Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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g „äocbrenu“ und “Mechakel“, stimmungsvolle Kompositionen Keller» ruanns. Nach dem Vortrag zweier interessanter Stücke, Psalm 120 von Jdelsohtt und Aoloeb >vekorosob vonHenle, folgte zum Schluß lloriu!n6onq', ein Hochzeitsgesang von Naumburg, vom Kammermusiker Hrrrn Saal zur Harfe begleitet. Besondere Erwähnung verdient die Sopranistin Fräulein Dalossh, die in tief empfundener Weise sich ihrer dankbaren Aufgabe unterzog. An der Orgel waltete Herr Alfried Mai mit bestem Gelingen. *** Berlin, 31. Januar. Um der immer mehr um sich greifenden Taufbewegung, namentlich in den besseren Schichten Berlins, zu steuern, veranstaltet der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens am Mittwoch den 9. Februar 1910 abends S1 o Uhr im großen Blüthner-Saal. Berlin W., Lützowstraße 76, eine Versammlung mit dem Thema: „Judentaufen", in welcher die Herren Rabbiner Dr. Werner-München, Gustav Levinstein-Berlin und Professor Dr. Horowitz-Charlottenburg als Vortragende referieren werden. Im Interesse der jüdischen Sache ist Massenbesuch der Versammlung erwünscht. Posen, 28. Januar. Die Repräsentantenwahlen in Posen haben, wie von Ihnen bereits mitgeteilt, am 6. Januar d. I. stattgefunden und mit einem vollen Siege der Liberalen geendet — zum erstenmal seit dem Bestehen der Synagogengemeinde Posen! — Diesen Wahlen ging ein Wahlkamps voran, wie er in solcher Heftigkeit in den Annalen der deutschen Synagogengemeinden kaum zum zweitenmal vorgekommen sein dürfte. Unter dem Namen „positiver Block" hatten sich die zionistische Ortsgruppe, der Verein zur Förderung jüdischer Interessen, die freie Vereinigung für das orthodoxe Judentum zusammengefunden; diese Gruppe, die sich in ihren Flugblättern als die alleinige „Partei des wahren Liberalismus, als die Partei des Friedens, der Einigkeit, der Toleranz, des sozialen Fortschrittes, der jüdischen Solidarität und der Erhaltung des Judentums" bezeichneto, umschloß nach eignen Angaben „Männer aller religiösen und politischen Richtungen im Judentum: Orthodoxe. Mittelparteiler und Liberale, Zionisten und Antizionisten". Ihr gegenüber kämpfte, auf sich selbst angewiesen der vor 3/4 Jahren gegründete „Verein liberaler Juden", nach seinem Wahlaufruf, ^erfüllt von dem Gedanken der Toleranz-gegen Andersdenkende, für eine -gesunde pietätvolle Uortentwicklung mnseres religiösen Lebens, für eine politisch, wirtschaftlich und sozial ersprießliche Verwaltung der jüdischen Gemeinde, in treuer Liebe zum Judentum aufbauend nicht niederreißend, unbekümmert j um schnöde Angriffe und wahrheitswidrige Entstellung seiner Ziele." Der liberale Verein mußte aber unter Berücksichtigung loyaler Er scheinungen den Wahlkampf auch gegen die>zersetzenden Bestrebungen ' und die unerfreulichen Kampfmethoden richten, die sich unter zionistischer Flagge seit Jahren den Gemeindefrieden störend unliebsam beccit machten. Die Partei des „positiven Blockes" hielt vier Wahlversammlungen ab und versandte drei Flugblätter, der „Verein liberaler Juden" begnügte sich mit einer Wahlversammlung und-drei Flugblättern. Von 1157 in den Wählerlisten eingetragenen Wählern l vten '1030, also 90 Prozent ihr Wahlrecht aus, und zwar hatten in km ersten zwei Stunden des sechsstündigen Wählganges bereits S Prozent aller Wähler ihr Wahlrecht ausgeübt, ein 'Beweis für o is fieberhafte Interesse, das sich in der gesamten Gemeinde kundgab. -!lle waren sich dessen bewußt, daß es nach vielen Jahrzehnten einer rneuten Feststellung des Stärkeverhältnisses beider Richtungen in r Gemeinde galt, und da beide Parteien ihren letzten Mann zur 'uhlurne gebracht haben, so kann das Ergebnis als die zuverlässige vmittlung des Stärkeverhältnisses beider Parteien angesehen werden, n bet allerdings zu berücksichtigen bleibt, daß die Zähl der infolge v spätster Steuerzahlung nicht in die Wählerliste eingetragenen ' - d der durch Abwesenheit von Posen an der Ausübung ' Wahlrechts verhinderten Wähler bei den Liberalen nicht erheblich größer gewesen ist als bei den Positiven. Angesichts l r bisherigen Erfahrungen galt den meisten der glänzende Sieg b r Positiven und die klägliche Niederlage der Liberalen als ein 3ma, am unerschütterlichsten den Positiven selbst. Wenn trotz -icr Konstellation die liberale Partei ohne jedes Wahlbündnis ihre '"-ndidatenliste mit einer Majorität von durchschnittlich 50 Stimmen ä'un Siege führte, so ist-dieses