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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-18 · Heft 7 (18.2.1910) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 7 (18.2.1910)
Date
1910-02-18
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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schrieb die Literaturgeschichte dieses Gebietes,. Bacher bearbeitet in systematischer Form die Agada selbst. „Im Gegensätze-zu den alten Erklärern, auch Maimonides nicht ausgenommen, sucht Bacher in den Zeitverhältnissen der Tannaiten und Amoräer jenen historischen Hintergrund, durch welchen die agadischen Aussprüche natürliche Kraft und Lebhaftigkeit gewinnen? Diese Art der Midraschexegese ist die bahnbrechende Arbeit Bachers. -Die Geschichte dient ihm als Rahmen, in welchem die ganze Agada enthalten ist, wie die Halacha im Mischne Thora. Mit dem talmudischen Spruch (Baba bathra 145 b) ’Atir niclisin ’atir pumbl ze hü ba al agada, d. h. der Meister der Agaba ist reich an Besitz, reich an Herrlichkeit, beginnt Dr. Bernstein, der um die Geschichte der Juden in Ungarn verdienstvolle Forscher, seinen Artikel: Bacher als MidrascherkläreQ „Unser teurer Meister, dem in diesen bescheidenen Zeilen aufrichtige Verehrung und der unansehnliche Tribut innigen Dankes dargebracht werden soll, ist wirklich reich als der Großmeister der Agada? Den Tannaiten und Amoräern, jedem von ihnen, wollte er das wiedergeben, was er aus dem Felde der Agada gepflanzt, aber oft verloren hat, denn die mündliche Tradition erwies sich nicht immer als zuverlässiger Hüter. Bacher geht von der bedeutsamen Auffassung aus, daß alles, was wir unter dem Namen Agada besitzen, das poetische Produkt vieler Jahrhunderte ist. Die Poesie der jüdischen Volksseele in der langen Zeit, die zwischen den letzten Erscheinungen der biblischen Poesie Und den Anfängen der Blüte der mittelalterlichen neuhebräischen Poesie liegt, ist in den blumenreichen Gefilden der Agada zu suchen. Tiefe und Wärme, Schwung der Gedanken, Kühnheit der Phantasie, Kraft des Ausdruckes sind die Kennzeichen der agadischen Aussprüche, und kraft dieser wesentlichen Eigenschaften -jeder Poesie können sie an die Seite der Poesie aller Völker und Zeiten gestellt werden. Es folgt noch ein Verzeichnis von den Schriften Bachers. Zweiundvierzig Nummern umfassen die Werke, die einzeln aufgezählt sind. Etwa achthundert Abhandlungen sind in den verschiedenen Jahrbüchern, Jubelschriften und in sechsundvierzig Zeitschriften veröffentlicht. Am 25. v. M. wurde dem Gelehrten das Ehrenpräsidium des ungarischen Rabbinerverbandes übertragen. Zum Schluß bringt die Festnummer noch die Nachricht, daß im nächsten Jahre ein Werk über Abraham Geiger von Herrn Oberrabbiner Dr. Neumann erscheinen und den Mitgliedern der Literaturgesellschaft zugehen wird. Ein neuer Beweis, daß die jüdische Wissenschaft in Ungarn ein neues Gebiet zu erobern versucht. In diesem Jahre, so erzählt die Festschrift, wird der hundertste Schüler Bachers zum Rabbiner promoviert. Sollte der Kulturplan des Prof. Blau, eine große jüdische Bibliothek zu gründen, Gestalt gewinnen, dann haben wir von dem Lande, in welchem diese „hundert" wirken, noch vieles zu erwarten, und dem Meister dürfen wir nun aus ganzem Herzen zurufen „bis hundert!" Luxemburg. S. Fuchs. ■4p ... Charath laer, Reden zu allen Wochen- und Festabschnitten. Herausgegeben von Jos. Rosenfeld, Rabbiner in Galgocz, Ungarn. Seit jenem unheilvollen Kongreß (1867), welcher Zwist und Zwiespalt in die ungarische Judenheit getragen hat, so daß oft in einer Gemeinde derselben religiösen Richtung zwei Parteien sich feindlich gegenüberstehen, liegen die geistigen Kräfte vieler Rabbiner brach, welche von der Lösung innerer Wirren und der Abwehr heimtückischer Angriffe von seiten ihrer Amtskollegen zu. sehr in Anspruch genommen sind. . Um so erfreulicher war