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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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”• Der Oemetndebote. Berlin, 18. Februar1910 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums" lkorrrkpondtnren und Sschrichtm. Deutschland. *»* Berlin, 15.Februar. Ueber „die Idee der Unsterblichkeit inr Judentum" sprach gestern abend Rabbiner Dr. Hochfeld in der Aula der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Der Vortrag war der vierte in der Reihe der beliebten Montagsvorlesungen, die alljährlich zum Besten des Stipendienfonds der Anstalt gehalten werden. Rach einleitenden Worten über die Behandlung der Unsterblichkeitsfrage in der modernen polemischen und apologetischen Literatur und nach Darlegung seines Standpunktes in methodischer .Hinsicht zeigte der Redner, wie schon im ältesten Israel der Gedanke an ein Fortleben vorhanden war, wie dann die Propheten und Psalmisten diesen Gedanken vertieften und verinnerlichten. Längere Ausführungen des Redners galten der Auserstehungslehre, die im nachexilischen Judentum auftauchte, und die bisher als eine Entlehnung aus dem Parsismus angesehen wurde; die Annahme der Entlehnung wird als überflüssig bezeichnet, und der Glaube an das Wiederaufleben der Toten als eine Konsequenz der ins Ueberweltliche gesteigerten Messiasidee nachgewiesen. Nach einer Uebersickt über die talmudischen Anschauungen und die Lehren der mittelalterlichen Religionsphilosophen verweilte der Vortragende bei Maimuni und Kreskas, in deren Doktrinen er wertvolle Fingerzeige für die eigene Gedankenbildung fand. Ter Schluß der Darlegungen galt der Stellung des gegenwärtigen Judentums zur Unsterblichkeitssrage. Redner gibt zu, daß seit Kant ein wissenschaftlich vollgültiger Beweis für transzendente Ideen nicht mehr zu führen ist, will aber ein Entstehen und Vergehen, wie es die Körperwelt zeigt, für die höhere Welt des Geistes nicht anerkennen. „Je mehr Geist wir sind, in desto höherem Maße tragen wir ewiges, unvergängliches Leben in uns"; in diesen Worten gipfelte das persönliche Bekenntnis des Vortragenden. Der inhaltsvolle, formvollendete Vortrag fand reichen Beifall. J. Berlin, 14. Februar. Mit dem Thema der Juden taufen beschäftigte sich am 9. d. M. der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in einer von mehreren Tausend Personen besuchten Versammlung im Blüthnersaale, in der die Herren Rabbiner Dr. Werner-München, Gustav Levin stein und Professor Hörovi tz sprachen. Der erste Redner proklamierte die Tausfrage als eine politische, die somit vor das Forum des Zentralvereins gehöre, dem sonach die Pflicht obliege, gegen die Taufe in jüdischen Kreisen aufzutreten. Die Größe der Kalamität erhelle daraus, daß. nach einer gewiß nicht zu hoch gegriffenen Schätzung dem Judentum im 19. Jahrhundert 200 000 Seelen verloren gegangen seien, die sich dem Christentum zuwandten, in Preußen allein 13 000.' Besonders zahlreich seien die Uebertritte in den beiden Perioden 1798—1840, da sich der Kampf zweier Kulturen im Judentum nach dem Auftreten Mendelssohns vollzog. Im Berlin des Jahres 1840 waren von den 8000 Juden nicht weniger als 1000 Getaufte— und sodann seit 1880, als die antisemitische Hochflut einsetzte. Die statistische Angabe, daß auf je 1000 Juden nur 0,5 Getaufte entfielen, sei ungenau, da hierbei die erschreckend große Anzahl der Kindertagen nicht eingerechnet sei. Der Vortragende ging dann die lange Reihe der Motive, die die Taufe veranlassen, durch und wies im einzelnen die Stich- und Haltlosigkeit derselben in den meisten Fällen nach. Not, vorgebliche Kultur- und nationale Rücksichten, ethische Gründe, angebliche Neigung zur freiheitlich-religiösen Richtung, respektive direkte Glaubenslosigkeit, Eitelkeit und Ehrgeiz, der Hunger und die Liebe, alle diese Triebe werden als Gründe der Taufe von den - Täuflingen angeführt, keiner aber sei stichhaltig gegenüber der Unwahrhaftigkeit und dem inneren Zwiespalt, zu denen die Taufe in den meisten Fällen führt. Aber das Schlimmste seien die Kindertaufen. Der Redner hob sodann noch die schädlichen Wirkungen der Judenlaufen in unserem Kampfe um die Gleichberechtigung