Hocherfreulichr, in allen liberalen r eifen geradezu mit Enthusiasmus begrüßte Resultat der'sieghaften Macht des religiös liberalen Gedankens, dem kraft- und doch maßvollen Auftreten des Vereins liberaler Juden in Posen und der ausgezeichneten Wahlorganisätivn dieses jungen Vereins zu danken. Wir wollen hoffen, daß nunmehr die Zeit ruhiger gedeihlicher Arbeit in der Gemeinde wiederkehren wird. Beide Gruppen haben ihr Stärkeverhältnis zuverlässig kennen gelernt, und die Einsicht ihrer Führer wird es verhüten, daß die Wogen dieses in seiner Art einzigen Wahlkampfes noch längere Zeit ein gemeinsames friedliches Zusammenarbeiten 'in der Gemeinde verhindern. J. Breslau, 30. Januar. Unsere über 100 Jahre alte jüdische Industrieschule wächst sich zum Schmerzenskinde unserer Gemeinde aus. Man entsinnt sich wohl noch der Aufsehen erregenden Bedingung, die die Stadt Breslau für die Kommunalisierung dieser Schule, wegen der Verhandlungen im Gange waren, seinerzeit stellte. In finanzieller Hinsicht sollte das Schulvermögen zur freien Verfügung der Stadt gestellt werden, sodann aber — und das war das besonders Auffallende — erklärte die Schuldeputation, daß sie im Falle der Uebernahme der Schule auf den städtischen Etat sämtliche jüdischen Schulkinder dort einschulen würde. Das würde ungefähr auf die Errichtung eines jüdischen Schulghetto hinausgelaufen sein. Die Verhandlungen scheiterten damals an diesen Bedingungen des Breslauer Magistrats, über welche man in den jüdischen Gemeindekörperschaften damals heftig disputierte. Es gab in der Tat einige Repräsentanten, die geneigt waren, die Schule selbst unter diesen Bedingungen kommunalisieren zu lassen. Dann wären sämtliche jüdischen Schulkinder auf einem Haufen getrennt von ihren nichtjüdischen Mitschülern hübsch unter sich geblieben. Es kam indes zur Ablehnung und zum Abbruch jeder weiteren Verhandlttng mit der Stadt. Nun ist die Frage der Industrieschule und ihres Schicksals wieder aktuell. Ein stundenlanges heftiges aber ergebnisloses Gefecht um sie entspann sich in der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung. auf deren Tagesordnung dieser Gegenstand sich befand. Professor Wohlauer beantragte, den Gemeindevorstand zu ersuchen, die Industrieschule aufzulösen, die Lehrkräfte aus dem Vermögen der Schule abzuflnden und von den Zinsen des Restes arme Schülerinnen zu unterstützen. Aber dieser Antrag wurde ebenso abgelehnt, wie ein -anderer, sich dem kaudinischen Joch des Begehrens -des Magistrat zu beugen, das Zwangseinschulungsrecht ihm zu geben und deshalb die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Da die Auflösung der Schule wie die „Kommunalisierung unter erschwerenden Bedingungen" von unserer Repräsentanz gleicherweise abgelehnt wurden, und die ganzen Verhandlungen wie das Hornberger Schießen ausgingen, bleibt die altehrwürdige Industrieschule einstweilen am Leben, wenn sie -nicht am Ende an „Entkräftung" dahinsiecht. Bremen, 28. Januar. In der kalten Winterszeit gewährt es zuweilen einen herzzerreißenden Anblick. wenn die armen unglücklichen Auswanderer nur notdürftig gekleidet am Hafenplatze ankommen, und in diesem elenden Zustande die Schiffsreise antreten müssen. Diese -unglücklichen Glaubensgenossen empfinden es überaus dankbar, wenn ffie am Endziele ihrer europäischen Reise liebevoll behandelt werden. Dazu gehört vor allen Dingen Versorgung mit warmen anständigen Kleidungsstücken, Wäsche und Fußbekleidung. Im vorigen Jahre konnten wir etwa 1400 Personen einkleiden. Jetzt ist unser Vorrat zu Ende. Wir bitten darum alle Edelgesinnten, uns durch Uebersendung von Kleidungsstücken oder Geldbeträgen tatkräftig zu unterstützen. Hilfsverein der Deutschen Juden, Abteilung Bremen. Rabbiner Dr. Rosenak, Vorsitzender. Hörde, 28. Januar. Der hiesige Frauenvereiu feierte am 23. v. M. 1>as Fest seines 50jährigen Bestehens, das in allen Teilen einen großartigen Verlauf nahm. Seine -eigentliche Weihe erhielt das Fest durch die Anwesenheit von vier Jubilaren, die dem Verein seit Gründung angehören, und zwar die Frauen Möllerich, Gans und Behrens, sowie Herr L. Strauß. Frau Möllerich ist seit 50 Jahren Kassiererin und Herr Strauß ebensolange Schrift^ sichrer des Vereins. Ein eigens zu diesem Zwecke verfaßtes Festspiel verherrlichte die erhebende Feier. -- Wiesbaden, 28. Januar. In der Nacht vom 19. zun» 20. Januar verschied hier im Alter von fast 70.Jahren der Geheime Sanitätsrat Dr. Richard Heidenheim, ein Sohn des vor etnigen