es für mich, auf einem an der Grenze Ungarns gelegenen Kurplatze schriftstellerisch tätige' Rabbiner kennen zu lernen, welche bei systematischer Bildung und in einer toleranten Umgebung Ersprießliches für die jüdische Wissenschaft geleistet hätten. Zu diesen zählte Rabbiner Salomon Schuck in Katzag, ein scharfsinniger Denker und Forscher, der mit kritischem Blicke in die Nickrasebim eingedrungen ist und viele dunkle Stellen in seinen hallachisitzen und exegetischen Werken einleuchtend erklärt. Auch der Verfasser des obengenannten Buches besitzt vielseitige Gelehrsamkeit, er ist ein tüchtiger Talmudist und gewandter Redner. Er zeigt uns seine rationelle Auffassung der Hagada, der er die herrlichsten Gedanken entnimmt. S. 5 entwickelt er, anknüpfend an den Midrasch sein pädagogisches System. S. 290 erklärt er treffend die Talmudstelle in Synhedrion S. 111. Dieses lesenswerte Buch kann Rabbinern und Predigern bestens empfohlen werden. F. 8. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. 'Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Bausteine und Denksteine. Religiöse Betrachtungen von Dr. M. Krakauer. Breslau 1908. Kommissionsverlag von Jakob B. Brandeis. Eine „Moderne Jabneh-Akademie" von Dr. I. I. Niemirower. Wien 1909. Druck von L. Beck L Sohn. ' Achawa, Verein zur Unterstützung israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und. -waisen in Deutschland. 45. Rechenschaftsbericht für daS Jahr 1909. Frankfurt a. M. 1910. Druck von Kumpf & Reis. Die Judenpogrome in Rußland. Herausgegeben von der zur Erforschung der Pogrome eingesetzten. Kommission. 1.. Band: Allgemeiner Teil. 2. Band: Einzeldarstellungen. Köln und Leipzig. Jüdischer Verlag, G. m. b. H. 1910. Sprechsaal. um jüdi schen Emigrationskongreß. Als vor einigen Wochen in der „Neuen National-Zeitung" ein Artikel über diese Frage veröffentlicht wurde, waren Anschuldigungen, ziemlich deutliche Vorwürfe gegen Dr. Nathan erhoben worden. Der Kongreß komme, deshalb nicht zustande, da die deutsche Judenfchaft respektive Dr. Nathan nicht mittun wolle, da die Führung den Wienern anvertraut wurde. Diese Nachricht hat mich überrascht; was ich über Dr. Nathan gelesen, über ihn gehört, Gelegenheit hatte mich selbst zu überzeugen, ließ mich darauf schließen, daß hier ein Mißverständnis vorliegen müsse, denn Dr. Nathan hat genügende Beweise dafür geliefert, daß er keine Mühe, keine Opfer an Zeit und Geld scheut, sobald es sich darum handelt, die Lage seiner Brüder zu verbessern. Persönlich überzeugter sich an Ort und Stelle, und man muß ihm gerechterweise auch diese Anerkennung zollen, daß er auch der rechte Mann ist, der das richtige Verständnis all den Fragen entgegenbringt. Und der Mann sollte einen so wichtigen Kongreß vereiteln, weil diese Angelegenheit nicht feiner Führung anvertraut wird! Das Mißverständniß klärte sich auch bald auf. Der Herr Davidowitsch oder sein Gewährsmann hat die Zeitung falsch informiert. . Die Frage eines jüdischen Emigrationskongress.es ist augenblicklich von der größten Wichtigkeit, die auch ver. dient von allen maßgebenden Faktoren genau erörtert und geprüft zu werden. Ich bin nun so unbescheiden und behaupte, wenn irgend jemand zu dieser Frage Stellung nehmen kann, so bin ich es in erster Reihe. Ich bin leider Rabbiner in Triest, dies „leider" bezieht sich auf meinen exponiertesten Posten, den irgendein Rabbiner innehabe,n kann in einer so bedeutenden Emigrationsstation, wie es nun einmal Triest für unsere Glaubensgenossen ist. Dabei bin ich ganz allein, mir stehen weder hilfsbereite Organe zur Verfügung, noch kann ich über namhafte materielle Mittel verfügen, und dabei bin ich doch nebenbei amtierender Seelsorger! Es meldeten sich bei mir sehr oft Leute, die nur via Hamburg ihre Reise haben antreten können; sie mußten nun ihre gekauften

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