Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- Seite 24 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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u Literarische Mitteilungen. Schöne Klassiker-Ausgaben. Im Tempel-Verlag in Leipzig, den S. Fischer, Diederichs u. a. zwecks Herausgabe künstlerisch ausgestatteter Klassiker begründet haben, beginnen jetzt die ersten Bande zu erscheinen, von Goethe die Wahlverwandtschaften und Kleinere Erzählungen, sowie Faust und Urfaust, von der Kleist-Ausgabe die vier Bände der Werke (Gedichte, Dramen, Erzählungen), von der Heine-Ausgabe die Gedichte und die Tragödien in zwei Bänden. In der Weißsraktur und in der gleichfalls von dem berühmten Buchkünstler E. R. Weiß besorgten Gesamtausstattung lassen die Ausgaben die entsprechende qualitative Gediegenheit und Vollkommenheit in trefflichster Weise erkennen. Auch als Einzelausgaben präsentieren sich die Bände sehr hübsch. Für unsere Leser kommt wohl die Heine- Ausgabe zunächst in Betracht; aber die literarisch Intressierten aus unseren Kreisen werden auch an den Werken der anderen Autoren ihre herzliche Freude finden. L. G. Mchkreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der, Bücher findet in keinem Falle statt. Lugene Llanuel. Gettres äe 4eunesse publiees par Fernand Lövy-Wogue et Paul Carcassonne. Avec une preface de M. Alfred Groiset Paris Libraire Hachette et Cie. 1909. P.: 3,50 frs. Hofjüden in Kurhessen von L. Horwitz. Sonderabdruck aus „Hessenland", Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur 1909, Nr. 20-22. Kassel 1909. Selbstverlag des Verfassers. Der Kommentar des Maimonides zu den Sprüchen der Väter, zum erstenmal ins Deutsche übertragen von Dr. M. Rawiez. Im Selbstverlag des Verfassers 1910. Erinnerungen aus dem „alten Moisling" von 1822 bis 1860. Nach einem Vortrag von Eisak Jacob Schlomer. Lübeck 1909. Verlag von Werner & Hörnig. Geschichte des Untergangs der antiken Welt von Otto Seeck. 3. Band. Berlin 1909, Franz Siemenroth. Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums. Neueste Geschichte des jüdischen Volkes von Professor Dr. Martin Philippson. Band II. Leipzig 1910. Buchhandlung Gustav Fock, G. m. b. H. 0 Mark. Grundriß der Gesämtwissenschaft des Judentums. Band 4. Grundriß einer systematischen Theologie des Judentums auf geschiehtlicher Grundlage von Dr. Kaufmann Köhler. Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock, G. m. b. H. 1910. 6 Mark. Beiträge zur Geographie und Geschichte Galiläas von Dr. Samuel Klein. Leipzig, Verlag von Rudolf Haupt 1909. Preis 4 Mark. Sprechsaal. ^L^egenüber der in jüdischen Blättern gemachten Behauptung, daß Sombart den Gegenstand Judaismus und Kapitalismus zum erstenmal öffentlich zur Sprache brachte, darf ich vielleicht darauf Hinweisen, daß ich in meiner „Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems von F. Heman, Calw und Stuttgart 1908", doch wohl der erste bin, der mehrfach auf die großen Verdienste hingewiesen hat, welche sich das jüdische Volk eben nach dieser Seite hin erworben hat. (Nicht einmal Professor Philippson in seiner neuesten Geschichte der Juden hat im ersten Band diese doch so überaus wichtige Sache behandelt.) Seite 516 bis 519 wird ausführlich die Entstehung und Bedeutung des Hauses Rothschild beschrieben; Seite 503 werden die großen jüdischen Bankiers aufgezählt, welche zurzeit Louis Philipps und Napoleons III. sich zu Herren der französischen Finanzmacht machten, wodurch Frankreich an die Spitze der Leitung der europäischen Finanzen sich aufschwang. Seite 535 bis 536 wird geschildert, wie nur durch die jüdischen Banken Deutschland von der bloßen Bodenwirtschaft zur Kapitalwirtschaft übergeführt wurde, wodurch allein Handel und Industrie, Fabrikation und technische Gewerbe in Deutschland