Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 Zähren verstorbenen Rabbiners von Sondershausen, des rühmlichst bekannten Professors Philipp Heidenheim. Er war in gleicher Weise als Arzt und als Mensch ausgezeichnet und bekundete für das Judentum stets das lebhafteste Interesse. Unter großer Anteilnahme weiter Kreise fand, darum am 23. Januar die Beisetzung auf dem hiesigen israelitischen Friedhof statt, bei der der Bezirksrabbiner Dr. Kober und Vertreter des hiesigen Aerztevereins, der Nassauloge Ü. O. B. B.,' des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und des Kuratoriums der israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen dem Verewigten Worte der Anerkennung und des Dankes nachriefen. Der Münsterische Anzeiger vom 21. Januar widmet ihm folgenden Nachruf: „30 Jahre lang hat er mit unermüd. lichem Eifer in unserer Stadt gewirkt, und als er vor 15 Jahren nach Wiesbaden übersiedelte, weil er sich nicht mehr imstande fühlte, seine übergroße Praxis zu bewältigen, hat sein Fortzug allgemein großes Bedauern verursacht. Er war nicht nur ein berufssreüdiger, allezeit hilfsbereiter Arzt, er war auch ein edler, guter Mensch, mit weichem, mitfühlendem Herzen, ein treu wirkender Helfer der Armen, denen er freudig seine ärztliche Tätigkeit ohne Entlohnung widmete, denen er Arzneien und Stärkungsmittel zutrüg und mit reichen Geldspenden aushalf, jeden Dank ablehnend. Gar manche Träne hat er getrocknet, und in stiller Verborgenheit unendlich viel Gutes gewirkt. Möge es ihm im Jenseits entlohnt werden." Schweiz. I>. K. Bern, 28. Januar. (Hochschule.) Unser Philosophieprofessor, Herr Dr. Ludwig Stein, der sich für das Wintersemester wissenschaftlicher Arbeit halber hat beurlauben lassen, tritt, nach der Meldung des „Bund", von seiner Lehrtätigkeit zurück, um sich ganz der philosophischen Forschung widmen zu können. Die hiesige Universität verliert an Professor Stein eine ihrer besten Lehrkräfte. Er verstand es, die schwierige Disziplin der Philosophiegeschichte, die in der Hand vieler so spröde sich erweist, so zu handhaben, daß sie zu einer der interessantesten Lehrdisziplinen der hiesigen Hochschule geworden. Aus allen Fakultäten strömten die Wißbegierigen herbei, um das Kolleg des Professors Stein zu hören. Der größte Lehrsaal stand seiner Yersuchen Si "ICO Pflanzenbutter Margarine « „ARBORA von Naturbutter kaum zu unterscheiden, schmeckt auf Brot gestrichen delikat. Hergestellt aus den feinsten Pflanzenfrüchten, unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Rabbiners Dr. Grabowski in Barmen. Tüchtige Vertreter und Alleinverkäufer unter günstigen Bedingungen gesucht. Fabrikanten Gebr. Baum, Elberfeld, i ___/ Vorlesung zur Verfügung, und dieser erwies sich als zu klein. In Seiten- und Ätittelgängen drängten sich all diejenigen, die keinen Platz mehr fanden, besonders am Dienstag bei seinem pudliee. Was dem Kolleg des Professors 'Stein diese große Anziehungskraft verlieh, war nicht allein die bekanUke rethorische Begabung, die ihn auszeichnet; sie lag vielmehr in seiner Auffassung der Aufgabe eines Philosophie- Historikers und in der originellen Art, wie er diese Aufgabe zu lösen verstand. Nicht wie fremde Lehrmeinungen wurden die einzelnen Philosopheme doziert und interpretiert, sie sind vielmehr vor bcti Augen der Schüler entstanden. Als würde jeweils der Autor selbst sein eigenes System entwickeln, so hat Professor Stein ihn verdolmetscht. Man glaubte, den Vertreter des Idealismus vor sich zu haben, wenn Plato gelesen wurde; man meinte, einen Spinozisten 311 hören, wenn Spinoza an die Reihe kam, und man wußte sich eins mit „Kants Kriticismus", wenn die Kategorienlehre entwickelt wurde. Professor Stein verstand es, sich in den Geist jedes Denkers „einzufühlen", und diese Einfühlung war es eben, die seinen'Vorlesungen den unwiderstehbaren Reiz verlieh, sie so instruktiv und zu einer wahren Quelle philosophiegeschichilichen Wissens machte. Mit der bedeutenden Lehrkraft verliert die hiesige Universität an Professor Stein auch den verdienstvollen Leiter des „Archivs für Geschichte der Philosophie", eine Zeitschrift, die Professor Stein im Verein mit Eduard Zeller, Wilhelm Dilthey, Hermann Diels und Benno Erdmann im Jahre 1887 ins Leben gerufen und rie heute jedem, der philosophische Interessen hat, geradezu unentbehrlich scheint. Paraklel dem Archiv für Geschichte der Philosophie läuft das „Archiv für systematische Philosophie" mit Paul Natorp und Christoph v. Sigwarth als Mitarbeitern, ebenso redigierte Professor Stein die „Berner Studien", in welchen bis jetzt einige siebenzig, zumeist hervorragende Dissertationsarbeiten veröffentlicht wurden. Was Professor Stein seinen Studenten war, die er, wie ein Väter seine Kinder liebte, läßt sich in dem Rahmen eines Zeitungsberichtes nicht erschöpfen. Dem Leserkreise dieser Zeitung sei es nur gesagt, daß all die Unterstützungskassen, Hilfsvereine und Speiseanstalten, die der Studenten Not -steuern und sie erträglicher machen soll, an Professor Stein einen Gönner verlieren, dessen stete Bereitschaft und Generosität das ZuXauskivcen Gicht, Rheumatismus, Nieren* I und Blasenleiden, Griesstrad I Stein-Beschwerden, Zucker, I Katarrhe. Broschüren gratis. I Adresse: „Kronejiguelle, Bad Salzbnum.“ ■ Oiconen Quelle Speimmumü poehi bewirkt physiologische Oxydation der im - - M Körper angesammelten Ermüdungstoxine, regt die " ■ Gewebsatmung an,, daher die von ersten Klinikern er- ■ zielten Erfolge bei Stoffwechselkrankheiten, Nerven* und Herz* ‘ ■ leiden, Marasmus, Hrteriosklerose, bei Uebermüdungen und in ■ Rfkonvaleszenz. - Erhältlich in den grösseren Hpotheken. - ■ reichhaltige Literatur gratis vom Organotherapeutischen Institut ■ fr.<>£ ®r* Poehi & Söhne, St. Petersburg; Hbt. Deutsch- Original „Poehi“ zu fordern. Frauenkron-, Herren-, Sahnen-, Extra-Zartunübertroffen in Güte und Preiswürdigkeit.