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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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bürg er und E./ Jereüick. — In dem Sladthäushaltsplan sind wiederum bedeutende Beihilfen an die hiesigen Privaten höheren Mädchenschulen enthalten. In diesen Schulen ist ein . ziemlich bedeutender Prozentsatz jüdischer Schülerinnen vorhanden. Trotzdem ist für den systematischen mosaischen Religionsunterricht in keiner Weise gesorgt. Es ist sehr bedauerlich, wenn Mädchen von 14. bis 18 Jahren zum Teil noch keine Ahnung von dem Glauben ihres Stammes haben sollen. Innerhalb unserer Gemeinde existieren zwar zwei.Religionsschulen, in denen neben dein hebräischen auch der. systematische Religionsunterricht erteilt wird. Da aber der Besuch dieser Schulen ein freiwilliger ist, gibt es immerhin noch eine Anzahl von Mädchen, die des Religionsunterrichts ganz entbehren. In den Zuschüssen für die genannten Schulen, ist wohl auch ein Betrag für den Religionsunterricht, im allgemeinen enthalten: Den jüdischen Stadtvätern liegt es ob,- bei Besprechung des Haushaltsetats dieses Thema vorzubringen. — Der Inspektor N elken vom hiesigen Lötzschen Alters- und Siechenheim ist/als Kultusbeamter nach Czarnikau berufen worden. - Herr- Nelken war nur kurze Zeit hier tätig. Sein Weggang wird allgemein: bedauert. — In Krotoschin wurde kürzlich die Leiche des am/2.d.M^ in Mentone verstorbenen Brauereibesitzers Karl Ka tzenellenbogen zur letzten Ruhe gebettet. Eine überaus zahlreiche/Beteiligung aus allen Bevölkerungsschichten: legte Zeugnis ab von der allgemeinen Beliebtheit des Verblichenen. Dem Sarge voran schritten der Landwehrverein und eine Deputation des Vereins ehemaliger Leibhusaren aus. Posen. Rabbiner Dr. Berger hielt eine ergreifende Leichenrede. — Der kürzlich zum Kommerzienrat ernannte Fabrikbesitzer Rogowski in Gnesen hat einen Grundstock von 30 000 Mark zu einem Wohlfahrtssonds zur Unterstützung seiner Angestellten und Arbeiter in Krankheitsfällen gestiftet. Er hat bekanntlich auch einen prachtvollen silbernen Pokal gestiftet, den die Stadt Gnesen seinerzeit dem Kaiser kredenzte. Leb. Deutsch-Krone, 8. Februar. Am 17. v. M. verstarb nach längerem Leiden unser erster jüdischer Lehrer, Herr Gustav Braun, der auf eine 48 jährige Tätigkeit in seinem Amte zurückblicken konnte. Fast diese ganze Zeit war er an unserer jüdischen Schule tätig, der/er zu dem guten Rufe mitverholfen hat, dessen sie sich in weiten Kreisen seit langen Jahren erfreut. Zwei Generationen haben seinen Unterricht genossen/ und unvergleichlich war die Achtung und Lieber. die dem Verstorbenen entgegengebracht wurde. Die Gemeinde verliert in ihm außerdem einen Gründer und den langjährigen, unermüdlichen Vorsitzenden der Lüiedra-Lsäisclia, der mit steter Opferwilligkeit und selbstloser Hingabe Werke der Liebe und Mildtätigkeit ausübte und anregte. Sie verliert in ihm ihren Prediger, der ihr oft mit beredten Worten die Gotteslehre verkündet und an manchem Grabe Trost gespendet hat, einen treuen und edlen Mann. Die Bestattung gestaltete sich zu einer großen erhebenden Trauerfeier, an der sich nicht nur die gesamte Gemeinde,, sondern auch Magistrat, Behörden, Deputationen und der Lehrerverein beteiligten. An dem Sarge, der in der Synagoge aüfgebahrt worden war, sprachen Rabbiner Dr. Lefkowitz-Schneidemühl, Lehrer. Schreiber und Dr. Mislowitzer-Schneidemühl (im Namen der Unitas-Loge) herzliche, warme Worte der Liebe und Anerkennung. Sein Andenken wird ein gesegnetes sein... V Breslau, 6. Februar. Das jüdisch-theologische Seminar beging am 27. Januar zum sechsundfünfzigsten Male die Gedächtnisfeier für seinen Stifter, den. verewigten Kommerzienrat Jonas Fränkel. Anläßlich. dieser Feier sind,, wie aus dem soeben erschienen Bericht zu ersehen ist, die Herren Kandidaten Dr. de Haas, Lewkowitz und Obstler, nachdem sie die theologisch-wissenschaftliche und. die talmudisch-rabbinische Prüfung bestanden haben, als Rabbiner entlassen worden. — Im verflossenen Jahre wurde am 27. Januar, dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers und Königs mnd dem gleichzeitigen Sterbetage des Stifters, die Doppelfeier in üblicher. Weise begangen.' Die Fest? und Gedenkrede hielt Herr Dr. Brann. Daran schloß sich die feierliche Entlassung der Herren Kandidaten DDr. Auerbach, Kahlberg, Alfred Levy und Steckelmacher unter Ueberreichung des RabbinatSdiploms durch 'den' Seminarrabbiner, woraus Herr Dr. Steckelmacher: Abschiedsworte an seine Lehrer und Studien- . enossen richtete. Zur Bewerbung um den Lehmannschen Preis war die Aufgabe gestellt: „Die^ Lehre vom göttlichen Willen bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Saadia bis Maimuni." Es ging eine Arbeit ein. Die Eröffnung des mit dem üblichen Merkwort versehenen Umschlages ergab, daß der Verfasser Herr Dr. Arnold Grünfeld sei. Für das laufende Studienjahr wurde zur Bewerbung um den Lehmannschen Preis die Ausgabe gestellt: „Es soll trotz der verdienstlichen Leistung Joel Müllers von neuem eine Untersuchung über die Sammlung der halachischen Differenzen zwischen den Juden Babyloniens und Palästinas angestellt werden." Eine Bearbeitung ist bis jetzt nicht eingelaufen. Während des abgelaufenen Studienjahres ist das Seminar von 27 Hörern besucht worden. Neu eingetreten sind im vergangenen Jahre drei Hörer. Von ehemaligen Zöglingen des Seminars sind folgende in Aemter berufen worden: Herr Dr. H. Auerbach zum Religionslehrer in Dresden, Herr Dr. A. Levy zum Rabbiner in Nordhausen, Herr Dr. A. Kahlberg zum Rabbiner in Halle a. S.' und Herr Dr. E. Steckelmacher zum Bezirksrabbiner in Dürkheim. Herr Rabbiner Fabian in Breslau wurde zum Direktor: des israelitischen Waisenhauses Hierselbst berufen. Zum Nabbinatsadjunkt in Nürnberg wurde der Hörer Dr. C. Tirschtiegel berufen. — Die Zinsen aus dem Direktor Dr. Zacharias. Frankel- Fonds haben auch im vergangenen Jahre die ihrer Bestimmung entsprechende Verwendung gefunden. Der verstorbene Kurator, Herr Stadtrat Hugo Milch, hat dem Seminar ein Legat vom 1000 Mark hinterlassen. Frau Professor Badt hat ein Legat von 300 Mark für ihren verewigten Gatten, Herrn Professor. Dr. Benno. Badt, dem Seminar überwiesen. Der Verstorbene, welcher als. Lehrer am Johannes-Gymnasium hier wirkte, war ein Hörer der. Anstalt und wurde unter dem. Direktorat des sel. Dr. Frankl mit dem Rabbinatsdiplom entlassen. Herr Rabbiner Dr. Koch aus Gothenburg hat zur Erhöhung des Legats für das verewigte Fräulein. Irma Fraenkel 400 Mark gesandt.. Außer den aus fundierten Legaten fließenden Stipendien erhielten auch im. vergangenen Jahre mehrere Seminaristen Unterstützungen durch. Zuwendung mannigfacher Stipendien, für die das Seminar seinen aufrichtigen Dank ausspricht. Die Zinsen der Annette Vallentinschen. Stiftung, die von dem Rentier. Herrn Henry Vallentin in. Hamburg zum Andenken an seine verstorbene Mutter errichtet wurde, sind wiederum einem . Seminaristen zur Wiederherstellung seiner Gesundheit durch eine Badekur stiftungsgemäß bewilligt worden. — Die- Seminar-Bibliothek, welche nach dem. letzten : Abschluß 18012 Druckwerke in 24 051 Bänden und 212 Handschriften in 248 Bänden umfaßt, hat außer den durch. Ankauf erworbenen Büchern durch freundliche Schenkungen, für die sie hiermit öffentlich ihren Dank abstattet, einen reichen Zuwachs erhalten. — Dem Bericht voran, geht die Fortsetzung der von Dr. M. Braun verfaßten „Geschichte der Juden in Schlesien". Den ersten vier Heften läßt der Verfasser ein.fünftes folgen, das die Zeit vom Beginn der habsburgischen Herrschaft in unserer Heimatsprovinz bis zum Ende des 16. Jahrhunderts behandelt und einen Einblick/in alle die: Leiden und Verfolgungen gewährt, denen die Juden damals ausgesetzt waren. Als freie Männer ins Land gekommen, mußten sie im Jahrhundert der Reformation, geächtet und wegen ihres „Unglaubens" verhaßt, aus Schlesien scheiden. Mit welchen Mitteln gegen sie gekämpft wurde, zeigen die dem Hefte beigegebenen Akten über den Jägerndorfer Judenmord im Jahre 1535. Chemnitz, 10. Februar. Am 25. Januar fand die zwölfte ordentliche Generalversammlung des hiesigen Synagogen-Chorvereins statt. Der erste Vorsitzende Herr Max Grünberg eröffnete die. Versammlung,/ begrüßte die sehr. zahlreich erschienenen Mitglieder und teilte gleichzeitig mit, daß der Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde verhindert sei, persönlich an der Versammlung teilzunehmen, er selbst, als Gemeindeverordneter, den ehrenvollen Auftrag erhalten habe, den Mitgliedern herzlichen Dank, für die erfolgreiche. Mitwirkung an der würdigen Gestaltung des Gottes-, dienstes während des Jahres. 1909 auszusprechen. Nachdem der Schriftführer Herr Lehrer Nathan seinen Bericht , über das verflossene Bereinsjahr verlesen hatte, erstattete der Kassierer Herr Adolf Wertheimer den Kassenbericht, worauf ihm die Decharge erteilt wurde. Bei den sodann vollzogenen- Wahlen wurden dev

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