Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1910)
- Date
- 1910-02-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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74. Jahrgang. Nr. 5 ' Berlin, 4. Februar 1910 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". lkorrelplmdenren und Machrichtrn. ' Deutschland. ' 4. Berlin, 30. Januar. In der heutigen Repräsentantensitzung machte der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, nach der üblichen Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung durch Herrn Dr. Jnatz Cohn, der Versammlung die Mitteilung, daß nach Feststellung der Tagesordnung der heutigen Sitzung ihm eine Resolution des „Neuen Jüdischen Gemeindevereins'" zugegangen sei, die er hier zur Verlesung bringen möchte. In dieser Resolution, die sich gegen: die Ausführungen im Leitartikel der Nr. 1 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums^ richtet, wird, von der Repräsentantenversammlung verlangt, daß sie in „öffentlicher. Sitzung" zu dem Inhalt des Artikels Stellung nehmen soll. Der Vorsitzende bemerkt dazu: Es sei der erste Fall, daß ein außerhalb der Gemeindekörperschast stehender Verein an diese das Ansinnen stelle, sich mit einem Gegenstände zu beschäftigen, der mit der Gemeindeverwaltung .an sich nichts zu tun habe. „Wenn wir einer derartigen Zumutung entsprechen 'wollten, so würden wir einen Präzedenzfall. schaffen, der uns in die Lage brächte, ähnlichen Wünschen auch anderer Vereine nach Stellungnahme zu irgendbeliebigen Aeußerungen-und Fragen, die in keinerlei Beziehung zur Gemeindeverwaltung stehen, entsprechen zu müssen. Wohin sollte das führen? Der Kampf, der da draußen tobt, würde in diese'Versammlung getragen .und sie zu einem Tummelplatz der Wahlagitation machen. Diese Kämpfe und Meinungsverschiedenheiten müßten draußen äusgetragen werden. Er habe allerdings das Gefühl, daß wir alle, ohne Ausnahme, den Artikel und dessen Ausführungen nicht billigen und seine Veröffentlichung bedauern. Wir können wohl allenfalls dieses Bedauern aussprechen und wollen hoffen, daß er nicht nachteilige Folgen für den Frieden der Gemeinde hat, aber wir müssen es aus den angeführten Gründen ablehnen, die Resolution hier weiter zu besprechen." . Die Beantwortung der Resolution in diesem Sinne wurde beschlossen und dann in die, Veatung der Tagesordnung eingetreten. — Die weitere Zuwendung des Herrn Moritz Mannheimer zu den früher für den-gleichen Zweck gestifteten 15 000 Mark in Höhe von 5OO0 Mark zur Erhöhung des Kapitals der Moritz und Berta Mannheimer-Stiftung bei dem Fonds für verschämte Ärme, wird angenommen, desgleichen eine Zuwendung von 1OO0 Mark der Erben des Herrn Julius Rotholz zur Begründung einer Julius Rotholz-Stiftung an das Reichenheimsche Waisenhaus. — Die Vorlage betr. Einführung einer Vesoldungsordnung für die Bureaubeamten der jüdischen Gemeinde war den Ausschüssen I und III überwiesen. Herr Benas Levy als Berichterstatter des Ausschusses I erklärt, daß man von ciner Beratung abgesehen habe, da dies zwecklos gewesen wäre, weil ' asjenige, was man eventuell beschlossen hätte, mit den Ergebnissen, -u denen Ausschuß III gelangen würde, vielleicht in direktem Gegensatz .estanden hätte. Auch Herr Pros. Blafchke, als Berichterstatter des Ausschusses III teilt mit, daß man sich in seiner Kommission mit der Vorlage nicht eingehend beschäftigt habe. Er beantragt, die Vorlage in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschusses I und III zu beraten, me Petition, die zur Besoldungsordnung eingegangen sei, soll ^berücksichtigt bleiben, erstens weil sie anonym sei und dann auch, Ve eine Umfrage bei den Beamten ergeben hat, weil sie keineswegs i deren Sinne ist. Herr Direktor Minden wünscht eine Kommission, - stehend aus sämtlichen Mitgliedern des Ausschusses I und III zur -Vorberatung der Vorlage. Angenommen wird der AnträgProf. Bläschke. - Von dem Gemeindemitglied Herrn Max Wolfs-Charlottenburg -r ein Schreiben eingegangen betreffend den Kultus in der Synagoge F-lsanenstraße und den Jugendünterricht. Dasselbe war dem Ausschuß' überwiesen, für den Herr Geh.