Wurzel fassen konnten. Ich weise darauf hin, wie dadurch der Boden intensiver ausgenutzt und die Produktion ergiebiger wurde, wie der Landwert erhöht und der Wohlstand des Kleinbauern vermehrt wurde, so daß die bäuerliche Bevölkerung rasch zunahm und zugleich Handel und Industrie, Fabrikwesen und dergl. zur Blüte kamen. Der industrielle und kommerzielle Aufschwung, der nach dem Jahre 1870 das Nationalvermögen mehr als verdoppelt hat, wäre unmöglich gewesen, wenn Deutschland nicht vorher von der Bodenwirtschast zur Kapitalwirtschaft wäre fortgeschritten gewesen: die Umsetzung, die man nur den Juden zu danken hatte, trug ihnen aber damals nur neuen Haß ein. Seite 555 bis 557 wird dann geschildert, wie durch die großen jüdischen Banken und Bankvereine das Geld aller Völker und Nationen der Erde in Zirkulation kam, und ein Weltverkehr und Austausch der Güter und Kräfte aller Länder und Völker durch die jüdischen Bankiers eingerichtet wurde, wie die Welt ihn noch nie gesehen hatte; wie dadurch der Handelsverkehr ins Ungeheure stieg, und Verkehrswege und Verkehrsmittel die ganze Erde überzogen. Universitätsprosessor F. Hemann. » Geehrter Herr Redakteur! ^Vn Ihrem IV. Artikel „Zur Frauenfrage" in Nr. 51 dieser Zeit, schrist plädieren Sie für Gewährung des Stimmrechtes an Frauen und stellen diese Frage zur Diskussion. Für unsere Kultusgemeinde, und jedenfalls auch für die übrigen Kultusgemeinden unseres Großherzogtums ist diese Frage bereits seit Jahrzehnten insofern entschieden, als das vom Großherzoglich Sächsischen Staatsministerium genehmigte Statut für unsere Kultusgemeinde folgenden Paragraph enthält: „Stimmberechtigt sind alle Gemeindeangehörigen beiderlei Geschlechts, die über 21 Jahre alt und selbständig sind. Selbständig sind diejenigen, die einen eigenen Hausstand oder eigenen Erwerb haben und nicht unter Vormundschaft stehen, mit Ausnahme aller Ehefrauen" Doch mußte dieselbe Einschränkung getroffen werden, die die weimarische Landgemeindeordnung dem Stimmrecht der Frauen bei Kommunalwahlen vorschreibt, nämlich, daß sich Witwen und unverheiratete Frauenspersonen durch ein männliches Gemeindemitglied vertreten lassen müssen. Aschenhausen (Großherzogtum Sächsen-W.-E.). Willy Katz. * |PNutdj die Tageszeitungen geht die Nachricht, daß in Frankfurt demnächst eine vollberechtigte staatliche Universität mit einer philosophischen, medizinischen und juristischen Fakultät erstehen soll. Die letzten Stiftungen der Frau Franziska Speyer sind dabei sehr förderlich gewesen. Niemals war die Gelegenheit günstiger als jetzt, um endlich der Wissenschaft des Judentums die erste Heimstätte an einer deutschen Universität zu gründen. Was Zunz in seinem Vorwort zu seinen gottesdienstlichen Vorträgen im Jahre 1832 verlangte ist unerfüllt geblieben. Auch heute noch hat der Staatsmann keine osfizielle Stelle, an der er sich über das Judentum Rat holen kann, auch heute noch liest kein Professor über Judentum und jüdische Literatur, auch heute noch setzt keine deutsche Akademie Preise dafür aus. Die jüdische Literatur befindet sich noch im Ghetto. Edeldenkende Juden haben den Frankfurtern reiche Mittel für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Ist es nicht eine Forderung der Gerechtigkeit und der Dankbarkeit, wenn an solch einer Stätte nun endlich auch die Wissenschaft des Judentums zu Worte kommen darf? In Frankfurt stehen die denkbar besten jüdischen Bibliotheken zur Verfügung, ist das Interesse am Judentum, wie kaum in einer anderen Gemeinde, wach. Frankfurt ist der klassische Boden für den Lebensbaum der Wissenschaft des Judentums. Möge keine Zeit versäumt werden und der große Augenblick aufrechte, zielbewußte Männer finden. Dr. Doktor-Kassel. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Baüchwitz in Berlin.