Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1910)
- Date
- 1910-02-18
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
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'S schenkt die Sunn kein Strahl nit Mir, 'ch Heer kein Lied, 'ch soll hoben Freid, 's is do Freiden ohn a schier. Ich weiß nor vun Oremkeit. 'ch geh aheim nor Obend speet, 'ch seh teilmol die Sunn vergeht, Freehlech winkt die Welt mir zu; „Seh, '§ Hot alles itzter Ruh. Heimlech is die Gaß azind, 's glatt un kühlt a weicher Wind, Menschen gehen lustig, frei. Geh zusammen mit mit sei. Sehst, wie 's kummt on scheen die Nacht. Heerst, men spielt, men singt, men lacht. Maidlech, Jünglech, 's Glück schein hell, Ormer, schnell, schnell, schnell, schnell, schnell. Geh, verquick dein müde Seel'!" Nor far mir is nit der Spiel, Heer ich dann schoin ei'r Gesang, Glückliche, es weckt in mir Nor a traurigen Gedank. 'ch schlepp die Füß dann schnell aheim. In dem kleinen Gäsiel dort; Weib un Kinder winken schoin, Morgen muß ich wieder fort. 'ch fräg mich teilmol ftillerheit: „Wet dos lang noch asoi sein?" — 'ch Heer a Stimme enferdig: „Bis in Grieb, in Grieb arein!" Der WanLrrer. Schwarz, vun Sunn verbrennt das Ponim, Schmutz'ge Kleider, un verbückt. Schleppt er sich in groiße Straßen, Traurig auf die Haiser kückt. Langsam is sein Gang, nit sicher. Kuckt aher un kuckt ahin: Stolz un prächtig stehn die Haiser, Oiben strahlt un scheint die Sunn. Menschen geh'n Verbei un kucken. Langsam geht er, asoi schwer — Schreckt er sich denn Var die Haiser, Zü var Menschen Angst hot er? Red't er, zittert seine Stimme, 's werd sein Ponim mehr noch trüb; Bängt sein Herz nach Weib un Kinder, Sucht er wo a Ort, a Stüb? Hot er denn a Sünd begangen, Moire hot er Var die Welt, Geht arum er eingeboigen, Summer schaudert ihm var Kält. Hot die Welt on ihm gesündigt, Wos er is verloßt, allein, Un die Noit, der ew'ger Hunger Heißt ihm geihn un geihn un geihn. Is mekanne er die Menschen, Welche blühen do arum, Hot Gefühl er un Verlangen, Halt er all's verborgen stumm? Ach, oi, wer kenn denn dos wissen, Wos es fehlt dem orem Mann, Zu verloiren, zu is Rettung Noch far ihm amol verhann. Nor eins sicher kenn men wissen. Jeder seht es deitlicki, klor; Aus sein Ponim steht geschrieben: Wandern, wandern, wandern nor. Obend. Süße Klangen kummen on Bun weit... Still liegt itzt dos Feld und tracht, 's Hot die Sunn zuletzt gelacht, Ruhen geht sie über Nacht; Emiz flieht, Emiz flieht dort oiben weit, 's is a Voigel. — 's eilt die Zeit, Jeder sucht sein Zelt. Dunkler werd der Himmel, still. In a heimlech süß Gefühl Liegt eingehüllt dos Feld. 's singt noch wer, men heert es kaum, 's is Geheimnis, 's is der Traum Vun der Welt. . 'S steht a groißer Boim verneigt, Kuckt auf allem, un er schweigt... Emiz Hot Asoi lieblech still gered't, Asa weich un süß Gebet Zu Gott... Der Ooet. Ohn a Heim, a eigen Zelt, Un kein Fremd, nit einer, Geht es durch die ganze Welt Un singt sein Lied far Steiner. Asa kindisch weiches Herz In sein Busen trogt er, Jenems Leid un seinen Schmerz, Dos allein vermögt er. Blumen seht er auf dem Weg Welken un vergehen, 's weint in ihm sein kindisch Herz, Er kenn, dos nit verstehen. Durch die Welt marschiert er alls. Durch die Welt, die trübe: Ach, far Steiner singt er nor Sein Lied, sein Lied vun Liebe. Der Verlteerer. All's versteerstu, wos ich bau un schaff, All's derschlogstu, wos ich hob gemacht. Wenig is dir — meine scheenste Täg Host verwandelt in a trübe Nacht?! All's verschleppstu, wos ich hob gebracht, All's vertrogstu ergez dorten weit. Dorten, wo's is eibig nor die Nacht, Dorten ergez in Vergessenheit...