-Rat Prüf. Senator Bericht .bahin erstattet, daß aus dem Schreiben nicht recht ersichtlich sei, was Einsender eigentlich will, es scheine, daß er u. a. mit dem Jugenduuterricht nicht zufrieden sei. Dabei müßte er wissen, daß gerade die jetzige Gemeindevertretung für den Jugendunterricht sehr viel tue. Namens des Ausschusses beantragte Prof. Senator Uebergäng zur "Tagesordnung. Der Antrag wird angenommen. Eine sehr ausgedehnte Debatte knüpfte sich an den Ausschußbericht über den Antrag bes Herrn Lewinski betreffend Einführung einer geordneten Gemeindeseelsorge. In der Sitzung, in welcher der Antrag im Plenum zur Besprechung gelängte, wurden zu demselben die drei Anträge angenommen: 1. mit dem Vorstand über die Angelegenheit zu beraten, 2. Gutachten der Gemeinderabbiner einzuholen. 3. die Sache dem Ausschuß III zu übergeben. Herr Direktor Minden berichtet, daß der Grundgedanke des Antrages gewiß richtig sei, aber es frage sich, ob es, wie vorgeschlagen, opportun sei, mit dieser Gemeindeseelsorge die Rabbiner der Prihatgemeinden zu betrauen. Man sei der Meinung, daß die Gemeinderabbiner gehört werden müssen. Es habe die Erklärung eines Rabbiners Vorgelegen, daß die Seelsorge keine jüdische Einrichtung sei, der Rabbiner dürfe nur eingreifen, wenn er ausdrücklich verlangt werde, anderseits aber hat ein anderer Rabbiner sich für die Seelsorge ausgesprochen. Deshalb sei es richtiger, daß alle Rabbiner gefragt werden. Der Ausschuß sei zu dem Anträge gelangt: Es möge eine gemischte Kommission eingesetzt und die Rabbiner befragt werden. Herr Lewinski befürchtet von der Annahme des Ausschußantrages eine Vertagung ad caJendas gräecas. Wenn die Herren Rabbiner keine Zeit für die Seelsorge haben, dann müsse man eben Leute nehmen, die dafür geeignet sind. Er möchte mitteilen, daß die Kantoren der Gemeinde bereit seien, sich dieser Seelsorge 'zu widmen. Auch würde man' geeignete Kräfte aus den Kreisen der Gemeindebeamten finden. Herr Justizrät Ve.ith Simon hält es für notwendig, daß die Rabbiner gehört werden. Herr Benäs Levy spricht' sich für den Anträg'der Kommission aus und wünscht auch eine Prüfung der Frage, ob die Kantoren für die Gemeindeseelsorge geeignet sind. Geheimer Rat Professor Geiger steht dem Anträge sympathisch gegenüber, gibt aber anheim, zu überlegen, ob es nicht möglich sei, die GemeinVerabbiner zu entlasten, sei es,' daß sie weniger Predigten halten, oder im Religionsunterricht erleichtert werden, damit sie sich auch der Aufgabe widmen könnten, in, der gewünschten Seelsorge tätig zu sein. Jedenfalls müßten es Männer des allgemeinen Vertrauens sein. Dr. Ignatz Cohn erblickt in der Beratung durch eine gemischte Kommission keine Vertagung ad calendäs graecas. Eine gründliche Beratung sei erforderlich. Vielleicht kämen auch junge Theologen, deren es ja hier eine ganze Anzahl gibt, für die Gemeindeseelsorge in Frage. Den Antrag des Ausschusses müsse man annehmen.' Nachdem noch Herr Direktor Minden für den Ausschußantrag gesprochen und Herr Lewinski um ein flotteres Tempo in der Erledigung gebeten hatte, wird der Ausschußanträg angenommen. Die Rechnungsabschlüsse pro 1908/09 der Alten Synagoge, der Neuen Synagoge, der Synagoge Kaiserstraße, der Synagoge Lindenftraße, der. Synagoge Lützowstraße, der Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches und der Quellbadverwaltung werden angenommen. Seitens des Gemeindevorstandes erklärt Herr Juftizrat Seligsohn zu dem letzten Punkte, daß über den Wasserverbrauch seit dem 1. Januar'd'. I. eine Statistik geführt werde. Der Bericht über den Rechnungsabschluß ffer Schulverwaltung pro 1908/9, sowie die Beratung der Vorlage betreffs Herausgabe eines Gemein de bla tt es werden auf Antrag der Herren Emil Cohn, resp. Geheimrat Professor Senator vertagt. Der Abschluß eines Vertrages mit den Herren Reimer & Körte betreffend den Neubau des Krankenhauses wird mit' einer kleinen Modifikation des ''vorgelegten Uebereinkommens, die das Schiedsgericht im Fälle von Differenzen betrifft, angenommen. — lieber die/'Einsetzung einer ständigen Korümission zur Vorbereitung' von Räbbinerwahlen entspinnt sich eine längere Debatte. Gegen eine 'ständige Kommission spricht sich Herr Professor Dr. Kälischer aus. Es genüge die Einsetzung einer