Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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bewilligt. — Auf Antrag des Herrn Alexander Levy wurde beschlossen, den Gemeindevorstand zu ersuchen, dem Kollegium den Bericht der gemischten Kommission zur Erbauung eines eigenen Gemeindehauses vorzulegen. Die Bewilligung von Zuwendungen für wohltätige Gemeinde-Institutionen wurde anstandslos genehmigt. Die Beiträge für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund wurden mit 300 Mark, für den Verband deutscher Juden mit 300 Mark und für das Bureau für Statistik der Juden mit 200 Mark bewilligt. Bei der Beratung der Einnahmepositionen vertrat Herr Münden den Standpunkt, daß eine Besserung der Gemeindefinanzen nur dann möglich sei, wenn ein besoldeter, technisch ausgebildeter Verwaltungsbeamter als Direktor an die Spitze der Gemeindeverwaltung gestellt werde, da es bei der heutigen Ausdehnung der Gemeinde nicht mehr möglich sei, die Vorstandsgeschäfte ehrenamtlich und im Nebenamte zu verwalten. Die Anregung fand allseitige Zustimmung, doch wurde zunächst von der Stellung bestimmter Anträge in dieser Angelegenheit Abstand genommen. Das Budget wurde hierauf mit den beschlossenen Aenderungen genehmigt. Gleichzeitig wurde der Gemeindevorstand ermächtigt, die Gemeindesteuer für das Jahr 1910 bis zu 1 Prozent des Einkommens der Steuerpflichtigen auszuschreiben. Iserlohn, 21. November. Gestern fand hier die Beerdigung des Vorfitzenden der Synagogengemeinde Herrn Louis Leseritz statt. Der Verblichene war einer der Männer, die leider in den jüdischen Gemeinden immer seltener werden. Aus einer altjüdischen Gelehrtenfamilie stammend, interessierte er sich lebhaft für alles, was mit Juden und Judentum zusammenhing. Ein glänzendes Zeugnis für oie Beliebtheit und für das edle Wirken des früh verstorbenen Mannes bildete die große Beteiligung an seiner Beerdigung. Am Grabe sprach der langjährige Freund des Hauses, Herr Prediger Dr. Salomon und schilderte den Lebensgang des Dahingeschiedenen in tief ergreifender Weise. Sodann nahm Seminardirektör Dr. Lazarus aus Cassel in herzlichen Worten Abschied als Nesse von dem Familienhaupt, das so früh der Familie entrissen wurde. Im Namen der Synagogengemeinde sprach dann noch Herr Becker und versicherte, daß die Verwaltung bei ihren Beschlüssen stets im Sinne des Verstorbenen handeln werde. Ehre feinem Andenken! A. K. Steele, 21. November. Eine seltene Feier beging ein Mitglied unserer Gemeinde am heutigen Tage: Sanitätsrat Dr. Strauß, eine in den Kreisen hiesiger Stadt geschätzte Persönlichkeit feierte sein goldenes Doktorjubiläum. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar große Ehrungen zuteil. Die Universität Greifswald erneuerte ihm sein Diplom, der Landrat des Kreises Hattingen, in dessen Bezirk Königsteele, der Wohnsitz des Gefeierten liegt, überreichte unter einer ehrenden Ansprache, in der er das gemeinnützige Wirken desselben hervorhob, dem Jubilar den roten Adlerorden 4. Klasse. Der Vorstand der Synagogengemeinde, deren Repräsentantenkoüegium Dr. Strauß angehört, überreichte ein Gruppenbild der Gemeindevertretung. Die Ortsgruppe des Flottenvereins ernannte ihn zum Ehrenwart, Großadmiral v. Köster sandte telegraphische Glückwünsche. Die Aerztevereine von Bochum und Effen waren durch Deputationen vertreten. Ebenso eine große Reihe von Abordnungen von Vereinen, die Orts- und Amtsvertretung unter Führung des Amtmanns Bock v. Wülfingen, und eine ungezählte Reihe von Freunden und Bekannten. Die Wohnung des Jubilars glich einem Blumengarten, in der der Jubilar an der Seite seiner Gattin in körperlicher und geistiger Frische all die Ovationen entgegennahm. Sanitätsrat Dr. Strauß ist ein von seinen Patienten sehr geschätzter Arzt. Er hat den Krieg von 18^0 als stellvertretender Bataillonsarzt im Landwehrbataillon des 7. westf. Jnf.-Regiments Nr. 56 mitgemacht. Seit dem Jahre 1860 praktiziert er in Steele und Königsteele. Lange Jahre gehörte er dem Gemeinderate an, und er wirkt auch jetzt noch als Schul-, Impf-, Polizei« und Armenarzt. 1903 wurde ihm der Titel Sanitätsrat verliehen. Möge dem Jubilar, dessen Leben eine Ehrung des Judentums bedeutet, in der bisherigen Weise noch ungezählte Jahre weiter wirken. 