Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1909)
- Date
- 1909-12-10
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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bedingungsweise zustimmend erklärten. Nur 9 haben überhaupt geantwortet. Schließlich gelangte folgende, von Dr Nathan-Berlin und H irsch-Halberstadt beantragte Resol nt io n zur Annahme: „1. Es wird beschlossen, eine deutsche Gesamtorganisation zur Reform der Wanderarmenunterstützung zu bilden und zwar auf Grundlage der Referate der Herren Feilchenfeld-Köln und Liebenfeld-Bochum. 2. Es wird beschlossen, mit der Ausführung der obigen Resolution den „D. I. E. B." zu betrauen, der verpflichtet ist, alle weiteren Schritte zur Durchführung der Gesamtorganisation mit möglichster Beschleunigung herbeizuführen. 3. Neben der aus dem D. I. G. B. gebildeten Zentralkommission sollen Provinzialkommissionen zur lokalen Vorbereitung der Organisation und zur Heranziehung der einzelnen Gemeinden begründet werden. Die Provinzialkommissionen können auch lokale Submissionen zu demselben Zwecke schaffen. Die Ergebnisse ihrer Bemühungen sind binnen zwei Mosten der Zentralkommission mitzuteilen. 4. Es wird beschlossen, daß der Vorsitzende des „D. I. G. B." Herr Professor Philippson zur Durchführung der obigen Resolutionen alle jenen Persönlichkeiten hinzuzieht, die ihm hierfür zweckdienlich erscheinen. 5. Die obigen Beschlüsse werden nur zur Berichterstattung für ihre Auftraggeber, von jenen Anwesenden entgegengenommen» die nicht in der Lage sind, sogleich Stellung zu nehmen. Diese Vertreter werden ersucht, ihre Auftraggeber mit möglichster Beschleunigung zu einer Zustimmung respektive Stellungnahme zu obigen Resolutionen zu veranlassen." Mit den üblichen Dankesworten an die Versammlungsteilnehmer und den Leiter der Versammlung wurde die Sitzung mit dem Hinweis des Vorsitzenden, daßman einen großen Schrittvorwärtsgekommen sei, geschlossen. *** Berlin, 7. Dezember. Am 2. d. M. ist Frau Erna Pakscher geb. Silberstein im 74. Lebensjahre verschieden. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde widmet ihr folgenden Nachruf: „Die Verblichene hat viele Jahre hindurch in aufopfernder Treue ihre ganze Kraft den Wohlfahrtswerken der hiesigen jüdischen Gemeinde gewidmet, als Vorsitzende der Ehrendameu der III. Alterversorgungsanstalt wie als Ehrendame der II. Alterversorgungsanstalt, des Krankenhauses und des Hospitals. Die III. Alterversorgungsanstalt (an der Exerzierstraße) ist zum größten Teil aus den hochherzigen bedeutenden Zuwendungen der Heimgegangenen errichtet. Das Andenken der edlen Frau wird dauernd gesegnet sein." Die Beerdigung fand am 5. d. M. unter großer Beteiligung auf dem Friedhof Schönhauser Allee statt. Der Name Erna Pakscher wird innerhalb der Berliner jüdischen Gemeinde fortleben. *** Berlin, 5. Dezember. Kurz vor Jom Kippur veröffentlichte die „Staatsbürger-Zeitung" im Anschluß an das famose „Gutachten" zweier Theologieprofessoren der Czernowitzer Universität einen Schmähartikel über das Kol Nidre, welcher in der Bezichtigung gipfelte, daß das Judentum durch diese Formel den Meineid sanktioniere. Wie wir erfahren, hat der Staatsanwalt gegen den verantwortlichen Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung" wegen Beschimpfung der jüdischen Religion Anklage erhoben, die am 18. Januar 1910 zur Verhandlung gelangen wird. Berlin, 6.Dezember. Der Jüdische Jugendbund Berlin veranstaltet am Sonnabend, 18. Dezember d. I. zum Besten seines Baufonds für die Errichtung eines eigenen Heims in den Gesamträumen der Philharmonie ein Winterfest größeren Stils. Zu demselben haben namhafte Künstler ihre gütige Mitwirkung zugesagt, und zwar u. a.: Erna Denera, Walter Kirchhofs, Professor Becker, Fräulein Helene Ballot, Arnold Rieck, Fritz Richard und Frau Professor Becker-Samolewska. Die Ballmusik wird von der Kapelle Einödshofer ausgeführt werden. Karten ä 2 Mark sind im Kaufhaus des Westens, sowie in der Buchhandlung Louis Lamm, Neue Friedrichstraße 67, erhältlich. ns. Memel, 5. Dezember. Gestern beging Herr Sanitätsrat Dr. Julius Pindikowsky fein 25jähriges Jubiläum als Leiter und dirigierender Arzt des hiesigen jüdischen Krankenhauses. Das jüdische Krankenhaus zu Memel (s. Allgem. Zeitg. d. Judent. 