hervor und auf das Verhalten des Staates zu unseren Rechtssorderungen- An positiven Forderungen stellte er: 1. die allgemeine Einführung der gesetzlichen Bestimmung, wie sie in Bayern existiert, daß der Uebertretende seine Absicht vorher dem Rabbiner mitzuteilen, ihn gewissermaßen zu befragen hat und 2. stolz zu sein gegenüber den Täuflingen, die in unserer Mitte erscheinen und sie als ungeeignet zu erachten für Ehrenstellen jeder Art. Nachdem dann die Herren Levinstein und Professor H.or ovitz ungemein interessante psychologische Analysen der Taufmotive gegeben und das Verwerfliche und vielfach Nutzlose dieser betrüblichen Erscheinungen der Judentaufen unter lebhaftesten: Beifall dargetan hatten, wurde die Versammlung ohne jede Debatte geschlossen. 4. Berlin, 14. Februar. Unter dem Vorsitz des Herrn Professor Marburg hielt der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" am 6. d. M. seine Generalversammlung ab. Dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht entnehmen wir, daß sich der Bodenkulturverein an der unter der Aegide der Alexander und Fanny Simon-Stiftung in Hannover begründeten Land- und Lehrgutgesellschaft m. b. H. Steinhorst einerseits durch Uebernahme eines Anteils von 5000 Mark, anderseits durch Uebernahme einer Hypothek im Betrage von 10 000 Mark beteiligt hat. Diese Lehrgutgesellschaft hat bekanntlich das Gut Steinhorst bei Celle in der Provinz Hannover angekauft, unl dort Juden als Landwirte auszubilden. Der Bodenkultur verein hatte sich auch bereitgefunden, für die Einrichtung der Zöglingswirtschaft ans Steinhorst für die ersten zwei Jahre je 3000 Mark zu bewilligen. Die Auszahlnng dieses Beitrages ist pro 1908/09 und pro 1909/10 bereits erfolgt. Dem Bodenkulturverein steht als Aequivalent seiner Leistungen das Recht zu, seine Eleven zur Aufnahme vorzuschlagen, respektive dort einzustellen. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Hoffnung berechtigt sei, daß man hier in Steinhorft wesentlich bessere Erfolge erzielen werde als seinerzeit in Neuhof. Die Aufgabe des Bodenkulturvereins werde also in der Hauptsache in Steinhorst gelöst werden. Andere Mittel des Vereins würden dann dazu verwandt, einmal Stipendien an Studierende der Landwirtschaft zu gewähren und dann Leute in kleiner: jüdischen Betrieben, wie sie besonders noch in Süddeutschland vorhanden sind, ausbilden zu lassen. Von den Gesamteinnahmen des Vereins im Betrage von etwa 7000 Mark erforderten Gehälter und Spesen etwa rund 2000 Mark, an das Land- und Lehrgut Steinhorst wurden 3000 Mark gezahlt, so daß für Stipendien und Lehrunterstützungen insgesamt zurzeit etwa 2000 Mark zur Verfügung ständen. Der Syndikus der Simon-Stiftung und Geschäftsführer der Land- und Lehrgut-Gesellschaft Dr. Katz machte sodann ausführliche Mitteilungen über Stand und Aussichten von Steinhorst. Er wies zunächst auf die Schwierigkeiten der Beamtenauswahl hin, wobei man auch auf Kräfte nichtjüdischen Glaubens angewiesen sei. Die jüdischen jungen .Leute sind für die Landwirtschaft nicht ungeeigneter, als die nichtjüdischen, wenn man sie richtig anfaßt. Was die Mittel zur Durchführung des landwirtschaftlichen Erziehungs- und Lernwerkes betrifft, so seien alle Veranschlagungen meist zu niedrig. Man bedürfe eines ziemlich großen Erziehungsapparates. Man hoffe, im Frühjahr dieses Jahres mit 15 bis 20 Zöglingen die landwirtschaftliche Lehranstalt zu eröffnen. Schon jetzt seien vier Zöglinge dort, mit denen man teils gute, teils auch schlechte Erfahrungen gemacht habe. Als Wirtschaftsleiter sei Herr Wittich gewonnen, der ähnlichen Boden wie den Steinhorsts schon bearbeitet habe. Für Den theoretischen Unterricht sei der Direktor der landwirtschaftlichenWinterschule in Wittingen gewonnen worden, als Lehrer für dieallgemeine Fortbildung der früher in Köln tätig gewesene jüdische Lehrer Gordon. - Herr Dr. Katz verspricht sich eine außerordentliche Rentabilität des Gutes Steinhorst, sobald die von fachmännischer Seite als bald durchführbar bezeichnete Urbarmachung der großen Moor- und Heideländereien in etwa drei Jahren erfolgt sein werde. Für diese Urbarmachung der Moor-

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