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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-01-07 · Heft 1 (7.1.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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so rasch einer wunderbaren Mystik anheimfällt, ist Sache der Hamburger Bürger." Soweit das Organ Liebermann von Sonnenbergs.. Herrn Professor Wilms hat offenbar außer seinen inneren Gründen in den zehn Wochen auch die Einsicht geleitet, daß es heute nicht mehr zu den möglichen Dingen zählt,, auf antisemitischen Krücken in die gesetzgebende Körperschaft Hamburgs zu gelangen. Der Antisemitismus hat hier zu gründlich abgewirtschästet. V Chemnitz, 29. Dezember. Der „Israelitische Krankenpflege- Unterstützungs- und Bestattungs-Verein „E. V." (6bebrg. Xsäoseba) versendet folgenden Bericht über seine Tätigkeit im Jahre 1909. Unser Verein hat in diesem Jahre den beträchtlichen Zuwachs von 33 neuen Mitgliedern erfahren, dem ein durch Fortzug und Ableben verursachtes Ausscheiden von 5 Mitgliedern gegenübersteht. Die Zunahme der Mitgliederzahl beträgt demnach 28 und die Anzahl sämtlicher Mitglieder 273 — gegen 245 im Vorjahre. Dem Ziele, sämtliche Gemeindemitglieder für unsere Obebra Lsäoseba zu gewinnen, sind wir damit ein gut Teil nähergekommen. Nur unsere auswärts wohnhaften Gemeindemitglieder wollen sich unserem Verein, trotz mehrfacher Aufforderungen, nur schwer anschließen. Ein erheblicher Teil unserer diesjährigen Ausgaben ist im Interesse der Krankenpflege und der Versorgung Erkrankter mit Medikamenten usw., sowie für Kurkosten aufgewendet worden. Außer den jährlichen Beiträgen an die Grauen Schwestern und die Gemeindediakonissen haben wir wiederum an den Verein zur Bekämpfung der Schwindsucht einen Jahresbeitrag in gleicher Höhe wie im Vorjahre geleistet. Die Einnahmen sowohl, wie auch die Ausgaben unserer Kassen sind im abgelaufenen Geschäftsjahr ziemlich konstant mit den voraufgegangenen geblieben; nur in den einzelnen Positionen haben kleine Verschiebungen stattgesunden. Unterstützungen wurden gewährt an Hiesige 1173.25 Mark (gegen 1250.75 Mark im Jahre 1908). In dieser Summe sind auch die Beträge mit inbegriffen, welche für Mazzoth und Feuerungsmaterial an hiesige Bedürftige aufgewendet worden sind. An 437 durchreisende Israeliten, welche bei unserer Armenkasse vorgesprochen haben, wurden 882.25 Mark gezahlt gegen 817.10 Mark an 428 Durchreisende.im Jahre 1908. Einzelnen, in abgerissenem Zustande vorsprechenden Leuten konnten getragene Kleider und Schuhwerk verabfolgt werden. Auch an den Verein »Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl" in Weißensee bei Berlin ist der bisherige Jahresbeitrag wiederum . geleistet worden. Darlehne sind auch in diesem Jahre von uns nicht begehrt worden. Ueber eine recht erfreuliche Tatsache können wir von dem Gebiet unserer Tätigkeit berichten, welches zu den vornehmsten Aufgaben unseres Vereins gehört. Die Sterblichkeit in unserer Gemeinde weist ini verflossenen Berichtsjahre eine recht niedrige Ziffer auf. Insgesamt fanden 9 Beerdigungen auf unserem Friedhofe statt, gegen 13 in 1908. Davon waren 6 Erwachsene (5 Männer und eine Frau) und 3 Kinder; unter den Männern war ein Vereinsmitglied. Die rituelle Tahara fand meistens im Sterbehause, einigemal auch auf unserem Friedhofe statt, und einmal in Lichtenstein- Callnberg. Außerdem wurde die Tahara an einem hier verstorbenen Manne von auswärts, dessen Leiche nach Berlin überführt worden ist, verrichtet. Wir wiederholen bei dieser Gelegenheit unsere Bitte um regere Beteiligung der Frauen bei der Tahara bei weiblichen Verstorbenen. Die dem Verein erwachsenen Beerdigungskosten betrugen 258.18 Mark (gegen 383.29 Mark im Vorjahre). Das Vermögen des Vereins beträgt gegenwärtig 12 817.37 Mark gegen 11715.55 Mark am 2. Dezember 1908. V Frankfurt a. M., 29. Dezember. Der Verein „Weibliche Fürsorge" versendet nachstehenden Bericht für die Zeit vom 1. Oktober 1908 bis 30. September 1909: „Die Tätigkeit unseres Vereins ist in diesem Jahr in gleicher Weise fortgeführt worden, wie in den vorhergegangenen Jahren. Wir können konstatieren, daß sie auf einigen Gebieten einen größeren Umfang angenommen und sich sehr vertieft hat. Ueber unsere allgemeine Tätigkeit ist folgendes zu sagen: Während der längeren Abwesenheit unserer ersten Vorsitzenden hat Frau Fürth in dankenswerter Weise die Geschäfte der.Vereinsleitung übernommen.. In der Zusammensetzung des Vorstandes sind einige Veränderungen vorgegangen. Wir Haben den Verlust unserer Seniorin