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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-11 · Heft 6 (11.2.1910) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 6 (11.2.1910)
Date
1910-02-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Begründung einer Zentralkasse in Berlin aus. Der zweite bedeutsame Beschluß betraf die geplante staatliche Organisation des jüdischen Gemeindewesens in Preußen. Gegenüber der durch die Beschlüsse des letzten Deutsch-Israelitischen Gemeindetages, insbesondere durch die Annahme des bekannten Friedmannschen Antrages geschaffenen Lage befürwortete der Rheinische Provinzialverband der Shnagogengemeinden die Weiterarbeit der „Gemischten Kommission" zur Schaffung einer staatlichen Organisation des jüdischen Gemeindewesens in Preußen auf Grundlage des alten (Macholschen) Entwurfes. — Schließlich faßte der Provinzial-Gemeindetag auch wichtige Beschlüsse hinsichtlich der Alters- und Reliktenversorgung der Beamten in den Verbandsgemeinden. Man will dahin wirken, daß die leistungsfähigen Gemeinden ihren Beamten diese Versorgung ohne weiteres gewähren sollen, während man den leistungs unfähigen Gemeinden Beihilfen zu einer angemessenen Alters- und Reliktenversorgung ihrer Beamten leisten will. Oerlien. 2. Schiras, 20. Januar. Zwischen SchiraS und Buschira in Persien liegt der von etwa 40 jüdischen Familien bewohnte ziemlich wohlhabende Ort Kazaroon. Daselbst wohnen die Israeliten seit einer langen Reihe von Jahren in bestem Einvernehmen mit ihren mohammedanischen Mitbürgern. Obwohl sie im sogenannten Judenviertel leben, tragen sie im Gegensatz zu den in anderen Gegenden lebenden persischen Juden die persische Kopfbedeckung und genießen alle Bürgerrechte- Als vor einiger Zeit dort ein neuer Gouverneur seine Verwaltungstätigkeit antrat, befahl er den Juden, geschorenes Haar und eine schmachvolle Kopfbedeckung zu tragen. Auf die Kunde von diesem antijüdischen Vorgehen machte der Direktor der Alliance sch ule von Schiras Vorstellungen beim Generalgouverneur in dieser Angelegenheit. Der Generalgouverneur verlangte sofort von dem neuen Gouverneur Aufklärung für seine.. Maßregeln und führte ihm zu Gemüte, daß unter dem neuen Reglement in Persien kein Unterschied zwischen Mohammedanern und Andersgläubigen bestehe, sofern es sich überhaupt um persische Bürger handele. Seit dieser Intervention legt der neue Gouverneur ein anderes, humanes Wesen den Juden gegenüber an den Tag. $ Von Mh und ssrrn. — Im Sommer dieses Jahres findet in Berlin der „Weltkongreß für religiösen Fortschritt und freies Christentum" statt, auf dessen Tagesordnung ein Punkt steht, der auch auf jüdischer Seite einem gewissen Interesse begegnen wird. Der Punkt 3 des Programm lautet nämlich: „Wie können sympathische Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften und kirchlichen Richtungen gewonnen werden." Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, und Liberale, religiöser Individualismus, Modernisten, Juden, Freireligiöse, Vertreter aller dieser Richtungen sollen sprechen. — Der Privatdozent an der Berliner Universität Dr. Paul Schuster, ist zum Professor ernannt worden. — Den Herren Fabrikbesitzer Georg Basch Witz, Prof. Dr. Karewski und Stadtrat Gimkiewicz-Berlin, den Damen Frau Kommerzienrat Anna Valentin-Berlin, Frau Geh. Medizinalrat Dr. Berta Förster- Kattowitz und Frau Stadtverordnetenvorsteher Natalie Lippmann- Wronke ist die Rote Kreuz-Medaille III. Klasse verliehen worden. — In Zempelburg starb im Alter von 74 Jahren Herr Rentier Hey mann Krön er, der Vorsitzende der Ollewra Kadischa und des Krankenpflege- und Wohltätigkeitsvereins. Dre ihm anvertrauten Ehrenämter hat er mit der größten Treue und Gewissenhaftigkeit verwaltet. Sein frommer Sinn und seine freudige Hingebung für die Werke tätiger Nächstenliebe sichern ihm ein dauerndes Andenken. — Dem Untersekundaner Samuelsohn in Schneidemühl ist die Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr verliehen worden. Er hat im Sommer vorigen Jahres ein Kind aus der Küddow gezogen. — Herr Stadtrat Elkeles in Posen hat aus Anlaß seines 60. Geburtstages 300 Mark dem Spendensonds des Oberbürgermeisters überwiesen. — Die jüdische Gemeinde in Gonsawa, die zuletzt sechs WWWWWWWWWWW» Haushaltungen zählte, ist auf eigenen Antrag von der Königlichen Regierung in Bromberg aufgelöst und der jüdischen