Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
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33 erteilte ihm dieser den Auftrag, die Verluste festzustellen; er selbst wollte sich behufs Einholung weiterer Befehle zum Artilleriechef begeben. Kaum entfernte sich der Hauptmann, als ihn Bardach von weitem mit dem Säbel das Zeichen zum Rückmärsche geben sah. Die Halbbatterie brach daraufhin sofort auf, Bardach aber witterte einen feindlichen Ueberfall. Es hatte ihn nämlich unmittelbar vordem ein auf der vor ihm liegenden Höhe erschienener Soldat kameradschaftlich' begrüßt. Kadett Bardach hielt ihn anfangs für einen der verbündeten Sachsen; als er aber sah,' wie dieser Soldat, sofort nach dem Gruße, anstatt näher zu kommen, umkehrte und gegen die, dem Gegner zu gelegenen Seite hinter einer Hügelkuppe verschwand, da faßte er Mißtrauen und Verdacht. Er führte daher den mit dem Säbelzeichen erteilten Befehl seines Hauptmanns nicht blindlings aus, sondern ließ vorher vorsichtigerweise mit Kartätschen laden. Er tat gilt daran, und wie richtig er kalkuliert hatte, zeigte sich schon im allernächsten Augenblicke. Am Hügelkamm erschien .der Feind, dem nun Bardach mit seinen geladenen vier Geschützen einen ehernen Willkommgruß bot. Angesichts der mächtigen preußischen Kolonnen durfte er uicht daran denken, diese Stellung länger zu Halten, aber aufhalten wollte erden Feind wenigstens, ihn in seinem Vorrücken hindern, um so den ' eigenen Truppen den Rückzug sichern zu können. Die kalte Sicherheit, die Ruhe und die Präzision, mit welcher der wackere Kadett über seine Geschütze disponierte, diese immer staffelweise und im Galopp zurückziehend und den Gegner immer bestreichend; die glänzende Wirkung, die jeder Schuß erzielte, beobachtete aus der Entfernung Erzherzog Joseph. Ein Offizier sprengte an Bardach heran und erkundigte sich nach seinem Namen und Truppenkörper. Der Feind war ausgehalten, die eigenen Truppen hatten sich zurückgezogen und Bardach, dem sein Pferd unter dem Leibe erschossen worden und der die Aufgaben, die er sich gestellt, vollendet sah, wollte sich mm auch dem allgemeinen Rückzüge anschließen. Schon war er aus dem Marsche, als er sich erinnerte, daß man ihn gelehrt: ein tüchtiger Reiter lasse sein Reitzeug nie im Stich. Er kehrte um und schnallte seinem erschossenen Pferde das Reitzeug ab. Seine Halbbatterie war ihm aber mittlerweile so weit vorau sgekommen, daß er sie nicht mehr einholen konnte, und so marschierte er zu Fuß querfeldein in der Richtung nach Königgrätz. Unterwegs traf er auf einen stehengebliebenen, beff.rnnungslosen Deckelwagen, der unter anderem eine Kasse enthielt, und bei der ein Artillerist Wache stand. - Bardach stieß den Soldaten mit seinem Faschinenmesser das Schloß des Deckelwagens abhauen; die Kasse wurde herausgehoben und von Bardach und bt1 \ Artilleristen nach Königgrätz transportiert. Gegen 1 Uhr nachts übergab Bardach einem Jnspektiousvffizier in Königgrätz die Kasse gegen Bestätigung des Empfanges. . Am nächsten Tage ließ sich Erzherzog Joseph den Kadetten vorsühren. Seine, kaiserlich königliche Hoheit richtete mehrere, auf den Feind bezügliche Fragen an Bardach; unter ariderem fragte er ihn, ob denrr der, auf einer Straße vor Königgrätz steckengebliebene Train nicht zu retten wäre. Bardach bot sich hierzu freiwillig an. Beiläufig 80 Leute aller deukbaren Truppen und Brauchen, denen es zumeist an jeder Waffe mangelte, ja von welchen viele nicht einmal eine Kopfbedeckung hatten, und zirka 70 Pferde der verschiedensten Truppen wurden ihm zur Verfügung gestellt. Bardach verließ mit dieser zusammengewürfelten Abteilung die Festung; er suchte unter dem kunterbunt durcheinander stehenden, verlassenen Train vorzugsweise die Geschütze heraus und forschte nach Munition. Die als brauchbar erkannten Geschütze und Munitionswagen schickte er sukzessive zur Festung zurück. Mitten in dieser Arbeit wurde er von. einer preußischen Husarenpatrouille angegriffen; es entspann sich ein kurzer Kampf, in welchem Bardach durch einen Stich in den rechten. Oberschenkel verwundet wurde. Seine Geistesgegenwart ließ ihn auch hier der Gefangenschaft entrinnen. Bardach erhielt für all die vielen Beweise voll Mut und Entschlossenheit die goldene Tapferkeitsmedaille. Nicht uninteressant ist auch der weitere militärische Lebenslauf des Helden von Ehlum. Mit 1. April 1873 zu den Radetzky-Husaren Nr. 5 transferiert, wurde Kadettwachtmeister Bardach, nach Ablegung der entsprechenden Prüfung, im November 1874 zum Kadetten neuen Systems ernannt und avancierte mit 1. Mai 1875 zum Leutnant, als welcher er 1878 zum Husareuregimente Nr. 9 übersetzt wurde. Am 18. August 1888 rückte er in die Charge eines Rittmeisters vor und wurde als solcher in den Adelsstand mit dem Titel „Edler",und dem Prädikate „von Chlumbe'rg" erhoben. Rittmeister Wolf Bardach Edler v. Chlumberg kam mit dem 16. April 1892 in den Stand des k. u. k. Militär-Reitlehrerinstitutes, woselbst er bis zum Jahre 1899 die Dienste eines Adjutanten versah, dann aber unter Verleihung des Majorscharakters in Peilsion ging'. Er lebt in Wien und erfreut sich einer geistigen und körperlichen Rüstigkeit. Wolf Baröach Gdler von Lhlunrberg.