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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-11 · Heft 6 (11.2.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 stube und Jnkassoabteilung waren befriedigend, beschäftigt. Beide sind ausschließlich für ältere Kaufleute und solche Stellenlose, die auf sofortigen Verdienst angewiesen sind, bestimmt. Es kommen für sämtliche in der Schreibstube angefertigten Arbeiten, sowie für Inkassogebühren die Selbstkostenpreise in Anrechnung. Sämtliche Einrichtungen des Vereins seien den Interessenten angelegentlichst empfohlen. W. Pose«, 31. Januar. Heute fand im Sitzungssaale der israelitischen Gemeinde die Amtseinführung der am 6. d. Mts. gewählten Repräsentanten und Stellvertreter statt. Es sind dies 1. die Herren Eeheimrat Herz, Justizrat Manheimer, Manasse Werner, Wolfs. Brandt, Sally Hamburger, Dr. Kämpfer, Jos. Kantvrowicz, Stadtrat Schleyer; 2. Michael Herzog, Geh. Justizrat Salomon, David Geliert, Siegfried Lesser und Bert hold Hamburger. Die Einführung geschah durch Herrn Negierungsrat v. Knesebeck. Hieraus wurden in den Vorstand gewählt die Herren a) Samuel Schönlank, Silberberg und Ignatz Goldschmidt, b) Geheimer Justizrat Salomon und Berthold Hamburger. Hieran schloß sich die Wahl des Bureaus. Zum Vorsitzenden wurde Geheimer Kommerzienrat Herz und zu seinem Stellvertreter Herr Manasse Werner gewählt. Das Schriftführeramt übernahmen die Herren Justizrat Manheimer und Friedenthal. Vom Vorsitzenden wurde des dahingeschiedenen Vorstandsmitgliedes Schefftel und des Krankenhausinspektors Schwarz ehrend gedacht. y. Görlitz, 4. Februar. Der Shna gogen-Neubau an der Otto Müllerstraße, der eine Zierde der Stadt zu werden verspricht, ist dank des milden Winters so weit gefördert worden, daß man jetzt mit der Ausführung der mächtigen Kuppel in Eisenbeton beschäftigt ist. Das neue Gotteshaus, das voraussichtlich bis zu den hohen Festtagen fertiggestellt sein wird, dürfte eines der schönsten unserer Provinz sein. M. Hamburg, 2. Februar. Die Deutsch-Israelitische G e m e i n d e hat einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten, und unsere Vaterstadt hat den Heimgang eines ihrer besten Mitbürger zu beklagen: Herr Moritz Marburg, Seniorchef des Bankhauses M. M. Marburg L Co., ist am letzten Sabbat plötzlich aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, war eine der prominentesten Persönlichkeiten, die zu den Besuchern der Hamburger Börse zählte. Von früher Jugend an arbeitete er gemeinsam mit seinem vor 2 Jahrzehnten verstorbenen Bruder Siegmund an dem Ausbau der von seinem Großvater 1798 gegründeten Bankfirma, die heute einen Weltruf besitzt. Das Verdienst Moritz Marburgs war es auch, die so bedeutsame Annäherung der Hamburger- Firma an die New Jorker Banlsirma Kuhn, Loeb & Co. in die Wege zu leiten, wodurch der amerikanische Kapitalmarkt der deutschen Börsenwelt in nicht zu unterschätzender Weise näher gebracht wurde. Der Verstorbene galt als eine Autorität im Bankfache, er war Jahre hindurch Mitglied des Bezirksausschusses der Reichsbank, gehörte dem Aufsichtsrate vieler hiesigen und auswärtigen Bankinstitute an. Die Tätigkeit des Verstorbenen beschränkte sich aber nicht in beruflicher Tätigkeit. Er war ein hervorragender Philanthrop, dem namentlich die Bildungsanstalten und Wohltätigkeitsinstitutionen unserer Gemeinde unendlich viel zu verdanken haben. 34 Jahre hat Herr Moritz Marburg in unermüdlicher Tätigkeit an der Fortentwicklung der Talmud-Thoraschule, deren Präses er bis zu seinem Tode war. gearbeitet. Als er vor 2 Jahren seinen 70. Geburtstag feierte, stiftete er ein Kapital von 180 000 Mark zum Bau eines neuen Schulhauses. Der Grundstein zu diesem Hause, welches sich neben der neuen Gemeindesynagoge am Bornplatz erheben wird, sollte dieser Tage gelegt werden. Der Dahingeschiedene sollte diese seine ureigenste Schöpfung nicht mehr in ihrer Vollendung sehen, aber dieses Haus wird für alleZeiten ein Ehrendenkmal für den Philanthropen Moritz Marburg sein. Der Verwaltung des Israelitischen Waisenhauses gehörte der Verstorbene 45 Jahre an. Die Schule und das Waisenhaus hatte er besonders in sein Herz geschlossen, und diese beiden wichtigsten Institutionen unserer Gemeinde haben ihren besten Förderer, haben ihren Vater verloren. Es dürfte zu weit führen, alle die jüdischen Institutionen auszurechnen, denen Herr Marburg sonst noch seine segensvolle Mitarbeit widmete. Viele. Jahre war er Mitglied des Gemeindevorstandes der Alliance israelite, des Hilssvereins deutscher Juden