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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-01-14 · Heft 2 (14.1.1910) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 2 (14.1.1910)
Date
1910-01-14
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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20 philosophische, philologische und geschichtliche Kollegia hörte und nebenbei auf dem Beth-Hamidrasch unter der Leitung Jellineks, I. H. Weiß und M. Friedmann meine theologischen Studien sortsetzte. Im Sommer 1868 übersiedelte ich endlich nach Breslau, trat in das dortige jüdisch-theologische Seminar ein und hörte nebenbei auf der dortigen Universität orientalische Kollegia. 1870 beendete ich meine theologischen und philosophischen Studien, und nachdem ich in Halle zum Doktor promoviert worden war, trat ich das rabbinische Lehramt an." Den vorstehenden Aufzeichnungen, die ich der Güte des Herrn Pros. Maybaum verdanke, füge ich nur ein kurzes Nachwort hinzu: JmSommer1870wurdeMaybauM als Rabbiner nachKubin in Ungarn berufen, übernahm im Sommer 1873 das Rabbinat in Saatz (Böhmen) und wurde am 13. März 1881 zum Rabbiner in Berlin ernannt. Seine mit dem ausgezeichnetsten Erfolge gekrönte Tätigkeit als Geistlicher und Redner ist allgemein bekannt; seine wissenschaftlichen Leistungen, die bei den Fachgenossen große Anerkennung fanden, verschafften ihm den Titel eines Professors, der einem in Deutschland wirkenden Rabbiner nur höchst selten bisher zuteil geworden ist. Zum lebhaftesten Bedauern seiner zahlreichen Verehrer sah sich Maybaum genötigt, vor kurzer Zeit aus seine Tätigkeit als Prediger zu verzichten. Glücklicherweise ist es ihm möglich, seine Kräfte nach wie vor in den Dienst der Gemeinde zu stellen, seine segensreiche Wirksamkeit an der Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums und als Prüfungskommisfar bei der jüdischen Lehrerbildungsanstalt fortzusetzen, und sich an den Beratungen des Schul- und Talmud-Thoravorstandes sowie der Bibliothekskommission der jüdischen Gemeinde lebhaft zu beteiligen. Wir freuen uns, den Lesern, zugleich mit dem Bilde des allverehrten Mannes, eine Würdigung seiner Predigten aus der Feder eines berufenen Kollegen bieten zu können. Die Redaktion. Maybaums Oredigtwrrk. Eine Würdigung von Rabbiner Dr. Hochfeld. enn ein neuer Band von Maybaums Predigten*) der Oeffentlichkeit übergeben wird, so ist das jedesmal ein Ereignis in der theologischen Welt. Nicht bloß der engere Kreis der Schüler dankt dem Meister für die Gabe, die er aus seinen schier unerschöpflichen Vorräten spendet, auch die weitere Gemeinde der Fachgenossen begrüßt in seinen Reden mustergültige Vorbilder, die man mit reichem Gewinn und mannigy Predigten und Schrifterklärungen IV. Teil, viertes und fünftes Buch Mose. Berlin 1907, Poppelauersche Buchhandlung. VIII. 237 S. 8«. sacher Förderung studierte Worauf wir aber besonders aufmerksam machen möchten: der religiös interessierte Laie, der sich auf dem weiten Gebiet der jüdischen Lehre an der Hand eines kundigen Führers orientieren möchte, dürfte kaum eine bessere Anleitung finden als die vorliegenden Predigten, die das ganze Judentum, seinen Glauben und seine Ethik, seine Schicksale und seine Literaturin den Bereich ihrer Betrachtung ziehen. Ganz zu schweigen von den Tausenden, die selber dabei waren, als diese Reden gehalten wurden, und denen es eine Freude sein muß, die erhebenden Eindrücke, die sie ehemals beim Hören empfingen, beim Lesen von neuem in sich wachzurufen. Predigten lesen! Wir wissen wohl, weshalb viele Menschen, die sonst oft ein Gotteshaus um der Predigt willen aufsuchen, dazu nicht gebracht werden können. Es fehlt ihnen der lebendige Vortrag, die eindrucksvolle Geste, der Klang der Stimme, die ganze Persönlichkeit des Predigers/ die hinter seinen Worten steht; die toten Buchstaben sind ihnen nur ein schwacher Abglanz der Gesamtheit seelischer Vorgänge, die sich beim Hören in ihnen abspielen. Diese Nachteile der gedruckten Rede, die wir ohne weiteres zugeben wollen, werden indes durch eine Reihe gleichartiger Vorteile ausgewogen. Man hat beim Lesen die Möglichkeit, schwierige Stellen zu überbei schönen Bildern sinnend zu verweilen, das Ganze prüfend zu überschauen und sich der künstlerischen Anlage zu erfreuen. Was im Augenblicke des Hörens schnell verrauscht oder durch andere Eindrücke verdrängt wird, das läßt sich festhalten und bannen und immer wieder zum Objekt des Genusses machen. Maybaums Predigten, das sei hier nachdrücklich betont, müssen gelesen werden, wenn man ihre gedankliche Tiefe und ihre formelle Schönheit voll erfassen will. Mögen sie auch auf momentane Wirkung berechnet sein, sie sind zu reich an Inhalt und zu fein und kompliziert im Aufbau, um mit der momentanen Wirkung ihren Zweck erfüllt zu haben. Es steckt vieles in ihnen, das erst durch eindringendes Studium, durch mehrmalige Lektüre und eigene Meditation ausgeschöpft werden kann. Wie sorgfältig muß Maybaum die zugrunde gelegten Schriftabschnitte durchgearbeitet haben, ehe er daran ging, ihre Gedankenstrahlen in den Brennpunkt eines kurzen Textverses einzufangen!. Wie weitgehend muß seine Kenntnis der homiletischen Literatur sein, wenn er es unternimmt, eiuem etwas abgegriffenen Bibelwort unter souveräner Vermeidung der landläufigen Erklärung eine ganz neue Prägung zu geben. Wie heimisch muß er sich in der Welt der alten Hagada gemacht haben, wenn er ihre Schätze ebenso sachgemäß wie unaufdringlich zur Vertiefung seiner Ausführungen zu verwerten vermag. Und wieviel hingebende Arbeit steckt anderseits in der äußeren Gestalt dieser Reden! Da ist kein Zuviel und Prof. Dr. S. Maybaum,

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