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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-01-07 · Heft 1 (7.1.1910) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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an ihren abgenützten und fast vermoderten Heften klettenweis zu kleben. Es.ist also nichts ratsamer, als.nachzugeben und die Unterweisung, nach der Mode - einzukleiden. Dieses hat schon der kluge Seneka angeraten, und alle Verständigen sind seiner Meinung." - Von seiner witzigen Art gibt folgende . Stelle aus einem Programm von 1760 ein gutes Zeugnis: „Die Juden berichten, der Stamm Simeon habe die übrigen Stämme vorzugsweise mit Schullehrern versorgt, zugleich aber auch die meisten Bettler enthalten; soll dies wohl daher rühren, daß man schon in frühester Zeit die Schullehrer schlecht besoldet hat?" Goethes Unterricht im Hebräischen, wie er von diesem merkwürdigen Manne erteilt wurde, gehört in die Zeit vom September 1762 bis zum Oktober 1765. Benutzt wurde dazu, wie man aus dein Haushaltungs-Buche des Herrn Rat Goethe schließen darf, das große, sogenannte englische Bibelwerk, eine hebräische Grammatik von Danz und zwei hebräische Wörterbücher. Goethes Schilderung seines originellen Schulmeisters ist allbekannt. Sie soll hier weder wiederholt noch auszugsweise gegeben werden. Wurde Goethe auch kein Hebraist, und konnte er von dem Meister ein Eindringen in die poetische Bedeutung, der Bibel nicht lernen, wurde er bei seinen Fragen auch eher abgewiesen als wirklich belehrt, trieb auch den Knaben zumStudiunt der hebräischen Sprache mehr dieLust, das Jüdisch-Deutsche kennen zu lernen, als die, der Ursprache der Bibel mächtig zu werden, so wurde doch der Unterricht bei dem-wunderlichen Kauze höchst fruchtbar für des Dichters ganzes Leben. Er betrachtete seitdem die Bibel als das Buch der Bücher, bekannte später, daß er diesem seine ganze sittliche Bildung schuldig geworden sei und bezeugte seine Verehrung vor jenem Buche und die Nachwirkung seiner hebräischen Studien dadurch, daß er noch in seinem hohen Alter biblische Studien trieb, zu denen er sich bereits in seiner frühen Jugend hingezogen gefühlt hatte. Gerade deshalb, weil der große Dichter aus der Beschäftigung mit dem Hebräischen solch lebenspendende Wirkung zog, lohnt es sich, des Meisters zu gedenken, der ihm solche Kenntnisse vermittelte. Der Schüler blieb mit dem Lehrer auch später in Verbindung; als er in Leipzig studierte,. äußerte er seinen festen Vorsatz, dem alten Rektor zu schreiben. Dieser wurde jedoch 1766 seines Amtes enthoben, wobei es zu einem höchst unangenehmen Verfahren kam, und starb hochbetagt am 5. Mai 1770. Die Charakteristik, die E. Mentzel von dem merkwürdigen Manne gibt, mag hier folgen: „der Rektor war ein Original aus dem höheren Lehrerstande der rationalistischen Epoche, jedoch ohne die Engherzigkeit und Unfreiheit vieler seiner damaligen Berufsgenossen. Der Gelehrte Albrecht stand gleichfalls ganz auf dem Boden jener Zeit. Aeußert er wissenschaftliche Ansichten, dann zieht er, wie es damals Mode war, zu deren weiterer Begründung stets die Meinungen anderer heran. Als Theolog und Philolog entnahm Albrecht Belege und Beispiele zumeist der Bibel und den klassischen Schriftstellern. Von hoher Achtung für die wissenschaftliche Behandlung eines Gegenständes erfüllt, huldigt er auch insofern dem herrschenden Geschmack, daß er Begrissserklärun gen wichtiger, das Thema näher beleuchtender Worte gibt. So be- . ginnt er einmal eine Programmab- ^Handlung über einen ~ Ausspruch des Ezechiel mitausführlichenNachrichtenüber den Propheten selbst, woran er sogar noch eine Etymologie des Namens Ezechiel anschließt. Unter den Frankfurter Schulmännern in Goethes Frühzeit nahm Rektor Albrecht nicht nur den ersten Rang ein, nein, er.war auch sonst eine überragende Persönlichkeit und in vielen seiner ethischen und pädagogischen Ansichten der Zeit weit voraus. Er ist der einzige Lehrer Goethes, durch dessen von Rousseau beeinflußte Ansichten der Hauch einer neuen Epoche weht." Während der Rektor Albrecht eine allen Goethe-Freunden bekannte Persönlichkeit war, ist Herr Christamicus, der am ÄE ' •' K ¥5 iftr :: V 4* Ui» 'BMiM hirf/KW (w^. j {j?/-xy Goethes Aebungeir inr^Iuöenöelrtsch Aus seinen ^abores^juveniles^'

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