordnung zu, nämlich der Besoldungsordnung für die Bureaubeamten der jüdischen Gemeinde. Der Berichterstatter Herr Benas Levy gab in ausführlicher und klarer Darlegung die Grundzüge der neuen Besoldungsordnung. Er hob die Bedeutung der Vorlage hervor, deren Durchberatung die Ausschüsse I und III in gemeinsamer Sitzung vorgenommen hätten, und sprach dem Gemeindevorstand wie besonders dem Gemeindesyndikus Herrn Justizrat Lilienthal den herzlichsten Dank der Versammlung aus, nicht nur für die gründliche und sorgsame Vorbereitung der Vorlage, sondern auch für das warme Interesse, das die Gemeindeverwaltung für ihre Beamten in dieser Besoldungsordnung zum Ausdruck . gebracht hätte. Die Wünsche der einzelnen Beamtenkategorien konnten in der Neuordnung, die am 6. April d. I. in Kraft tritt, berücksichtigt werden, die Mehrbelastung für die Verwaltung beträgt zu diesem Termin nicht weniger als 29 670 Mark. In der heutigen Vorlage, auf die wir noch. ausführlicher zurückkommen. sind vorläufig nur 93 Bureaubeamte berücksichtigt worden. In der nur kurzen Diskussion bedauerte Herr Dr. Ginsberg das Fehlen einer Besoldungsordnung für weibliche Beamte und beantragte, den Gemeindevorstand um eine baldige Vorlage hierüber zu ersuchen. Eine diesbezügliche Resolution fand zugleich mit der Vorlage selbst einstimmige Annahme. Auch der Ergänzung dieser Vorlage, der Ordnung der Anstellungsverhältnisse und des Ruhegehalts der Beamten der jüdischen Gemeinde sowie der Fürsorge für deren Hinterbliebene wurde debattelos zugestimmt, nachdem die Referenten Direktor. Dr. Minden und Herr Benas Levy die wichtigeren Einzelheiten dargelegt und begründet hatten. Im Zusammenhangs mit der Besoldungsordnung werden wir auch aus der zweiten Vorlage später die grundlegenden Bestimmungen bringen. — Mit den Bestimmungen über den Haushalts-Etat der jüdischen Gemeinde, welche die Verfügung über die einzelnen Fonds allgemein regeln, erklärte sich die Versammlung einverstanden^ Besonders erfreulich ist, wie der Referent Herr Kommerzienrat Gerson Simon hervorhebt, daß in Zukunft auf die „Fonds für unvorhergesehene Ausgaben" auch Ausgaben angewiesen werden können, die unter einen anderen Etattitel fallen, und zwar vom Gemeindevorstande bis zum Betrage von 100 Mark, von den Verwaltungskommissionen bis zum Betrage von 50 Mark in jedem einzelnen Falle. Die Vorlage betreffend Herausgabe eines Gemeindeblattes verfiel wiederum der Vertagung. — Von Herrn Rabbiner Dr. Warschauer ist beim Gemeindevorstand angeregt worden, auch den Konfirmandinnen bei der Einsegnungsseier die Auerbachsche Schul- und Hausbibel zu überreichen. Das Haus schloß sich einstimmig diesem Wunsche an. — Der Rechnungsabschluß der Schulverwaltung pro 1908/09 wurde auf Grund des Referats des Herrn Emil Cohn dechargiert. Der Gemeindezuschuß belief sich auf 272 464.60 Mark, eine Ersparnis von 8393.42 Mark konnte erzielt werden. — Der Rechnungsabschluß der Synagoge Rhkestraße -lpro 1908/09 balanciert ln Einnahme und Ausgabe mit 46 338.12 Mark; auch hier wurde Entlastung erteilt.'— In die gemischte Deputation zur Auswahl von Synagogen-Bauplätzen wurden die Herren Maurer-

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