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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-10 · Heft 50 (10.12.1909) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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; „Was?" — sprang der Alte vor Zorn bebend auf — „dies ist daK Wunder?" „Komm her, Schenerke," — schrie er mit Donnerstimme zum Enkel herüber, dieser wich aber vor Schreck noch weiter zurück.. „Das Wunder war" — erklärte er in Heller Aufregung — „daß man die ungläubigen Griechen vertrieb, und nur ein Krügel koscheres Baumöl im Tempel zurückblieb." Ein starker Husten benahm ihm den Atem und er konnte nicht mehr sprechen, der Sohn eilte rasch auf ihn zu und führte ihn in die zweite Stube. Ich wollte das Zimmer verlassen, allein sie hielt mich zurück. „Sie sind gegen Assimilation?" sragte sie mich/ 3-: „Assimilierenantwortete ich ihr, „heißt verzehren, ausessen, verdauen; wir assimilieren Rindfleisch, Brot und dergleichen. Andere wollen uns assimilieren ... aufessen wie Rindfleisch und Brot." ' Sie schwieg einige Sekunden, dann fragt sie ganz erschrocken: „Wird es denn ewig Zank und Streit zwischen den Völkern geben?" „Nein, in einem Punkte müssen alle Völker übereinstimmen." „In welchem?" „In der Menschlichkeit! Wenn jedes Volk, wie recht und billig ist, handeln würde, dann würden auch alle übereinstimmen." Sie blieb nachdenklich; ich wollte weiter reden, als die Türe ungestüm ausgerissen wurde. „Mama kommt," stieb sie leise hervor und entfernte sich rasch; im Fortgehen reichte sie mir zum erstenmal die Hand. Tags darauf, als ich noch zu Bette war, erhielt ich durch Boten einen Brief. Das Kuvert war mit der Firma ihres Vaters. Das Herz klopfte mir zum Zerspringen... im Briefe lagen nur zehn Rubel für den Monat, der noch nicht mal beendigt war. Vorbei wars mit der Lektion! Mersrilche Oundlchsu. efchichte der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin. Eine Festschrift zur Feier des fünzigjährigen Bestehens der Anstalt am 8. November 1909 von Dr. M. Holzman, Direktor, Berlin. Herrmann. Eine gediegene, schön ausgestattete Festschrift mit Bilderndes alten und neuen Schulhauses geziert, in drei Abschnitten: die Seminarversuche, das Zunzsche Schullehrerseminar, die jüdische Lehrerbildungsanstalt, wird die Geschichte der verdienten Bildungsstätte erzählt. Mit gründlicher Benutzung des gedruckten Materials, mit einsichtiger Verwendung der Akten des Gemeindearchivs und des Provinzial schulkollegiums wird die Entstehung und allmähliche Entwicklung des blühenden und segensreich wirkenden Instituts dargestellt. Statuten, Schulplüne werden mitgeteilt, mit der Feier der Einweihung des neuen Schulhauses endet die schlichte, gerade durch ihre Einfachheit anregende und erquickliche Auseinandersetzung. Die letzten Worte lauten: „So möge der Anstalt denn zum Frommen des Vaterlandes und zum Heile der Glaubensgemeinschaft fort und fort beschieden sem, in ihren Zöglingen den idealen Sinn zu wecken und zu pflegen, auf daß diese fähig unb willenskräftig werden, mitzubauen an dem Malchuth schamajim, an bem Gottesreich auf Erden". Ein Wort über die Stiftungen, kurze Biographien der Leiter, der ehemaligen und gegenwärtigen Lehrer (im ganzen 34), ein Verzeichnis der Zöglinge. welche die Lehrerprüfung abgelegt haben (im gHMzen 333), stehen am Ende des Bandes. - - Geschichte der Badischen Juden seit der Regierung Karl Friedrichs 1738 bis 1909 von Adolf Lewin. Kommissionsverlag der G. Brüunschen Hofbuchhandlung in Karlsruhe. Eine derartig umfängliche Monographie aus der neueren Geschichte der Juden in Deutschland (mir hätte: Juden in Baden besser gefallen als: Badische Juden) ist wohl, noch niemals veröffentlicht worden. Das Buch umfaßt 508 Seiten. Die Ausstattung ist^geradezu