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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-02-04 · Heft 5 (4.2.1910) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 5 (4.2.1910)
Date
1910-02-04
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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57 Angelegenheiten. — Eine Auswahl der Briefe, die auch allgemeines Interesse haben, mag hier veröffentlicht werden. „Es berührt mich eigentümlich, daß während ich jetzt an der Biographie Anastasius Grüns schrieb, ich eine Broschüre von einem seinen und meinen Namen verbindenden Herrn, von Ihnen, erhielt. Ich danke Ihnen für die mir erwiesene freundliche Aufmerksamkeit. Wiewohl mit der Biographie des Juda Halewi, die mir Luzatto im Jahre 1836 in Padua erzählte, vertraut, und später durch Geiger bekannt, habe ich doch sofort die von Ihnen verfaßte Lebensgeschichte mit lebhaftem Interesse gelesen, und, mein Gedächtnis auffrischend, auch Neues erfahren. Wie kommt es,'daß noch viele in dem Oxforder Diwan enthaltenen Gesänge des Dichters nicht veröffentlicht sind? Wäre es nicht eine nationale Ehrensache, endlich das große dichterische Erbe komplett zu finden? Ich bezweifle leider beides. Aber eine schöne Aufgabe wäre es, wenn ein echter Poet es unternehmen würde, der deutschen und der Weltliteratur wenigstens eine Auswahl der Gedichte Juda Halewis metrisch zu übersetzen. Nur Friedrich Rückert und unter den Lebenden nur Friedrich Bodenstedt wären mit ihrer frappanten Sprachgewandtheit imstande, das schwere Werk zu vollbringen. Freilich geht ihnen die notwendige intensive Kenntnis des Hebräischen, nicht aber der Geist der orientalischen Poesie ab. Ist der Name des Juden bekannt und sonstige Umstände, der dem letzten Maurenkönig von Toledo ins Exil folgte oder war es ein anderer Maurensürst, weil Sie von Gefangenschaft schreiben? Ich freue mich, daß Sie von einer künftigen Umgestaltung des Gottesdienstes sprechen, bei welchem den Gedichten Inda Halewis mehr Rechnung getragen werden wird. Warum „künftigen" und nur „etwaigen" Einführung des deutschen Gesanges?.Sagen unsere gegenwärtigen Rabbiner auch immerfort „non P0L8UMU8?" Es muß und wird ein jüdischer Luther kommen, der die Thesen der Vernunft und der sittlichen Freiheit an die Synagogentüre nageln wird. Die Ethik habe ich noch nicht gelesen. Ihnen nochmals für die gütige Zusendung dankend, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung L. A. Frankl. Wien, Opernring 10, 26. Dezember 1889. II. Ehrwürdiger Herr Doktor! Ich fühle mich aufs angenehmste verpflichtet, Ihnen für Die so gütige Zusendung Ihrer geistvollen Reden zu danken, um so mehr als mich Ihre schmeichelhafte Aufmerksamkeit überrascht hat. Ihre, dem verewigten Meister der Wissenschaft Pietätvoll gewidmeten Reden, .der auch mein Lehrer war, konnten nur noch mehr durch diesen Umstand meine Sympathie erregen. An Kremsier, wo Sie segensreich zu wirken berufen sind, knüpfen mich ebenfalls lebhafte ernste und heitere Erinnerungen an das Jahr 1848 Wien, 11. März 1887. Frankl-Hochwart. II!. Wien, 17. 12. 