Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1910)
- Date
- 1910-01-14
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
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19 und diejenige Maimunis selber (1892, 1896), wie über die Exegese des Sohar (1891), über die Anfänge der hebräischen Grammatik (1895) und die älteste Terminologie der jüdischen Schristauslegung (1899 bis 1901) und vieles andere, geben eine Vorstellung von dem reichen Wissen, der Vielseitigkeit und Gründlichkeit, dem unermüdlichen Fleiße und der wunderbaren Arbeitskraft, aber auch von dem Darstellungsvermögen und der Sprachgewandtheit des Verfassers, wodurch seine so spröde Stoffe behandelnden Werke zu einer wahrhaft angenehmen Lektüre werden. Auch die philologische Genauigkeit Bachers, die unbedingte Zuverlässigkeit seiner Angaben, die Gründlichkeit und Schärfe seiner Forschung, sein weiter Blick und seine glückliche Kombinationsgabe sind in Fachkreisen allgemein anerkannt, ja sprichwörtlich. In solcher Weise hat er Licht verbreitet über weite, in ©uuM gehüllte Gebiete des frühesten wie des späteren wissenschaftlichen Strebens unter den Juden und namentlich zur Feststellung der Entwicktungslinien der jüdischen Schristauslegung mit ihren Hilfswissenschaften vielleicht das meiste seit Zunz beigetragen. Ja, so weit erstreckt sich sein Interesse für dieses Gebiet der Forschung, daß er sogar die zeitgenössische Literatur unserer exotischen Glaubensbrüder, wie der Juden von Tunis fernen und Bukhara, von den europäischen und amerikanischen zu geschweigen, stets mit Aufmerksamkeit verfolgt und in zahlreichen Artikeln beschrieben hat. Noch aber ist eines hohen Verdienstes Bachers zu gedenken, das er sich um das Judentmn und dessen Wissenschaft speziell in seinem ungarischen Vaterlande erworben hat. In seiner Stellung als Professor an der ungarischen Landes- Rabbinerschule, an die er nach ihrer Eröffnung im Jahre 1877 berufen wurde, nachdem er nur ein Jahr das durch den Tod Leopold Löws erledigte Nabbinat in Szegedin verwaltet hatte, fühlte er das Bedürfnis und die Verpflichtung, einen Sammelpunkt für die jüdischen wissenschaftlichen Bestrebungen in Ungarn zu schaffen, und begründete darum 1884 im Verein mit dein ausgezeichneten ungarischen Literarhistoriker und Aesthetiker Josef Vänöczi, damals Professor an der Gymnasialabteilung der Rabbinerschule, die noch heute unter der Leitung des Professor Ludwig Blau bestehende Monats- (jetzt Quartals-) schrift „Magyar-Zsidö Szemle“ d. h. „Ungarisch-Jüdische Revue", die, von ihren Begründern sieben Jahre hindurch geleitet, in hervorragender Weise zur Begründung und zum emsigen Betriebe der Wissenschaft des Judentums in ungarischer Sprache beitrug, einem Idiom, das immer mehr zur Mutter- und beinahe ausschließlichen Umgangssprache der Juden in diesem Lande wurde. Die Zeitschrift erfüllte denn ein wirkliches wissenschaftliches und praktisches Bedürfnis, wie nicht minder die im Jahre 1894 begründete „Israelitisch-ungarische Literaturgesellschaft", an deren reichhaltigem „Jahrbuch" Professor Bacher bis 1899 als Mitredakteur ebenfalls tätig war, wie er denn überhaupt Mitbegründer und bis heute Mitpräsident der Gesellschaft selber ist. Aber der höchste Ruhmestitel Bachers in den Augen seiner Landsleute ist und bleibt die vollständige ungarische Bibelübersetzung, ein Unternehmen, das, obwohl mehrere ausgezeichnete Gelehrte, wie der schon erwähnte Bänöczi, Professor Samuel Krauß, die Rabbiner Löw, Perls u. a. m. daran beteiligt sind, dennoch das eigenste Werk Bachers ist und den Stempel seiner wissenschaftlich bedeutungsvollen Persönlichkeit an sich trägt. In vier Bänden, in den Jahren 