Frau Sidonie Dann zu beklagen. Sie hat sich von der Gründung unseres Vereins an mit nie ermüdendem Eifer an unserer Arbeit beteiligt als eine treue Mitarbeiterin, deren Andenken in uns unauslöschlich fortleben wird. Frau Fannch Blau, die mehrere Jahre an der Vereinstätigkeit teilgenommen hat, war aus Gesundheitsrücksichten gezwungen,, ihren Austritt aus dem Vorstand zu erklären. Es wurden Frau Lina Kan der und Frau Therese Freim ann in den Vorstand kooptiert. Frau Kander hat das Amt der ersten Kassiererin übernommen. Wir haben auch in diesem Jahr wieder mit verschiedenen hiesigen Vereinen in gewohnter Weise zusammengearbeitet. Die jüdische Haushaltungsschule beabsichtigt, Kochunterricht. für Schülerinnen der Volksschulen einzuführen nach dem Muster - der Volksschulküchen. Auf Ersuchen des Hilfsvereins haben wir in die Verwaltung Frau Emma Strauß und Frau Therese Reisenberg delegiert. Ueber die lokale Fürsorgetätigkeit, wie sie in Verbindung mit dem Almosenkasten der israelitischen Gemeinde und „dem israelitischen Hilfsverein ausgeführt wird, ist im wesentlichen dem Bericht des Vorjahres nicht viel Neues hinzuzufügen. Die Zahl der Fälle hat sich vermehrt. Einige davon haben recht viel schwierige Arbeit verursacht. Einige Kinder, die wegen schlimmer häuslicher Verhältniffe nicht im Elternhaus gelassen werden konnten, wurden anderweitig untergebracht. Mehrere Haushaltungen wurden wieder von unseren Damen genau kontrolliert, man könnte beinahe sagen — geführt. Der israelitische Hilfsverein hat uns in sehr entgegenkommender Weise an einem großen Teil seiner Arbeit teiln'ehmen lassen, und den Beratungen in seiner wöchentlichen Sitzung wohnt regelmäßig eine unserer Damen bei. Auch der Verein zur Bekleidung von Schul- und Lehrmädchen hat uns wieder seine Recherchen übertragen, und wir haben gern für Bedürftige die ihnen notwendige Gabe befürwortet, während wir es anderseits verhindert haben, daß der Verein ausgenutzt und mißbraucht wurde. Die Säuglingsfürsorge hat in bewährten Bahnen getreulich weiter gearbeitet. Unter Fürsorge standen 147 Säuglinge (1907 128). Die Säuglingsmil chküche hat an ihrem fundamentalen Grundsatz festgehalten, mit der ganzen Art ihrer Betriebsführung der natürlichen Ernährung nicht Abtrag, sondern nach Möglichkeit Vorschub zu leisten. Es waren 123 Kinder (1907: 108). Auch in diesem Jahre haben wir' Veranlassung, vielen, die uns in unserer mühevollen aber wichtigen Arbeit unterstützt haben, unseren herzlichsten Dank auszusprechen. In erster Linie unserem gastfreien Hauswirte, dem Verein für jüdische'Krankenpflegerinnen. Ferner der von Rothschildschen Säuglingsstiftung, dem Almosenkasten der israelitischen Gemeinde, dem israelitischen Hilfsverein, und mehreren privaten Wohltätern. Auch der eifrigen und hingebenden Tätigkeit der Leiterin unserer Milchküche, Schwester Anna Ettlinger, sei mit besonderer Anerkennung gedacht. — Ausführliche Mitteilungen über die Tätigkeit der Kinderschutzkommission, über den Stellennachweis für Mädchen und Frauen und die Arbeit des Vereins in.Galizien sind dem Jahresbericht als Anhang beigegeben. — Köln, 4. Januar. Nach einer durch die Zeitungen gehenden und auch von Telegraphenbureaus verbreiteten Mitteilung sollte .es dem Vertreter der AJKO, der Allgemeinen Jüdischen Kol onisationsgesell schaft, an deren Spitze bekanntlich Justizrat Horwitz-Berlin steht, und die es .sich zur Aufgabe gestellt hat, in größerem Maßstabe Juden der industriellen Kolonisation imottomanischen Reiche zuzusühren, gelungen sein, vom türkischen Minifterrat die Erlaubnis zur freien Einwanderung der Juden nach Mesopotamien und auch Palästina zu erlangen. Auf Grund von Erklärungen Hamada Paschas wird nun der „Welt" mitgeteilt, „daß bis jetzt von keiner jüdischen Seite ein offizielles Gesuch bezüglich solcher Kolonisationspläne, sei es für Mesopotamien oder für andere Teile des türkischen Reiches an die Regierung gelangt sei, und daß der Ministerrat sich bisher absolut nicht mit irgendeinem derartigen Projekt beschäftigt habe." — Die Ablenkung des Äuswandererstromes zu einem Teile nach Mesopotamien liegt allerdings im Plane der „AJKO". Das mag die hoffentlich nur verfrühten Gerüchte veranlaßt haben. Die „AJKO" wird aber nicht umhin können, sich nunmehr darüber selbst zu äußern. Da Hamada Pascha hinzusetzte: „Soweit sein Wissen reiche", ist es ja nicht ausgeschlossen, daß das Wissen der Telegraphenbureaus eben weiter reicht und an der Sache trotz dieses Dementis etwas Wahres ist.

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