vornehm, was man sonst leider von Monographien jüdischen Inhalts nicht immer sagen kann. Aber nicht nur Titel und Aussehen empfehlen das Buch, sondern gründliche Quellenforschung. ausgiebige Benutzung des handschriftlichen Materials, sorgfältige Heranziehung gedruckter Quellen. Die Zeit bis etwa 1865 tft* — das soll aber durchaus kein Tadel sein — mit größerer Ausführlichkeit geschildert als die neuere Zeit, aber auch dieser fehlt es nicht an eingehender Behandlung. Die Trennung von äußerer und innerer Entwicklung hätte vielleicht vermieden werden können. Leider fehlt ein Register, bei einem derartigen Werke ein fühlbarer Mangel. Der Verfasser sucht möglichst objektiv zu schildern, z. B. in dem Kapitel über Reform des Gottesdienstes und Einführung der Orgel. Auch bei der Darstellung der-politischen Kämpfe ist er bestrebt, sich jedes heftigen Ausdrucks zu enthalten. Hier soll keine Kritik versucht werden; auch ein Inhaltsverzeichnis zu geben, unterlasse ich; es ist nur Pflicht unseres Blattes, auf diese hervorragende Leistung, einer der bedeutendsten geschichtlichen Monographien, die wir befitzen, möglichst schnell hinzuweisen. Zur Vorgeschichte des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 aus den Akten der Shnagogengemeinde zu Königsberg i. Pr. von Hermann Bodenstein. (S. A. aus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums). Gerade jetzt, da ein neues Judengesetz im Kreise der großen jüdischen Vereinigungen beraten wird, ist diese inhaltreiche Arbeit, die die von jüdischer Seite gemachten Entwürfe zu dem nun sechzig Jahre bestehenden Gesetze enthält, von außerordentlichem Interesse. Dieses steigert sich, wenn man erfährt, daß mit diesen Entwürfen die ehrwürdigen Namen von Johann Jacobh und Moritz Veit verknüpft sind. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Studie zur Grundlage eines größeren Werkes diente, das die Geschichte dieses ganzes Gesetzes zur Darstellung brächte. Von der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums ist das September- und Oktoberheft des 53. Jahrganges erschienen, es enthält außer zahlreichen Fortsetzungen mehrere historische Arbeiten: L. Horwitz, Neue Beiträge zur Geschichte und Tätigkeit des Königlichen westfälischen Konsistoriums der Israeliten zu Kassel, 1807 bis 16; G. Caro, ein jüdischer Proselyt auf dem Thron von Byzanz. A. Ir ei mann, Vorarbeiten zur 6srmania juäaieu: der Artikel Regensburg; eine kleine höchst interessante Notiz, F. Liebermann, Elisabeths jüdischer Agent in Konstantinopel. Den Schluß macht eine bibliographische Uebersicht der Erscheinungen von 1908. Die Vorarbeiten der Hannoverschen Regierung zur Emanzipation der Juden im Königreich Hannover von M. Zuckermann, Hannover, Kommissionsverlag von M. Ey. Gründliche Arbeit über die Zeit von' 1815 — 1835, fleißig nach den Akten mit wörtlicher Mitteilung wichtiger Positionen und Entscheidungen. Von dem Lieserungswerke Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinde in den Posener Landen von P. Herzberg und A. Heppner ist Heft 15 S. 561 bis 600 erschienen. Die Abschnitte 48 bis 53 werden hier mitgeteilt, eine Zusammenstellung der Nachrichten über die Orte Krotoschin, Kruschwitz. Kurnik, Labischirr, Lissa. Es sind fleißige Notizen, nicht immer aus erster Hand, aber durch diese Verzettelung in lauter kleine Städte etwas ermüdend und wenig übersichtlich. Lebensbeschreibung eines polnischen Juden. I. Teil Kann ein Pole Antisemit sein? von Salomon I. Horowitz. Lemberg, Verlag des Verfassers. ' Keine eigentliche Biographie, sondern interessante Bemerkungen über öffentliche und jüdische Zustande, von einem Alten, der viel gesehen hat. Leider ziemlich undeutsch geschrieben und durch viele Druckfehler entstellt,

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