1896, Nr. 51) ist von dem unvergeßlichen Rabbiner Dr. Rülf im Jahre 1871 errichtet worden, und dieses eminent segensreich wirkende Institut ist seitdann eine Heilstätte für mittellose Kranke aus dem nahegelegenen Rußland gewesen. Um das Gedeihen des Werkes machte sich zuerst der frühere Arzt des Hauses Dr. Fürst besonders wirksam. Seit dem 4. Dezember 1884 waltet nun der heute verdienstvolle Jubilar mit hin gebender Liberalität seines Ehrenamtes u n e nt g el t l i ch. Neben einer sehr ausgedehnten ärztlichen Praxis», hat der Jubilar opferwillig diesem Liebeswerk für seine elenden Glaubensgenossen sein bestes Können 25 Jahre lang ununterbrochen und unverdrossen gewidmet. Er hat dieses große Werk beständig erweitert, auf seine Initiative ist 1896 der erforderliche Neubau entstanden, und jetzt steht das Haus mit allen neuzeitlichen Hilfs- und Heilmitteln ausgerüstet da. In der Wohnung des Gefeierten erschienen gestern Deputationen der Synagogengemeinde und des Kuratoriums des jüdischen Krankenhauses unter Führung der Herren Kommerzienrat Alexander und Landgerichtsrat Wechselmann und überreichten wertvolle Ehrengeschenke der Kollegien. Herr Rabbiner Dr. Stein würdigte in glänzender Rede das Wirken des Jubilars, und die hiesigen Aerzte haben sich ebenfalls eingefunden, ihren verdienstvollen Kollegen und Vorsitzenden zu ehren. Auch die Spitzen der städtischen und staatlichen Behörden sandten innige Glückwünsche. Herr Sanitätsrat Dr. Pindikowsky ist seit vielen Jahren angesehenes Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und ebenso des Kreistages. Osterode i. Ostpr., 2. Dezember. Das allgemein geachtete Ehepaar Marcus und Henriette Löwenberg in Hohenstein i. Ostpr.» feierte am 28. v. M. in geistiger und körperlicher Frische, umgeben von Kindern nnd Enkekn, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Fest wurde in Lautenburg i. Westpr., in der Behausung der jüngsten Tochter des Jubelpaars, Frau Bertha, verehelichte Salomon, gefeiert. Herr Prediger Sturmann aus Osterode vollzog als alter Freund die Einsegnung. Derselbe hat auch alle Kinder des Jubelpaares getraut. Der Jubelbräutigam ist 82 und die Jubelbraut 76 Jahre alt. Möge ihnen ein gesunder Lebensabend beschieden sein. e. Wreschen, 30. November. Am 16 d. M. wurde hier Frau Bertha Jadesohn, geb. Lichtenstein zu Grabe getragen. Mit ihr ist eine edle Frau dahingegangen, deren Verlust für unsere Gemeinde eine große Lücke bedeutet. Seit 23 Jahren war sie ein eifriges Vorstandsmitglied unseres Frauenvereins und stets bemüht, Not zu lindern und Tränen zu trocknen. Obwohl selbst seit Jahren leidend war sie für das Vereinswesen unermüdlich tätig und rüstetete sich mit den anderen Vorstandsdamen, am 1. Januar n. I., das 25 jährige Stiftungsfest würdig zu begehen. Es sollte ihr dieses nicht vergönnt sein. Mit dem trauernden Gatten und den Kindern, denen sie ein echt jüdisches Haus bereitete, betrauern die Armen ihre Wohltäterin, bedauert die ganze Gemeinde den Verlust einer wahrhaft „Lsebss chajil“. Sie wird hier unvergessen sein! V Kattowitz, im November. Der Verb and der schlesischen Literaturvereine hielt seine diesjährige Delegiertenversammlung zu Oppeln ab. Vertreten waren die Vereine Beuthen (Rechtsanwalt Dr. Schmidt, Rektor Schürmattn), Großstrehlitz (F. Steiner), Kattowitz (vr. msä. Glogauer und Dr. Braunschweiger), Königshütte (Hamburger, Markiewitz), MysloWitz (RabbinerDr. Winter), Neiße (Rabbiner Ellguther), Oppeln (Rabbiner Dr. Goldmann und Sanitätsrat Dr. Schlesinger), Ratibor (Rabbiner Dr. Dienemann, A. Bieber selb) und viele Gäste. Der Verbandsvorsitzende Dr. Braunschweiger eröffnet die Sitzung mit Gedächtnisworten ' für den verstorbenen Dr. Gustav Karpeles und betont dessen große Verdienste um die Sache der Literaturvereine. Die' Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen. Der Vorsitzende begrüßt nunmehr die Delegierten und Gäste. Justizrat Dr. Cohn überbringt als Vertreter der Oppelner Gemeindekörperschaften Grüße und freundliche Wünsche für gedeihliches Arbeiten, ebenso Dr. Goldmann namens des Oppelner Literaturvereins. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Bericht ist folgendes hervorzuheben: Der Verband besteht gegenwärtig aus zwölf Vereinen mit insgesamt 849 Mitgliedern, die Zunahme betrug 85. Von den Vereinen wurden bei Einnahmen von insgesamt 4920 Mark 4050 Mark verausgabt. Vier Vereine erhielten Zuschüsse von ihren Synagogengemeinden. Sämtliche Vereine verfügen über Bibliotheken mit zusammen 3477 Bänden. Soweit die Vereine über gedruckte Kataloge verfügen, werden diese durch Vermittlung der