1891. Hochgeehrter Herr Dr.! Die von mir herausgegebenen Inschriften sind langher vergriffen. Ich fahnde, weil meine Exemplare mir verloren gingen, nach einem solchen vergebens bis nun! Doch können Sie leicht das Exemplar, das die Gemeindebibliöthek besitzt, leihweise erhalten. Sehr erfreut hat mich die Mitteilung, daß' Sie mit der Schreibung der Geschichte Ihrer althistorischen Gemeinde beschäftigt sind. Leider besitzen wir in Oesterreich so wenige Monographien. Sie erwerben sich ein vaterländisches Verdienst. Was meine Erinnerungen an Kremsier betrifft, so sind dieselben streng persönlicher Natur, die bis nun nur in meinem Gedächtnisse haften und erst werden niederzuschreiben sein. Alle beziehen sich nur auf Personen des Reichsrates in Kremsier, dessen Schilderung Sie wohl in Ihre Darstellung einziehen werden. Ich bin, wenn meine Erinnerungen bis dahin nicht niedergeschrieben sind, und wenn Sie bei Ihrer Anwesenheit in Wien mir die Ehre Ihres Besuches gönnen wollen, gern bereit, sie Ihnen mündlich zu erzählen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihnen, Herr Doktor, ergeben L. A. Frankl. IV. 4. 4. 1892. Geehrter Herr Dr.! Es würde Sie langweilen, wenn ich Ihnen all das anführen würde, was mich hindert, Ihren Wünschen zu entsprechen. Und so bitte ich Sie, auf Treu und Glauben anzunehmen, daß es mir unmöglich ist, einen, vielleicht zwei Lebenstage einer Arbeit zu widmen, von der ich nicht einmal weiß, ob Sie dieselbe benützen könnten. Ob die jüdischen Abgeordneten Vereinigungen bildeten, politische Beratungen hielten und ob sie mit den anderen Abgeordneten verkehrten, entzieht sich meiner Kenntnisnahme, da ich zu ihnen in keiner Beziehung stand und nur öfters wohl mit Mannheimer verkehrte. Sie waren voneinander je nach der Stellung, apartem Wissen und Lebensanschauung geschieden, doch einander freundlich gesinnt. Gespräche und politische Auseinandersetzungen fanden bei geselligem Zusammentreffen statt. Ihre Stellung war eine allgemein geachtete, und sie waren selbst von jenen geehrt, die einer anderen politischen Gesinnung nnd religiösen Anschauung angehörten. Die meisten Sympathien hatte Fischhof, nach ihm Mannheimer; Meisel blieb weniger beachtet. Goldmark, wiewohl respektiert, gefiel durch ein rastlos treibendes Wesen weniger. Wertheimer und ich veranlaßten Fifchhof und Goldmark, die zwei aneinanderstoßende Zimmer bewohnten, diejenigen Herren, die judenemanzipationsfreundlich gesinnt waren, zu einem Souper einzuladen, dessen Kosten aus der Kassa der Wiener Gemeinde bestritten wurden. Ich glaube, daß wir 18 Personen zusammen waren. Die Geladenen waren, mit Ausnahme Riegers, sicher anwesend, darunter der geistliche Abgeordnete Prato sowie Ludwig v. Löhner und Ernst v. Schwarzer, die übrigen sind mir nicht erinnerlich und dürste Fischhof sich vielleicht der anderen erinnern. Die Versammlung hatte gegen 9 Uhr begonnen und währte bis spät nach Mitternacht. Ernste und heitere Toaste und Tischreden wechselten miteinander, natürlich alles in freiheitlichster Gesinnung. Doch wurde ein Toast aus die Gleichberechtigung der Israeliten sehr kalt und mit reservierter Haltung ausgenommen. Der Vorstand der Gemeinde Wiens fürchtete unter dem Drucke des Belagerungszustandes, die Haltung Mannheimers könnte nachteilige Folgen für diese haben und betraute mich mit der peinlichen Mission, die temporäre Disposition der Reden .Mannheimers ihm schriftlich zu überbringen? Dies machte auf Mannheimer wenigstens scheinbar keinen sichtbaren Eindruck. Doch die Vorstellung, warum er auf der Linken sitze und mit dieser stimme, veranlaßte ihn, geistreichhumoristisch, wie er zu sein pflegte, zu folgender Aeußerung.

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