Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
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beredteste Zeugnis eines edlen jüdischen Herzens gewesen. Professor Stein ist vom Lehramte znrückgetreten. um sich ganz der philosophischen Forschung zu widmen. Wir knüpfen hieran die Hoffnung und die Zuversicht, daß er jetzt auch mehr Zeit gewinnen wird, seine bedeutende Kraft dem Judentume und feiner Wissenschaft zu leihen. Gesterretch-Nnsam. V Wien, 30. Januar. Es dürfte wohl in der Oeffentlichkeit wenig bekannt sein,'berichtet die „Jüdische Volksstimme", daß Fürst Bismarck durch längere Zeit (1879 bis 1883), so oft er auf seiner, in der Nähe Hamburgs gelegenen Besitzung Friedrichruh weilte, einen jüdischen Arzt konsultierte, demselben wegen seiner vorzüglichen persönlichen Eigenschaften eine besondere Wertschätzung entgegenbrachte und ihn auch außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit als Freund des Hauses betrachtete. Es war dies der Hamburger Arzt Dr. Eduard Cohen. Poschmger, der Bismarckforscher, rühmt an demselben nebem dem reichen fachmännischen Wissen die Schärfe des Denkens, die gewissenhafte Untersuchung und die unermüdliche Hingabe, Eigenschaften, die bekanntlich zu den Traditionen des jüdischen Aerztestandes gehören und demselben Eingang an die Höfe der Päpste, Herrscher und Staatsmänner schon im Mittelalter verschafften. Die persönliche Zuneigung des Fürsten Bismarck für Dr. Cohen ging soweit, daß, als Professor Schweninger die ärztliche Behandlung des Fürsten übernahm, er nichtsdestoweniger darauf draug, daß Dr. Cohen noch weiter in seinem Hause verkehre, wo er ein häufiger - unb gern gesehener Gast war. Als Dr. Eduard Cohen am 4. Dezember 1884 in Hamburg starb (Poschinger, Fürst Bismarck und seine Hamburger Freunde), richtete der vielbeschäftigte Kanzler ein eigenhändiges, von Berlin datiertes Schreiben an die Kinder. Dasselbe lautet: „Ihre unerwartete Trauerbotschaft vom gestrigen Tage habe ich mit tiefem Schmerze erhalten. Meine Frau und ich werden in Ihrem Herrn Vater nicht nur den an uns und unseren Enkelkindern bewahrten ärztlichen Ratgeber und Helfer, sondern den liebenswürdigen und geistreichen Freund unseres Hauses vermissen. Ich bitte Sie und die Ihrigen, unserer herzlichen Teilnahme versichert zu sein, mit der >vir Ihren Verlust als einen uns eignen Mitempfinden. Meine Frau hat mich besonders beauftragt, dieses noch in ihrem Namen'auszusprechen. v. Bismarck." Wahrlich, wenn der jüdische Aerztestand überhaupt einer Bestätigung seiner vorzüglichen Qualitäten bedürfte, der eiserne Reichskanzler hat sie in unzweideutiger Weise geliefert. Rußland. 4. L. Petersburg, 27. Januar. Am 10 Januar fand hier die Jahresversammlung der „Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland" statt. Aus dem vom Borstand erstatteten Bericht ist zu ersehen, daß die Gesellschaft Zweigabteilungen. in Odessa, Riga und Kiew und ein Vertreterkomitee in Moskqu besitzt. Die Rigaer Abteilung unterstützte Elementar-, Mittel¬ und Gewerbeschüler, die dortige Handwerksschule, Abend- und Nachmittagskurse, eine Lesehalle und Bibliothek. Außerdem sammelte sie Archivmaterialien fürdieGeschichtederJudeuindenbaltischenProvinzen. Die Abteilung in Kiew unterstützte jüdische Elementarschulen in mehreren Städten jenes Gouvernements, sowie mehrere zum Lehrerexamen sich vorbereitende junge Leute; gründete eine Bibliothek von Lehrbüchern für Selbstunterricht u. a. nt. Der Vorstand entsandte einen Agitator in verschiedene Provinzstädte zwecks Gründung neuer Zweigabteilungen. Mit Vertretern aus der Provinz wurden mehrfach Beratungen gepflogen über die zur Verbreitung von Bildung unter den ärmeren jüdischen Massen geeigneten Mittel. Zu diesem Zwecke wurden vom Komitee Bevollmächtigte mit der Erforschung der einschlägigen Verhälnisse beauftragt. Die Gesellschaft zählt 3327 Mitglieder, davon 693 Hierselbst. — Wie das russische Amtsblatt meldet, hat Kaiser Nikolaus II. anläßlich des russischen Neujahrs zahlreiche Personen ausgezeichnet. Unter den Dekorierten befinden sich auch mehrere Juden. Eine hohe Auszeichnung erhielt Herr Geheimrat I. Halpern, Vizedirektor des zweiten Departements im Justiz' Ministerium, dem der Wladimirorden II. Klasse verliehen wurde. Geheimrat Halpern ist einer der wenigen Juden, die im Ministeriutn höhere Stellen bekleiden Ferner wurden mehrere Juden für ihre verdienstvolle Tätigkeit in den Kommissionen der Reichsbank ausgezeichnet. So wttrde Herrn S. Lew in das erbliche Ehrenbürgerrecht verliehen, die Herren A. Baron und M. Jaffe in Dwinsk, Englische Zauber-Fibel Weiss, Charlottenlmrg 2. 3 M. Anfänger sprechen itt 5 Wochen. Blau cfcmeister’s Knaben-Pensionat Coburg. Schülerheim für Gymnasiasten und Oberrealschüler. Herrlich gelegene Villa mit großem Garten. Beaufsichtigung der Schularbeiten mit Nachh. 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