rc. Außerhalb der Gemeinde nahm er auch warmen Anteil an allen wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen unserer Vaterstadt. Sein so jähes Hinscheideu erregt denn auch in weiteren Kreisen tiefe, aufrichtige Teilnahme, namentlich wird sein Tod von den Armen und Bedrückten beklagt, denn gar manche Träne wurde durch die Freigebigkeit Moritz Marburgs getrocknet. Die am 31. v. M. stattgefundene Bestattung des edlen Wohltäters gestaltete sich zu einer so bedeutenden Trauerkundgebung, wie sie selbst in einer Großstadt wie Hamburg zu den Seltenheiten gehört. Im Trauerhause, Mittelweg, hatte sich eine so große Anzahl Leidtragender eingesunden, daß die Räume des Hauses 'sich als zu klein erwiesen und nur ein. Teil Einlaß finden konnte. Unter den Erschienenen bemerkten wir u. a. die Herren Senatoren Michahelles und von Loevenberg Goßler, Handelskammerpräsident Max Schinkel und fast sämtliche Mitglieder der Handelskammer, Reichsbankkommissar Jormann, Reichsbankdirektor Werner, Generaldirektor Ballin, Direktor v. Holtzendorff, Kommerzienrat Sandow rc. Nicht nur unsere sämtlichen Bankinstitute hatten Vertreter zur Trauerseier entsandt, auch Delegierte auswärtiger Bankhäuser, namentlich aus Berlin, Frankfurt a. M., Hannover usw. waren zur Trauerfeier nach Hamburg gekommen. Es fanden sich weiter ein viele Mitglieder der Bürgerschaft und Deputationen gemeinütziger Institutionen, auch eine Abordnung der Allianee israelite, des Hilfsverein Deutscher Juden rc. Der Vorstand der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, war mit Herrn Gemeindepräses Levin Lion vollzählig erschienen. Weiter waren von der Gemeinde anwesend der gesamte Vorstand der Talmud Thora-Realschule, des Waisenhauses, des Synagogenverbandes, des Repräsentantenkollegiums und Delegierte fast sämtlicher übriger Gemeinde-Institutionen. Oberrabiner Dr. Lerner und Prediger Dr. Leimdörfer wohnten ebenfalls der Trauerfeier bei. Groß war die Zahl der eingelaufenen Blumenspenden, die jedoch nicht am Sarge niedergelegt wurden. Der vollständig schmucklose Sarg war im Parterresaal der Villa aufgebahrt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. A. N. Nobel, der anknüpfend an ein Schristwort den Lebensgang des Verblichenen schilderte, der sich durch sein Wirken so unvergängliche Verdienste um die Hamburger- Gemeinde erworben. Der Redner wies dann auf das vorbildliche Familienleben des Verewigten hin und schilderte in schlichten, zu Herzen gehenden Worten die segensvolle Arbeit Moritz Marburgs auf dem Gebiete des Schulwesens, der Waisenpflege und der Wohltätigkeit. Er war ein Philanthrop, ein Förderer aller Bildungsbestrebungen, sein Andenken wird für alle Zeiten in Ehren gehalten werden. Dem imposanten Leichenkondukt, dem Schüler der Talmud Thora-Schule, Zöglinge des Waisenhauses zuerst folgten, schlossen sich viele Fußgänger und zahlreiche Equipagen an. Der Kondukt bewegte sich nach dem Friedhof in Langenfelde, wo nach einer kurzen Gedächtnisfeier in der Friedhofskapelle die Beisetzung stattfand. — Hamburg, 7, Februrr. Die am 1. d. M. hier vollzogenen Bürgerschafts wählen haben auch vom jüdischen Gesichtspunkte aus nach zwei Richtungen Interesse. Einmal haben die Antisemiten auch nicht einen einzigen ihrer Freunde durchbringen können, dann aber zeitigte die Wahl die interessante Erscheinung, daß das linke Zentrum, das im Verdacht heimlicher antisemitischer Sympathien stand, am allerschlechtesten abgeschnitten hat. Merkwürdig aber ist, daß von den Kandidaten dieser im Geruch des Antisemitismus stehenden Partei der Nepräsentantenvorsteher Herr Jacob Alexandergewählt wurde. 1. Köln, 6. Februar. Zwei wichtige Beschlüsse faßte der am vorigen Sonntag hier abgehaltene Gemeindetag des Provinzial- Verbandes der rheinischen Synagogengemeinden. Einmal in der Frage der geplanten Zentralisierung der Wanderarmenfürsorge. Entsprechend den Resolutionen der letzten in Berlin abgehaltenen Konferenz-wurde die Begründung einer Provinzialkasse für Rheinland und Birkenfeld beschlossen, an welche die Verbandsgemeinden vier Fünftel der im Durchschnitt der letzten drei Jahre für Auswanderer und Rückwanderer gemachten Aufwendungen abzuführen haben. Ein Fünftel soll ihnen für unvorgesehene Fälle verbleiben. Dafür werden die Einzelgemeinden von jeder Fürsorge für die Wanderarmen befreit, die ausschließlich von der Provinzialkasse abgefertigt werden. Die neue Institution soll bereits ab 1. Juli d. I. in Wirksamkeit treten. Auch sprach man sein Einverständnis mit der ä

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