Gemeinde in Rogowo zugeteilt worden. Die Gemeinde Gonsawa war vor vielen Jahren eine der größten Gemeinden in der Provinz Posen. — Der „Israelitische Männer kranken verein" in Wiesbaden blickt am 1. Februar auf ein 75 jähriges Bestehen zurück. Sein wohltätiges Wirken hat sich besonders auch in der Errichtung einer Waisenanflalt für die Provinz Hessen-Nassau gezeigt. — Dem Privatdozenten für Laryngo'Rhino- und Otologie Dr. Robert Dreyfuß in Straßb urg i. E. wurde vom Kaiserlichen Statthalter der Titel „Professor" verliehen. — In Augsburg starb im Alter von 75 Jahren Rabbiner Dr. Groß. Der Verblichene stammte aus Ungarn, besuchte das Breslauer Rabbinerseminar, war zuerst Rabbiner in Groß-Strehlitz und seit 1875 Rabbiner in Augsburg. Neben seiner umfangreichen amtlichen Tätigkeit war er auch auf wissenschaftlichem Gebiete ein gelehrterund fleißiger Arbeiter. Sein Hauptwerk, die Gallia judaica, erschien in Paris im Jahre 1897. — Aus Budapest wird gemeldet: Die Geburtsstadt des berühmten Komponisten Karl Goldmark, Keszthelh am Plattensee, wird anläßlich des 80. Geburtstages Goldmarks im Mai ein Landesmusikfest veranstalten. Bei diesem Anlasse wird am Geburtshause Goldmarks eine Gedenktafel in feierlicher Weise enthüllt werden. Im Prunksaale des Stadthauses findet ein Konzert statt, ausgeführt von Mitgliedern der Budapester Königlichen Oper. — Die größte Chevvra Kadischa der Welt, der Pester „Heilige Verein", beschloß die Doppelwoche der Aufnahme neuer Mitglieder mit einem Zuwachs, der kaum zu erahnen war. Zu den 10 282 Brüdern, die seit der letzten, vor zwei Jahren erfolgten Aufnahme dem Vereine angehörten, kamen diesmal weitere 2754. Der Verein zählt sonach 13063 Brüder. Nicht minder groß war das materielle Anschwellen des Vereinsvermögens. — Am 28. v. M. früh ist in Wien der um die Stadt vielverdiente Gemeinderat "und Schriftsteller Ferdinand Klebinder im 63. Lebensjahre nach längerem, schwerem Leiden gestorben. Der Tod dieses Mannes ist für die Wiener Juden ein schwerer Verlust. — Gegenüber verschiedenen Meldungen über die Abstammung des neuen ungarischen Honvedministers Samuel Hazai wird aus Erlau in Ungarn gemeldet, däß Minister Hazai tatsächlich der Sohn eines dortigen Juden namens Adolf Kohn ist. Minister Hazai, dessen Vater nicht mehr am Leben ist, wurde noch als Jude geboren und führte noch auf dem Gymnasium den Namen Kohn. Erst nach der Matura ließ er sich taufen und den Namen aus Hazai ändern.— Im Alter von 89 Jahren ist in Krakau der Orientalist Dr. Salomon Rubin gestorben. Er hat eine große Anzahl philosophischer Schriften veröffentlicht, unter anderem Spinozas Werke ins Hebräische übersetzt und war ein besonderer Kenner drr syrischen Sprache. — Der echtrussische Verein „Zweiköpfiger Adler" in Jekaterinoslaw veranstaltet jetzt täglich Ausschreitungen gegen Juden. Auf den Straßen werden jüdische Passanten überfallen und mißhandelt. Als ein Polizeiwachtmeister den Versuch machte, einige angegriffene Juden zu verteidigen, wurde er von den Hooligans verwundet. In der jüdischen Bevölkerung herrscht eine panikartige Aufregung. — Im Petersburger Kunstmuseum Kaiser Alexanders III. wurde die erste Ethnographische Ausstellung eröffnet. Im ersten Ausstellungssaal, welcher Sammlungen aus Kaukasien enthält, befindet sich eine Sammlung von Kleidern und Geräten der Bergjuden, die großes Interesse der Kunstkenner erweckt. Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Mlorastr. S8. Nervi, 28. Januar. Der Geburtstag des Kaisers wurde von der ganzen deutschen Kolonie, die in unserem sonnigen Orte weilt, festlich begangen. Am Abend wurde in den glänzend geschmückten Räumen des „Edenhotels" das Festbankett der ortsansässigen Deutschen abgehalten, bei dem der Kurprediger das Kaiserhoch ausbrachte. Zahlreiche Kurgäste nahmen daran teil, von denen wir die Fürstin zu Illnhausen und Knyphausen, die Witwe des Präsidenten des preußischen Herrenhauses besonders hervorheben. Auch im Grand- Hotel und im Parkhotel fanden größere Festbankette und Tanz statt. Gelchsktlichr §loti?rn. Eine Zauber-Fibel im wahrsten Sinne des Wortes ist das im Selbstverläge von Leopold Friedrich Weiß, Charlottenburg, Knesebeckstraße 11, in neuer, gänzlich ümgearbeiteter Form erschienene. Lehrbuch der englischen Sprache. Anfänger sprechen bereits in fünf Wochen.

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