8. Kassel, 14. November. (Lehrerversammlung). Die 12-Jahres» Versammlung der Freien Vereinigung israelitischer Lehrer im Regierungsbezirk Kassel wurde am 18. d. M. hier im Hotel Meier abgehalten. An Stelle des verstorbenen langjährigen 1. Vorsitzenden Herren Amram - Borken wurde Herr Plaut - Grevenstein und zu dessen Stellvertreter Herr Neuhaus-Fritzlar gewählt. Nach einem Vortrag des Herrn Horwitz-Kassel wurde eine Resolution gefaßt, wonach die Freie Vereinigung die obligatorische Einführung des israelitischen Religionsunterrichts an höheren Schulen für dringend geboten erachtet. Hannover, 25. November. Bei der kürzlich erfolgten Wahl eines ersten Gemeindevorstehers an Stelle des Senators Fischer, der dieses Amt niedergelegt und trotz wiederholter Vorstellungen des Repräsentantenkollegiums die Wiederübernahme abgelehnt hatte, wurden etwa 300 Stimmen abgegeben. Im Vergleich zu den Wahlen der letzten Jahre bedeutet dies eine starke Beteiligung, da sonst durchschnittlich nur 60 bis 100 Mitglieder die Wahl ausübten. Von den abgegeben Stimmen entfielen zirka 200 Stimmen auf Senator Leopold Fi scher, 100 Stimmen auf Kommerzienrat Emil L. M eher. Letzterer hatte vor dem Wahltermin erklärt, eine auf ihn entfallende Wahl aus geschäftlichen und gesundheitlichen Rücksichten nicht annehmen zu können. Senator Fischer soll jedoch, soweit bekannt, da8 Amt nur unter bestimmten Bedingungen wieder annehmen wollen. Dr. H. Frankfurt a. M, 26. November. Das seltene Fest eines 60 jährigen Ehejubiläums feierte hier am Freitag den 19. November das Ehepaar Herr David Moos und Frau Henriette geb. Brunner. Herr Moos, der — im Alter von 94 Jahren stehend — noch ein fleißiger Besucher der Rothschildscken Bibliothek ist, und mit bewunderungswürdiger geistiger Frische an allen Ereignissen den lebendigsten Anteil nimmt, ist auch noch einer der treuesten Besucher der jüdischen Gottesdienste. Rabbiner Dr. Lazarus nahm daher am Sonntag den 20. November als Herr Moos mit seinen Kindern und Enkeln in der Synagoge erschien, Anlaß, in ergreifenden Worten das diamantene Jubiläum als einen Lichtstrahl besonderer Gnade zu preisen, der auf die Gemeinde Frankfurt gefallen sei. Die Jubelehe hat übrigens auch politische Bedeutung, da sie — am 19. November 1849 in Hohenems geschlossen — die erste war, welche nach dem neuen freien Verfassungsrecht Oesterreichs zustande kam. während vordem die Israeliten eine besondere Ehekonzession nachsuchen mußten. In der „Geschichte der Juden des Vorarlberg" ist daher dieser Ehe besondere Erwähnung getan und ein diesbezügliches Dekret abgedruckt, das nicht nur wegen der Diamanthochzeit ein hervorragend persönliches, sondern auch ein historisches Interesse für die Allgemeinheit hat. Wünschen wir dem Jubelpaare, daß es sich noch recht lange im ungetrübten Genuß dieser interessanten Ehebewilligung befinden möge. Gefterretch-Nnssrn. *** Wien, im November. Am 4. April d. I. durcheilte eine in allen intelligenten und hochsinnigen Kreisen mit tiefstem Bedauern aufgenommene Nachricht die Welt: Adolf Sonnenthal ist nicht mehr! Auf einer Gastspielreise erlitt er einen Schlaganfall, der seinen unmittelbar hierauf erfolgten Tod herbeiführte. Was Sonnenth ql der deutschen Kunst gewesen, was er geschaffen, die Ideen und Gedanken der Dichterfürsten zu vollendetesten Gestalten idealisierte — alles, alles ist nach seinem Hinscheiden gewürdigt, seine nie vergängliche Persönlichkeit gepriesen worden! Sonnenthal hat sich wohl selbst in den Herzen all' der vielen Tausende, ja Hunderttausende, die er im Laufe seiner Tätigkeit mit dem höchsten Enthusiasmus erfüllte, das schönste Denkmal gesetzt, ein Denkmal, schöner und erhabener als aus Erz und Stein! Wenn aber trotzdem der Gedanke festen Fuß faßt, dieser hervorragenden Koryphäe ein Monument zu errichten, das auch fernsten Geschlechtern das Bild dieses gottbegnadeten und menschenerfreuenden Künstlers vor Augen zu führen und die Erinnerung an ihn nie dem Gedächtnis entschwinden zu lassen, so muß dieser Gedanke wohl allseits mit Worten und Taten aufs herzlichste begrüßt werden; wenn nun die Idee zur Errichtung eines Monumentes aus einem Kreise dringt, der lediglich Sonnenthal als Künstler und Menschen anerkennt, so ist es noch bedeutend größere Pflicht aller Verehrer dieses Mannes, sich an der Sammlung zugunsten des Denkmals zu beteiligen, das am schönsten Platze Wiens, in nächster Nähe der Stätte der langjährigen Tätigkeit Sonnenthals, im Volksgarten, erstehen soll. Ihrer Durchlaucht Frau Pauline Fürstin von Metternich-SLndor, einer Dame, die im gesellschaft-