Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1910)
- Date
- 1910-01-21
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 mäßiger Arbeit nach und nach wenigstens das bedeutendste zur Herausgabe fördern kann. Der neuerstandene Verein darf mit Recht an alle appellieren, die ein Bewußtsein von unseren litterarischen Verpflichtungen haben. Wenn nur jeder jüdische Literaturverein, jeder Zionistenverein, jede Gemeindebibliothek innerhalb der Kulturstaaten, ein Exemplar subskribieren würde, wenn die vermögenden Glaubensgenossen, die Logen, die großen Vereine, die Großgemeinden eine feste Unterstützung gewähren würden, dann würden wir in wenigen. Dezennien ganz anders dastehen aus dem besprochenen Gebiet, als es jetzt der Fall ist. Wie schon oben gesagt, werden in kurzer Zeit die ersten Lieferungen des neuentstandenen Vereins den Abonnenten zugehen. Darunter sind zwei in sich abgeschlossene Werke: ein aus dem so wenig bekannten Süditalien herrührender, - in einer einzigen Handschrift bewahrter, höchst interessanter Kommentar zu dem Talmudtraktate Mo' edQatan, mit Anmerkungen herausgegeben durch Dr. H. P. Chajes, dann das wie jene Schrift bisher unbekannte Ritualwerk Ma’ aseh Hageonim, das uns die mittelalterlichen Verhandlungen über Leben und. Lehren in Frankreich, Deutschland und Italien vor Augen führt. Die Ausgabe war von dem wohl kundigsten auf diesem Gebiete, A. Epstein vorbereitet, schließlich übernahm Dr. I. Freimann den endlichen Abschluß und die Druckleitung. Wichtig für den Nachweis des Gedankenganges der heiligen Schrift ist der Vibelkommentar von Elieser v. Beaugency, von dem uns Dr. Poznanski eine erste Lieferung dieses Jahr gibt; die zweite Lieferung im nächsten Jahre wird den Kommentar zu Ezechiel und den zwölf kleinen Propheten zu Ende führen und in einer großen Einleitung weitere Beiträge zur Geschichte der mittelalterlichen Schristerklärung liefern. Und last not least fetzt der schon genannte Dr. Brodh sein Diwan-Werk fort, indem in genauem Anschluß an die Veröffentlichungen der alten Mekize Nirdaraim, der Kommentar zum zweiten Band vom Diwan Jehuda Halevhs zu Ende geführt wird.i) Einen Arbeitsplan für die folgenden Jahre werde ich aus verschiedenen Gründen vorläufig nicht geben; ich beschränke mich aus die, Bemerkungen, daß äußerst wichtige Werke und sehr tüchtige Herausgeber schon zur Verfügung stehen, und daß die Absicht besteht, die Einzelwerke vorläufig nicht in den gewöhnlichen Buchhandel zu bringen/ so daß' derjenige, der die Werke zu erwerben wünscht, als Mitglied des Vereins beitreten muß?) 1) Da dieser Kommentar hauptsächlich für diejenigen von Interesse ist, welche schon die Textausgabe Brodys besitzen, ist er nur in ganz geringer Zahl gedruckt und wird deshalb nur den ersten 400 Abonnenten geliefert werden können. Diejenigen Abonnenten, die es vorziehen, statt dieses Heftes zwei kleinere Hefte von Texten (Matmone Mistarim), die Dr. Brody herausgegeben hat, zu besitzen, werden gegen Rücksendung des Diwan-Heftes diese erhalten, so lange der Vorrat reicht. . 2) Anmeldung von Abonnements bei den früher bekannt gegebenen Komiteemitgliedern (darunter Ehrenvorstand: Prof. A. Berliner- Berlin. Vorsitzender; Prof. D. Simonsen-Kopenhagen, stellvertretender Vorsitzender; Dr. A. Freimann-Frankfurt a. M., Sekretär; Dr. S. Poznanski-Warschau), und bei dem Schatzmeister des Vereins Bankier Leo Mainz, Frankfurt a. M., Uhlandstr. 