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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-25 · Heft 8 (25.2.1910) · p. Seite 89

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 8 (25.2.1910)
Date
1910-02-25
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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89 und Bestrafung jedes Lugs und Trugs, das ist die gesetzliche, die sittliche, die religiöse Forderung. Darin müssen alle Bekenntnisse Übereinstimmen, danach müssen alle gleichmäßig beurteilt werden. Die schlechten Handlungen einzelner Juden sind ebensowenig, jüdisch, als die schlechten Handlungen einzelner Christen christlich. Undeutsch, unchristlich wie unjüdisch iM dem Bekenntnis der Gesamtheit zur Last zu. legen, was der Einzelne verbrochen; undeutsch, unchristlich wie unjüdisch iM, das übereinstimmende Sittengesetz beider Bekenntnisse zu leugnen und zu verhöhnen; undeutsch, unchristlich und unjüdisch ist^s zu wähnen, es seien die Angehörigen dieses oder jenes Bekenntnisses die allein Gerechten, die allein Berechtigten, die allein zu Schützenden." Das Andenken eines solch wackeren Mannes soll nicht vergessen werden. Es ist daher, eine Freude zu konstatieren (die folgenden Ausführungen verdanke ich der Tochter Lehmanns, Frau Amtsrätin Hepner, die das Andenken an ihren Vater in würdigster Weise Pflegt), „in welch sinniger und welch großdenkender Weise der geistige Führer der Dresdener Gemeinde, Herr Kommerzienrat Max Elb, den älteren Freund nach seinem Tode zu ehren, und sein Gedächtnis lebendig zu erhalten wußte und weiß. Zuerst die Begründung der Emil Lehmann-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gestellt, die Wissenschaft des Judentums mit ihren bescheidenen Mitteln zu fördern. Alljährlich veranstaltet sie am Todestage eine Feier. Zu Lehmanns 70. Geburtstag war die Herausgabe seiner Schriften geplant. Der Tod vereitelte wohl die Ueberreichung an ihn selbst, die ihn beglückt hätte, aber nicht die Veröffentlichung in vornehmer Ausstattung, von Herrn Elb, anderen Freunden, Verwandten und uns, seinen Kindern. In 1000 Exemplaren wurde sie jüdischen Gelehrten und Vorstehern größerer Gemeinden als Ehrengabe gesandt. Lehmanns Bildnis, von einem bekannten Meister gemalt, ihm früher überreicht, hängt in einer von demselben Meister herrührenden Kopie im Gemeinderatssaal. Die Stadt Dresden weiht bald ihr Prächtig gebautes Rathaus ein. Auch die jüdische Gemeinde widmet ein Geschenk: das Porträt Emil Lehmanns für den neuen Stadtverordnetensaal." Lehmanns Schriften, deren Reinertrag weder dem Verleger noch dem Herausgeber lohnenden Erwerb zu bringen bestimmt ist, sondern eine gute Sache fördern soll, mögen dazu dienen, viele im Sinne des Verstorbenen zu wahrhaften, deutschen Juden zu machen. Den Prosasätzen, die oben angeführt sind, mögen sich zum Schluß einige Verse aus einem seiner Gedichte: „An meinen Sohn" anreihen, sie lauten folgendermaßen: Mein lieber Sohn! Wie hoch erfreut Begrüßt mein Vaterherz Dich heut'. Barmizwah bist Du! „Sohn der Pflicht"! Dein Leben lang vergib das nicht . . . Pflicht heißt die Losung früh und spät, Pflicht ist die Arbeit, das Gebet, Pflicht, sich und andere zu erfreu'«, Pflicht, Gutes tun und Böses scheun. Wer sich sein Brot verdient, er bricht's Im Schweiße seines Angesichts. Und segensreiche Labung quillt Dem Mann, der seine Pflicht erfüllt ... Barmizwah ruft den Sohn der Pflicht Zur Thora! Was die Lippe spricht, Deß' sei Dein Herz auch stets beseelt Vom Dank für Gott, der uns erwählt. Der uns erwählt zur strengen Pflicht! Des Glaubens Mut, des Glaubens Licht, Des Glaubens Kraft, des Glaubens Heil Ward uns — durch uns der Welt zuteil. -Der uns erwählt — nicht zum Genuß, Nicht zu der Freuden Ueberfluß, Nein, zu der Arbeit Schaffensdrang, Zur Pflichterfüllung lebenslang. L. G. Das Mische Fortbildmigswelm. Von Dr. S. G r z y m i f ch. II. nter den Bedingungen, an welche die Ausführung eines derartigen großzügigen und tiefgreifenden Kulturwerkes geknüpft ist, nimmt die erste Stelle ein der seelische Feinblick, die praktische Geschicklichkeit, die pädagogische Umsicht, welche die gegebenen Lebenserscheinungen voll berücksichtigt und die vorhandenen Mittel unermüdlich dem erhabenen Zwecke dienstbar macht. Von ihr hängt das Gedeihen unseres Unternehmens ab, daher haben wir jetzt die Organisation des jüdischen Fortbildungswesens in ihrer äußeren und inneren Gestalt darzustellen. 1. Zuerst verlangt das Werben unsere sorgfältige Aufmerksamkeit, denn soll der Mensch für eine. Sache gewonnen werden, dann muß man sie ihm so nahe bringen, daß er sich von ihrer Nützlichkeit überzeugt. Die Propaganda muß von den richtigen Organen ausgehen. Dazu berufen sind in unserem Vaterland vorzüglich der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und der allgemeine Rabbiner- und Lehrerverband. Sie wenden sich vereint an die Glaubensgenosfenschaft mit einem Aufrufe, welcher überzeugend die hohe Bedeutung unseres Unterrichtszweiges darstellt und warm die Errichtung von entsprechenden Lehrstätten ans Herz legt. Dieser Ausruf gelangt in die Hände jeder Gemeindeverwaltung, jedes Rabbiners und Lehrers. In der einzelnen Gemeinde wiederum ist von den genannten Stellen aus unser Gedanke in die breiten Volksschichten zu leiten. Der Gemeindevorstand erläßt eine öffentliche Bekanntmachung oder läßt jedem Gemeindemitgliede: darüber eine besondere Mitteilung zugehen, dem Rabbiner, bietet die Predigt eine passende Gelegenheit, die jüdische Fortbildungsidee den Herzen nahezulegen, auch der Verein für jüdische Geschichte und Literatur ist kein ungeeigneter Boden dafür. Namentlich aber wären zwei Wege zu benutzen: der persönliche Verkehr und der Religionsunterricht der Schule. Von Mund zu Ohr müssen die Freunde unseres Werkes über dasselbe ausklären und für dasselbe gewinnen. Einwendungen beseitigen und Zögernde antreiben. Vor allem aber soll der Lehrer in der Religionsstunde seine jungen Schüler und Schülerinnen zur Fortsetzung des Unterrichts nicht nur hinziehen, sondern systematisch hinerziehen, so daß ihnen schließlich die Teilnahme an demselben, mögen sie nun in dem gleichen oder einem anderen Orte wohnen, als etwas Selbstverständliches erscheint. Eine Wirksamkeit in dieser Richtung kann nicht anders als erfolgreich sein, vorausgesetzt, daß sie sich durch Enttäuschungen nicht entmutigen läßt und auch sonst nicht erlahmt, und daß ebenso großer Nachdruck auf den fortlaufenden Besuch unserer Lehrstunden gelegt wird. 2. Zur Erhaltung unserer Einrichtung gehört ferner eine ordentliche Verwaltung, die alles äußerlich Geschäftsmäßige besorgt und überwacht, insbesondere dem Unterrichte seine materiellen Mittel bereitstellt. Sie soll

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