1898 bis 1907 erschienen (siehe meine Besprechung der zwei ersten Bände in der „Deutschen Literatnrzeitung", Jahrgang 1902, Sp. 21 32-34), hat die Uebersetzung, die außer dem Pentateuch, dem Buch Josua und den Psalmen einen erstmaligen Versuch von jüdischer Seite darstellt, für die Juden in Ungarn eine Bedeutung, die bei dem streng wissenschaftlichen Charakter der Arbeit (es hat früher keine ausschließlich aus dem hebräischen Original geflossene ungarische Bibelübersetzung gegeben), der Treffsicherheit im Ausdruck, dem tiefeindringenden Verständnis und der treuen, vielleicht allzutreuen Wiedergabe des Urtextes — im Hinblick auf den Gebrauch in Schule, Hans und Synagoge — kaum überschätzt werden kann. Zu alledem tritt noch hinzu die Lehrtätigkeit Bachers an der Rabbinerschule selbst, deren Leitung erst seit zwei Jahren, seit dem Rücktritt des nunmehr verewigten Moses Bloch, sich in den Händen Bachers befindet. Daß er hier unermüdlich und arbeitsfrvh, in liberalem Sinne, jedoch sich fernhaltend von allen Uebertreibungen einer destruktiven Kritik, lehrt und wirkt, wie in seinen literarischen Veröffentlichungen, versteht sich bei einem Charakter wie Bacher wohl von selbst. Auch die ruhige, in sich selbst gefestete Art seines Wesens, durch die er mehr nachhaltig als stürmisch für sich einnimmt, der vornehme Ton in Sprache und Ausdruck, dessen er sich selbst im hitzigsten literarischen Gefechte nicht entäußert, bleiben sich in Werken und im Leben Bachers gleich. Und endlich auch die ständige Hilfsbereitschaft, womit er Fachgenossen und Schülern zu dienen stets sich bereit finden läßt, die opferwillige Hingabe an die Interessen und Personen, die seiner Fürsorge anvertraut sind, bilden eine Ergänzung zu dein Charakterbilde Bachers, die man nicht missen möchte. So stellt sich uns die Persönlichkeit Bachers dar als von Natur reich mit Gaben ausgestattet, durch ununterbrochene Arbeit an sich selbst veredelt und zu höherem, in sich geeintem Leben emporgetragen, sich selbst treu und gleichbleibend in Lehre und Leben, ein allgemein geistiges, echt menschliches Interesse sich bewahrend für alle Erscheinungen in Natur und Wissenschaft; ein echter Lehrer, ein wahrhafter Mensch, ein rühmliches Vorbild für alle Strebenden. Kolozsvär (Ktausenburg). Dr. M. Eisler. S. Mgybaum. 3cf) bin geboren am 29. April 1844 in Miskolez (Ungarn). Von meiner frvminen Mutter frühzeitig für den theologischen Beruf bestimmt, besuchte ich damals die unter dem Bachschen System in Ungarn noch deutsche Schule der israelitischen Kultusgemeinde meiner Vaterstadt. Nebenbei erhielt ich, von meinem zehnten Jahre angefangen. Unterricht in Mischna und Talmud bei dem Rabbinatsassessor der Knltusgemeinde. Elf Jahre war ich alt, als ich zu beit talmudischen Vorträgen (Schüler) des Oberrabbincrs unserer Gemeinde Moses Fischmann zugelassen wurde, und ich war noch nicht dreizehnjährig, als ich nach Kecskemöt zu dem Sohne unseres'Oberrabbiners Herrn S. H. Fischmann, einem Jugendfreunde meiner Mutter, geschickt wurde, um bei ihm meine biblischen und talmudischen Studien fortzusetzen. Nach V/2 jährigem Aufenthalt in K. wurde ich von diesem meinen Lehrer entlassen, um die Nabbinerschule des Dr. Hildesheimer in Eisenstadt zu besuchen. Hier blieb ich 4'/.^ Jahre und wurde von Dr. H. im Lateinischen und Griechischen, in Geschichte und Literatur sowie Mathematik soweit vorbereitet, daß ich tu die Oberprima des evangelischen Gymnasiuuls zu Preßburg eintreten und daselbst nach zweijährigem Schulbesuch das Abiturientenexamen machen konnte. Hierauf bezog ich die Universität in Wien, wo ich drei Semester bei Robert Zimmcrmann, Barach-Rappaport, Bvnitz und Leo