46. Der Jahresbeitrag ist 10 Mark (Minimum). Mitgliedschaft für Lebenszeit wird hurch einmalige Zahlung von mindestens 200 Mark erworben, Molk Lsrdsch Ldler o. iLHIumbers, ' k. k. ölterrrichilcher tzulsren-Msjor. Von Moritz Frühling-Wien. m 28. Februar 1843, als der Sohn eines Gutspächters zu Niezüchow in Galizien geboren, ließ sich Wolf Bardäch freiwillig, und ganz gegen den Willen seiner Eltern am 25. März 1860 assentieren. Zum 4. Artillerie-Regimente als Unterkanonier eingeteilt, avancierte er anfangs Juni 1861 zum Vormeister und wurde mehrere Wochen später zum Kadetten ernannt. Sein Fleiß, sowie seine ihm scheinbar angeborenen militärischen Fähigkeiten ließen ihn für die damaligen Verhältnisse rasch vorrücken, und im Feldzuge 1866 hatte er mehrmals Gelegenheit, den Beweis zu liefern, daß ihm Kopf und Herz am rechten Flecke saßen. /Schön am 29. Juni, bei Schweinschädel empfing Bärdach die Feuertaufe, um vier Tage später bei Königgrätz sich die goldene Tapserkeitsmedaille zu erkämpfen. Ehlum! Wer hätte nicht schon tausendmal den Namen dieses so umstrittenen Ortes nennen gehört? Nicht gar zu viele, die am 3. Juli da gefochten, kamen heil zurück. Bei Ehlum gekämpft zu haben, ist schon für den österreichischen Soldaten von Anno dazumal ein Ehrentitel; mit dem Prädikate „von Chlumberg" in den Adelsstand erhoben zu werden, ist eine jener seltenen, das Verdienst anerkennender: Auszeichnungen, mit welchen der ritterliche Monarch, Kaiser Franz Joseph I. Tapferkeit zu lohnen weiß. Ahnte es auch der damalige Kadett-Feuerwerker Wolf Bardach am Morgen des Schlachttages, als er — in Verhinderung seines Batterie-Offiziers — das Kommando über die halbe Kavallerie-Batterie Nr. 5 übernehmen mußte, daß er einst den, nach diesem in der Kriegsgeschichte so wichtigen Platz einnehmenden Orte, so stolzen Namen führen werde? Kaum, wenn er auch tags vorher wegen einer ihm von seinem.Regimentskommandanten zudiktierten Strafe den Vorsatz faßte: entweder sich brillant auszuzeichnen oder aber im dichtesten Kugelregen den sicheren Tod zu suchen und zu finden. Zeitlich frühlangte Bardach mit seinen vier Geschützen auf einer seitwärts von Ehlum gelegenen Höhe an, wo er eine gegen die preußische Artillerie ziemlich gedeckte, dominierende Stellung bezog, und sofort das Feuer eröffnete. Schon nach dem dritten oder vierten Schüsse konnte er die.vorzügliche Wirkung derselben beobachten, indem er dem Gegner Schaden zufügte; die ihm vis-a-vis stehende preußische Artillerie schoß anfangs viel zu kurz, dann aber überschoß sie die Halbbatterie Bardachs um ein beträchtliches. Gegen 9 Uhr sprengte der Halb-Batteriekommandant, der früher erwähnte Offizier, an die Batterie heran, und erteilte Bardach eine Rüge dafür, daß er sich in unmittelbarer Nähe eines bequemen Zielobjektes — einer Ziegelbrennerei — aufgestellt : er ließ sofort aufprotzen und führte die Halbbatterie. knapp an einen unweit gelegenen Wald, der mit preußischer Infanterie förmlich gespickt war. Noch waren die Geschütze nicht schußbereit, als der Offizier, von einer, feindlichen Kugel getroffen, vom Pferde fiel. Bardach übernahm sofort wieder das Kommando und überzeugt, daß seine ursprüngliche Aufstellung die richtigere war, fuhr er dahin zurück. Er leitete, mit so viel Umsicht und Kraft das Feuer seiner Geschütze, daß er damit uni die Mittagsstunde die gegnerische Artillerie vollkönuuen zum Schweigen, gebracht hatte. Eine halbe Stunde später erhielt Bardach Befehl, sich der vonseinem Batteriekommandanten befehligten Halbbatterie anzuschließen. Zu seinem Hauptmann gestoßen