Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- Seite 47 (sequence 11)
- Language
- German
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47 daß nn?tt und ■p*ran, worin dasselbe geschrieben ist. den sichersten Schutz vor bösen Geistern gewähren, daß sogar ein erschienener -fV sofort verschwinden muß, sobald UötP laut hergesagt wird. Man hat die Ausübung dieses wichtigen Aktes Kindern übertragen, weil die unschuldigen Kleinen immer von guten Engeln umgeben sind und schon durch ihr bloßes Erscheinen gute Geister ins Haus bringen und böse verscheuchen, aber auch weil ntf rTlD*1 D'jWl U'bb'W M Ps. 8 das Gebet der kleinen Kinder sicher vor Gott kommt, und bei der namenlosen Angst, die man vor der grausamen Krankheit hatte, sofort summa ratio, das wirksamste Mittel, sie zu verhüten, angewendet wurde. Dieser Brauch ist es, den wir in unserem heutigen Cholekrasch aufrecht erhalten, aber in ganz anderer Farbe. Die Teufel sind alle verschwunden, Wochenbettfieber ist sehr selten und wird, wenn es vorkommt, antiseptisch und symptomatisch behandelt, die kleinen Kinder aber sollen ihr „Gutes" nach wie vor erhalten. Die Zivilisation hat dann aus jener frommen Handlung, bei der wohl oft viele Tränen vergossen wurden, eine lustige, konventionelle Visite geschaffen, die, sobald die Wöchnerin wiederhergestellt ist, Kinder nicht ihr, sondern dem. neugeborenen Kinde abstatten. Es findet dann eine formelle Vorstellung statt, allerdings origineller Art. Das Kind wird in die Höhe gehoben, um die Aufmerksamkeit der Besucher aul es zu lenken. Diese müssen dann alle laut sagen, wie das Kind heißt, da es selbst nicht sagen kann: „Mein Name ist so und so" und endlich an die historische Bedeutung ihrer Anwesenheit durch den wiederholten Ausruf: „Cholekrasch, Cholekrasch" erinnern, woraus ein jeder sein „Gutes" erhält. „Meil er rin Jude ilt .. Skizze von I. Hcrzberg-Brvmberg. II. ie gern hatte er sie ertragen! In mancher blutigen Schlacht hatte er in den vordersten Reihen mitgefochten, ohne irgendeinen Schaden erlitten zu haben. Er schien gegen die feindlichen Geschosse, die so viele Gestalten neben ihm niedergestreckt hatten, gefeit zu sein. Während seine Vorgesetzten einer nach dem anderen, von feindlichen Kugeln tödlich getroffen, niedersanken, blieb er unversehrt, und als eines Tages der Schützenzug, dem er angehörte, und der an einem besonders gefährlichen Posten zu operieren hatte, von dessen Vorgehen der Erfolg des Tages völlig abhing, ganz ohne Führer war, da hatte er, um einen Rückzug des stark dezimierten Zuges, dessen Leute schon zaghaft zu werden begannen, voll Mut und Tatkraft dessen Führung übernommen. Sein kaltblütiges, entschlossenes Vorgehen hatte wieder neuen Kampfesmut bei den Verzagten geweckt, und im Sturm wurde aller Widerstand bezwungen. Freilich, ohne jede Verwundung war es nicht abgegangen. Als man das Signal zum „Sammeln" gab, da hatte ihm eine letzte verirrte Kugel den linken Oberarm durchbohrt. Als Kronprinz Friedrich Wilhelm am Abend dieses Tages die Tapferen vor sich beschied, da stand Hermann Werner in erster Reihe. Er wurde nicht nur zum Offizier ernannt, sondern der Kronprinz heftete ihm unter herzlichen Worten des Lobes und der Anerkennung das Eiserne Kreuz an die Brust. Wie milde blickte das sanfte Auge des großen Feldherrn auf ihn hernieder! Wie drangen dessen freundliche Worte ihm ins Herz! Was Werner an diesem Abend durchlebte, war ihm reicher Lohn für alles Erlittene gewesen. Die Erinnerung daran haftete durch die Jahre bis jetzt in ihm fest, und er zehrte gern und freudig an dieser Erinnerung. Nach dem beendeten glorreichen Feldzuge war Werner aber gezwungen, den Rock des Königs für immer auszuziehen. Die Strapazen des Krieges, besonders aber die erlittene Verwundung, hatten auf seinen Körper schädigend eingewirkt, so daß er zum ferneren Militärdienst untauglich wurde. Seine Uniform aber mit dem Eisernen Kreuze blieben ihm als äußere Zeichen seines Triumphes gar kostbare Heiligtümer, und als ihm später ein Sohn geboren ward, da regte sich in ihm der heiße Wunsch, daß auch dieser dereinst des Königs Rock tragen und gleiche Erfolge erringen möge. Wenn besondere vaterländische Gedenktage zu begehen waren, namentlich wenn des Kaisers Geburtstag zu feiern war, dann zeigte sich Werner mit Stolz in seiner Leutnantsuniform, die noch besonders mit dem Eisernen Kreuz geschmückt war. — — Auch heute sollte wieder ein Ehrentag sein. Heute erwartete er nach den Andeutungen seines Sohnes Max die Nachricht, daß dieser zum Leutnant befördert sei. Er hatte im Vertrauen auf die Gerechtigkeit seines Kaisers und dessen Befehlshaber zu keiner Zeit gezweifelt, daß dieses Vertrauen gerechtfertigt werden würde. Gab es denn einen stattlicheren und tüchtigeren Soldaten in des Kaisers ganzen Armee, als sein Sohn Max einer war? Als dieser zum erstenmal in der schmucken Jnfanterieuniform vor ihm erschienen war, da hätte er vor Freude laut ausjubeln mögen. Bald mußte die Nachricht eintreffen. Dieser Moment mußte festlich begangen werden. Wenn er sein Kind im Geiste als Leutnant werde begrüßen, dann sollte seine alte Brust das Eiserne Kreuz schmücken! Mit elastischen Schritten schritt Herr Werner dem Schrank zu, in dem er seine Uniform aufbewahrte, entnahm dieser das Ehrenzeichen und heftete es auf seine Brust. Stolz blickte er auf seine Frau, die bisher schweigend auf ihren in tiefes Sinnen versunkenen Mann geblickt hatte. „Wenn man ihn nun aber doch ablehnen wird, wie dies schon anderwärts vielfach geschehen ist?" fragte sie mit unsicherer Stimme. „Ihn ablehneu? Bei all seinen Vorzügen und Fähigkeiten?" entgegnete Herr Werner lächelnd, „welcher Grund könnte denn für eine Ablehnung vorliegen?" „Sein Judentum!" entgegnete Frau Werner. „Du glaubst, liebe Frau, man würde ihn ablehnen, weil er ein Jude ist? O nein! Das kann doch wohl kein Grund für eine Ablehnung sein. Fragte man auch in jenen großen Tagen, als ich in den Kampf zog: Bist Du ein Jude? — Fragte die Kugel, die mich traf im Kampfgewühl: Bist Du ein Jude? — Und als Kronprinz Friedrich Wilhelm mir das Ehrenzeichen, das ich jetzt zu Ehren unseres Sohnes angelegt habe, an die Brust heftete, fragte er da: Bist Du ein Jude? Und als dieses Ehrenzeichen zum erstenmal meine vor Freude und Stolz geschwellte Brust zierte, fragte da der hohe Herr wohl: Schlägt darunter ein jüdisches. Herz?" v--